Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 35 (29.8.1907)
- Date
- 1907-08-29
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2449244-2449280--63752-2506314- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
'-*T? fY .'M-iyi"li^T*-: 29. Aug ist 1907. Der Israelit._ Einzelne die Thora und ihre Gebote zu erfüllen habe, so seien doch nach dem bekannten Grund- Nr. 35 Seite 7 50,000 frs., dem Bezirk Botosani 90,000 frs. außerdem hat die Allianz für vertriebene Familien vorläufig 10,000 frs. überwiesen. Schwel;. vis Krilnguno des Vereins?ur NrSsningöes gesebsstteuen Judentums in der Sdiroei?. (Bon unserem Korrespondenten.^ Basel, 27. Aug. Heute habe ich Ihnen ein hocherfreuliches Ereignis zu berichten. Auf eine Anregung von Herrn Rabbiner D r. A. Cohn in Basel versammelten sich am vergangenen Sonntag aus den verschiedensten Teilen der Schweiz Männer, denen die Erhaltung und Stärkung des gesetzestreuen Judentums am Herzen liegt. Mit Recht war in dem Einladungsschreiben darauf aufmerksam gemacht worden, daß bekanntlich auf Thauro, Awaudo und Gemillus Chassodim die Welt beruht, daß aber, während für Gemillus Chessed an allen Orten die Chewraus, für Awaudo durch Organisierung des Gottesdienstes die Gemeinden tätig sind, es für die Thauro, für das eigentliche jüdische Pflichtleben, an einer Zentrale, daß es in der Schweiz an einer Instanz fehlt, die für die jüdischen Institutionen eintritt. Für die Sabbath-Heiligung z. B. hat sich zwar bisher in anerkennenswerter Weise der S ch o m r e - T h o r a - B e r e i n in Basel bemüht; doch wie viel mehr ließe sich für die heilige Sache tun, wenn alle schlummernden und brach liegenden Kräfte geweckt und in den Dienst der Thora gestellt würden! %ic Hoffnung, die sich in diesem Zirkular kund gab, hat sich vollauf erfüllt. Die Werbekraft des Thorageiftes hat sich allem Materialismus unserer Zeit zum Trotz aufs neue glänzend bewährt und es hat sich in weiteren Kreisen eine Liebe für unsere heilige ruiOK und eine Begeisterung für unsere Heiligtümer kunogegeben, die uns mit einer mit Rührung gemischten Freude erfüllt. Beitrittserklärungen, besonders zahlreich aus der altehrwürdigen Gemeinde Endingen, der ältesten der Schweiz, und Sympathiebeweise waren schon vor Beginn der Versammlung aus den verschiedensten Teilen der Schweiz eingegangen. Der große Saal des Bethamidrasch in Basel konnte kaum die Zahl der Erschienenen fassen. Besonders zahlreich war die Vertretung der Religionsgesellschaft in Zürich, die zirka 20 Delegierte entsendet hatte. Aber auch die anderen Gemeinden der Schweiz waren würdig vertreten. Mit Applaus wurde ein älterer Herr begrüßt, der die weite Reise von Genf — Basel und Genf sind die beiden Pole der Schweiz — nicht gescheut hatte, um zum Gelingen des guten Werkes das seinige beizutragen. Die Versammlung, die trotz eifriger und stellenweise sehr lebhafter Diskussion einen durchaus würdigen und schönen Verlauf nahm, wurde von Herrn Rabbiner Dr. Cohn eröffnet und geleiter. Dieser verglich in kurzen Zügen die Stellung, welche die jüdische Religion ehedem eingenommen und die sie heute einnimmt. Man müsse sehr weit in der jüdischen Geschichte zurückgehen, um eine Analogie für die traurigen Zustände zu finden, wie sie heute im Judentum herrschen. Von der ägyptischen Finsternis sagt einer unserer Weisen, sie sei von oben, ein anderer, sie sei von unten gekommen. Auch heute haben wir eine doppelte Finsternis: einerseits eine falsche Aufklärung, die alle Religion als etwas Ueberlebtes und Veraltetes betrachtet, die irreführenden Hypothesen der modernen Wissenschaft, die Mensch und Tier auf eine Stufe stellen; das ist die Finsternis von oben; andrerseits der materielle Zug der Zeit, der die Menschen veranlaßt, den Blick nur auf die Erde zu richten und den Aufblick zu Gott zu vergessen, als ob Erwerben und Genießen das Leben eines edlen Menschen auszufüllen vermöchten; das ist die Finsternis von unten. Gegen diese Finsternis. sich zu wappnen und für das Licht unserer Thora zu wirken, sei die Aufgabe satze: nn nr D'a-iy Wro’ Vr alle Israeliten aufs ' innigste miteinander verbunden und bei vielen I Dingen eine gedeihliche Wirksamkeit nur durch den Zusammenschluß aller für das gleiche Ideal begeisterten Juden möglich. Die sich an diese Rede anschließende Generaldiskufsion und die Einzeldebatte über die Staturen, die im Entwurf Vorlagen, wurden eifrig benützt und schlossen nach vierstündiger Dauer der Annahme der abgeänderten Statuten. An der Diskussion beteiligten sich unter anderen die Herren Rabbiner Ko rn fein-Zürich, Rabbiner Kraus-Baden, Dr. A s ch e r - Neuchatcl, Lehrer Schachnowitz - Endingen, Lehrer Müller- Winterthur, die Herren E i ß, M a n - nes, Dr. Ringwald, Rosen zweig, S. T e p l i tz aus Zürich, Michel B o l l a g aus Baden, H. Braun aus Luzern, cand. phil. Jakob I. Braun, D r. Hausmann, M. Schwarz, L. Wertheimer aus Basel. Wir erwähnen aus den Statuten, daß der Verein sich die Aufgabe stellt, die Thora und alle jüdischen Einrichtungen in der Schweiz zu fördern, insbesondere ein Stellenvermittelungs- Bureau zum Schutz der Sabbathheiligung zu unterhalten, rituelle Speisehäuser und rituelle mKTpo dort, wo sie fehlen, einzurichten usw. In jedem Jahr soll im Monat Elul ein Vereinstag stat!finden, der zur gegenseitigen Aussprache der gesetzestreuen Juden der Schweiz dienen soll. Tie Verwaltung liegt in den Händen einer Kommission von 20 Mitgliedern, von denen 5 in Basel, 5 in Zürich, 2 in Luzern, 2 in Baden und 6 in der übrigen Schweiz wohnen müssen. In allen rituellen Fragen ist eine Entscheidung der Ritualkommission einzuholen, die aus den in der Schweiz wohnenden, in den Ritualfragen bewanderten und auf dem Boden des Schulchan Aruch stehenden Männern sich zusammensetzt. Zum Präsidenten wurde gewählt: Herr Rabbiner Dr. Cohn-Basel, zum Vizepräsidenten Herr Abraham Erlanger-Luzern, zum Kassierer Herr HermannWeil- Zürich und zum Sekretär Herr Charles N o r d m a n n - Basel. Möge der Verein, dessen Gründung gewiß überall in den Kreisen des gesetzestreuen Judentums freudigen Beifall finden wird, eine gesegnete Tätigkeit entfalten! R«Mand-. Petersburg, 23. Aug. Aus Kischinew wird über eine am 18. August im Flecken Tomaschpol (Gouvetnement Podolien) veranstaltete Judenhetze berichtet. Am Sonntag brach zwischen einem jüdischen Ladenbesitzer und Bauern, welche ihm ein Stück Zeug gestohlen hatten, ein Streit aus, der in eine Prügelei überging. Es sammelte sich bald eine Menge Betrunkener an, die plötzlich das Geschrei erhoben : „Haut die Juden!" Darauf erfolgte in erster Reihe eine völlige Verwüstung der jüdischen Läden. Eine gesonderte Gruppe beschäftigte sich mit dem Verprügeln der Juden. Sehr verspätet traf ein Landpolizist mit mehreren Reitern ein, die von der plündernden Menge mit einem Steinhagel empfangen wurden, worauf sie Fener gaben. Zwei der Plünderer und ein jüdischer Knabe wurden getötet. Nach der Salve flohen die plündernden Bauern, wobei sie einen großen Teil des Eigentums der von ihnen ausgeraubten Juden auf Wagen mit sich führten. Jetzt wird Tomaschpol von 18 Polizisten und mehreren Reiterpatrouillen bewacht. Petersburg, 24. August. Wie eine bisher noch nicht bestätigte Meldung besagt, hat der Senat am 11. d. Ms. entschieden, daß alle zionistischen Vereine und Gesellschaften verboten sind und geschlossen werden müssen. Rrrrrranieri. Sinaja, 21. August. In Sinaja erschien bis vor Kurzem ein in riWän sicher Sprache redigiertes Wochenblatt für jüdische Interessen unter dem Titel „Presse Jsraelite". Wie nun von dort gemeldet wird, wurden der Herausgeber, der Redakteur und ein Mitarbeiter dieses Blattes aus Rumänien ausaewiesen, angeblich wegen Aufwiegelung, tatsächlich aber, weil sie in ihrem Blatte recht eindringlich eine Verbesserung der Lage der Glaubensgenossen in Rumänien forderten Ameviker. New York, 16. August. Eine bemerkenswerte E nt sch e i düng ist vergangene Woche vor dem hiesigen City-Gericht ergangen. Es handelt sich um das Gesuch eines Rechtsstudenten Herkowitz, der die Umänderung dieses seines Namens, der ihn bei seinen Bekannten lächerlich mache, in Harrison begehrte. Richter Green, der Jude ist, lehnte das Gesuch ab und begründete diesen Beschluß folgendermaßen: Der Gesuchsteller ist offenbar Jude, besitzt aber anscheinend nicht den Mut, das in seinem Gesuch zu sagen. Das Gesetz schreibt die Prüfung der in der Petition angeführten Begründung vor, und ich bin gezwungen zu sagen, daß dieselbe nicht der Wahrheit entspricht. Ich glaube nicht, daß der Gesuchsteller von seinen Freunden und Bekannten wegen seines Namens lächerlich gemacht worden ist, glaube auch nicht, daß ihm irgendwelche materielle oder gesellschaftliche Nachteile durch seinen Namen entstanden sind. Der Gesuchsteller gehört dem Glauben an, der Jahrhunderte hindurch Verfolgungen erlitten hat; aber heute, im erleuchteten 20. Jahrhundert, ist keiner in diesem Lande würdig Mensch genannt zu werden, der einen anderen wegen seines Namens verfolgen oder gesellschaftlich zurücksetzen würde. Solche Personen giebt es, aber ein Ehrenhafter verkehrt nicht mit ihnen. P h i l a d e l p h i a, 20. August. In verschiedenen amerikanischen Städten, darunter auch Newyork, sind in der letzten Zeit durch die sehr hohen Fleischpreise Unruhen verursacht worden. Besonders in Philadelphia ist es zu bedenklichen Vorgängen gekommen. Die Koscherfleischverkäufer traten, um die Schlächter zu einer terabsetzung der Preise zu zwingen, in den treik ein und schloffen ihre Läden. Es gab inzwischen wiederholt im jüdischen Viertel Ansammlungen von Volksmaffen und es kam dabei zu Ausschreitungen, an denen sich auch zahlreiche Frauen beteiligten. Man würde aber irren, wenn man glaubte, daß diese überaus unliebsamen Vorkommnisse in der Masse der jüdischen Be-, völkerung selbst ihren Ausgang nähmen. Die Urheber sind vielmehr sozialistische Elemente, die zwar von Geburt Juden sind, jedoch zu der jüdischen Religion in keinerlei Beziehung mehr stehen. Daß lediglich diesen Kreisen die Schuld an den Unruhen zuzuschreiben ist, das hat der weitere Verlauf der Dinge klar erwiesen. Rabbiner Levinthal machte alle Anstrengungen, die Mißleiteten zu beruhigen und die Beilegung des Fleischerstreiks zu veranlassen. Es gelang ihm dies schließlich auch und es trat wieder Ruhe in der Bevölkerung ein. Nun aber erhoben einige sozialistische Blätter gegen den ehrwürdigen Mann die verleumderische Beschuldigung, er sei von den Schlächtern bestochen und dadurch zu seinem vermittelnden Eingreifen bewogen worden. Sämtliche orthodoxen Gemeinden der Stadt beriefen darauf eine Massenversammlung, um gegen die Beleidigung ihres Rabbiners zu protestieren und die Verleumdung zurückzuweisen. Der Zudrang zu der Versammlung war so groß, daß Tausende keinen Zutritt mehr fanden. Sogleich nach der Eröffnung der Versammlung begannen die Gegner mit lärmenden Störungen. Als dann der erste Redner erklärte, daß die Sozialisten den Streik angezettelt hätten, und die Angriffe auf Rabbiner Levinthal brandmarkte, verursachten die Störenfriede einen unbeschreiblichen Tumult, sodaß die Polizei eingreifen und die Versammlung auflösen mußte. Eine Stunde später wurde dieselbe dann wiedereröffnet und beschlossen, gegen die Blätter, die Rabbiner Levinthal beleidigt hatten, Klage zu erheben, py*y .rt lA- ^" TüritTii’f,Ku'* |~ü)in tn'