Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1907-08-22 · Heft 34 (22.8.1907) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 34 (22.8.1907)
Date
1907-08-22
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2449244-2449279--63731-2506292
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

22 9h.rj ft 1907, Der Israelit. Nr. 34. ^eite 7 erstattete' hieräüf -seinen' Bericht, in dem er zunächst die Grundlagen der.'neuen. Organisation^ des jüdischen Natiönalsonds auseinaudersetzte und die Prinzipien darlegte, nach denen die Verwaltung des Fonds erfolgen wird. Der . Fond, der bekanntlich anskleinen und kleinsten Sanimlungew in der ganzen Welt gebildet - wird, verfügt zur "Zeit .über ein Vermögen von ca./ r/* Millioneil Frcs. in baar und ca. Million- Frcs.;in,Landbesitz. '' / / - Freitag Nachmittag ist für die Beratung des' Palästina-Ausschuffes' 'reserviert,-- der Kongreß 'NimmtseineHagüng Sonntag vormittag wieder auf. Svtwn t'a g ,Vör miTfägs sitzung. ...Jydet-Vörmifkägssstzung anr- Sonntag ver-s handelte man / übev 'die^Bankinstitute'' der'., zio-f . nistischen Bewegung-' v .. /. ./ .' . Der- Präsident/der-jüdischen Nationalbank Dr.. N. Ka tz eite ff 0 h n,- gab , einen kurzen. Ueberblick über die -Entwicklung dieser - Bank und ihres Tochterinstitnts, der Iliiglo-Palcstine Company. in. Jaffa,,Jerusalem, Beiruth und Hebron. 'Er betonte'die andauernd günstige Entwicklnug dieser.- Institute und erwähnte' insbesondere - den großen Einfluß,- /Lessen sich die zionistische Bank - in- Palästinaerfreue.. Durch Grün-' düng von DarlehenIgenossenschaften,^-'durch die -Gcwährung .billiger -Kredite an: Baututja Produktivge- > nössestschaften habe /die Ä. P. C. sehr/viel zur S: kung des.jüdischen Elements in Palästina beigetra . itwk ’f» krtfnfli ff '4«i ' nftt kn«‘ ft* Ci« Stär» .... , ,. ... .... beigetragen und sich daselbst zu einem der ersten jüdischen Faktoren entwickelt. I Der Redner besprach sodann die in zionistischen-Krciseir viel erörterte Frage der Abänderung der Statuteik-/der jüdischen Kolonialbänk/ Bei -der .Gründung.der/Kolonialbank hat inan als ihren eigentlichen Zweck , die kolonisätorische Tätigkeit an irgend - einem Teile der ' Erde bestimmt. Dieser .Passus hat. jedoch - von Anfang au Widerspruch in weiteren' zionistischen Kreisen.hervorgerufen,-die als Zweck der jiidischen- Kolonialbank -lediglich kolonisatorische Tätigkeit in Palästina -und .Nachbarländern festgesetzt haben wollten. Nachdem /von verschiedenen - Kongressen entsprechende Resolutionen 'gefaßt worden wären, hat man im verflossenen Jahre einen solchen Antrag -auf Abänderung der Statuten-beint englischen- Gericht eingebracht. Dagegen haben, nun die Territorialisten, die bekanntlich im Gegensatz znm Zionismus, der die Schaffung einer jüdischen Heimstätte in Palästina erstrebt, eine Heimat für das jüdische Volk.in irgend einem-Lande der Welt erlangen wollen, Widerspruch erhoben, und in dem eingeleiteten Prozeßverfahren ist die Entscheidung vorläufig vertagt.worden. Es. entstand jetzt die Frage, ob. angesichts dieser Opposition und der großen Kosten, die mit dem eventuellen Verlust dieses -Prozesses verbunden sein könnten, die Abänderung noch weiter erstrebt werden soll. Die Frage war in zionistischen Kreisen, leidenschaftlich erörtert worden und auchauf dein Kongresse kam es bei ' der; Verhandlung dieser Angelegenheit - zu stürmischen Szenen. Man machte den Direktoren. der Bank zum .Vorwurfe, daß sie.die-Aktion nicht'mit der erforderlichen^..-..Energie,, unternommen hätten- Nach heftigen Debatten gelangte schließlich ein Antrag zur Annahme, demzufolge der Kongreß dem Aktions-Komitee, empfiehlt, die Durchführung der. Abänderung nach / Möglichkeit -anzustreben, und ihrn zu diesem Zwecke einen - Beirat von 3 Sachverständigen zur Seite stellt. Hierauf erstattete D r. S chm arja h u Lew in- .W i ln ä, der soebenvon einer längeren Reise aus Palästina. zurückgekehrt ist/ ein Referat über die nationale Erziehung in Palästina. Wenn wir-von' Palästina sprechen, müssen wir in. erster.Linie,darnach trachten, daß die 80 000 Juden,. die dort wohnen, dem Lande.und uns erhalten bleiben.- .Die bisher dort bestehenden , jüdischen Unterrichtsanstaltensind aber durchweg dieser Seite ihrer' Aufgabe nicht gerecht geworden. - Sie haben es nicht verstanden, und zum großen Teile auch nicht geivollt, ihren.Schülern die Whänglichkeit an ihr Heimatsland einzuimpfen und haben sie noch' unterstützt, weint sie nach / Amerika,. Kanada oder. Australien ausgewandert, sind, um dort vielleicht der öffentlichen Wohltätigkeit anheimzufallen. Ein / ganz anderes - Bild bieten die jüdischeu Kolonien. Die Unterrichtssprache sei die hebräische, .. und zwar wurde sie nicht gelehrt wie eine fremde Sprache, sondern die hebräische Sprache lebe wirklich -im Munde der -jungen palästinensischen Generation. Die-hebräische. Sprache sei. auf-das beste geeignet, in Palästina, wo es eine herrschende Nation nicht gibt,. die Rolle einer- Vermittlungssprache , zu spielen. Jn/jeder Hinsicht beruhe die jüdisch-natiönalu Erziehung in Palästina auf derhebräischen Sprache, ' und/: wenn// die Zionisten .unsere, Aufgabe nicht begreisen,.,so werde die Entwicklung ohne sie von statten gehen// Diä/Betvegung verfüge/in/Palästina über viele begeisterte..Kräfte, insbesondere Lehrkräfte. Aber es fehle an einer Organisation. .Es existieren nicht: einmal: Lehrbücher'für^die. Lehrer undsie seien gezwungen-alles aus eigener Kraft zu.schassen. Man müsse es durchsetzen, daß alle jüdischen Eltern in Palästina >ihre Kinder..im Lande.miteuropäischer, Bildung ,er- . ziehen können.. Man müsse danach streben, die pW lästinensischen Juden zu Lauernden wirklichen Juden zu machen, mit' denen; man für alle Generationen rechnen könne.--Alle übrigen Juden könnten der Nation .verloren , gehen,, die Inden in Palästina - aber müßten ihr Zentrum'bleiben. ... , Nach diesem Referat sprach N. S 0 k 0 t0 w über nationale Erziehung in der Diaspora. . . Er.stellte den.Ätntrag, die hebräische Sprache, als.. ' osfizielle., Sprache der. zionistischen Bewegung, 'als ‘ i Rede- und Schriftsprache der ' leitenden Stellen "der .-Kongresse und Konferenzen anzuerkennen und einzu- ': führen. Hierbei -wird. eS der Organisation. anheimgestellt, sich neben'der hebräischen Sprache auch .an-,, beter Sprachen 'mit'.Rücksicht auf. die Notwendigkeit/ der Popularisierung zu bedienen. '' " '' ' . Die Königin der Niederlande hatdem Koli-i g'resse ftir die ihr därgebrachte .Huldigung telegraphisch. ihren .herzlichen Dank äussprechen lassen.. */ M o u t a g, Bor mi t t a g s s i-tz nn g. - . .. . - - . - '(Palästina-'Debatte-)/' Zunächst werden die Anträge der woin Kon-7 greß zur Borberatutrg der' Palästinäfrage'n ge-" wählten/Kommission verlesen. ' Die Kommission - schlägt vor: . ' 1. Innerhalb/des engeren /Aktionskomitees ein Palästinaresiort unter. Leitung eines Mitglieds 'des engeren.'Aktionskomitees - zu schaffen, dem in Palästina eiri aus besoldeten -' Beamten bestehendes Palästina-Amt nnter- . stellt wird. 2. .25%; der. Einnahmen des Aktionskoulitees - / dem Palästinaressort zu überweisen. 3. Das Palästinaressort zu beauftragen, behufs Schaffung einer seßhaften jüdischen Arbeiterschaft in Palästina, der Frage einer Siedlungsgenossenschaftin Palästina näher- . - . zutreten. . . 4. Das Palästinaressort und das Direktorium : der Jüdischen ^zjonialbank mit derSchaffung eines Institutes für ländlichen und städtischen Bodenkreditin Palästina zu beauftragen. 5. Das Palästinaressort zu beauftragen, den Bildungsanstalten in Palästina seine besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden; und einen besonderst Fond für deren Zwecke zu schaffen,' ferner für Entwicklung einer hebräischen Mittelschule in/.Paläsnna zu sorgen. . Ja der mm folgenden Diskussto». wendet sich der Sprecher der österreichischen Landsmannschaft zunächst gegen den künstlich konstruierten Unterschied zwischen politischem und praktischem Zionismus. 1 Unter 'politischem Zionismus habe man großzügige Arbeit in Palästina zw verstehen und für diese träten alle ein. Jede Arbeit, die die Juden national und sozial weiter bringe, sei zionistisch. Co w en weist auf das Einwanderungsverbot siir Juden in Palästina hin. Einer Schmuggelpolitik sei der Zionismus' unwürdig. M.rn-müsse nach Aufhebung des. Verbotes streben. Die palästinensischen Juden sollten, türkische lintertanen werden/ Mit ihnen habe sich die zionistische Arbeit zunächst zu beschäftigen.: Wer nicht philantropische Kleinarbeit, sondern die 'politische Tätigkeit sei Hauptaufgabe des Zionismus. -Durch Intoleranz gegenüber wenig abweichenden Meinungen seien wichtige Teile auseinandergedrängt-' und die' Bewegung schwer geschädigt worden. (Lebhafter Widerspruch.) Tr i e t s ch erwidert Cowen, daß ein Einwanderungsverbot nur ans dem Papier bestehe. In Wahrheit nehnie uns die Türkei freundlicher ans als a l l e andern Länder. Redner empfiehlt die Zusammenarbeit mit andern Organisationen, Hilfsvereinen, Chalukah - üsw. Er wundert sich, daß trotz dahin gehender Kongreßbeschlüsse die' Nachbarländer ganz außer acht gelassen würden. Sowohl CYpern als El Arisch seien für eine jüdische Kolonisation geeignet. Bei recht- - zeitiger Betonung der Einbeziehung der Nachbarländer hätten die'Territorialisten bei der Organisation .gehalten werden können. Vielleicht seien sie noch jetzt dadurch zurückzugewinnen. - - i. Greenbe rg erklärt,/ immer für praktische Pa- .lästinaarbeit eingetreten zu sein. Er habe, schon/friiher äm - Aktionskomitee - die Errichtung eines Amtes in. Palästina/ beantragt. Ussischkin sei ihnr aber entgegengetreten, nicht aus prmzipiellen Gründen, sondern weil er (Redner), N.'s politischer Gegster, den Antrag gestellt habe. .. " kl s s i s ch k i nerklärt zur Berichtigung, der Hauptgrund siir seine Stelstmgnahme sei gewesen, daß ein Älmt in Palästina nicht dem Aktionskomitee unterstellt - . sein dürfe, sondern selbständig arbeiten müsse.- - Gaster befürchtet nicht, daß der Zionismus bei der Palästinaarbeit in best Chowewa-Zionismus zu- -rücksallen könnte. 'Immer würden große politische Gesichtspunkte, maßgebend sein. Den Anspruch ans ein . Land könne man nur durch intensive Arbeit in demselben erwerben. Nur-so 'könne Palästina allmüh- . lich zu einem Zentrum werden, das auch. den Juden der Diaspora Rückhalt gewähre. Die langen Auseinandersetzungen .des, Redners gipfeln in dem Vorschlag, der Nationalfonds solle die historisch bedeutenden Plätze des, heiligen Landes erwerben, was er für einen großest moralischen . Gewinn ansehen würde. .. . Nachmittags ssttzung. Istder Nachmittags - Sitzuiig hält zunächst Mabbiner Dr.-Ehrenpreis-Sofia ein kurzes 'Referat, über „Nationale Erziehung in der Diaspora." Er führt ungefähr Folgendes 'aus:' . Jede .der letzten großen Epochen der jüdischen' Geschichte hat die ihr adäguate Form der Erziehung gesunden. Für' das Ghetto war es' das Cheder,' fiirdie Assiinilationspcriode der Religionsnnterricht,.' für die jüdische Renaissance muß es 'die nationale 'Erziehung, sein, die sich.aus einer lebendigen jiidischen KnltU-r ansbaut,:' Es wäre ein unnützer Versuchdie alten Formen und Institutionen jir diesem Sinn. beeinflussen zu wollen. Der Religionsunterricht, der, gemäß den Prinzipien der Slssiniilatwn, nur Dogmenlehre, der. Geschichtsunterricht, der nur Religionsgeschichte. war,, muß'von Grund auf durch einen vom nationalen Geist, durchdrungenen llnterricht ersetzt werden. Den-nationalen -Külturausgäben dienest' schon jetzt zwei Organisationen 7 „Jbria" und „Sinai", die' erstere zur Neubelebung der hebräischen Sprache, die zweite als Zentralstelle aller jüdisch-kulturellen Aufgaben. Der Kongreß.niutz trachtest, mit ihnen Fühlung zu'gewinnen. Die Frage der stationalcn Er-' ziehnng sei vor allem eine Frage nach national durchgebildeten . jüdischen Lehrern, klm solche heranzuerziehen, bedürfe es uationatgerichtcter Lehrerseminarien. Auch die Lehrmittel siir eine nationaljüdische Schute fehlen noch fast gästzlich.. Schließlich geht Redner noch ans den Älntrag ein, den am Sonntag schon Herr Sokolow gestellt hatte, daß der Kongreß beschließen möge, die hebräische Sprache zur offiziellen Sprache der zionistischen Organisation und des Kongresses zu. machen. So. werde. endlich der unwürdige Zustand beseitigt, daß ein nationales Parlament in fremder Sprache verhandelt. 3iach Wahl von 8 Generalrednern, zn denen die Poale-Zion einen weiteren hinzufügen, wird die .Palästina - Debatte fortgesestzr. Als erster Generalredner spricht Deleg. S ch e i n k i n. Er erklärt die Unterscheidung einer politischen, einer praktischen und einer kulturellen Richtung für rein theoretisch. In Palästina sind alle drei Aufgaben gleich notwendig. — Wer Palästina kennt, weiß, daß alle Entwicklnngsmöglichkeiten dort vorhmldest sind. Wer bisher waren es nur die ülertnsten, die init ihrer Arbeitskraft und ihrem schwachen Kapital. hinkamen. Privatinitiative und -kapital muß in viel stärkerem Maße für die praktische Arbeit mobil gemacht werden. Das Palästina-dlmt darf nicht von einem besoldeten Beamten, sondern muß von einem ganzen Kollegium gebildet werden, das sich dieser wichtigsten Aufgabe widmet. _ Sturmann wendet sich dagegen, daß Palästinaarbeit nach ' bureaukratischeu Gesichtspunkten vou Europa ans geleitet wird. Der Schwerpunkt muß .inr Lande selbst liegen. Die zu schaffende Kontrolle in Palästina muß in Fühlung stehen mit den dortigen jüdischen Organisationen, vor. allein zn den Poale Zion. Hauptaufgabe ist die Jnformäiionsarbeit, namentlich' für soziale Fragen. Reichsratsabgeordneter . Dr. M a h l e r vertritt den mehr politischen. Standpunkt. Die praktische Arbeit, die alle wünschen, ist namentlich die fachmän-, nische Erforschung oer wirtschaftlichen' Möglichkeiten des Landes, damit die Privatinitiative . organisiert werden kann. Zn Experimenten, die in einem Neuland wie Palästina nnunigänglich sind, dürfen nicht Gelder der Organisatiost verwendet werden. ' Reichsratsabgeordneter Dr. Stand: Die praktische Palästiuaarbeit ist das einzige Mittel zur Erreichung des politischen Endziels. Dieses wird-sich aus den-Vorarbeiten von selbst herausentwickeln. Er tritt deshalb siir möglichst vielseitige Arbeit in Palästina ein. Motzkin bekennt sich als reiner C harte - - rist, wie es zn seinem Bedauern nur noch sehr wenige auf dem Kongreß gibt. Praktische Arbeit ohne politische Garantien entspricht nicht dem Ideal des politischen Zionismus. Für eine solche Arbeit, die immerhin als Mittel betrachtet werden kann, darf der Natiönalsonds auf keinen Fall angegriffen werden. Er istdas einzige reale Machtmittel des Zionismus; das muß er sich für die zukünftigen großen Ausgaben erhalten. Die Ireude, die jeder Jude an einer praktischen Arbeit in'Palästina hat, darf nicht darüber hinwegtäuschen, daß sie nicht den eigentlichen Weg zum zionistischen Ideal bildet. Der Weg des

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.