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Der Israelit · 1907-08-29 · Heft 35 (29.8.1907) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 35 (29.8.1907)
Date
1907-08-29
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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«Me 4. «r. S5 Der Israelit. 89. August 1907 Thora voran. Hört ihr's, ihr Leichtfertigen, die ihr am n"-> und 2"' mit eurem „Synagogenbesuch" gut zu machen glaubt den wöchentlichen Frevel am wöchentlichen Ruhetag!? Hört ihr's, wer den N2V nicht hält, rüttelt an den Grundvesten unseres Glaubens! Da hilft kein Deuteln und kein Beschwichtigen. Mit seinem „Kiddusch" legt der Jude jeden Freitag Abend den schärfsten Protest ein gegen jede Trübung und Fälschung unseres heiligen Erbeser läßt sich nicht beirren. Erst der Sabbath verklärt jede Freude. Erst sein Licht bringt Glück und Frieden. Erst sein Genuß weiht jede Errungenschaft der Werktage zu einer wahren Gottesspende. Das sind die Kerngedanken des Kiddusch-Aktes.- Doch der schöne Tag nimmt einEnde! Sollte er klang-und sanglos scheiden? Einem lieben Gast bereitet man eine Hübsche Abschiedsfeier! Ihr Grundton wird die Wehmut sein. Doch auch die Hoffnung soll zu ihrem Rechte kommen. Es wäre Verkennung der Menschennatur, wollte man beide Seiten des Seelenlebens nicht berücksichtigen. Und so wurde die Institution der Hawdoloh geschaffen, mit der man offiziell und feierlich den Ruhetag verabschiedet. Selbst ein kleines Mahl soll nicht fehlen. Es heißt das „mel&weh malkoh“ sein, der Sabbathkönigin das Geleite geben. Man sieht, die Weisen wußten zu personifizieren und menschlich schön zum Herzen des Volkes zu reden. Wiederum ergreifende Symbole! Ein Becher Wein, eine kleine Fackel und Gewürze. Mit dem Ausgang des Schabbos beginnt der Sonntagihn deutet die Fackel an. Der jüdische Tag wird aus Nacht geboren, er ist in aufsteigender Linie gedacht. Und Sonntag ist der Geburtstag des Lichts, der ersten und schönsten Himmelsgabe. Tiefe Wehmut erfaßt das jüdische Herz beim Sabbathausgang. Die Sabbathseele entschwindet, wir fühlen menschliche Schwäche. Und als wollten wir uns kräftigen, als wollten wir den Duft, der sich über die ganze Tagesfeier breitete, bannen, um ihn mit hinüberzunehmen in die frische Woche, so atmen wir die würzigen Gerüche aus der zierlichen „Besomimbüchse" ein. Bildet der Schabbos doch die goldne Achse, um die sich die sechs Arbeitstage drehen. Sie alle empfangen ihre Weihe von i h m. Und so lehrt es der Hausvater seine Lieben durch Hawdoloh, daß Gott eine Scheidelinie zog zwischen Heiligem und Gemeinem, zwischenLicht und Finsternis, zwischen Israel und den Weltenvölkern, zwischen Sabbath und Werktag. Die Kerze erlischt, der Ruhetag ist dahin! Hawdoloh ist mehr, als der schlichte Wortsinn dem oberflächlichen Leser und Hörer verrät. Es ist ein Program für die kommende Woche, ja fürs ganze Leben! Es gibt einen Unterschied zwischen Israel und der übrigen Welt, es existiert unleugbar eine Scheidelinie wie zwischen Licht und Finsternis. O, man wollte in den Zeiten der Milde und Freiheit ganz und gar diese Wahrheit ignorieren. Den Ruf „Freiheit und Gleichheit" erklärte man auch in unserm Kreise als ohne jegliche Einschränkung giltig. Die Nivellierungssucht arbeitete mit Hochdruck. Doch siehe, die Ernüchterung kam! Seit mehr als 25 Jahren erinnert man uns wieder an die Hawdoloh. Dem treugebliebenen Sabbathjuden ist dies zwar nichts Neues. Ihn lehrte schon der Vater den Unterschied „ben jisroel loamim“. Wenn man den Knaben auf der Schulbank hänselte, wenn man den Erwachsenen wegen seines Judentums zurücksetzte oder mißachtete, so lautete die stereotype, aber vtelsagende Antwort: „Dafür sind wir im Golus!" Es ist politisch klug für den Juden, sich Reserve aufzuerlegen, selbst im Streben nach Recht und Freiheit. Das ist durchaus nicht feiger Servilismus, es ist Realpolitik! Gerade diejenigen, die am meisten die Hawdoloh verleugneten, rufen jetzt am lautesten danach. Die Hawdoloh ist ein Schlachtruf, eine Parole geworden. Dabei eliminiert man jedoch das „bein kaudesch lechaul“. Der Hawdolohjude ist kein durch Zurückstoßung von außen zu einem „Trutzjuden" Gewordener. Er macht auch Kiddusch! OhneKiddusch kein Hawdoloh. Ueber Nacht wird man kein „begeisterter Jude". Welcher Mut, welch felsenfestes Gottvertrauen sprach aus dem,Md dusch" in den finsteren Zeitgängen unserer Geschichte! Und welch hohe politische Weisheit lag in dem zähen Festhalten an dem Hawdoloh- Gedanken, als man Licht und Freiheit ausschenkte. Gerade heute, wo die Welt in so manchen Maßnahmen — es sei nur an die Lösung sozialer Fragen, an die Sonntagsruhe und die Friedenskonferenz erinnert — zeigt, daß sie nach jüdischen Idealen sich sehnt, gerade heute dürfen wir die Weisheit anstaunen, welche Kiddusch und Hawdoloh uns lehren. Was hier in sinnvollen Worten und Handlungen sich kundgibt, bedeutet nichts mehr und nichts weniger alsdas Lebensziel Israels und die Heileszukunft der Gesamtmenschheit! — — kommen, um Geschäfte miteinander zu machendas Haus nennt man die Börse. WaS sie in Wirklichkeit ist, weiß ich selber nicht. Ein einziges mal war ich dort, als ich vor einem Jahre wegen Rheumatismus eine Zeitlang nicht hausieren konnte, aber ich muß gestehen, fie hat auf mich fast den Eindruck einer Zusammenkunft von Irrsinnigen gemacht, die in der Fieberhitze . hin und her rennen. So schrie ich auf keinem Markt, um meinen Plunder an den Mann zu bringen, wie da die sonst vernünftigsten, ruhigen Menschen in einer Hitze und Aufregung hin und verrannen und dabei so laut durcheinanderschreien, daß es auf dem lebhaftesten Jahrmarkt noch ordentlich dagegen zugeht." „Und da geht dieser Mensch jeden Tag hin und verdient dort mehr Geld als er braucht? Könnten wir das nicht auch?" Der Baten entgegnete lächelnd: „Um dort Geld zu verdienen, muß man vieles mitbringen, jedenftrlls mehr, als wir beide in unserem Leben gesehen haben. Dann gewinnen auch nicht alle an der Börse: viele, se hr viele verlieren, sonst könnten die andern ja nicht gewinne». Biele verlieren auch ihre Gesundheit, chre Ehre, ja selbst chr Leben an der Börse und schließen hre Besuche mit der Kugel durch den Kopf ab. Dann gehört auch eine gewisse Kenntnis der Papiere, des Geschäfts und aller Gepflogenheiten dazu, die uns abgehen." (Fortsetzung folgt.) (Die KnSbfablmtg der letzten ägyptische» Uönigs«umie.> Unter diesem Titel sendet Paul Henry Gebhardt de Fouchß dem „Hamb. Fremdenbl." aus Eairo folgende Schilderung: Im Jahre 1881 wurde nach zahlreichen Schwierigkeiten das Mumien-Berfteck des, Oserkon gesunden. Oserkon, der Sohn des Scheschenk, ließ nämlich 966 v. Chr. alle Grüfte öffnen und die Särge mit den Mumien in eine große gemeinsame Höhle bringen, um sie gegen die Ääuber, die übermächtig geworden waren und viele der Gräber plünderten und entweihten, zu schützen. A. B. De Guerville schildert in seinem Werke „Das moderne Aegypten", wie nach neunundzwanzig Jahrhunderten dieses Massen-Bersteck auf seltsame Art entdeckt wurde. Ein Araber, namens Abd-er-Rasul Ahmed, fand im Jahre 1875 zufällig den Eingang zu dieser Höhle. Er machte seinen zwei Brüdern und seinem Sohne von dieser Entdeckung Mitteilung, und diese beschlossen, aus dem reichen Funde Nutzen zu ziehen. Jahre hindurch verkauften sie an Touristen Gegenstände von großem Werte, aber geringem Umfange, die sie leicht aus dem Versteck in ihre Zelte tragen konnten. Im März 1881 machte nun Profess n Maspöro — gleich nach seiner Ernennung zum Direktor des Museums in C a i r o — eine Inspektionsreise nach Oberägypten, hauptsächlich deshalb, um die königlichen Gräber aufzufinden. Durch Zufall hatte er von Touristen, die von Abd-er-Rasul Ahmed und seinen Leuten verschiedene wertvolle Gegenstände gekauft hatten, diesen Handel mit Antiquitäten erfahren. Die ganze Familie wurde verhaftet, mußte aber infolge Mangels an Beweisen wieder in Freiheit gesetzt werden. Nur durch den Verrat eines der Brüder entdeckte man nach vielen Schwierigkeiten und Hindernissen das ganze Geheimnis. Brugsch Pascha wurde zur Fundstelle gesandt und schaffte die Königs-Mumien in bas Museum von Cairo, wo sie in Glaskästen ausgestellt wurden. Etwa zwei Jahre später begann sich ein übler Geruch bei der Mumie der Königin Mes-hent Themebu bemerkbar zu machen, und man sah sich genötigt, diese aus ihren Hüllen zu wickeln. Das Experiment gelang, als man jedoch die Königin Refartari Ans Sem Machsor für Sie □■»NTUn DTP ♦ orn nemp rjpm narm UI. oViy '82 *?2i jv« '222 “j'isV ■vayn vny nyvn mp22 D2w nnn mx 7'2yö ->'2yn p room ">iSDm Ti *?2 trs: ipsm rp-o bzh .-»22p "pnnni ♦m'“j in nK 21N2M Aber alle in die Welt Eintretenden Läffeft Du vor Dir wie junge Lämmer vorüberziehen, Wie der Hirt seine Herde besucht, Seine Schafe unter seinem Stabe hinziehen läßt, So läffeft Du hinziehen Und buchst und zählst Und denkst der Seele alles Lebenden/ Teilst sein Bestimmtes jedem Geschöpfe zu Und schreibst den über sie gefällten Urteilspruch nieder. Während das große einstige Weltengericht selbst die Gottesboten erzittern läßt, trägt die richtende Gotteswaltung, die dem Rosch Haschono seine Signatur verleiht, einen wesentlich anderen Charakter. Sie gilt ja nicht den hohen übersinnlichen Sphären, sie gilt D71JJ '82, Kindern dieser stofflichen Welt, Menschen, deren Urgrund Staub, deren Ende Staub ist, die in diese Zeitlichkeit mit ihren Schwächen und Mängeln treten und nun ebenfalls vor dem prüfenden, richtenden Gottesblick vorüberziehen. Aber nicht wie der Delinquent vor seinen Häschern, sondern wie das Lamm vor dem Hirten. Nicht wie der Verfolger seine Beute, sondern wie der Hirt seine Herde sucht. Wenn unsere heiligen Urkunden in Bildern sprechen, so tun sie es nicht aus Rücksichten der Schönheit und des poettschen Wohlklangs. Auch ihre Bildersprache — und sie zu allermeist — steht ausschließlich im Dienste der Wahrheit. Wenn sie einen abstrakten Gedanken sinnlich veranschaulichen und mit möglichster Genauigkeit allseitig Präzisieren wollen, so bedienen sie sich der Bilder und Gleichnisse. Um den lichten Spuren ihrer tiefen Gedankengänge folgen zu können, kann man sich daher nicht tief gernm in ihre Metaphern und Gleichnisse versenken. Man wird dabei nicht nur eine äußere Aehnlichkeit, auswickelte, war diese bereits gänzlich in Fäulnis übergegangen, so daß sie zusammensiel und begraben werden mußte. Dann entschloß man sich, alle Mumien aufzurollen und zu lüften. Man begann mit Ramses II., dessen Körper die Welt 3200 Jahre nach seiner Einbalsamierung erblickte." Fauche berichtet dann über die Auswicklung der letzten Königsmumie, die am 1. Juli von Dr. Elliot Smith unter der Leitung des Professors Maspero im Museum von Cairo vorgenommen wurde. „Obwohl man wußte, daß die Mumie, wie so viele andere der XIX. Dynastie, ausgeplündert war, hoffte man doch wenigstens einige wertvolle Funde auf dem Körper zu machen. Wer man wurde sehr enttäuscht: Mit Ausnahme eines kleinen geschliffenen Feuersteines fand man auch nicht einmal eine jener häufigen Glasperlen; so sorgfältig waren die Räuber bei der Plünderung vorgegangen! Ich muß an dieser 'Stelle erwähnen — um eventuellem Mißverständnis vorzubeugen — daß die Mumie. nicht in dem vorerwähnten Massenversteck gefunden wurde, sondern von dem berühmten Loret während seiner Ausgrabung im Jahre 1898/99 in einer Höhle in der Nähe des Grabes des Amenhetep II." Fouchö bestimmt die Mumie als die des Meneptah aus der XIX. Dynastie, des Pharao, unter dem der Auszug der Juden aus Aegypten stattgefunden habe. Als einer der Grunde für diese Ueberzeugung gibt Fouchö an, daß auf der äußeren Hülle der Mumie der offizielle Titel Meneptahs: „Hetep-Her-Maa" geschrieben gewesen sei. regn '“*****

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