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Der Israelit · 1907-08-22 · Heft 34 (22.8.1907) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 34 (22.8.1907)
Date
1907-08-22
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seile 8. Nr. 34. ' ' > '-..-' Der Israelit. ' '"' " y '- ‘ 22. August.1807. politischen Zionismus ist iwch ungebahnt. Mer er ' muß begangen werden, wenn der Herzliche Zionisnius , die Parole bleiben soll. 'r- Abronowitsch, Delegierter der palästinensischen Arbeiterschaft/ tritt für unbedingte p r a k t i s ch r Palästinaarbeit ein. D r. Al ex. Marmorek: Wir sind in Gefahr, in die kleinliche Ghettopolitik' zurückzufallen,' aus der. uns Herzl herausgerissen hat. Die praktische Arbeit, die' die Mehrheit des Kongresses vertritt,, entspricht nicht mehr den Grundsätzen des politischen Zionismus. Wir müssen erst die große- Mehrheit des jüdischen Volkes hinter uns haben, und unsere Bank und den Nationalftmdszu wirklichen Machtfaktoren gemacht -haben. Eine geschlossene Einheit ist aber nur durch Toleranz gegenüber anderen Meinungen innerhalb der Bewegung zu erreichen. D r. W e i tz nt ä n n: Der. Charter wird erreicht sein, wenn das Volk will Aber dieser Wille muß/ ’ erst geschaffen werden, und zwar durch reale Arbeit ° in : Palästina, uird /nich t durch einseitige politische - Arbeit. Trotz aller Versicherungen der Sympathie, .die Arönarchen uns gegeben haben, wird doch keiner einen Finger jur uns rühren. Von unseren innere n/Bedürfnissen verstehen sie gar nichts. . England < , weiß heute noch nicht, warum man Uganda abgelehnt . hat.Wirwollen der Welt unfern Willen zeigen,durch errffve Arbeit in Valästina. Auch die diplomatische Arbeit soll nicht vernachlässigt werben. Das Heil be- - sieht in einer . ehrlichen Synthese von, Theorie und Praxis: . - Groß, Delegierter der österreichischen Paale ' Zion, sieht die Hauptaufgabe in der Schaffung. einer kulturell hochstehenden jüdischen Bauernschaft in Palästina. , ’ ' D i e n s t a g - S i tz u n g,' Vor in i t.t ä g. ^Zunächst ergreift Hermann Struck-Berlin das Wort: . . - ' Im Anschluß an das hochinteressante, an Anregungen so reiche Referat des Herrn Schmarja Lewin habe ich die Ehre, -Ihnen mitzuteilen, daß eine Anzahl hier anwesender mifrachistischcr Delegierter beschlossen haben, eine Mittelschule in Palästina zu begründen. (Lebhafter Beifall.) . Es sind jetzt bereits für diesen Zweck ca. 3000 Mark jährlich für die - ersten drei Jahre gezeichnet. (Lebhafter Beifall.) Ihr freundlicher Beifall wird nns anspornen, unermüdlich für die geistige Hebung der Juden in Palästina weiter zu arbeiten. Ich habe nur noch» wenige Worte hinzuzufiigen: Wenn diejenigen Zionisten, die-fest und unerschütterlich auf dem" Boden des altüberlieferten Religionsgesetzes stehen, auch ab und . zu nicht mit allem ein- - verstanden sein konnten, was von Zionisten gesprochen, geschrieben und getan wurde, so benutze ich doch gern die Gelegenheit, hier öffentlich freudig anzncrkennen, daß die offizielle Leitung des Zionismus immer und ausnahmslos bestrebt war, so . zu handeln, wie cs diesen Anschauungen entsprach. Gestatten Sic mir noch, an' der Hand-.der Protokolle, zwei für uns höchst wichtige Willensäußerungen des Kongresses' Ihnen wieder ins Gedächtnis zu rufen. Äluf dem 1. Kongresse erklärte Herzl auf eilte Anfrage des Baseler Rabbiners Dr. Cohn hin wörtlich folgendes: „Ich' kann Sie versichern, der Zionismus beabsichtigt nichtswas. die religiöse Ucberzcugnng irgend einer Richtung innerhalb des Judentums verletzen könnte!" Diesen Worten unseres teuren, unvergeßlichen Führers folgte „Stürmischer Beifall". Der 2. Kongreß beschloß auf Antrag des Großräbbiners Dr. Ehrenpreis folgendes: „Der Zionismus , erstrebt nicht nur •. die ökonomische und politische, sondern auch die geistige Wiedergeburt, des; jüdischen Volkes, und.befindet sich hierbei auf dem. Boden der modernen Kultur, ein' , deren Errungenschaften er fcsthält. Der. Zionismus '. unternimmt nichts, was den: .Rciigiünsgcsetz. des Judentums widerspricht," '. Hieran ankiiüpfend, gebe. ich der bestimmten Zu-, verficht Ausdruck, daß. der Kongreß für richtig befinden wird, daß bei allen' denjenigen Unternehmungen, die religiöse Interessen, tangieren, diesen in ent-- /sprechender Weise Rechnmig getragen wird. ' Wir glaubten, gerade jetzt die Aufmerksamkeit auf. diesen Punkt lenken zu sollcn,-da Nur endlich ani Beginn einer Periode praktischer. Arbeit, in.Palästina, stehen, auf der der Segen Gottes ruhen möge. (Beifall.) bürg wendet sich gegen die allzu . den/Lüften schwebenden" .Aus- Herren DL Mahler/ Motzkin und k vom vorhergehenden Nachmittag./ . / Prof, ffifl: politischen, „ii - führungen der Alex. Marmor Für den Zionismus sei die. praktische.Arbeit jetzt . eine unabwendbare Notwendigkeit. Daß auch die großen, politischen Gesichtspunkte nicht außer acht gey lassen werden, dafür sollen die „Politischen", nur immer .- wieder die Stimme erheben. — Ans die Worte Struck's "eingehend,, erklärt der Redner im Einverständnis mit dem Präsidenten cs für. selbstverständlich, daß bie; Leitung bei allen Unternehmungen', bei denen religiöse .' Interessen.berührt werden, dein Rcligionsgesetz Rech- . unng tragen wird. ■ . //- ' - Redner geht dann noch auf einzelne Palästina-, fragen ein. > / ./ . Dr. Lewiu spricht uoch ciumal zu Gunsten der praktischen/ besonders k ul tur el len Arbeit in Palästina.. ■■ /' Es wird hierauf über die Anträge der Palästinakommission abgestimmt, die unter geringer Abänderung des vierten sämtlich ' angenommen werdein... - - ' .. Auch einige weitere Anträge in Bezug auf die Palästmäarbeit werden angenommen. - / VerschiedeneAnträge, die sich an die Referate, über. nationale :Erziehung anschließen, werden einer '21er-Kommission, überwiesen. Dagegen Wird der Antrag Sokolow, die hebräische Sprache zur offiziellen Sprache der Organisation und. - des Kongresses zu machen/-und andere Sprachen - nur im Notfälle zuzulassen/ von einem schwach besetzten Hause mach kurzer Debatte angenommen. Nachmittags sitz um gl - Bei Beginn der Nachmittag - Sitzung teilt Struck unter .großem Beifall mit, daß die für die -zu gründende misrachistische Mittelschule auf-, 3 Jahre , gezeichneten Beiträge sich bereits auf insgesamt 10,000'Mkbelaufen. Sehr bedeutende Summen sind auch , vom Delegierterr Moser für das hebräische Gymnasium in Jaffa und fiir den Bezatel gezeichnet worden. . - Dr. Nossig hält darauf ein kurzes Referat über Propaganda. . Sodann beginnt die Beratung über die Abänderung d.es Organis.ati.onsstatutes,. auf Grundlage des.Entwürfs von Dr. Hantke. Hierbei wird-u. a. auf Antrag des Misrachi und - der Poalö Zion beschlossen, daß prinzipiell auch'3000 Schekelzahler verschiedener Länder eine Föderation bilden können. -Y Mittw o ch 'früh wird die Generalversammlung der Jüdischen Kölonialbank, nachmittags als letzte Arbeit des ' Kongresses die Wahlen stattfinden. " - / - . ...' * >:? - ' - Haag, 21. August. Der 8. Kongreß ist fast zu Ende. Allerdings stehen die Wahlen noch aus^ie nicht nur äußerlich, sondern auch ihrer inneren Bedeutung nach, erst den richtigen Abschluß der Kongreßarbeit, bringen werden. Aber der. allgemeine Eindruck von .der Bedeutung des Kongresses steht. doch 'schon jetzt fest: / - Der-Kongreß hat gezeigt, daß nach der langjährigen Unsicherheit - endlich Klarheit - und Einigkeit herrscht über den einzuschlagenden Weg: nämlich praktischeArbeit inPalästina unter W a h r u n g d e r p o l i t i s ch e n G e s i ch t s p n n k t e. Zu verdanken ist dieses' jetzt erreichte Zielbewußtsein gewiß zum guten Teil' dem vorigen Kongreß, der das Ziel des Zionismus mit festen Strichen umgrenzte und die. nicht rem-palästinensisch Gesinnten von, der Organisation, ausschloß. , /Wohl bestehen auch heute noch tiefe theoretische Verschiedenheiten.- In der überaus interessanten und '.ernsten Debatte dom Montag nachmittag stießen die Ansichten einiger der führenden Geister -heftig aufeinander. Aber gerade hierbeibetonte fastjeder einzelne der Redner, wenn er die mehr politische Richtung vertrat, daß er. auch für praktische,- wenn die mehr praktische Richtung, daß er a uch für politische Arbeit eintrete. Und dieselbe Erscheinung zeigt sich auchim Großen in. der Stellung der Landsmannschaften. /Einerseitsbei den- Russen, den bisher starren Vertretern der nur Praktischen Arbeit, beginnendes Verständnis auch für politische Momente, andererseits bei -den übrigen Landsmannschaften die immer wachsende klare' Erkenntnis der Bedeutung der Gegeuwartsarbeit. / Auch den Kufturfragen wendet sich gesteiger-' ,tes Interesse, zu. ' Zwei' 'Referate waren.diesen; Fragen und namentlich dem, Problem. der jüd. Schulegewidmet. Auch/die vom Misrachi beschlossene Gründüng einer Mittelschule in/Palästina, das.-'gesteigerte Interesse.'fiir den Bezale- und das hebräische/ Gymnasium in- Jaffa sind Symptome/dieser//zil neuem/Leben /geweckten Richtung./ -Ob '/sichaus diesen Ansätzen entsprechende ..praktische Reftiltate ergebenwerden, und wie mander gerade damit verknüpften Schwierigkeiten Herr werden , wird,- muß? allerdings erst die Zukunft lehren. . . /. ■ _. H -Haag, 21. August. (Privattelegramm.) Zu Mitgliedern des engeren Aktionskomitees -wurden W o l ff o h n, Professor, Warb ur g . Und . K an n gewählt. - - L " ,'- , LOfCi. orrespondenzen achrichten. / B e r li u, 19. August. Auch' im verflossenen Semester entfaltete/die hiesige „Vereinigung jüdische.r Akademiker" eine ^ge. innepe . Vereinstätigkeit. Außer den allwöchenklichen Vereinsabendeil fänden uoch fast an jedem Sonntag ' Ausflüge statt, die den Zweck /verfolgten,/ die. einzelnen Mitglieder einander persönlich. näher zu bringen.. Herr/Rabbiner Dr. - Munk hielt einen wöchentlich 2-stündigen in ab. Als Neuerung wurde eure sogen. „Fuxenstünde" für die -jüngeren Mitglieder eingeführt, die Herr cand. jur/ I. Breuer in meisterhafter Weise/ leitete. Wissenschaftliche Vorträge umrden gehalten' von den Herren Rabbiner Dr. Munk' über „Moderne Sittlichkeits - Postulats rrnd antikes Religionsgesetz",' Rabbiner Dr. M. Hildesheimerüber. „Dr. .Kaatz, das Wesen des' prophetischen' Judentums"; stud. .chem. Halberstadt /über „die Opferidee"; -cand. phil. Wohlgemuth über „Dr. Güdemann's Jüdische Apologetik"; Rabbiner Dr. Wohlgemuth über .„Das..Problem der,/ Theodicee in der Bibel"; Dr. med. Preüß über den „Jargon"; cand. jur. I. Breuer über .„Theodor Herzl". Der neugewählte Vorstand setzt sich zusammenaus - den - Herren: '/cand.' med. Berlowitz 1. Vorsitzeiider, Rabbiner Dr. Munk 2. Vorsitzender, - stud. med. I- Levy 1. ’ Schriftführer, stud. phil. L. ■ Wolfs 2. - Schriftführer, stud. med. Baehr Kassier- Berlin, 15. August. Aus dem Deutschen. Bureau der Alliance Jsraölite llni? . v ersell e erhalten wir folgende Mitteilungen: ' Aus' Anlaß der' jüugsteil Vorkommnisse in Ca s a-. blanca,' wo das,Judenviertel geplündert und teilweise verbranlft wurde, hat/ das . Pariser Central-.Comitöe der/ Alliance Jsraölite Univer-.-. selle zur Linderung der augenblicklichen Not den ^Betrag von 5000 Fraiics. nach Casablanca tele-. graphisch übermittelt. Ferner hat das Central?/ Comitve der Alliance Jsraölite Universelle für die zwei in. Rußland ' abgebrannten Ortschaften Stolbozy ünd/Sinoliany eine Subventionvon 8000 Francs bewilligt. . Berk in',. 21. August/ Der „Vorwärts" berichtet: 'In Petersburg, Moskau und anderen Städten sind einige P e st f ä l l e beobachtet worden. Im gegenwärtigen Momente läßt sich schwer beurteilen, ob. die Epidftnie? größere Dimensionen/ , äünehmeil / wird. , Es ' ist/ aber/andererseits nicht ' zu ' leugnen, daß die Oeffentlichkeit durch die offizielle Mitteilung' sehr beuuruhigt 'ist/ In einer ^solchen/trüben und unruhigen/Zeit also, wo die Volkslegende von -den/ dunklen Massen" genährt und betrieben wird; sorgen die „inneren Freunde" dafür/ das,-blutige -Märchen zu ver-/ breiten, daß die . Pest und die Cholera vor: (polnischen und jüdischen Aerzten verpflanzt wurden. Das „offiziöse Organ der „Nebenregierrmg";. die

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