Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 34 (22.8.1907)
- Date
- 1907-08-22
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 18. Rr. 34. Der Israelit. •22. August 1907. Vätern gleich am Sinai stehend? 'War uns bie‘. Thora das Go ttes Wort, aus dem wir lernen, Lebensgehalt schöpfen wollten," oder war sie ein .Buch, gut genug, unsere Geistesschärfe daran zu versuchen — und zu zeigen? Wenn wir uns hinsetzten, sie zu lehren: war dann jeder Buch-" stabe uns ein heiliger, nichts zu klein, um es mit frommer Ehrfurcht' zu beachten,/ 5 damit das Kleinste zum großen Gesamtbild-sich füge/ daraus den / Sinn fürs Leben zu gewinnen? Wären wir uns gewissenhaft bewußt, daß die Art wie wir lehren, wie wirdas Empfangene weitergeben,- die ' Bürgschaft bieten oder? preisgeben müsse, daß die Saaten fruchtbringend aufgehen. Konnte nicht auch über unsere/Zeiten der Prophet/klagen: Die die Thora zu/ihrem Beruf gemachthatten mich nicht erkannt! Wie stoß das Gebet von unseren Lippen, ward es — wie die - Weisen sich ausdrücken — wie eine lästige Pflichtarbeit gedankenlos von.den Lippen geleiert, oder sagten wir uns, „däßGott das Herz dabei will?" Begriffen und verstanden wir den edeln Inhalt der uns vorgeschriebenen Bitten und die in ihnen enthaltenen Mahnungen zur Pflichterfüllung? Blieb /unser Haus die Pflegestätte der/von uns geforderten Lebensführung? Blieb „unser Lager heilig" im Bewußtsein/des uns /überall und stets ■ schauenden Auges,, blieb das. Wort unserer Lippen vornehm und lauter, in etustem Gedenken unseres hohen Menschenwertes/ blieb unser Gedanke währ und rein in unvergessenem Erinnern, daß „Gott Herz / und Nieren prüft?" - War im gefchäftlichen Leben, in Handel und Wandel, uns gegenwärtig das sich so oft wiederholende Thorawort: „Ich bin Gott, euer Gott, bewährt zu belohnen und zu bestrafen." Benachteiliget nicht einer den . andern, sagt nicht die Unwahrheit, kennet die '' Grenzen von Mein und Dein, leget dem Blinden keinen Fallstrick, erschweret das Los des Arbeitenden nicht, wollet/. ihm nicht den Lohn vor- 7 enthalten, gib Deinem Bruder keine Zinsen und nimm von ihm solche nicht, beherrschet nicht mit Strenge einander. Wenn . Dein Bruder bei Dir verarmt, stütze ihn, wenn er zu wanken beginnt. Oeffnen, öffnen sollst Du wiederholt und wiederholt Deine Hand. Du sollstdas Gute und das Gerade üben . . . War alles das unser Geschäftsprinzip? Undwenn wir. auf dem Gebiete der Hilfeleistung liebend uns dem Brüder , genähert/ war es aus Liebe, .war es i n . Liebe,. 7 haben wir'nicht nur . Geld ihm gewährt, haben auch unser Gemüt ihm dargeboten, - haben nicht unwirsch: ihn von. der. Tür. gewiesen oder barsch Wetter kaufmännischen Unterricht zu nehmen. Cohn hatte - ihnen die Verhältnisse der Familie '- Basch auseinander gesetzt, und sie wußten, .daß - für Joseph / diese Anstellung wahrscheinlich die Rettung von religiösem und sitÜi'chem.Verkommen sei. ' Es war-großer Jubel bei Familie Basch,. ' als Joseph mit der' frohen Mitteilung nach Hause kam. „Nun aber gleich zu' Herrn Bär,' ihm danken wir doch das meiste", sagte Joseph/' „Es . war der Mal'ach min Haschomajim (Bote vom - Himmel)"/ sagte der. Vater innig hinzu, „ja, wir. wollen es ihm gleich sagen," Sie eilten in die . -' Wohnung des Studenten.'/ „Sie, bringen 'was Gutes, masöltaüw"/ rief.Markus, alser sie sah Joseph ' erzählte von der großen -Freundlichkeit der - Chefs, die' ihn' unter so/ besonders günstigen / Bedingungen engagiert hätten. „Na, also die erste Stufe zum Kommerzienrat haben Sie jetzttzetrelen,. nehmen. Sie.Ihre/ Chefs - als, Muster^, scherzte Markus. „Und mit Gottes. Hilfe immer' als. braver Jehudi bei dem Beispiel,/ das ist Wohl noch / wichtiger", / setzte der alte /Basch? hinzu'. - „Ihnendanken wir das alles-/ das S'chus/soll '- Ihnen beistehen." Markus lehnte den Dank ab. „Es war göttliche Fügung, 'das. behalten Sie. . ttnm'erim Auge, lieber Joseph. Hätte' mir /als . Knabe, mein teurer'Freund, der Rabbiner, nicht so -fest die- Einhaltung' des. Maaffergebotes eingeprägt, nie wären / wir einander näher getreten. . Als' kleiner Knabe lehrten- Sie mich,: däß . jedes , göttliche Gebot ein Engel, ein Bote - vom- Allmächtigen ist; und den Löhn für diese Guttat .'ernten Sie-, nun selbst So zieht jede^verdienst-, liche Tat immer. neue nach sich." .und rauh beschämend ihm /gegeben, beschämender ihn „verdienen lasten," „ihn uns' zu Dank ver-/ pflichtet", „ihm geholfen"? Haben wir im öffentlichen Leben/ /derjüdischen Gesamtheit' die Eigenschaft als.Jehudi vor die des zufälligen Amtes und der zufälligen Eigenschaften gestellt? W ar d em P rop h ete'u Jo n ah g le i ch i mm er unser erster und. einziger Beruf?' Waren wir solch ein 'N2p , daß, wenn auch die Stürme uns umtosten und / unser „Lebensschiff selbst 511 scheitern drohte" und unsere Person den Verschlingenden/ Fluten preisgegeben wurde,'/^ der Unerschrockene/Jwriberüf/./der-Nöte / wert erschien. / Haben , wir cs begriffen, daß im jüdischen Gemeindeleben dieselbe Moral gefordert Wird wie im Einzelleben. Wußten wir/ stets, daß. gerade die jüdische Gesamtheit ein heilig Volk sein - müffe und in ihrer Gesamtheit äin ehesten: bleiben könne? — — War so innig unser Empfinden, fühlten wir uns Gott. so nahe) unfern vertrauenswürdigen'.Freund, blieben wir Ihm so vertrauenswerte Freunde? — Gar oft hört man' darüber klagen, daß die Kinder--wahrhaft jüdischer. Eltern im Denken und Tun' dem Jud entum. entfremd et / werden , -/ Un d wenn man Gelegenheit-hat, junge Leute,, die das' Elternhaus verlaßenhaben, genauer zu kennen, .so' muß / man .leider die Berechtigung '. solcher/ -Klagen nur zu oft anerkennen. Da ist/eine Mutter sorgsam bemüht,/daß ihr Haushalt nicht durch verbotene Speisen verunreinigt werde,' /sie/ hak-die Tochter daran gewöhnt, alles so zu tun, daß. nicht irgend, ein Unrecht./ geschehen kann —. und die Tochter kommt in . eine fremde Stadt, vielleicht hat die Mntter ihr noch ein Haus ausfindig gemacht, in / dem sie. als.gesetzcstreue Jüdin leben kann, vielleicht auch in einem Geschäft die Erlaubnis durchgesetzt, daß sie den Sabbat nicht zu entweihen braucht, und nach einigen Monaten lebt das junge Mädchen, .als habe 'sie nie ein jüdisches Elternhaus besessen. Da ist ein Pateremsig bemüht einer der ersten an jedem Morgen in der Synagoge zu sein, auf der Reise enthaltsam, um auch //nicht das - Geringste zu genießen, von dem er. fürchtet, es könnte verbotene Nahrung darin enthalten sein — und der Sohn kommt in'die Stadt,' vielleicht ist ihm vom,Vater/ eine Stelle als Lehrling 'zugewiesen,. in der er den? Sabbath halten. rann, kaum wird er - aus. der Lehre/ entlassen, da gibt es für: ihn keinen Sabbath und keinen jüdischen Festtag mehr, für eine Ermahnung hat er nur eine, grobe Antwort oder eine: Verhöhnung- Und woran liegt das?. Diese Frage/ sollte jeder Vater und jede Mutter sich vorlegen,' aber nicht erst, wenn es zu spät ist. Nicht. erst, wenn ihr eure Kinder in oie Fremde schickt) wenn. ihr sie 'noch//länge bei euch habt, dannfragt euch, woran liegt es, daß soviel junge . Leute aus guten/-jüdischen/Häusern, so leicht dem. Judentum/entfremdet werden.' - . Wir stehen im Elul, dem Monate der-Selbstprüfung, der uns für den Tischri vorbereiten soll, da sei uns ein offenes Wort gestattet.//Mit Unrecht macht manch' unglücklicher Vater, manch' unglückliche -Mutter/ dem abgefallenen Kinde die?Vorwürfe. Gegen /sich /selbst müßten sie diese erheben. Werdet ihr denn euren - Pflichten gegen eure Kinder - immer, gerecht? Es genügt nicht, /wennihr - selbst bestrebt seid, - eure Aufgabe als; Juden zu erfüllenvon klein auf müßt ihr auch' /eure Kinder dazu erziehen.-' Erziehen-durch.weise Fürsorge, nicht durch harten /Zwang oder .durch.. , - Scheltworte.' Die Kinder müssen sehen,, -wie be- ' glückt die Eltern sindals Juden zu leben, und wenü sie heränwachsen- ' dann -.müssen sie/lernen, was sie/als Juden zu tun haben und. wie sie es zu tun haben. Und wenn, -die 'Heranwachsenden ' Kinder - fragen, weshalb - sie das göttliche- Gesetz befolgen sollen, dann werdet nicht unwirsch ob dew Frage,' freut euch, vielmehr,? daß ihr ein denkendes Kind habt.7 Antwortet nach Maßgabe 7 des/kindlichen Verstandesuild /wenn--die Äütwort dem wißbegierigen Kinde? nicht - genügt, werdet nicht unwillig'.'. Es liegt vielleicht mehr'-an euchals-uu/dem: Kinde./?Jhr. habt vielleicht selbst./zu/ wenig gelernt, um-. -das - Kind beftiedigen zu/ ,können. Bedenket,- ihr -habt seit Jahren in/ schwerer Berufsarbeit /.nicht Zeit - genug gefunden,/ um euch selbst weiterzubilden,? vielleicht. ist auch in eurer Erziehung etwas vernachlässigt. Wenn/ ihr keine Antwort wisset, 0 geratet nicht .in Zorn)? machet nicht von eurer'Macht über euer Kind Gebrauch, indem, ihr es durch, ein'barsches Wort zur Ruhe verweist. Denket daran, Gott will das Herz, und n immer werdet ihr durch ein brutales Verbot, weiter zu ftagen,' das^Herz des Kindes - der Gotteslehre gewinnen. Wißt ihr keine Antwort,' -so wendet euch an /eure geistigen Führer, an . den -Lehrer oder an den Rabbiner. Aber achtet bei Zeiten darauf, daß die Männer, die ihr zu solch hohem Führerantt berufet, auch die Fähigkeiten -dazu/haben. / Nicht / die gute Stimme, nicht - die .berauschende -Beredtsamkeit ' macht zu solchen Ehrenämtern - befähigt,, sondern. - der. klare Verstand und vor allem das wahre: und warme Herz ihr' einwandfreies jüdisches. Pflichtenleben. — /, Gehet hin zu den Männern, zu denen ihr selbst Verträuen/ habt, /sie werden sich' freuen des.' nachdenkenden Kindes, und sie werden ihm - antworten und .das Kind wird fühlen, daß. es den tiefen Wesensgrund des Judentums zu verstehen beginnt und wird mit doppelter Freude bewußt erfüllen, was es bisher nur aus Gewohnheit getan. '''' - " //:/;- 7;.?/-// Und ivenn nun die schwere'Stünde kommt, daihr das Kind . aus. dem Elternhause/entlässen müßt- - vielleicht noch in / zartem Alter, um in einem/größeren Ort die Schule zu besuchen, oder ' gerade in den .Jahren der wichtigsten seelischen/ /und körperlichelr Entwickelung,' dannseid gar. vorsichtig iu der Auswahl desHaüses,demihr das' Teuerste aüvertraut, das. ihr besitzt. Begnüget/ euch nicht mit Empfehlungen oder mit klangvollen Namen, ./bringetselbst eure Kinder an die Stätte, die das Elternhaus vertreten soll/ /schauet euch aufmerksam um, ob ihr das Kind / wirklich einer sorgsamen Leitung änvertraüt. - Und. sorget auch / dafür, daß es in jüdischem Wissen und Fühlen weiter gefördert werde.. Es braucht nicht gerade. das Haus von 'Erziehern im .Beruf zu sein, . denen ihr. 7 das Kind anvertrauet. / Im Hause . schlichter Leute gelingt dre Erziehung häufig viel besser.' Samriels Vater Elkanah fürchtete sogar, .Samuel, seinen Sohn, tu das Haus gar des Hoh'epriesters zu bringen.. An die Einwilligung, ' die er - dazu, dem-.Wunsche seiner Frauentsprechend, gibt, knüpft er die zweifelnden Worte: „Doch möge Gott nur seine Verheißung am Kindeerfüllen." ' —?: Denn in des allzu nachsichtigen und schwachen? Eli's Hause hätten dessen / Söhne Chofni und Pineas gar schlechte Beispiele. dem / fremden Zögling geben /können. So oft es euch / möglich/ ist- /überzeuget / euch / selbst. von dem Ergehen des Kindeskommet ihm mit Verttauen entgegen, daß es Verttauen zu euch habe.: Last et den Sohn / und die .Tochter in der Fremde erkennen, wie / ihr// daheim , im Elterrchwrse ihre Sorgen, mitträget, weil - eure '' Gedanken eure. . Kinder stets begleiten, dannwerden sie mit offenem' / ehrlichem Blick'/euch / /stets /entgegentreten- .und wenn ihr an ihrem Leben etwas, zu/tadeln häbt, dann tut es -mit Aebe rmd. Strenge, nie mit Härte.. ' Euer Schmerz/wird das /gefährdete Kind euch innerlich - zurückgewinnen, aber nicht euer Zorm —. Wenn ihr erkennet, daß .ihr . euch in den Menschen, denen, ihr, euer: Kind gabt, getäuscht habt,' dann seid - entschieden/und/nehmet , es zurück und" suchet: mit - verdoppelter Umsicht .nach einem Hause, das dem /Kinde / die/Eltern vertreten kann.. Verwandtschaft/ darf vor allem? Bei? der -- Auswahl des Aufenthaltes/ eurer/Kinder keine Rolle spielen. Leben; die Verwandten nicht religiös, dann dürft ihr ihnen' das Kind,.das ihr religiös erziehen wolletnicht überantworen. . Und wenn eure Kinder rrun selbständig en denr Erwerbsleben zu stehen - haben, wenn nicht mehr? die Eltern für. sie mit materieller Hilfe sorgen' können) dann-zeiget ihnen, daß;//euere moralische Verantwortlichkeitnicht -aufgehört hat. Rechtzeitig, bevor'der Sohn?aus der Lehre'.cnt- :lassen/wird, erkundigt euch/" ob. er?: in/ demselben Geschäft, weiterbleiben und uls /gesetzestreuer/Jude lebenkann.--/JstesindeßnichtMögÜch-Ldannffucht