Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 34 (22.8.1907)
- Date
- 1907-08-22
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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777 -p|—--—Pi—— *-'•■:- •-- - --»' SS SZ. AugU't 1907. ... Der Israeli!. baldigst einen: anderen Posten für ihn. - Gerade. in den letzten Jahren sind ja G: s. D.: die Organisationen erstarkt, die den Einzelnen die Heilighaltung des Sabbaths erleichtern wollen. Wissetihr selbst nicht Bescheid, wohin ihr euch wenden könntet, dann> gehet wieder hin zu euren Lehrern' rmd Rabbinern, ihre heilige Pflicht ist. es, euch zur Seite zu stehen. — Aber auch eure Kinder machet darauf aufmerksam, daß nun die Zeit - gekommen ' ist, da auch sie voraussichtlich : - für - ihre Ueberzengung materielle Opfer zu bringen haben,- denn oft wird an sie die Versuchung herantreten, eine bessere Stelle zu ge-- minnen, wenn sie den Sabbath entweihten/ aber gleichzeitig könntet ihr ihnen sagen, daß es für . ' denjenigen, der es ehrlich will, mit Gottes Hilfe immer möglich sein wird, als treuer Jude seinen Lebenspfad zu gehen. Ist es euch gelungen, in euren Kindern diese Ueberzeügung und den festen . Willen, ihr entsprechend, zu leben, fortzupflanzeu, dann habt ihr eure Pflicht als jüdische Eltern erfüllt. Gebe Gott uns/ allen hierzu die Kraft." Mel der Heitere und seine Zeit. .... Bezeichnend für. die Zeit .ist der Ausspruch, den uns die Mischna von NitarHoarbeli erhalten hat: Halt Dich fern von einem bösen Nachbar, gehe kein Bündnis? ein mit einem Bösewicht,. ' glaube nicht, daß die Strafe' ausbleiben. wird. — Das Verhältnis Jochanans zu den Sadduzäern wurde immer inniger, während er die Gesetzestreuen, von den Sadduzäern' beeinflußt, immer kälter und schon feindlichbehandelte, bis' es gelegentlich der vom Talmud überlieferten Szene ‘ beim Siegesfest Jochanans zum offenen- Bruch und zur 'Verfolgung der. Thoralehrer-kam. Der - ganze Ingrimm und der glühende Haß kam da zum Ausbruch, dendieSaddnzäer gegen die - Gesetzestreuen bewahrt und . . mitdem, sie Jochanan zu erfüllen verstanden^ hatten. So ist der letzte:. Teil seiner Regierungszeit mit. blutigen Greueln gegen die Thoralehrer und-ihre.Schüler und das Volk, das an dem Worte seiner Lehrer festhielt, ausgefüllt. Josua ben Prachia war nach . Alexandrien entflohen und kehrte erst nach Jerusalem zurück, als zu Anfang der Regierung Alexanders Jannai durch den wohltuenden Einfluß Simons ben Schetach, des Schwagers des Königs, ruhigere Zustände - eingetreten wären. . Auch diese waren :' nicht von länger Dauer, die '. Sadduzäer-'holten zu einem' neuen. Schlage aus, '.Alexänder Jannai verhöhnte am Sukkotfeste vor' versammeltem Volke, im Vorhofe des Heiligtums . - die Unantastbarkeit der. Tradition, indem er. das Wasser der Festesspende auf seine Füße ausgoß. Diese frivole. Tat. sollte , eine Kraftprobe sein, zu - der ihn die Sadduzäer aufgestachelt hätten, denn . als: das Volk beim Anblick der empörenden Handlung die Ethrogim, die einzige Waffe, die .. es bei-.sich trug, auf den Frevler schleuderte, da sielen die bereitgestellten, heidnischen Söldner über . die Wehrlosen her und töteten sechstausend von. ihnen. . -././ . ■ - —/ Doch war dies, erst der Anfang der'bitteren Leiden, die. Alexa'nder Jannai über das jüdische Volk .brachte. - Sechs Jahre lang wütete er/gegen . die Peruschim, d. i. das Volk und seine geistigen ' Führer/ und in 'diesem. Zeitraum tötete er über .. fünfzigtausend selner eigmenUntertanen. In ,-der NoMchr/Wüffen'-die/Peruschim ein Bündnis mitDemetrius, .dem/ Herrscher, von Damaskus, ' um sich /der. fremden/ Söldner Zllexanders zu er- : wehren. Alexander. unterlag in der Schlacht und mußte' fliehen. ...Da -bemitleidete das so schwer ^gepeinigte Volk seinen König und viele schlossen sich dem.flüchtigen Alexander an,, .sodaß er der-Vernichtungentging:; Doch hatte er'seine Gesinnung nicht geändert. Kaum erholt, begann eri die Verfolgung aufs. - neue, bis eine tückische Krankheit -ihn'im schönsten ..--Mannesalter'dahinraffte.'' -. In der Regierung folgte ihm seine edle Gattin, . .-Salome, die. Schwester .Simons ben Schetach. > Die neun■:■- Jahre, die sie/ die Krone. trug, - gehören „ zu den glücklichsten während des zweiten .Tempels:-//-Die Verwaltung des Landes lag in den Händen der Perus chim und da zeigte es sich, daß diese mit ihrer Treue zum Thoragesetze die innigste Fürsorge für das nationale und soziale Wohl des Volkes zu verbinden wußten. Frieden nach außen und im in neun, Segen und Wohlstand auf allen Gebieten des Erw erb siebens.und ein Aufblühen der Thorastätten zeichnen ihre .Regierungszeit aus. In feierlicher Aufforderung ward der greise Juda ben.Tabbai aus Aegypten wohin er vor dem Schwerte Alexanders geflohen war, nach Jerusalem zurückgerufen und . arbeitete zusammen mit Simon ben Schetach. an der Neubelebung der verödeten Lehrhäuser. In ihrem Amte als Naßi und: Ab Beth Din folgten ihnen Schemaja und Abtalion noch zu Lebzeiten Salomes. - In diese Zeit auch fällt der erste uns bekannte Aufenthalt Hillels in Jerusalem. , Hillel war ein Mann von vierzig Jahren, -als er Babel verließ, um die Tradition aus dem Munde Schemajas und Abtalions zu empfangen^' Wir haben bereits, gesehen, daß in Babel das' Studium der. Thora und die Ausübung ihrer Gesetze niemals eine Unterbrechung erlitten hatten, und daß ein. inniges Verhältnis: die Gola mit . dem Heiligtum in Jerusalem und dem großen Sanhedrin verknüpfte. In dieses wurden' die bedeutendsten. Lehrer Israels berufen, denn die . Entscheidung des obersten Gerichtshofes.au heiliger Stätte ist nach , dem Thoragesetz in allen zweifelhaften Fällen auf dem Gebiete der Tradition - maßgebend. Dort, in Jerusalem, strömten, sobald nur einigermaßen die Ruhe und der Frieden wiederhergestellt waren, Lehrer und Schüler aus allen Teilen der Diaspora zusammen, welche die Sehnsucht nach der heiligen Erde und der Gottesstätte undxder Wissensdrang antrieb, die bequemeren Verhältniffe au^ugeben und die Quelle der Thorakenntnis mit durstiger Seele auszusuchen. Der Talmud berichtet uns von einem wohl- - habenden Bruder Hillels,. der sich mit Handel beschäftigte, aber.nicht das Glück hatte, wie dies. wohl-vorkam, durch, seinen Reichtum Hillel vor Armut zu . schützen und so . Anteil an seinen Geistesschützen zu gewinnen. Hillel lebte in Jerusalem in der größten Armut, die Hälfte seines : täglichen Verdienstes-: als Holzfäller gab er. dem Pförtnerdes Lehrhauses, - der ähnlich wie später Jabne unter Rabban Gamliel durch Erheben eines Eintrittsgeldes Unwürdige vom Lehrhause /fernhalten sollte, die andere Hälfte diente zum Unterhalte seiner Familie. Daß auch dieser kärgliche Verdienst nicht regelmäßig war, beweist die rührende Erzählung im Talmud, in der geschildert wird, wie. Hillel, als er einmal das Eintrittsgeld nicht zahlen, konnte, von der Dachluke' des/Lehrhauses aus auf die Worte des lebendigen Gottes aus dem Munde von Schemaja. und Abtalion lauschte und dort im Schnee erstarrte, bis die Häupter des Lehrhauses auf ihn aufmerksam wurden und ihn durch liebevolle Pflege zum ^Leben zurückriefen. " - , Hillel kehrte nach Babel zurück, lernend und lehrend, rmd wir begegnen ihm erst wieder, als er einige Jahrzehnte später vor dem Pest achfeste, . dessen Rüsttag in jenem Jahre auf einen Sabbath fiel, in - Jerusalem eine halachische Entscheidung für das ganze Volk traf und bei dieser Veranlassung die Aufmerksamkeit der . edlen Bene 5 Bethera: auf sich. zog. Die Zeiten hatten sich inzwischen im heiligen Lande sehr geändert. Nach dem Tode./Salomes' war der Bruderkrieg zwischen : Hyrkän und/ Aristobul ausgebrochen, nach vielen Wirren/und' Unruhen hatten diese es soweit - gebrächt,' daß -Palästina von Rom abhängig wurde und /daß im Innern der Jdumäer Antipater und - dessen Söhne die. ganze-politische Macht an sich /rissen. /Römische Feldherren und ihre Legionen /waren zur Trauer des Volkes kein ungewohnter. - Anblick Mehr in den Mauern der heiligen Stadt, und, wie Halewy eine bis jetzt in Dunkel ge; hüllte Episode von . weitgehender ' Bedeutung genial erklärt hat, war auf Anraten Antipaters, durch . den - römischen Statthalter Syriens, Gabinkus, das Sanhedrin aufgehoben worden. - Durch diesen Staatsstreich-hoffte der idumäische No. 34. Seite 19. Usurpator die Macht des Volkes, die sich in seinem' Sanhedrin konzentriete, zu brechen und sich . selbst zum Begründer einer autokratischen Dynastie nach damaligem römischen Muster zu - machen. Schemaja und Abtalion waren inzwischen gestorben und die dringendsten Pflichten des.Sanhedrin, die dieses unter dem Naßi und dem Ab Beth Din bis dahin versehen, hatten die Hgupter der Familie Bethera auf sich genommen. So kam es, daß bis kurz vor dem Pessachfeste die Frage nicht entschieden war, ob die Darbringung des Peffachopfers den Sabbath verdränge oder nicht. Wie Halewy treffend ausführt, weisen alle Einzelheiten dieser merkwürdigen Begebenheit darauf hin, daß die Frage, die bereits.am Nenmondstnge des Nistan hätte entschieden werden können, darum solange offen blieb und auch da nicht in einer Sitzung des Sanhedrin, sondern vor versammeltem Volke zur Erörterung kam, weil eben damals das Sanhedrin nicht bestand und erst der Mann gefunden werden mußte, der hierüber eine unzweideutige Ueberlieferung besaß. So erschien Hillel, der Babylonier, vor den Bene Bethera und aus seiner sach- . gemäßen klaren Behandlung des zweifelhaften Falles ersahen sie sofort, daß ein bedeutender Gelehrter vor ihnen stand. Für die Entscheidung aber war maßgehend, daß Hillel der Schüler von Schemaja und Abtalion war! und von diesen auch, über: die vorliegende Frage die Tradition empfangen hatte. - Da vollzog sich vor den Augen des . versammelten Volkes ein Akt, der den Bene Bethera für immer ein ehrendes, bewunderndes Gedenken sichert. Sie hatten in Hillel den Mann erkannt, der die Fähigkeiten besaß, in dieser stürmischen, gefahrvollen Zeit am Steuer, der jüdischen Nation zu stehen und da zögerten -sie keinen Augenblick, in selbstloser Weise zurückzu-- treten und die geistige Führung Israels in Hillels Hände zu legen. And dieser, heißt es iM Talmud weiter, erklärte den ganzen Tag die Vorschriften des Pesfach. In seinem. Schmerze über die traurigen Verhältniffe tadelte er mit mahnenden Worten diejenigen, die es versäumt hatten, sich den ganzen Inhalt der Tradition im Lehrhause Schemajas und Abtalions einzuprägen. Er sprach t zu ihnen: Was ist Schuld daran, daß ich erst aus Babel kommen mußte, euer Naßi zu fein! Nur euere Nachlässigkeit, daß ihr euch nicht den beiden großen Führern ^des Zeitalters, Schemaja und Abtalion, angeschloffen habt. — Man fragte ihn: Lehrer, wenn einer am Freitag vergessen - hat, das Schlachtmesser nach dem Tempelbera zu bringen, wie ist es dann (da man am Sabbath dasselbe nicht , tragen darf und dies eine Vorbereitung des Peffachopfers ist, die schon vor dem Sabbath getroffen werden konnte)? Da erwiderte Hillel in feiner Wahrhaftigkeit: Diese Vorschrift habe ich empfangen, habe, sie aber vergessen, laßt aber Israel gewähren, wenn, sie auch keine Propheten sind, so sind sie Kinder der Propheten und werden nach altem Brauch das Richtige treffen. Am anderen Tage konnte man beobachten, wie diejenigen, deren Pestachopfer ein Lamm war, das Messer in die Wolle steckten, bei einem Ziegenböckchen zwischen die Hörner. Als Hillel dies sah, erinnerte er sich wieder der Vorschrift und sprach: So. habe ich die Ueberlieferung von Schemaja und Abtalion empfangen. ßomspondenzen u.ßacbricbten. Köln. Zum Jahresschluß können wir be-' friedigt auf eine Einrichtung des Vereins für die jüdischen Interessen Rheinlands zurückblicken, welche, da sie dem.Thorastudium gewidmet ist, eine der schönsten Resultate des Vereins darstellt. Seitdem der Verein vor anderthalb Jahren die Fortbildungskurse für Lehrer eingerichtet /hat, sind dieselben in steigender Entwickelung begriffen. Sie zeitigen. deshalb greifbare Früchte, weil in denselben nicht über die jüdischen Disziplinen gesprochen und diskütirr wird, sondern es werden die Folianten aufgeschlageu, und jeder selbst schöpftun-, vermittelt aus derreichen Fülle unserer göttlichen Geistesschätze. Es bestehen zwei verschiedene Kurse.