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Der Israelit · 1907-08-22 · Heft 34 (22.8.1907) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 34 (22.8.1907)
Date
1907-08-22
Page
– (sequence 9)
Language
German
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.3, Jahrgang Monsk-Seilage zum „Melit VerantwortKcbe Redaktion: Rabbiner Dr. B. tdolf in Köln feSS^Il n« //„///;,/./ : ■ :: r ' Es ist gut, zum Abschluß des Jahres eine Rückschau zu halten, nicht, um zu wissen was geleistet, worden, sondern was noch zu leisten übrig bleibt, tlnd das. ist viel, sehr viel. Unendlich viel Zeit' /Uyd Krstft /gehört chazst)/ stm eine kleine Wirkung/.zu erzeugen'-und viel Ausdauer, um'wenigstens den kleinen Erfolgen' den Bestand' zu^sichern. ' Je mehr man mit Verhältnissen vertraut wird, desto gründlicherlernt man ihre Mängel - kennen. Je häufiger man sie im Alltagsgewand erblickt, desto deutlicher gewahrt man, wie das Festesgewand /nur, dazu da ist, unter 'Mttev den .Abschleiß zu verbergen. .Und doch, aller. Anfang' ist', schwer, das weiß man, es bleibt datum nicht ausgeschlossen, ' daß das Werden sich doch entwickelt. ' Sicher aber wird es, wenn der Gegenständ, dem die Arbeit gilt, ein heiliger ist, dem' mit seiner Uebergabe . an die Menschheit der Sieg in .ihr verheißen wurde. 'Wie das Judentum niestirbt, wie seine Lehre nie vergessen wird aus dem Munde seiner Nachkommen — aller seiner Nachkommen — so erlahmt auch nie die Arbeitsfreudigkeit und. der Opfermut, dieses Ziel, von dem wir wissen, daß es erreichbar ist, zuerreichen. Ist es doch die Eluldevise, die uns ermutigend zuruft: „Im selben Maße in dem ich meinem Freunde diene, gewährt mein Freund mir" 'h" /Hm" Hl“!1?" Diese Worte geben aber auch gleichzeitig äußer der Versicherung der- Erreichbarkeit des Arbeitszieles das Mittel, wie das Ziel erstrebt wird- , an. Gott ist als Freund bezeichnet! Die Innigkeit der Be- . ziehung soll dadurch zum 'Ausdruck gelangen.' Das ist es. Die gleichen Worte könnest von zwei verschiedenen Personen gesprochen werden. . Aus dem Munde des einen, machen sie Eindruck, und sie verfehlen ihn aus dem des andern. Desto mehr Mühe er sich aber geben wird, ihren Vortrag kunstvoll zu 'vollenden,- Um so unechter .klingen/sie, umso kälter empfinden wir die Gefühlserstarrung, über die'die dramatische Kunstschaustellung nicht hinwegtäuscht, ja sie weist uns gerade darauf hin. Nur das wahre.Gefühl kanninnig zum . Ausdruck gelangen. „Nur die Worte, hie aus dem Herzen dringen, finden Eingang ins Herz." Diese Innigkeit, kann, man sich nicht geben, sie fließt aus der Ueberzeugung. Wohl aber vermögen wir eine Ueberzeugung zu gewinnen, und zwar auf dem Wege wissenschaftlichen Denkens und denkender Beobachtung des Lebens. Beides verbunden gewährt die Ueber- - zeugung von der Richtigkeit einer Lebensauf- . fassung und Weltanschauung.. Die Folgerungen aus den Resultaten des Denkens und Beobachtens liegen aber auf dem Gebiete des Willens. Die Regelung des Willens und Handelns nach den gewonnenen Erkenntnissen, ist ja ganz einfach die praktische Anwendung der gefundenen Grundsätze. Keine Wissenschaft macht, bei der theoretischen Aufstellung ihrer Grundsätze Halt. Das Ziel jeder Wissenschaft bildet doch gerade die praktische Anwendung. Warum wollten wir also auf .dem -sittlich-religiösen Gebiete vor der Anerkennung und Ausübung des als wahr Erkannten Halt machen? Je klarer wir uns diese 7 Schlußfolgerung eingestehen, mit umso größerer Notwendigkeit werden wir zu dem von der Tauroh vorgezeichneten Lebensweg geführt, umso .inniger gestaltet sich dann unsere Beziehung zum . Schöpfer und Leiter unseres Geschickes. So ver- . stehen die Weisen schon den schlichten und eben darum so innigen Geftihlsausspruch Mosches: „Was fordert denn Gott, Dein Gott anders von Dir, als ihn zu ehrfürchten." Gottesfurcht ist. gar nicht .so eine kleine'Sache,., wie die'einfachen Worte -es zu besagest scheinen. Freilich für Moscheh ist Gottesfurcht etwas Selbstverständ liches. In dem Maße, in dem de^ Mensch die gött- . lichen Gebote-beobachtet, im selben Maße wächst, sein inniges Empfinden für Gott und Sein Gesetz. Nur „wenn er nicht" die Zeichen oben und unten," über sich und unter sich zu deuten versteht, „wird er glauben, das Sichtbare als das göttlich Gute im Lastde des Lebens zu erblicken." Das „wenn nicht" ist der Inhalt der Frage,^ die wir uns am Jahresabschluß vorzulegen haben. Haben wir alles Große und Kleine am Himmel und auf Erden, was vom Himmel und von der Erde uns geworden ist, zu Ihm in Beziehung gebracht? Haben wir das Hopen zu Gott zum. Born unserer stets wachsenden Lebenskraft und unseres sich stets erneuernden Lebensnmtes gemacht? War das Hoffen zu Gott immer Anfang.und Schluß unseres Gedankenganges? Hat uns das 'h Hm HHh MN stets vorgeschwebt? War unser Tun und Trachten von Innigkeit erfüllt? Wenn wir hintraten zur Thora und sprachen - den Segensspruch „gelobt sei der, der uns erwählt hat aus allen Völkern und; uns seine Thora gegeben," fühlte da das Herz, was der ' Mstnd sprach? Wenn wir uns niedersetzten zum Thorastudium, fühlten wir '. uns da als unseren Korr rtt etrrrr. ////: lbaa$$er. (Schlug.) /--./.. ■ /8^^/Eiar in - der/ Bemühung um den Jungen,'die beste Ablenkung -für seine sehnsüch.- tigen Gedanken. Er war ein viel zu vernünftiger Mensch, als daß er in Entsagustgsschmerz wühlen konnte. Während Ernas Unterricht verstand er es, alles /Persönliche auszuschalten, machte das junge Mädchen den Versuch dazu, ' lenkte er geschickt ab. Glücklicherweise blieb' das Interesse für -seinen Unterricht trotzdem, rege, sein- Einfluß verringerte sich nicht. . Bald, nur zu bald, wie er sich fast schmerzlich gestand, war die Liebe des: jungen Mädchens in' die Neigung - für den verehrtem Lehrer verwandelt, und Markus sah darin den Lohn für-, seine Ueberwindung. Die Liebe fürden Lehrer' übertrug Erna nun auf den Lehrgegenstastd, sie gab sich dem Studium ihrer.Religion mit leidenschaftlicher Freude hin... / Je mehr Markus Bär das beobachtete, umso ruhiger, würdeauch er.' Tannenberg veranlaßte ihiw. ^zu . häufigerem /.BesUch.der Museen - und Theater, ein Bildungselement, .das: ihm bisher fremd war,., und das ihn daher noch mehr anregte. /. Den gemütlichen - Verkehr /bei - Rektor Stein /hatten sie im. Winter' natürlich wieder ausgenommen. . Der/Kreis -hattesich erweitert) aber' -in sorgfältiger Ariswahl,>daß. die Harmonie nichh..gestött'.rwurde. . Eswar eiste./schöne/Vereinigung jüdischer /und < profaner Bildung, .die' nmchtigauf Bärs:Anschaüung einwirkte. Kultur- . werte, / die er nur aus Büchern kannte, waren dort längst dem täglichen Gebrauch angepaßt, es war ein. festes Jneinandergreifen. von Theorie und;: Praxis. / Natürlich brachte jugendlicher Ueberschwang, Vorkämpfung neuer Anschauungen auch manchmal Erhitzung, der Gemüter hervor, da bedurfte es nur eines Scherzwortes der Hausfrau, um jede Persönliche Schärfe zu beseitigen. Mit großer Aufmerksamkeit beobachtete Bär die wachsende Neigung Tannenbergs zu dem mun; teren Rektorstöchterlein, - die anscheinend auch .erwidert wurde. Das wäre,eine in . jeder Weise Passende ^Verbindung, wenn das junge Mädchen sich weiter entwickeln, würde, wie es seine Eigenart und der sie -umgebendende Kreis versprachen: Die frischeMunterke.it Rahel Steins harmonierte mit - der heiteren / Art seines Freundes. Bär freute sich, daß . Tannenberg das 'Glück wurde ' seiner Neigung für ein gleichgesinntes Mädchen. aus gleichgesinntem Kreise nachgeben zu dürfen/ er wußte ja am besten,-- wie schwer der Verzicht war- /.' Sprach Tannenberg auch nie darüber, so .merkte man ihm doch an der größeren Weichheit seines '.Wesens die Veränderung an / Rahel Stein hatte seine ' oft etwas derbe Ärlsdruckstoeise getadelt,' die . leicht einen- Zusammenstoß mit anderen brachte/ mnd Markus beobachtete lächend, wie seitdemjedes .Harte Wort, dort im Hause vermieden . wurde.' Bei einem Wohltätigkeitsfest hatten Erna Löwenberg .und Rahel Stein sich durch Bars Vermittlung kennen. gelernt,/ und die beiden jungen Mäücheu waren sich gleich so shm- P'athisch, daß sie bald Freundschaft schlossen. Die. beiderseitigen Eltern sahen es gern, die Mutter wußte ja durch die Studenten, daß Erna immer ttefen religiösen Sinn hatte, und Bankier Löwenberg wußte sein Kind in dem ebenso frommen wie feinen Hause gut aufgehoben^ Zum Frühling hatten beide Mädchen die Schule absolviert, sie wollten dann gemeinschaftlichen Unterricht in einem Fortbildungskursus nehmen. Kurz vor Peffach kam eines Tages der Kaufmann Cohn zu Markus Bär in das Zimmer. „Das ist ja ein seltenes Vergnügen", begrüßte ihn dieser. „Ich bringe Ihnen etwas Gutes", antwortete : Cohn, . „meine Chefs find bereit, Ihren Schützling ins Geschäft zu nehmen, wenn er ihnen persönlich zusagtt Er soll sich morgen vorstellen." „Nun bringt Ihr Besuch doppelte Freude", rief Markus, „ich will Joseph Basch dann benachrichtigen." „Er soll sich nur recht einfach und offen geben, so wird er am besten gefallen," rief Cohn. Markus..Bär ging sofort zu der Familie Basch. Joseph war jetzt zaghaft. Gerade beim Lernen hatte er. die. Lücken in seinen Kenntnissen erkannt.- Markus ermunterte, ihn, er werde auch späterhin nochLeit zur weiteren > Ausbildung finden, die Hauptsache sei, daß-er recht fleißig und gewissenhaft.seine -Pflicht tue. — Am anderen Tage ging Basch in das Büro zur Vorstellung. Den Chefs gefiel gerade'die. bescheidene Art, sie waren Menschenkenner genug, um die gute Begabung des Jungen zu erkennen, die wohl geeignet schien/ die geringe Schulbildung - auszugleichen'. Sieengagierten ihn und boten ihm gleichzeitig au, auf ihre Kosten

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