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Der Israelit · 1907-08-22 · Heft 34 (22.8.1907) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 34 (22.8.1907)
Date
1907-08-22
Page
– (sequence 13)
Language
German
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üRusskoje Änamja"/ gibt unter dem Titel „Eine neue Revolution" den Traum eines „Judenhassers" wieder. In diesem Traum wird ausgeführt, daß die Bomben- und Revolver-Revolution zu Ende sei und daß die Aerzte jüdischer und polnischer Herkunft eine neue Art von revolutionären Kampfmitteln ausgedacht haben. «Ich träumte", erzählt der Mitarbeiter der „Ruffkoje Snamja , „daß ich mich in einem medizinischen Experimentiersaale befinde. Ringsherum stehen Schränke mit Glaskolben und GlaSgestßen. An der Wand bängt das Bild von Hrrzenstein. Aus feinem Munde spricht eine Sttchstümmh welche den ganzen Saal beleuchtet. Bei dem Lichte dieser Flamme begann der Saal sich mit Polen u»ch Juden zu jüllen, welche in weißen Kitteln gekleidet waren. Jeder trug auf der Schulter ein Dokwrabzeichen und auf der Brust einen santtney Totenschädel angenäht mit der Aufschrift „Gift" in roten Buchstaben. Die versammelten „unheilverkündenden Aerzte" nahmen ihre Plätze ein, und dann erschien auS dem Schranke ein „grauenerregender Arzt" mit einem „Talles" auf dem Haupte. Dieser Redner forderte die Polen und die Juden auf. gegen die russische Regierung nunmehr mit Hülfe von Cholera- und anderen Bazillen zu kämpfen. Die Bazille» sollen fie in den Kosakendvrfern und unter den dunklen „Bauemmaffen" verbreiten. ES braucht nicht gesagt zu werden, daß dieser 'Vorschlag des „grauenerweckenoen Redners", mit dem „Talles" auf dem Haupte, von den unheilverkündende» Aerzten" mit Jubel und Begeisterung ausgenommen wurdefie schrieen, sprangen empor und applaudierten. AlS der Redner fich von ihrem freudig?» Einverständnis mit seinem Plane überzeugt hatte, ging man gleich ans Werk: Aus den Schränken wurden die Bazillen herausgeholt. Zuerst Pest, dann Typhus und zuletzt endlich auch Cholera." ... Wenn man bedenkt, an was für ein Publi kum die Mitteilung dieses „Traumes" in der „Ruffkoje Snamja" gerichtet ist, so wird man über die unaussprechliche Nichtswürdigkeit, die darin liegt, nicht einfach lachen. Und diese Verleumder, bemerkt der „Vorwärts", sind nach einem Zarenwort die „zuverlässigsten Stützen des Thrones", gegen die selbst Stolypin machtlos ist! Posen, 20. August. Eine erfreuliche Kunde ist es, die ich Ihnen heute übermitteln kann. Den Bemühungen der hiesigen Ortsgruppe des Verbandes der SabbathfreUn de ist es im Verein mit den den Sabbath heiligenden Prinzipalen und Gehilfen gelungen, bei der soeben erfolgten Neuregelung der Sonntagsruhe weitgehende Ausnahmebestimmungen zu Gunsten der am Sabbath geschloffen haltenden Geschäfte durchzusetzen. Bei der Wichtigkeit der Angelegenheit rechtfertigt es sich wohl, wenn ich Ihren geschätzten Lesern den Bericht über die betreffende Sitzung unseres Stadtparlamentes ausführlich übermitüe. Referent über diesen Gegenstand, Stadtverordneter Rechtsanwalt Kürschner (Freif.), führt aus: Sie werden sich erinnern, daß wir kürzlich, bevor wir in die Ferien gegangen find, ein Ortsstatut zur Erweiterung der Sonntagsruhe im Handelsgewerbe angenommen und erlassen haben. Ich will den Inhalt hier > icht ausführlich rekapitulieren, da er Ihnen ja hinlänglich bekannt ist. Unsere Beschlüsse gingen dahin, für die Geschäfte mit offenen Verkaufsstellen Sonntags die Beschäftigungszeit von 7% bis 9l/a Uhr morgens und vo.r 11% bis 1 Uhr mittags, also im ganzen auf 3% Stunden und für Engros-Geschäfte von 7% bis 9 Uhr oder von 11V, bis 1 Uhr, also auf 1% Stunde festzusetzen. D:e Sonntagsruhe ist danach gegen früher wesentlich erweitert worden. Nachdem dieser Beschluß gefaßt war, hat sich eine Anzahl jüdischer Firmen, ich glaube, es sind gegen 5V Geschäfte in Posen, zusammengetan, und sie haben sich gesagt, da) ihre jungen Leute eine ausreichende Ruhe schon dadurch genießen, daß fie von Freitag abend bis Sonnabend abend, im gmzen etwa 25 Stunden, unbei, schäftigt find, diese 60 Firmen — es find das diejenigen, welche eine vollständige Sabbathruhe halten — bitten Sun, ihre jungen Leute jüdischen Glaubens fünf Stunden »ie bisher, wenigstens bei geschloss nen Türen in der jetzt eingeschränkten Zeit beschäftigen zu dürfen. Mit Rücksicht darauf, daß die Angestellten dieser Mrmen tatsächlich schon eine vorangegangene 25st indige Ruhe hinter sich haben, und ferner mit Rücksicht darauf, daß diese Firmen gezwungen find, fich der beschränkten Sonntagsruhe zu unterwerfen, ist die Bitte als berechtigt anzuerkennen. Die Kommiffion, die seinerzeit das Ortsstatut über die Sonntagsruhe vorberatm, hat sich mit der Bitte beschäftigt und dahin einverstanden erklärt, hem Wunsche zu entsprechen. Wenn diese Firmen ihren Leuten vorher eine so ausgedehnte Ruhe gewähren, so entsp eche es wohl nur der Billigkeit, Wen auch enwegenzukommen. Ich bitte demgemäß, dem Wunsche der Petenten nachzukommen. In diesem Sinne hat fich auch die Kommiffion der Stadtverordneten entschieden. Es seien zuerst gewiffe juristische Bedenkm hiergegen, gütend gemacht worjüdischer Religion, die leb am Sabl ath und laffen,ist eS gestattet, rbens an Sonntagen dm. Inzwischen wurde mttgetellt, daß s Zt. der bayerische StaatSrechtleh rr Proftffor Mar v. Seidel in München und jetzt auch das bayerische Mimsterium fich dahin ausgesprochen hvben, daß keine Bedenken dagegen erhoben werden können. Auch das Magiftratskollegium hat mit allm gegen eine Stimme fich für Annahme der Borlage ausgesprochen. Ich bitte Sie, fich ebmfalls damit etnstanoen zu erklären Stcwtv.rordneter Jgnatowicz (Pole): Ich kan,i dm Ausführung?» des Stadtverordneten Kirfchner im ganzen nur beitreten. Dm Firmm, die Sabbathruhe Habens bletbm am Freitag oft Arvettm liegen, die oannSmm früh uit&etotgt erledigt werben muffen. Ich bin «u, dafür, diesen Geschäften die angegebene Erweiterung der Arbeiten Sonntag zu gestatten, aber bei geschloffenen Türen. Die Geschäft schon vorher und dann noch eine Stunde länger auch offen halten zu dürft», das würde zu'vielen Unannehmlichkeiten führm und eine Benachteiligung der übrigen Geschäfte in sich schließen. Im übrigen bin ich für die Borschläae des Magistrats. Der Borfitze de Justizrat Salz bringt hierauf, da fich niemand mehr zum Worte meldet, folgmde Magistratsvorfchläge zur Verlesung. Der Entwurf einer Ortssatzung über die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe soll folgende Zusätzeerhaltm: 1. 8 1a erhält folgenden Nachsatz: „Denjenigen Gejchüftsinhal nachweisbar ihrm Geschäfi cm israelitischen Feiertagen ihre Angestellten jüdischen _„ auch während der Stunden von 7 bis 7 */, Uhr morgens und von 1 bis 2 Uhr mittags zu beschäftigen mit der Maßgabe, daß die GefchastSlokale während dieser Z'it für den ftBgemetnen Verkehr geschloffen bleibm und keinerlei Lärm oder Argemts erregende Arvettm in dieser Zeit auSgeführt werdm." 3. § 1c erhält folgenden Nachsatz: „Dm im Nach atz zu 1» näher bezeichneten Geschäftsinhabern jüdischer Religwn ist es gestattet, ihre Angestellten jüdischen Glaubens an Sonntagen von 8 vis 97a zu beschäftigen, mit der Maßgabe, daß die Geschästslokale für den allgemeinm verkehr und während eines dieser beiden Zeiträume geöffnet bleiben und daß während der andern vetdm Stunden kemer- . lei Lärm oder Aergernts erregende Arbeiten auSgeführt werdm." Die Ergänzung wird alsdann einstimmig angenommen. Hoffentlich Hilft der hier errungene Erfolg dazu, daß unsere Gesinnungsgenossen auch in anderen Städten ähnliche Ausnahmebestimmungen für sich durchsetzen. Freienwalde (Oberschl.) 11. August. In seiner Sitzung vom 7. August beschäftigte sich der hiesige Magistrat mit der Schächtfrage. Der Bürgermeister erklärte, er habe aus der Gutachtensammlung und anderen Schriften des Herrn Dr. Hirsch Hildesheimer die Ueberzeugung gewonnen, daß das Schächten keine Tierquälerei sei. Der Magistrat beschloß einstimmig, kein Schächtverbot zu erlassen. Breslau, 12. August. Herr Dr. Neustadt in Breslau sandte uns unter Bezugnahme auf das Preßgesetz eine Berichtigung folgenden Wortlauts: „Die in Ihrer Zeitung gemachten Angaberr, insofern sie die hebräische Nnterrichtsanstalt" betreffen, sind unwahr." Wie wir nachträglich erfahren — in der Berichtigung fehlt merkwürdigerweise jeder nähere Hinweis — möchte Herr Dr. Neustadt damit die Richtigstellung einer Bemerkung bezwecken, die in einer Korrespondenz aus Breslau betr. eine Repräsentantensitzung im „Israelit" vom 30. Mai über die Neustadtsche Schule gemacht wurde. Unser Korrespondent schreibt uns hierzu, daß seine Mitteilung dem Inhalt eines Antrags des Breslauer Gemeindevorftandes an die Repräsentanten entspreche. Oestewetätz. Prag, 9. August. Herr Dr. Brody, Direktor der hiesigen Talmud-Thoraschule und der Lehrerpräparandie hatte an den böhmischen Gemeindebund den Antrag gestellt, derselbe möge alle Kultusgemeinden Böhmens, sowie die größeren irdischen Körperschaften zu einer Versammlung 'inberufen und bei ihnen folgendes beantragen: Die n Prag bereits bestehende Religionslehrer- Präparandie für Rechnung der Gemeinden Böhmens zu übernehmen und zu einer Lehranstalt für israelitische Kultusbeamte, verbunden Mt einem Proseminar für Rabbinats- 'andidaten umzugestalten, womöglich mit Begründung eines Internates für die Schüler des Proseminars. Dieser Antrag gelangte in der am 14. d. M. stattgefundenen Sitzung zur Diskussion. Der Antrag wurde von sämtlichen Anwesenden, worunter sich auch Vertreter namhafter Gemeinden des Flachlandes befanden, angenommen. Es wurde beschlossen, das ausführliche Gutachten deS Herrn Dr. Brody an alle Gemeinden und Körperschaften zu versehen. Ferner wurde beschlossen, im Zusammenhänge mtt dem einzuberuftnden Gemeinoetag eine Versammlung behufs Beschlußfassung mtt dem Bemerken einruberufen, daß die beabsichtigte Gründung als Veranstaltung zur Feier des 60jährigen Jubiläums des Kaisers inszeniert werde. Ungarn. Großwardein, 18. Aug. Die Elementar- und Bürgerschule der hiesigen orthodoxen israelischen Gemeinde blickt jetzt auf eine fünftmdzwanzigjährige segensreiche Wirksamkeit zurück. Der Jahresbericht der Anstalt feiert dieses Jubiläum in einem Artikel, der nach einem geschichtlichen Rückblick in bemerkenswerter Weife auch auf die aktuelle Frage der Errichtung einer orthodoxen Lehrerpräparandie zu sprechen kommt, wird dabei die interessante Mitteilung gemacht, daß die hiesige Gemeinde, die eine führende, Stellung in der ungarischen Orthodoxie ein-' nimmt, schyn im Jahre 1896 ans Anregung des verstorbenen Präses Isidor Ullmann und des Direktors Gabel die Gründung einer Lehrernkdungsanstalt und die Gewährung eines Znchüffes von 1000 Kronen zu den Kosten bechloffen hat. Infolge des Heimgangs Isidor lllmanns, geriet dann die Sache in Stilltand. Der Verfasser betont die Notwendigkit, ras Projekt endlich zu verwirNichen und spricht rie Hoffnung aus, daß der jetzige Präses der Gemeinde, Herr Alexander Ullmann, fich der Sache annehmen werde. Diese Lösung der Präparandieftage, nicht von. der Gesamtlettung der Orthodoxie aus, sondern im Kreise einer Gemeinde, mit Hülfe von Privatmitteln, würde, wie schon früher im „Israelis ausgeführt wurde) (Wochenrundschau dir. 28) die wünschenswerteste und befriedigendste sein. pumanten. Bukarest, 14. August. Das Autarkster Tageblatt berichtet: Kischinewer Meldungen besagen, daß die Huligans seit einigen Tagen der jüdischen Bevölkerung gegenüber eine sehr drohende Haltung angenommen haben. Sie erklären es überall offen, daß sie einen neuen Progrom gegen die Juden vorbereiten und. rühmen sich, daß sie die Juden diesmal gänzlich ausrotten würden. Die jüdische Bevölkerung befindet sich in großer Aufregung, da ihr Leben und ihr Vermögen in ernstester Weise bedroht erscheinen. Biele jüdische Familien haben sich geflüchtet. Die in der Stadt zurückgebliebenen Juden haben den Gouverneur um Schutz gebeten. England. London, 16. Aug. Der Oberrabbiner von Tanger sandte heute folgendes Telegramm hierher: „Zweihundert Juden aus Casablanca sind im größten Elend in Tanger angekommen. Die Gemeinde hat eine große Sammlung veranstaltet, um ihnen zu helfen, aber die Hilfsmittel sind jetzt erschöpft, und wir rufen den Edelmut unserer englischen Glaubensgenossen an, uns bei der weiteren Hilfeleistung und der Wiederansiedlung der Flüchtlinge in Casablanca beizustehen. Ich bitte in meinem und der Gemeinde Namen, sämtliche jüdische Gesellschaften zur Unterstützung aufzusordern. Die Alliance Jsravlitö hat nach Casablanca direkt 5000 Frs. überwiesen." Stufficmfr. Petersburg, 16. Aug. Hinsichtlich derJuden, die nach Petersburg kommen, um sich für den Eintritt in eine hiesige Hochschule vorzubereiten, wurde vor einigen Tagen, wie wir bereits kutz tSB

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