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Der Israelit · 1907-08-29 · Heft 35 (29.8.1907) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 35 (29.8.1907)
Date
1907-08-29
Page
– (sequence 6)
Language
German
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käNneri, rtßeir ein Weiser ist mehr als ein Prophet, er' sicht das alles mit größerer Klarheit, ohne es an sich zu erleben, als unser einer, der eine solche kritische Lage einmal durchgemacht hat. Und dann, können Sie diese Häufung von Worten die scheinbar einen und denselben Gedanken ausdrücken, besser und rationeller erklären, als es auf diese Weise geschieht? Aber es bedarf dessen alles nicht. Ich halte es selbst für nicht wahrscheinlich, daß dies der eigentlich beabsichtigte Sinn dieser Worte von Haus aus ist. Aber daß sie selbst unbewußt und unbeabsichtigt das rechte Wort für jede Lage des Lebens fanden und daß wir nur in dieses ihr hinterlassenes Wort uns zu vertiefen brauchen, um dasjenige in ihm zu finden, was jede Seite unseres inneren Seelenlebens erklingen läßt, das wäre, wenn ich dessen bedürfte, mir ein Beweis für die Ausstrahlungen des heiligen Gottesgeisles, mit dem die Autoren unseres Machsor diese ihre eigenartige Schöpfung ausgestattet haben." Unter diesem Gesichtswinkel sind die Gedanken und Erwägungen, die sich an jedes Wort der uns vorliegenden Sätze knüpfen, so unerschöpflich mannigfaltig wie die zahllosen Herzen, aus welchen sie sich über die bebenden Lippen ringen. Aber von diesem Individuellen, Persönlichen abgesehen, kann, was die eigentliche, Nächstliegende Bedeutung der Worte betrifft, funa’ HDD nicht den Sinn haben: wie viel im Tode dahin gehen und wie viele geboren werden sollen. Abgesehen davon, daß die Reihenfolge dann umgekehrt sein müßte, wäre es dann auch dasselbe, was rna' Di rprr» D besagt. Es bedeutet vielmehr, wie viele dahin gehen, b e v o r sie überhaupt geboren werden, und wie viele in die Schöpfung durch die Geburt in die Zeitlichkeit zum Leben eintreten. Dieses Leben ist mit dem einzigen rPiT D erschöpt, dxm die mannigfaltigen Möglichkeiten gegenüberstehen, unter welchen sich das niD' D vollzieht. Dabei sind sie nicht einmal erschöpfend. Ein Blick in das Leben, auf seine Unglücksfälle und Verbrechen, auf seine großen Kriege, auf seine sozialen Kämpfe, auf das Heer neuer Krankheiten, und aus die vielen anderen Schattenseiten des . modernen Ringens und Strebens, zeigen, welche unheimliche Macht alle die hier verzeichneten, dem Leben feindlichen Einflüsse im Laufe der Zeit angenommen. Wer vermöchte in unserer rastlos hastenden Zeit, die zur Gewinnung des Lebens und seiner Mittel die vorwärts Strebenden den großen Teil des Jahres zu einem unsteten Reiseleben verurteilt, das in Worte zu fassen, was ein so durch das Leben Gejagter, am Rosch- Haschono zum Himmel auffeufzt, wenn ihm die Worte yii' Di mr D über die Lippen gehen! Und das sind noch die Glücklichen! Aber die Geächteten, von Lieblosigkeit und Gehässigkeit von ihrem heimischen Boden Vertriebenen, die Morgens nicht wissen, wo sie Abends ihr müdes Haupt und ihren siechen Körper betten sollen, die selbst, wenn sie einen augenblicklichen Ruheort gefunden, zu fürchten haben, daß man sie durch Verfolgung, Ausweisung und Herzlosigkeit jeder Art wieder so erbarmungslos auffcheucht, daß selbst ihre Ruhe den Charakter unsteter Flucht hat, daß für sie NU' D und ytt' 'O fast identisch sind, wer möchte die Seufzer und Tränen zählen und verdolmetschen, die diesen Enterbten ihr Martyrium entlockt, wenn sie es in der Lapidarsprache des f]pin N2N21 in dem 'D yu' wieder finden! (Schluß folgt.) nggn Der Artikel „Ein Bri es an die Gesetzestreuen Badens" wird in der nächsten Nummer fortgesetzt werden. orrespondenzen und M^achrichten. Deutsches Reich. Berlin, 25. August. Wie werden ersucht, nachstehenden Aufruf zur Gründung eines Verbandes gesetzestreuer Jugendvereine zu veröffentlichen: In unserer auf technischem Gebiete so fortgeschrittenen Zeit, wo durch moderne Berkehrseinrichtungen die entlegensten Städte miteinander verbunden und Fernwohnende einander nähergebracht werden, macht sich auf allen Gebieten das Bestreben bemerkbar, über die so räumlich Nähergerücktrn auch geistige Bande zu schließen, um mit vereinten Kräften den gemeinsamen Zielen zuzustreben. So fiitb in den letzten Dezennien große Verbände im Judentum für allgemeine jüdische Interessen entstanden und zu großen Machtfaktoren geworden. Mer auch in gesetzestreuen Kreisen hat sich — erfreulicherweise — die Erkenntnis immer mehr Bahn gebrochen, daß wir unsere, meist gesondert wirkenden, Kräfte durch engen und festen Zusammenschluß einen und stärken müssen. In dieser Erkenntnis haben sich vor noch nicht langer Zeit die „Freie Vereinigung", der „Verband der Sabbathfreunde", der „Bund jüdischer Akademiker" u. a. gebildet. Besonders die Erfolge des Verbandes der akademischen Jugend hat auch bei vielen gesetzestreuen jungen Kaufleuten den Wunsch immer lauter werden lassen, durch Zusammenschluß aller gesetzestreuen Jugcndvereine — gleichviel, welchen Namen sie tragen, wie: Mekor Chajim, Leschaun Limudim, Montefiore usw. — eine wirksame Organisation zu schaffen. Was bezwecken nun unsere Jugendvereine und welche Ziele soll im besonderen eine Bereinigung dieser Vereine zu erstreben suchen? Wir alle wissen es, daß unsere Jugend, wenn sie — unerfahren — ins Leben hinaustritt, sich nur allzuleicht vom Zeitstrome f artreißen und sich bei dem heute immer schärfer werdenden Wirtschaftskampse einzig und allein von materiellen Vorteilen leiten läßt. Wie oft sind es nicht Söhne frommer Eltern, die, nachdem sie kaum das Elternhaus verlassen, draußen in der Fremde die überlieferten Ideale über Bord werfen und unser heiliges Religionsgesetz wie einen lästigen Mantel von sich schütteln! Um den jüdischen Jüngling, der zumeist in fremden, andersdenkenden Kreisen lebt, der tagsüber durch das Streben nach materiellen Gütern voll und ganz in Anspruch genommen und oftmals durch falsche Freunde auf falsche Bahnen geführt wird, wieder zum wahren, echtjüdisch denkenden unb lebenden Juden zu machen, haben sich allerorts Jugendvereine gegründet, die sich bestreben, unsere Jugend zusammenzuschließen, damit sie ihre Mußestunden im Kreise von Gleichgesinnten mit jüdischer Geselligkeit verbringt, damit in ihr jüdische Lebensideale geweckt und sie vor allem durch Lernabende und Vorträge mit jüdischen Geistesschätzen ausgestattet wird, denn nur im Thoralernen wurzelt die Gewähr für die treue Erfüllung unserer Gottesgebote. Wir müssen unsere Jugend mit dem Gedankeninhalt unserer göttlichen Lehre durchdringen und ihr eine gefestigte Lebensanschauung geben. Hat der jüdische Jüngling erst jüdisch zu denken und fühlen begonnen, dann wird er draußen auf den Kampfplatz des Lebens durch reiches Wissen gestärkt als treuer Sohn unseres Volkes wirken. Ein Verband aller dieser Vereine will nun bezwecken, denselben die ihnen gebührende Stellung zu verschaffen. Vielfach — besonders in Großstädten — sind diese Lernvercine recht wenig bekannt und finden nicht genügende Beachtung. In kleineren Städten sind oft selbst orthodoxe Kreise gegen Gründung solcher Vereine, da diese ihnen keine Lebensdauer zu weissagen vermögen. Bei einem großen Verbände wirkt schon das Bewußtsein, daß gleiche Vereine an anderen Orten mit ihm Hand in Hand gehen, auf jeden Verein anregend und ermutigend. Unsere Aufgabe wäre es, unsere Lehrpläne, Jahresberichte rc., vor allem aber unsere Erfahrungen ständig gegenseitig auszutauschen, wodurch wir stets wieder neue Anregungen empfangen würden. Der Verband müßte besonders das Interesse und die Mitwirkung der geistigen Führer und jüdischen Gemeindekreise zu gewinnen suchen, damit diese darauf hinwirken, daß vor allem die schulentlassene Jugend, sowie sämtliche religiöse junge Leute sich unseren Bestrebungen anschließen. In Städten, wo das Bedürfnis nach Lernvereinen vorhanden ist und nur die geeignete Initiative Hierleute oft von einer Stadt zur attderen führt, müßte der Verband dafür Sorge tragen, daß wir überall in den befreundeten Vereinen warme Aufnahme finden und uns in den neuen Kreisen bald heimisch fühlen. Es eröffnet sich für einen Verband ein weites Feld der Betätigung, wovon wir hier nur einige Andeutungen geben wollten. Es wird uns mit Gottes Hülfe durch vereinte* Kraft gelingen, die Beachtung und die Mithülfe aller orthodoxen Kreise erringe», ist es doch von größtem Werte, wenn wir es erreichen, unsere Jugend, die ja.die Zukunft unseres Volkes darstellt, in immer weiterem Maße zu treuen Erben unserer heiligen Ueberlieferung zu machen. Ein jeder von uns wird dann wetteifern, auch nach Innen hin seinen Verein auszubauen, damit der Gesamtkörper eine Lebenskraft erhält, die ihn befähigt, mutig und siegesgewiß auf dem Wege fortzuschreiten: Alle Vereine, die obige Ziele verfolgen, bitten wir höflichst, ihre Druckschriften (wie: Statuten, Lehrpläne, Bibliothekskataloge, Jahresberichte u. s. w.) an Herrn Edmund Lewy, Berlin X. Auguststr.84 einzusenden und möglichst eingehend nähere Vorschläge zu machen, in welcher Weise der Verband zu wirken hätte. Edmund Lewy, Vorsitzender des Montefiore Vereins Berlin. Jstdor Isaak, Vorsitzender d. Mekor Chajim Vereins Hamburg. Markus Hirsch, Vorsitz, d. Mekor Chajim Vereins Franks, a. M. Herma«« Goldschmidt, Vorsitzender des Tiphereth Bachurim Vereins Frankfurt a. M. Gabriel Rathanse», Vors. d. Mekor Chajim Vereins Leipzig. Elias Rzeszewski, Vors. d. Leschaun Limmudim Vereins Posen. Benjamin Wolfs, Vors. d. Vereins Chewras Bachurim Nürnberg Wir begrüßen den Zusammenschluß der gesetzestreuen Jugendvereine aufs freudigste und wünschen dem zu gründenden Bunde besten Erfolg. Straßburg i. E. In der hiesigen Jsr. Wochenschrift wird geschrieben: „Bon einer zuverlässigen Persönlichkeit erfahre ich, daß demnächst eine vollständige Neuregelungunserer Kultusorganisation vorgenommen werden soll. Namentlich sollen genaue Bestimmungen getroffen werden über das Verhältnis der Konsistorien zu den Rabbinern, Lehrern, Kantoren und den Gemeinden. Es wäre in höchstem Grade wünschenswert, daß die Konsistorien zu diesem Zwecke auch die Meinung der hervorragenften Gemeindevorsteher, Rabbiner, Lehrer und Kantoren befragten, damit ein wirklich brauchbares und nützliches Werk geschaffen werde. Auch sollte, wie das s. Z. in Altdeutschland geschah, der Entwurf der Oeffentlichkeit unterbreitet werden." Nürnberg, 26. Aug. Die mittelsränkische Handelskammer veranstaltet eine Rundfrage über die Behandlung jüdischer Reisender in Rußland, um gegebenenfalls aus die Beseitigung von Mißständen hinzuwirken. Oesterreich. Wien, 21. August. Der Sekretär der „Israelitischen Allenz zu Wien", Herr Dr. Armand Kaminka, ist soeben von einer Reise durch Rumänien zurückgekehrt, wo er namens der europäischen Hilfsorganisationen im Einvernehmen mit dem Zentral-Komite in Jassy und den Lokal-Komitäs die Aktion für die Opfer der Exzesse zum Absckluß zu bringen hatte. Nach der Schilderung des Herrn Dr. Kaminka ist die Situation eine für die rumänischen Juden trostlose und von Tag zu Tag sich verschlimmernde, so daß das Hilfswerk nicht zum Abschluß gelangen kann. Die rumänische Regierung führt einen Vernichtungskrieg gerade gegen die ärmsten, ohnehin mit der bittersten Not kämpfenden Juden und das System fortwährender Ausweisungen aus Dörfern und der Erwerbsentziehungen bedeutet faktisch ein stilles, unblutiges Massacre, das von den rumänischen Behörden in Verhöhmung des Berliner Vertrages an den Juden verübt wird. Als einzige Hilfe für einen großen Teil der Juden der nördlichen Moldau betrachtet Herr Dr. Kaminka die Auswanderung. — In der letzten Sitzung der Zentrale in Jassy mußten leider die Unterstützungen, die ohnehin nur wie ein Tropfen auf dem heißen Stein sind, gekürzt werden, da von England der in der Wiener Konferenz präliminirte Beitrag nicht eingegangen, und der rumänische Fond erschöpft ist. Dem Bezirk Jaffy hat die Wiener Allianz ferner

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