Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 34 (22.8.1907)
- Date
- 1907-08-22
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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-PM-'S'----'Nr.'Er ^-?;?>r- V/)-'.'- - ~ Der/Jsraellt/'" - .'"- '»-' ' - ' i'32.'Nüchist-1907.-"' ir. £ Ife - halb 11 Uhr legte sich N us - ein Zeichen der -Lärm und einen Augeiiblick spater öffnete sich das kleiiie Pfört-/ ' chen der Tribüne des Aktions-Komitees. Die Führer der zionistischen' Bewegung erschienen) geführt von 'Max Nor d au. 'Daraus verlas der Präsident David ' -Wolffso h m die ’Eröffnungsrede. - Die Rede gab eine Uebersicht über die jetzige Lage des jüdischen Volkes und" des' Zionismus.. Die- Institutionen der-Bewegung sind im. Ausbau begriffen und besonders die Arbeit in Palästina 'macht rüstige Fortschritte. Nach Wolffsohn nimmt. . der Vizepräsident des hohen'-Gerichtshofes,- Herr A. de Pinto, im Namen der'- jüdischen Genreinden in Holland das Wort und heißt in wirkungsvoller Ansprache den- Kongreß willkommen, dessen Bedeutung für die gesamte Judenheit er kennzeichnet. Im Namen - der jüdischen Kolonisten 'Palästinas begrüßte Di'. Ts ch l enow den Kon- -areß und hob hervor, daß sich das jüdische "-Menschenniaterial als Baumaterial für ein- Ge-, 'meinwesen bereits jetzt vorzüglich bewährt habe. -. Von stürmischen 'Zurufen empfangen' sprach dann Dr. Max Nordan. . - ' Er gab in seiner Rede eine Ueberstcht der Prinzipien des Zionismus,' die trotz der klassischen Formulierung durch Theodor Herzl immer wieder mißverstanden worden ■ seien. Der - Zionismus sei keine Bewe ung der Barmherzigkeit. Er wolle die Kulturgrenzc Europas bis an den Euphrat verseht ben. < Nur von'. Angebern wird die Vaterlandsliebe der Zionisten in Zweifel) gezogen. Wer nicht den Untergangdes - Judenvolkcs will,..müsse' Zionist werden. Die Erso ge des Zionismus.'in der Organisation, in' , der Tätigkeit in Palästina seien nicht, allzu gering einzuschätzen. Bor allem aber seien die moralischen yervorzuhcben. Den Juden gegenüber werden Bürger- und Menschenrechte.'verleugnet. - Den . Widerspruch dagegen darf man am wenigsten im Haag der Friedenskonferenz . als platonisch betrachten. Nordau zweifelt nicht daran, daß über kurz oder lang eine diplomatische' Konferenz -zur-Regelung der Jüdenfrage berufen werden wird. - Nach Verlesung eines hebräischen . Begrüßungsschreibens der Gemeinde Haag an den Kongreß wurden die Wahlen fürdie Kongreßleitung vor- 'genommen. Zu Präsidenten wurden gewählt: David Wolffsohn (Köln)und Dr. Max No r-i ' d au' (Paris), ferner 8 Vizepräsidenten Und 7 Beisitzer. / ■ / N a ch mit tägssitzüng. Zu. Beginn, der Nachmittagssitzung erstattet fcder Wahlen, die mit eitler Ausnahmesämtlich' .für giltig erklärt wurden. Es haben im ganzen 435 Wahlen zum Kongreffe stattgefunden. ' ' Hierruf erstattet der Generalsekreiär der zionistischen Organisation, Herr N. So ko low, den Bericht des zionistischen-Zentralbureaus. ' Der Bericht betont die Tatsache, daß man den Zionismus nicht einschätzen kann, .solange er sich nicht durch' Zahlen feststellen läßt) über Empfindungen kann keine Statistik berichten. Man müsse das Suchen , und Sehnen in den Tiefen der Volksseele nachempfinden, um die Triebkräfte aufdecken zu können, die für den Zionismus arbeiten. Die Ziffern allein beweisen nicht alles. Die Begriffe ,,zionistische Bewegung" und „zionistische Institutionen" müssen auseinandergehalten werden. Die Institutionen müssen natürlich nach ^nüchternen strengen '.Gesetzen' geleitet und betrachtet werden, die Bewegung hingegen könne ihrer ganzen Natur nach nicht lediglich unter diesem Gesichtspunkte beurteilt, werden. Hier giltrs, nicht nur dem Wege zu folgen, wie die Beiträge und die Spenden in die Kagen fließen,- sondern auch .wie die geflügelten Worte in das Volk. hinausfläitern, wie die Gefühle und Stimmungen' sich hier: langsamer, dort schneller in gewiss.n Tatsachen zum realen Ausdruck bringen-- Der Zionismus biele nun nach beiden Seiten das Bild'einer mächtig fortschreitenden Bewegung. Er fei mehr als je der Träger und Erzeuger des nationalen Lebens geworden. Er habe sich nicht nur erhalten, er sei stark. aus . seinem Ringen emporgekommen. . Der Bericht beschäftigt sich hierauf mit den organisatorischen und administrativen Arbeiten des zionistischen Zentralbureaus,- bas nach, dem 7. Kongreß nach'Köln verlegt wurde.. Seine Tätigkeit war der. Natur der Sache nach hauptsächlich darauf gerichtet, eine Reorganisation der Bewegung einzuleiten- Mit besonderer Genugtuunawird die Errichtung neuer Filialen des palästinensischen Bank-. Institutes der Bewegung, 'der Auglo Palcstine Company verzeichnet. Das Zentralbureau hat bei der Hilfs .ktion für-die.notleidenden Brüder in Rußland eifrig mitgewirkt und im-Zusammenhänge damit die Brüsseler Konferenz «unberufen und durchgeführt, die den ersten Versuch dar- . stellt, ein geeintes Arbeiten . sämtlicher jüdischer Korpo-' rationen herbeizuführen. Die Bewegung sei permanent gewachsen. Trotz der dort herrschenden ungeheuren Schwierigkeiten habe die Organisation in Rußland an Bedeutung und.Einfluß zugenommen und sich bei dein Wcrtstreite der verschiedenen Nationen in bcn konsti- .-tutiönellcn . Kämpfen, energischzur -Geltung .-gebracht.- . Auch in - Oesterreich. hat ,die ' jüdisch-nationale " Partei bemerkenswerte Erfolge erzielt 'und vier Abgeordnete in ' den' Reichsrät' entsendet. Der Bericht kommt zum Schlüsse, -daß das -ständige Wachstum der zionistischen Organisation der b.ste Beweis fürdie Richtigkeit der zionistischen Idee sei. Im Namen derholländischen. Zionisten . begrüßte alsdann Herr Kle.erekoper den Kongreß, indem er an die harten -Kämpfe erinnerte, :die Holland für seine Freiheit geführt hat,' und -gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Kämpfe des .jüdischen- - Volkes um seine Freiheit zu einem .gleich glücklichen Resultate führen möchten. . . Hierauf beginnt die Generaldebatte,- die den ganzen Nest "der Nachmittagssitzüng aiisfüllt. -Abends fanden Sitzungen der verschiedenen Landsmannschaften-statt. . Do nn er st a g, V o rmi tta g ssitzn n g. Die Generaldebatte wird fortgesetzt.. Verschiedene Redner üben Kritik an dem . Bericht des Zentralbureaus und vermissen eine Einheitlichkeit der Leitung,- sowohl in Bezug ans die praktische Arbeit in Palästina, als über die Richtung und die Mittel - der diplomatischen Tätigkeit.. Es würde betont, daß die Bewegung, neu organisiert werden müsse. Das Zentralbureau müsse -nach einer/größeren-Stadt verlegt werden,, wo man über alle der Bewegung. ergebenen Kräfte verfügen könne'. ' Die teilweise heftige Debatte wird nachmittags fortgesetzt Nachmittagssitzüng. - - Von der einen Seite wurde die Tätigkeit des Aktionskomitees, einer scharfen Kritik unterzogen. Insbesondere - wurde der Mangel an Initiative und Einheitlichkeit - in . der Leitung sowie das unentschlossene, und schwankende' Vorgehenin Bezug auf die praktische Arbeit in Palästina bedauert. Dagegen würdevoll der anderen Seite geltend gemacht, daß die Leitung unter den obwaltenden Umständen mehr nicht habe tun können und daß vor allen Dingen Pflicht der- Organisation - sei, dem Aktionskomitee die -materielle Möglichkeit zu geben, großzügige Arbeiten - zu unternehmen. Die Vertreter der „Poale Zion", das heißt der zu einer besonderen ' Gruppe zusammengeschlossenen zionistischen Arbeiter, verlangtendaß für die Seßhaftmachung - eines gesunden / Arbeiterstandes in Palästina mit allen Mitteln eingetreten werde, die Arbeiterfrage sei der wichtigste Punkt für die Entivicklung Palästinas. Der Präsident des Aktionskomitees, Davi d Wolffso hn, kam zum Schluffe der Debatte auf die an der Leitung geübte ^itik zurück. Auch er betonte nachdrücklich, .daß die Tätigkeit des Aktionskomitees von. der Beschaffung größerer Mittel seitens der zionistischen Gesinnungsgenossen abhänge. Die zionistische Organisation habe in den letzten Jahren. Manches und Großes geleistet. Unverkennbar sei das.'Aufleben des nationalen Geistes-, unter den Juden der ganzen Welt und auch-die anderen großen jüdischen Organisationen -seien unter dem: Einflüsse.der Volksströmung gezwungen,/ ihre/ Tätigkeitmehr nach nationalen Gesichtspunkten ein- . zurichten. Einer, sich als notwendig erweisenden Dezentralisierung der Organisation - und - einer Verlegung einzelner Bureaus nach einer größeren Stadt stehe er nicht im Wege. - - . - Nachdem -der- Revisionsausschuß die Richtigkeit der- Bücher der Organisation bestätigt hatte, wurde dem Aktionskomitee schließlich das Absolutorium erteilt, was der Kongreß lebhaft' applaudierte. Freitag, Vormittagssitzuug. Freitag - vormittag . erstattete der VorsHende der Palästinakommission, Professor' Warb u rg, Bericht über die Tätigkeit der P al ästin akommission. .. Zwar sei es der Kommission unmöglich gewesen, ihre Aufgabe -indem Umfange durchzuführen, wie es ihr Wunsch' gewesensei und wie es im Jnteresse der zionistischen Bewegung und der Erschließung Palästinas hätte verlangt werden können, -mit Rücksicht aber auf die steigende Anteilnahme, nicht nur der Zionisten, sondern der Juden aller Welt an der Durchdringung Palästinas mit jüdischen-Kräfien, habe - sie es doch/nnternommen, -verschiedene größere Arveitcn' iic/Äccgriff/zn'inehiiieii,/die, , wenn-siczn einem guten' Ende geführt - werden, für. die . Entwickelung des - Landes - von größter Bedeiitmig werden -dürften. Zunächst habe die- Kviiunissivn ihr Augenmerk darauf gerichtet, unsere - Kenntnisse, vvic- Palästina zu erweitern.'.- Nachdem im Jahre löOl - der Geologe '.Prost, Dr. B l a u k e-n h o'r n in Verbindung mit . dem-Ägrö- - nomen Arons o h n die Umgebung des toten Meeres aufs gründlichste durchforscht. halten,'- wurde im Winter 1905—1906. eine eingehende Erforschung . des nördlichen und östlichen ' Teiles. Pcilästinäs,stund zwar -insbesondere aicf beiden Seiten) der-Träte der Mcccabayn - vorgeiwmmen, /Gelegentlich einer Ex-. pcdition in das obere Jordantal wurde v.oin Herrn Agronomen Boeriiiann die wilde Urfarcii des 'Weizens entdeckt. ein Fund, der in.' der - winenschaftlichen - Weltberechtigtes - Aufsehen erregtest- Im Anfträge der .Kommission"- habe der Ingenieur T.r e i t e l eine. Karte der Liegenschafteic Palästinasangefertigt, die st die erstederartige Aufnahme der.Eigentninsverhältaiisscdes palästinensischen Bodeics öarstcllt. - Behufs Verbreitnng dcr.Palästinakenntnisse hat die Palästinakommission, in der - Berichtsperiode 2 Palästina - ferieiiknrsc veranstaltet, außerdem hielt das Konimissionsmitglied Dr. S o s k i nim Winter 1905—06allwöchentlich einen ükademischenst Palästinakurs ab. Im Aufträge der Pälästinakoiniuission - hat . Herr Dr. T ri e t s ch /ein P a l ä sti nä h an d b uch - verfaßt, ' dessen stersterst Teil schon im Buchhandel erschienen ist. Das Büchlein werde " wohl infolge seines reichen Inhaltes und seines nied'rigenst Preises große Verbreitung finden. Im Herbst dieses -Jahres werde eine speziell für -Schulen - bestimmte--.hebräische - Wandkarte Palästinas.--erscheinen,/-.mit'- deren Herstellung-zur Zeit bekannte' Hebraisten und Palästinagcogrnphen. sowie namhafte palästinensische. Kenner des Landes 'beschästigt sindst Die von der Palältinakommissioil herausgegebene Monatsschrift „dlltnenland" hat ihren, dritten Jahrgang' vollendet und erscheint jetzt) unter, dem , Slamen. „Palästina". - Es sei bemerkensivert, daß sich - um die Verbreitung dieser Zeitschrift, neuerdings auchnichtzionistische große -jüdische Korp -irationen lebhaft bemühen. - Die unter der Aegidc - der Kommission in Jerusalem ins Leben gerufcne-Knnstgciverbcschule „B ezälel" mache-recht erfreuliche Fortschritte und habe schon einer großen- Anzahlvon Personen, dazu verholfcn,. auf ehrliche und arbeitsame Weise in Jerusalem ihr Brot zu verdieicen. Sie habe Steinhäuer und Maurer ausgebildet, demnächst werde auch die Teppichabteilung.-.ansgebildete.Schülerinnenentlassen. Die Künstfärberci und Gips'gicßerei habe schon manchen Familien, einen Lebenserwcrb gegeben, die Spinnerei, gewähre iir erster Liine älteren, sonst eriverbsuicfähigcn Frauen euren Verdienst. Für den ,Winter sei. dre Ernsührung der- Holzuird Metallbearbeitung geplant. Neben dem-, Leiter der Schule,- deinbekannten Bild- - Hauer Boris Schätz-.-ist jetzt der Maler Hirsz en'b erg als Leiter der Ateliers tätig.. An neuen Palä.stina-Jnd.ustrie-Syi Lebeir gerufen. Der Pflanzungsverein soll jedem Juden. der. Welt durch Einzahlungvon, hundert Francs - .die Möglichkeit geben, .der -noininelle . Besitzer eines kleinen Frrrchtgartens . in Palästinazu /werden, von - dein er lebenslänglich jedes Jahr eine .kleine Palästinä- -abgabc in Form voir Landcsprodukten (Alandeln, Ro-. sinen, Oliven,-- Wein, Konserven nsw.) 'zügesandt -erhält. . Da der ganze Besitz nur. durch jüdische Arbeiter - bewirtschaftet wird, dürfte der Verein bald einen wichtigen Faktor der landwirtschaftlichen . Kolonisation in Palästina ausmachen. Das. Palästinä-Jndüstrie-Syndikat ist /vor-' .kurzem /mit einem Grundkapital. von .100 000 Mark gegründet worden und verfolgt den Zweck, die verschiedenen industriellen/Möglichkeiten Palästinas zu prüfen und,/wo.angängig, Jndusiriegesellschaften' hierfür zu gründen, i respektive private Ilnterirehmer hierfür, zu gewinnen. Es liegen schon .eine Äln-/ zahl Projekte vordie jetzt, durch/Sachverständige in Palästina geprüft werden- Im letzten Monat wurde auch der Grundstein zu - einer . Arb erterh eimst ä t t nt -Genosse ii s ch a f t gelegt, - die den Zweck verfolgt, jüdische Arbeiter inittelslangsamer Slm-orti-- sation und niedrigen- Zinssatzes i allmählich zu Besitzern eines Hauses und" eines Stücks Gemüseländes zu machen.- In .Vorbereitung ist die Schaffung eines Pal ä st in ä-Ag r a r fo n d.s. zum' Zweckeder Ermöglichung eines gesunden und billigen Agrarkredits und die der /P ä l.ä st i n a - A g rikul tut g e s e l l - s ch ä f t, die durch. rationellen' Großbetrieb neue verbesserte' Methoden der Landwirtschaft' icnd neue Kultnrcn einführcn will. . / -/ Zum Schluffe verlangt der Bericht eine Neuorganisation der Palästinaarbeit dadurch, daß innerhalb der- Leitung der zionistischen Organisation Pin besonderes Palästinaressort gebildet wird. ' Zur Vereinfachung der Debatte ivurde ein großer Palästina-Ausschuß gebildet, der für die am Sonntag beginnende Spezialdebatte die Resolutionen ausarbeiten -soll. : Der Vorsitzende desDirektorinms des jüdischen Nationalfonds, Herr Dr. Bodenheimer, m if»