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Der Israelit · 1907-08-22 · Heft 34 (22.8.1907) · page 15

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 34 (22.8.1907)
Date
1907-08-22
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Crzie^ung und Le() acjogis jtiz2MmaMÜ.k -O Kerei« der jüdische« Lehrer der HtaVviuatsbezirke Hmde»-Hkde«-»rg-Nreme« ' E.inladung zu der Sonntag, den 25. August d. I. vormittags 11 Uhr zu Emden im Nordheimer'schen Gasthofe stattfindenden dreiundßzwanzigsten Konferenz. Tja'gesordnung: 1. Begrüßung, Berichterstattung und Rechnungsablage. 3. Ein Jahr Religionsunterricht in einer Filialaemeinde. Herr Klein-Norden. 3. Die Lesebuchfrage. Herr Gottschalk-Esens. 4. Borstanoswahl und Wahl eines Delegierten in den Vorstand des Bundes g. j. L. in Deutschland. 5. Anträge und freie Besprechungen. Ein Zuschuß zu den Reisekosten aus der jüd. Zentral-Unterstützungskasse des Großh. Oldenburg, sowie aus der Kaffe des Bundes g. j. L. in Deutschland ist bewilligt. Ein gemeinschaftliches Effen ist in Aussicht enommen, wozu Anmeldung bei Herrn Nordheimer ringend gewünscht wird. Jever, den 12. August 1907. Der z. Vorsitzende: H. Löwenstein. Me Uaterlandsliebe und ihre Behandlung in der Indischen Schule. Bon Lehrer Freudenberger in Flieden. Dem Juden wird nicht selten von seinen Feinden das Deutschtum und die echte Vaterlandsliebe abgesprochenunsere jüdischen Gegner im „liberalen" Lager aber halten sich für besonders gute Deutsche, weil sie schlechte Juden sind. Wir, die wir allen Assimilationsbestrebungen abhold sind, die wir jedes Aufaeben der von Gott gebotenen Gesetze als einen Verrat an dem Heiligsten ansehen, wollen Nachweisen, daß wir gerade aus der Religion und dem jüdischen Reliaionsgesetz heraus die stärksten Gründe für die Liebe zum Vaterlande schöpfen, wollen zeigen, daß man zu gleicher Zeit nicht nur ein begeistertem Jude und ein feuriger Baterlandsfreund sein kann, nein, daß man gar kein guter Jude ist, wenn man nicht auch echte, warme Vaterlandsliebe im Herzen trägt. Es ist notwendig, das von Zeit zu Zeit zu betonen. Hat es doch schon vor 2400 Jahren ein grimmiger Judenfeind versucht, unsere Treue gegen König und Vaterland zu verdächtigen und gerade wegen unserer Religion. „Ihre Gesetze sind verWrden von denen eines jemm Volkes und die Mfetze des Königs befolgen sie nicht," diese Berkemndung Hamans ist im Laufe der Jahrhunderte noch recht häufig wiederholt worden. Aber auch ans unserer Mitte sind leider Männer hervorgegangen, die unsere Anhänglichkeit an die überlieferte väterliche Religion als einen Mangel an Patriotismus hinstellten. Es waren Wortführer des neologen Judentums, die den Vorschlag machten, man solle nur die affimilatorisch-gesinnnten Juden emanzipieren, die sogenannten Talmudjuden aber von der Gleichberechtigung ausschließen. Demgegenüber wollen wir feststellen, daß das Judentum, so wie Bibel, Talmud und Kodizes es lehren, von seinen Bekennern eine Hingabe an das Vaterland verlangt, wle kaum eine andere Religion. Schon den Begriff „Vaterland" faßt die jüd. Religion weiter als jede andere. Hier gilt das herrliche Wort, das der Prophet Jirmijah den von Nebukadnezar nach Babylonien Vertriebenen zuruft: „Bauet Häuser und lasset Euch niederpflanzet Gärten und effet ihren Ertrag .... und fördert das Heil der Stadt, dahin Ich euch geführt habe und betet für sie zu Gott, denn in ihrem Heile soll auch euch Heil sein." Nur vorübergehend, nur 70 Jahre nach den Worten der Propheten sollten die Israeliten in Babylonien bleiben, gewaltsam hatte man sie dorthin geführt und doch fordert der Prophet von ihnen, daß sie das Wohl des Staates fördern und für ihn zu Gott beten sollten. Als sein Vaterland hat der Jude also nicht etwa nur dasjenige Land anzusehen, in dem er geboren und erzogen wurde und in dem er als freier Bürger lebt, sondern auch dasjenige, dessen Schützling er ist, das ihm freien Aufenthalt und das Recht gewährt, den Geboten seiner Religion gemäß zu leben. Das jüdische Gesetz hat aber auch in seinem Bestreben, alle Verhältnisse des menschlichen Lebens u ordnen und zu regeln, die Pflichten gegen en Staat genau und scharf präzisiert. An der Spitze aller Vorschriften nach dieser Seite hm steht das Wort des weisen Babyloniers Samuel im Talmud: WH MH, die Verpflichtung, allen Landesgesetzen und allen Anordnungen, die Fürst und Obrigkeit zum Wohle des Ganzen treffen, willigen und freudigen Gehorsam zu leisten, auch dann, wenn sie uns recht schwer fallen. Ich erinnere hier an das Gesetz über die Sonntagsruhe, das dem gefetzestreuen Juden so schwere Opfer auferlegtauch hier heißt es: Gehorsam den Gesetzen! äar» lex, sed lex. Die zweite Pflicht gegen den Staat ist die pünktliche und gewissenhafte Entrichtung der Steuern und Abgaben, ohne welche ja kein Gemeinwesen bestehen kann. Wie es s. Z. eine religiöse Obliegenheit war, die Zehnten und Abgaben den Priestern, Leviten und Armen gewissenhaft und nicht etwa nach oberflächlicher Schätzung oder nach Gutdünken nriDK zuzumeffen, so erklärt Maimonides im nte 'n ,npmn t denjenigen für einen Dieb, der eine Steuerhinterziehung begeht, indem er sagt: •f>Dn rpnw ra -|*>Dn to bon dddpi p rmaon iten mrw p d'w Aber auch alle anderen Lasten und Pflichten — denken wir nur an die Wehrpflicht, an die Tätigkeit als Schöffe» und Geschworene — müssen wir willig tragen, indem wir bedenken, das wir ja dadurch das Wohl des Staates fördern und also auch einem Gebote unserer Religion Nachkommen. Wen» nun schon in früheren Zeiten, wo drr Steuerdruck auf den Juden ganz unverhältnismäßig schwer lastete, Gewissenhaftigkeit in der Erfüllung der staatsbürgerlichen Anforderungen zur Pflicht gemacht wurde, um wie viel mehr müssen wir heute diese Mahnung beherzigen, wo man bestrebt ist, möglichste Gleichmäßigkeit'und Gerechttgkeit bei der Verteilung von Steuern und Lasten herbeizuführen. Wir müssen aber außer dem gesetzmäßig Boraeschriebenen auch freiwillig Opfer für has Vaterland bringen, indem wir alle gemeinnützigen Anstalten und Einrichtungen unterstützen. MeS was Wohlstand und Bildung, Gesittung und Sittlichkeit fördert, alles was des Vaterlands Ehre, Macht und Größe heben kann, muß auf unsere Mithilfe rechnen können. Insbesondere müssen wir überall, sowohl im Staat als auch in der Gemeinde, für Wahrheit, Recht und Frieden, diese drei Grundsäulen, worauf nach Ansicht unserer Weisen in den „Sprüchen der Väter" das Heil der sittlichen Welt beruht, mit aller Kraft eintreten. Droht dem Vaterland aber Gefahr, wird eS von Feinden angegriffen, so kann , es das Höchsts Gut und Blut, von uns fordern. Mut und Tapferkeit, Ausdauer und Standhaftigkeit muß der jüdische Soldat nicht nur deshalb an de» Tag legen, weil sein Rekruteneid ihn dazu verpflichtet, sondern auch weil seine Religion es ihm vorschreibt. Die Schlachtfelder der beiden Kriege, die Deutschlands Einigung herbeigeführt haben, legen Zeugnis dafür ab, daß wir Juden in der Erfüllung unserer Pflichten gegen das Vaterland gegen die Anaehöriaen anderer Religionen nicht zurückstehen. Wir können aber auch Nachweisen, daß wir auch sonst an allen kulturelle» und geistigen Fortschritten der deutschen Nation den regsten Anteil nehmen. Aus der Mitte der deutschen Juden find Dichter und Komponisten, Gelehrte und Künstler aller Art hervorgegangen, auf die das Vaterland stolz sein kann und die deutsche Sprache wurde von deutschen Juden — auch S. R. Hirsch gehört dazu — mit einer Meisterschaft gehandhabt, die gar nichts davon verriet, daß wir erst ein knappes Jahrhundert an der deutschen Kultur teilnehmen. Die Rechenschaftsberichte fast aller wohltättgen und gemeinnützigen Anstalten und Vereine zeigen aber auch

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