Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 34 (22.8.1907)
- Date
- 1907-08-22
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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WWWMW e-'• .v - ix - - m MW .v ' HeSeSV. LUi «r^SK s; FÜrden süölichen Teil der Rheinprovinz, beson- LvüS das Saargebiet, hat Herr Rabbiner Buttenwieser in Straßburg es in uneigennützigster Weise übernommen, das gemeinsame Studium 3& leiten: Mit großer Regelmäßigkeit fanden die Zusammenkünfte alle vier Wochen in St. Johann ffatt und erfreuten sich reger Beteiligung. Einnd wurden die zwölf ersten Kapitel des Buches sajas behandelt, und gespannt lauschte der der aufmerksamen Zuhörer und mit Interesse beteiligten sich alle an der Aussprache, wenn die Fülle der in diesen Kapiteln enthaltenen Gedanken Herrn Rabbiner Buttenwieser Anlaß gab, Zeitfragen im Lichte der ewigen Wahrheiten des tiefgründigen Prophetenwortes in fesselnder Weise zu behandeln. Es wurden ferner einige Absihnitte des Traktates roDD** durchgenommen und an deren Hand ausführliche und klare halachische Erörterungen über die Ehegesetze angeknüpft. Schließlich wurden noch die D"ID7Q '7n aus dem in« "n durchgenommen. Alles Themen, die für den Beruf des Lehrers von hoher Bedeutung sind und die nach jeder Seite hin die Vertiefung seines Wissens für die Bildung seiner Lebensanfchauung und Lebensbetätigung fördern. Es sei den Herren Lehrern für die fleißige Beteiligung gedankt, durch die sie der mipi einen gwDr und wichtigen Dienst, keksten, desgleichen dem ^ehrwürdigen Manne, der Zeit und Mühe nicht scheut, den Segen seiner Hände auch über die Grenzen seiner eigentlichen Wirksamkeit hinaus dorthin zu tragen, wohin ihn die rufen, die aus dem Borne seines. Wissens sich reichen Trunk schufen möchten. In Köln wurden die Kurse früher von dem Bereinsrabbiner geleitet. Mit dem Beginn des .Sommersemesters übernahm dieselben in sebsttoser Weise Herr Dr. Auerbach, Lebrer am hiesigen Lehrerseminar. Es wurden im Sommer die beiden ersten Abschnitte von pVin 'DD durchgenommen. Im Anschluß an früher durchgearbeitete Abschnitte aus natr wurden ausgewählte rotp W und später rviyn "»m behandelt. Diese Einrichtungen müssen von jedem Jehudi freudig begrüßt werden, weil mit ihnen der Versuch begonnen hat, durch ein gründliches jüdisches Wissen der Jugendbildner auch deren Zöglingen praktische Thorakenntnis zu übermitteln. Auf Wunsch werden den Teilnehmern die Reisekosten vom Verein zurückerstattet. Der Bund gesetzestreuer Lehrer Deutschlands leistet zu diesen Kosten eine jährliche Subvention, wie er denn überhaupt der geistige Vater des Gedankens dieser Fortbildungskurse ist. ° Möchte die Beteiligung eine immer zahlreichere werden und flDB^ min TiD1? als jüdisches Hochziel wieder seine allgemeine Anerkennung erlangen. V Mülheim a. d. Ruhr. Es ist das betrübende Zeichen der Zeit, daß sie den Schein fl mit dem Wesen verwechselt. Wohl kaum hat das Judentum je ^eine Zeit geschaut, deren l theoretische Erkenntnis auf allen Gebieten des Denkens und deren Verständnis für die sittlichen p und besonders sozialen Forderungen der g reinen Menschlichkeit so sehr geeignet wäre, das r Judentum bei seinen Bekennern zu verinnerlichen; als unsere Tage. Und doch begegnen wir in < allen Lagern dem Gegenteil. Schau- und Prunk- > Wik, Oberflächlichkeit und Scheinwesen ist alles. Man sollte meinen, gerade der Ernst und die Schwere des heutigen Lebenskampfes sollten den Menschen viel ernster stimmen und viel mehr seinen Blick nach innen lenken, um aus den Tiefen seines Herzens den in jeder Menschenbrust vorhandenen Schatz erhebender und stärkender sittlicher Lebensgedanken zu heben. Wie wären 5 erst solche idealen Werte imstande, denErrungenschäften des modernen Schaffens die richtige Bedeutung zu verleihen. Die Würdigung der Erfolge wäre eine weit höhere und zugleich viel ^umfangreichere. Statt dessen läßt die Staubwolke, feMe der Kampf aufwirbelt, den Blick für der iten Ferne nur Wenigen klar. Als ob das ben und sein Inhalt an Kilometern gemessen Werden könnte, die der „Kraft"wagen des Menschen durchfahre, als wäre die Entfaltung, das Gedeihest und die Förderung des Innenlebens nicht nach wie vor das bleibende Ziel des Lebens. Wäre man nun wenigstens in solcker Lebensauffassung konsequent, würde man, wenn man zur modernen Kraftnatur des antiken Balgötzen schwört, auch nun den Mut haben ihm nachzugehen, wie der Prophet Eliahu es wünschte! Dazu aber fehlt doch das unbedingte Vertrauen. Wiederum ^>as Unsichtbare, nicht Greifbare des sittlichen Gebots und der göttlichen Forderung als bedingungslosen Beherrscher des Lebens anzuerkennen, dazu fehlt der Wille und darum auch das Verständnis und der Mut. So verbindet man zu unnatürlicher Vereinigung die unausgleichbarsten Gegensätze. Schon die Baalspfaffen zu Eliahus Zeit hakten die „jüdische Religion" ohne Judentum erfunden und erklärten ganz einfach den Baalsdienst für Judentum. Wofern nur der Rest eines religiösen Bewußtseins oder, was manchmal dasselbe ist, das mangelnde Vertrauen zur Religionslosigkeit deinen Tempel hat, dann mag sich das Leben immerhin so einrichten, wie die Bequemlichkeit oder der scheinbare Vorteil es fordert, der Betäubung des Gewissens ist Genüge geschehen. «Wir haben ja einen herrlichen Tempel erbaut." O Tempel von Holz und Stein von heute, bist du nicht der Götzendienst von Holz und Stein von ehedem? Nur wurde wohl der Tempel von damals etwas mehr besucht als der von heute. Dafür war aber wohl auch der Tag für den Tempeldienst nicht ein so reger Geschäftstag, wie es heute der Schabboß ist. Jede Anstrengung, die Synagoge zu füllen, ist so lange vergebens, als der Schabboß nicht gefeiert wird. Der herrlichste Bau, der glänzendste Prunk, die strahlendste Beleuchtung vermögen auf die Dauer ihre Anziehungskraft nicht geltend zu machen, wenn der stärkere Magnet, das Geschäft, seinen Einfluß übt. Auch der g e m i s ch t e Chor, der mit und b e i der Einweihung unserer neuen Synagoge gegen den Willen unseres Herrn Vorstehers eingeführt worden ist, leistet noch nicht einen solchen Sirenengesang, daß die Gemeindemitglieder einem unwiderstehlichen Zug in die schöne Synagoge von ihren Schreibpulten weg folgen werden. Eine schöne Synagoge haben wir jetzt und zu ihrer Einweihung waren die Spitzen der Behörden anwesend, die Vertreter anderer Konfessionen, das Fest ist. wunderschön gelungen. Effektvolle Momente wurden erzielt. Die Reden fanden Beifalls-und nun weiter? Bald wird die neue Synagoge eben so leer stehen wie die alte es war. Von ihr aus erwarten wir trotz aller Feierlichkeiten keinen Vorteil, keine Förderung für das. Judentum. Solche Veranstaltungen haben nur Wert, wenn sie das Zeichen wahrer Liebe zum Judentum sind, wenn sie nur einigermaßen den Ausdruck opferfreudiger Begeisterung für die jüdischen Pflichten darstellen. Aber wenn sie nur als Ersatz für die Betätigung des Judentums im Leben gelten sollen, dann bilden sie den Maßstab für die Größe der Verkennung der jüdischen Pflichten für die Weite der Kluft, die zwischen dem wahren Judentum gähnt und dem, was da an Aeußerlichkeiten für den verfliegen den Augenblick geboten wird. Allerdings müssen wir unserer Gemeinde doch eine Einrichtung, die sie getroffen hat, ,,zum Guten erwähnen". Eine Einrichtung, die bei den offiziellen Berichten von der Einweihung bei Leibe nicht mit einem Sterbenswörtchen genannt zuwerdengewürdigt wurde. Ist sie doch nur aus der Initiative und zum größten Teil auch durch das Opfer eines einzelnen Mannes errichtet worden, unseres langjährigen Herrn. Vorstehers Selig Cohn. Von dieser Einrichtung allein, die sich in einem bescheidenen Winkel im Kellerraum unserer Synagoge befindet, erwarten wir jüdisches Leben, aufblühendes Judentum. AndereGemeinden könnten sich ein Beispiel nehmen an dieser in jeder Beziehungmustergiltigen Mikwoh. Sowohl was das Kaschruß als die äußere Ausstattung, in blendendweißem Marmor ausgeführt, betrifft beweist das neue Mikwoh, daß das alte Tauchbad auch in moderner Einrichtung erscheinen kann. Hygienisch und komfortabel, wie das schönste Bad nur ausgeführt sein kann. In der ganzen Umgegend im Industriegebiet wird man nunmehr der großen Opfer und der beschwerlichen Reisen, die der frühere Mangel nötig machte, überhoben sein. Aber auch manche unserer Frauen, denen der Mangel einer der Neuzeit entsprechenden Anlage bisher zum Vorwand diente, wird sich entschueßen, das wichtigste Gebot für jede jüdische Ehegattin jetzt gewissenhaft zu erfüllen. Dann — aber auch nur dann — werden wir mit Genugtuung und Stolz der festlichen Tage der Einweihung gedenken, allerdings nicht wegen dessen, was betont,, sondern dessen, was verschwiegen, nicht wegen dessen, was gefeiert und bewundert wurde, sondern wegen dessen, das den in die Tat übersetzte Gedanke des -prA« oy rü1? yasn darstellt. Die praktische kldik des Judentums und ihre Ankunft. Fragmente ans den Sprüchen Salomos) (Fortsetzung.) Trotzdem schreiten unsere Massen geeint einem Ziele zu, wenn fie gesondert sich halten, pum ist der Begriff der Einigung und der Trennung in einem Ausdruck. Denn eine Einigung Gletchgefinnter und gleich Strebender ist nicht denkbar, ohne reinliche Scheidung von anders Denkenden und anderes Erstrebenden. Wo wären heute die einsichtsvollen Männer in geachteter sozialer. Stellung, die so handelten, wie Joseph, da er sich seine Brüder bet Pharao vorstellen ließ? Welche Ehrenstcllunaerr hätten sie kraft ihrer hohen Verwandtschaft im ägyptischen Heer in bunten goldbestickten Röcken gewinnen können. Doch nicht die einigenden, die trennenden Momenteläßt Joseph fie gleich hervorheben,um jedemBersuch, eine Verbrüderung herbeizuführen, von Vorneherein vorzubeugen. „Wir unsere Väter und Ahnen waren Viehzüchter." Die Verschiedenheit zwischen uns ist unleugbar und unauslöschbar- Welcher Charakterzug! So haben sie auf fürstliche Ehren, verzichtet, nicht auf irdische Anerkennung und Sicherstellung des Besitzes ihr Mühen gerichtet, wollten lieber der Spinne gleich in vertrauensvollem Fleiße dienen, feine Seidenfäden von unscheinbarem materiellem'Werte spinnen, um im den Menschenwohnsitzen Netze zu wirkest, die |5te gefährlichen Insekten und schädliche Wesen darin fangend ertöten. So führt nicht die Ehre, sondern das Wirken uns in die Paläste ein. Unsere Verdienste um das Wohl der Menschheit, so der Geist der wahren Gotteslehre mit Ernst uns beseelt, machen uns unsterblich. Was aber ist es zumeist, was den Zögling zuerst von ben Pfaden abdrängt, die zum sichern Ziele führen, zur rechten Arbeit, was ist es, was vorzeitig die Kraft ihm raubt zum Manne zu erstarken? Was webt den Schleier um seinen fteien Blick, dem Auge die Aussicht und Einsicht verhüllend? Nichts als die lockende Sprache ter Sckdangenweisheit, die die nackte Tierheit als des Menschen trß irdigste Bekleidung preist) nicht, nur Leidenschaften nachtlgehen, sondern Empfindungen wachzurufen, des Lffenschen ehrenvollstes Merkmal, die Sprache, durch leichtfertiges Reden zu entwürdigen, in der Herabwürdigung zum Tier den größten Geisteswitz p bewundern, und außer dem Beruf nur noch ein Vergnügen zu kennen, im Sumpf der Gemeinheit zu wühlen, und durch den Schlamm des Schmutzes zu waten, je größer, desto lieber. Das ist das Verderbnis in den Lebensgewohnheiten, deren Blöße nachher in den leichten Tüll moderner sogenannter Philosophie verführerisch stets nach" der. neuesten Mode eingekleidet wird, nicht ohne nach griechischer Sitte ihr Blumen zu streuen und Rosen um die Schläfe zu winden. DaS ist der gefürchtete Feind der göttlichen Sitte Und lauteren Wahrheitder mit Tiereskraft und mit Naturgewalt vorwärts schreitet auf der Bahn des Levens, sie sich zu zerstören. Aber gerade auf diese mächttg wirkende Kraft im Menschen weist uns der Dichter hin, um uns zu Bewußtsein zu bringen, welch größere Kraftleistung wir üben, wenn wir mit festem Willen und heiligem Ernst die Sitte siegen lassen, den Menschen über das Tier in uns: „Wer sich selbst beherrschtest tapferer als der Städteerooerer."s So hatte er bereits 15,32 gesprochen. Keine Kvrperkraft ist der Kraft zu vergleichen, mit der der Geist den Staub besiegt. Denn hier wirkt nicht die quantttative-graditative Uebermacht gleich gearteter Elemente, hier wttkt der quanitative Vorzug des Sittlichen über das Leiblich: Sinnliche.