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Der Israelit · 1907-08-22 · Heft 34 (22.8.1907) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 34 (22.8.1907)
Date
1907-08-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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DeriJSraelir. Nr. 34. Seite 5 /W-August 1907. obligatorisch. Jeder weiß, was unter N127Ü1 llV verstanden wird. Wenn irgendwo, so entspricht .hier eine Aenderung nicht dein Geist des israelitischen Gebetes. Nun hat das badische Gebetbetbuch fast alle Segenssprüche des alten Siddnr 'ausgenommen. In der Uebertragung ist aber die .Wendung: „König der Welt" oder irgend.ein Ausdruck, der dem entspricht, radikal beseitigt?) Nun bin ich kein Gedankenleser, ich weiß nicht/ wie der Vorgang sich im Geiste des Verfassers der Uebertragung abgespielt hat. Ich möchte mich tvirklich keiner Unterstellung schuldig machen/ ich will auch annehmen, daß der Kampf der Motive sich unter der Schwelle des Bewußtseins vollzog. Aber ich kann mir die Sache nicht . anders erklären, als daß für die Uebertragung' folgender Jdeengang maßgebend war: Es wurde und wird vom Christentum behauptet und ist zum unausrottbaren Vorurteil in unserer nichtjüdischen'Umgebung geworden, daß der Gott des alten Testaments' ein Gott der Rache, ein. gestrenger König seinem Volke gewesen und erst das Christentum der Welt den Gott der Liebe ', geschenkt. Die so oft wiederholte,- Wendung: „König der Welt" in unseren Segensprüchen könnte diesem Vorurteil in unserer Umgebung, vor allem aber auch in. unseren eigenen religiös halbgebildeten Kreisen Vorschub leisten, daher ist - sie> überall, durch /Wendungen wie „Allgütiger Vater", „du großer, und.gütiger Gott" usw. zu ersetzen. / Daß'das aber Tendenz ist, daß hier nicht, etwa.bloß der Buchstabe, sondern. der I nh alt der Gebetes in der Uebertragung falsch wiedergegeben-ist, wer. könnte es leugnen? Ja, der Geist des Judentums, das' .Wesen unseres Verhältnisses zu Gott, unserer Auffassung von Seinen Eigenschaften erhält durch diese tendenziöse -Uebertragung eine unrichtige Darstellung. Denn wohl ist es wahr, daß' der . Gott des Judentums ein Gott der Liebe-ist, aber, durchaus, falsch,' daß 'er nur. ein .Gott der Liebe ist. / Nein,. unser .. Israel ist nicht der süßlich-sentimentale Gott, der Liebe, der so gern unter- Zöllnern'/ und Ehebrecherinnen weilt, er ist - auch der Gott des "Rechts und der Vergeltung, der rächen wird das unschuldig vergossene Blut seiner Knechte?) Wie das ja an unzähligen Stellen der Bibel zu Tage tritt und wie es der Psalmist, als wollte er r gegen moderne 'Abschwächungen, sich wenden, noch ausdrücklich/betont: TiDM. iDh 'n mmK die .Gesamtheit der Wege, d. h. der Weltenleitung Gottes ist Liebe und W ah r h ei t. Es' ist nicht die. Liebe, vor. der jede Sünde und jedes Unrecht verschwindet, sondern die Liebe, die mit Wahrheit verbunden ist,' Jedem abwägk -nach seinem Tun. Gott ist uns Vater, sicherlich aber ebenso sehr ist er' der „König der Welt", der. Erhabene, ' dem' wir mit Zagen und Bangeil uns nähen./ Das darf nicht gemildert und um irgenbstvelcher paulinischer Tendenzen willen verschleiert werden! . / Aber wenn ich auchabsehe von den Stellen, hei denen' die Uebertragung /aus irgend welchen ./ ■?/ 2) Mit Ausnahme von Mr. 179, und 193.. Warum - gerade hier die Wendung/stehen..geblieben ist, das gehört auch .zu den-Rätseln,- die uns der Entwurf aufgibt und für:.die sicher -7ich zweifle gar nicht daran.— die Ber- >' fafler eine Erklärung bei der Hand haben werden.' Nr. 180, /182, :1942„. 194j3, 199, wo ähnliche Wendungen Vorkommen, können - nicht beigebracht werden, da hier der In? hält - des betreffenden Segensspruches diese Wendung an und.für sich-erforderte. , . //' .'/ . : , -- b)-Nebenbei-sei benierkt-: Daß dcr.Entwurf Wendungen .wie .^DVil -pTDy Dl DQpi llv'pb OPI streichen würde, das war mir. klar, bevor ich ihn in die Hand bekam/bas gehört ja zum eisernen' Bestand der Reform. Dazu möchte ich nur an eine Episode erinnern. Es war am niVN tMO , nach / den. -furchtbaren Pogroms des Jahres 5666 in der Synagoge 'derGesetzestreuen,in Berlin/ dem neuen Pracht-/ bau der Adaß-Jisroel. Als derVorbcler. im' 'mbü - das U'iiiyb Olpl anstimmte, da ging ein Schluchzen durch/ die ganze / Gemeinde und mit -dem Gebete mutzte. innegehälien werden. Russische. Flüchtlinge/ erzählten - mirnachher/mit/Tranen in den Äugen/ . wie die Rührung sie übermannt, als sieauf .fremdem Boden sich in die Heimat, .verseht fühlten. Ich bin der — für den/Oberrat natürlich unmaßgeblichen — Meinung, daß ein Kind, das diese. . Minute miterlebt, für/ sein jüdisch-religiöses Gefühl mehr gewonnen,>. als wenn es' die ganze. Uebertragung des badischen Gebetbuches durchgelesen. - ' Gründen tendenziös gestaltet ist, kann ich nicht finden, daß „der Geist des echt israelitischen Gebetes überall aufs beste gewahrt ist." „Die Methode der fteien Uebertragung", - sagt die Denkschrift „wurde deshalb eingeschlägen, damit die des Hebräischen nicht oder nicht genügend Kundigen alle für die verschiedenen Gottesdienste bestimmten Gebete mitbeten können, ohne daß für sie die erbauende Wirkung beeinträchtigt wird durch den befremdlichen Klang/ der bei einer wörtlichen Uebertragung nicht zu vermeiden ist, weil/ eben die hebräische Sprache in ihrem Aufbau der deutschen sehr unähnlich, ihre Ausdrucksweise der deutschen vielfach , völlig ungewohnt ist." In einer Anmerkung wird dann Wilamowitz-Möllendorf zitiert, der sicher der Berufenste ist, die Prinzipien für eine Verdeutschung aus den alten Sprachen festzustellen. Aber es kommt hier wie überall nicht darauf an, daß man über die Prinzipien unterrichtet ist, es kommt auf die Anwendung an. Wissen ist leicht, Können ist schwer. Jbn Tibbon der Aeltere hat ganz ausgezeichnete Prinzipien für die Kunst des. Uebersetzens ausgesprochen, aber seine Uebersetzung des Kusari ist doch sehr schwach ausgefallen. Bei einer Uebertragung sind eben zwei Klippen zu vermeiden. Man kann allzuwörtlich übersehen und dadurch dem/deutschen Sprachgeist Gewalt antun. //Man kann aber ebenso allzufrei schälten und walten und an dem Geist des-Urtextes, sich versündigen. Den ersten Fehler'hat Jbn Tibbon in seinem Kusari gemacht, in den zweiten verfällt der Entwurf des Oberrats. Sicherlich muß man „den Buchstaben verachten und dem Geiste folgen, nicht Wörter noch Sätze übersetzen." Aber ebenso gewiß ist, daß jede Wendung, jeder Gedanke ausgenommen werden muß.- Es ist nämlich nichts leichter für einen Menschen, der. ein anständiges Deutsch schreibt und ein wenig" Geschmack / hat, als eine gute, freie Paraphrase zu geben. Aber sehr schwer ist es, eine gute Uebertragung zu Stande zu. bringen. Ein einziger Satz kostet da oft viele. Stunden. mühseliger Arbeit, unzählige Versuche müssen als untauglich verworfen werden. Ich habe mich in die Uebertragungen derPsalmen im badischen Gebetbuch nicht so eingehend vertieft, daß ich ein abschließendes Urteiläbgeben könnte. Aber soweit ich sehe, sind diese zum größten Teil so gehalten, wie.eine Uebertragung sein soll. Stilistisch ohne Fehler, in gewählter Sprache und doch -alle Gedanken und feinen Nüancen in den Psalmen wiedergebend. Freilich „der befremdliche Klang" ist vorhanden. „Und Hasser, die Gewalttat schnauben" ist keine uns geläufige Redewendung. Aber das ist ja gerade ein Vorzug. Es soll .nicht alles so banal klingen, wie in der Kinderstube oder dem- Salon, sodaß nach einmaligem Lesen der Inhalt völlig ausgeschöpft ist. Diesen „befremdlichen Klang" hat aber der Entwurf aus dem deutschen Teil der Gebete radikal beseitigt. Und das sieht er als ein Verdienst an. Dann läßt sich eben mit ihm nicht streiten. Ich will . nur noch einmal wiederholen, daß es mir völlig fern liegt, den Verfassern einen Vorwurf daraus zu -machen, daß sie - keine wort getreue Uebersetzung gegeben. Ebenso, will ich anerkennen, daß sie an vielen Stellen sehr -glücklich in der Ueber-' tragung waren. Um nur ein Beispiel zu nennen: airr; nhav'inre rrin nnt* iiförr eon nru* vp'VD «in nnN. ist wiedergegeben: „Gott, dich bekennen wir — Herr dir gehorchen wir — König, dir huldigen wir — Helfer, dein harren wir." . Das ist wahrlich frei genug, aber es ist immer noch eine,. Uebertragung - und nicht ein völlig Anderes als-der Text?) Nim schneidendie Verfasser der Denkschrift ■*) Nach Obigem. kann ich mich auch nicht dem begeisterten'Urteil des "Herrn Dr. Kaatz (in der erwähnten Artikelserie in" der „Jüd. Preffe") über die Uebertragung der Hymne anschließen. 'Die deutsche Hymne, ist zweifellos ein. geradezu ergreifendes Gedicht von dauerndem Wert,: aber der Piut bot dem Dichter nur die Anregung, -den Stoff. Die Hymne ist kein „Meisterwerk der Uebertragungskunst". Sie ist ein Anderes, wahrscheinlich sogar Beyercs. Heller, hätte in seinen „Hebräischen Melodien" noch schönere Dichwngen uns/geboten, wenn er sich so wenig an die Form gebunden hätte. auch hier wiederum aus unserem Leder die Riemen. Sie meinen nämlich (S. 87 Anm.): „Zum Belege, welche Freiheiten eine vom orthodoxesten Standpunkte aus verfaßte Uebersetzung der Gebete sich gestattet, seien einige Stellen aus dem Gebetbuche von S. R. Hirsch — unter Beifügung der entsprechenden ziemlich wortgetreu übersetzten Stellen aus dem Gebetbuche von Dr. I. Bleichrode — hier angeführt, wobei wir absichtlich nur der Bibel entnominene, also solche kanonischen Charakters auswählen : S. 13, Pred. 3,19 „der Vorzug des Menschen vor dem Tiere ist verschwunden" (Bl. S. 13 „einen Vorzug des Menschen vor dem Tiere, giebt es nicht.") — S. 53 Pf. 94,1 „Gott der Rechtsvertretungen, Gott der Rechtsvertretungen, erscheine!" (Bl. S. 33 „Gott der Vergeltung, Ewiger, Gott der Vergeltung erscheine!") — Das. Ps. 81,11 „stelle weit dein Verlangen, ich erfülle es." (Bl. S. 33 „tue deinen Mund weit auf, ich Me ihn.") — Das. Ps. 13,6 „ich möchte Gott singen, wie er alles über mich gekommene zur Reife hat gebracht? (Bl. S. 33 „singen will ich dem Ewigen/ denn er hat mir wohlgetan.") — S. 57 Ps. 19,7 „denn alle unsere Tage gingen zur Wende durch dein Hinausschreiten u. s. w." (Bl. S. 35 „da schwinden alle unsere Tage in deinem Zorne usw.") usw. usw. Es tut mir leid, daß ich wieder schroff werden muß. Aber ich stehe-hier wiederum nur'vor der Wahl, den Verfassern der Denkschrift Unwissenheit oder Mangel an Aufrichtigkeit vorzuweissen. Entweder sie wissen nicht, daß S. R. Hirsch, eine ganz besondere, eigenartige Methode in der Exegese befolgt. Sie haben weder seinen Jeschurun, noch seinen Pentateuch, noch seine Psalmen gelesen. Dann bedeutet das eine große Lücke in ihrem theologischen Bildungsgang. Man braucht kein Anhänger der Hirsch'schen Ethymologieen zu sein — ich bin es selber nicht,— d as wird jeder zugestehen müssen, daß er für die innere Entwicklung des Judentums im neunzehnten Jahrhundert ein Faktor von ganz unberechenbarer Bedeutung war. Ihn und seine Werke ignorieren das heißt, selbst vom liberalen Standpunkt, soviel als wollte man als Politiker sich nicht um Karl Marx und seine Werke kümmern.^) Und. nun gar Mitglieder des Oberrats, der doch die „innerkirchlichen Aufgaben", der gesamten badischen Judenheit zu lösen unternimmt. Sie wollen väterlich auch für die Gesetzestreuen sorgen und wiffen nichts von den Gedankengängen, ^des Mannes, der ihren Schutzbefohlenen Leiter und Führer ist. Wußten sie aber etwas von Hirschs exegetischer Methode, kannten sie auch nur eines seiner einschlägigen Werke, dann zeugt ihre Beweisführung von Unaufrichtigkeit. Wie konnten sie Hirschs Uebersetzungen als „Freiheiten" ausgeben? Sind diese ja nach Hirschs subjektiver Meinung in höchstem Grade wortgetreu. Wenn Hirsch ii£ im1 übersetzt: „denn alle unsere Tage gingen zur Wende durch dein. Hinausschreiten" . und Bleichrode „da schwinden alle unsere Tage, in deinem Zorne", dann hat nach Hirschs/ Ansicht Bleichrobe frei und falsch übersetzt,^ denn 112 heißt wörtlich „sich wenden" und mnj? ist hier nicht das Wort „Grimm" sondern emBerbalsubstantiv von izy und bedeutet „Hinausschreiten". (Forts, folgt.) ' 5) Einer der radikalen Stürmer/ Stern, meinte z.Z.: Wenn einst alle Erzeugnisse der modernen jüdischen Wissenschaft der Bergeyenheit anheimgefallcn wären, würden'.die Werke von S. R. Hirsch noch gelesen werden! ' ‘ '/ Der achte Zionisten-Kongress im siaag. (Bon unserem SpezialrKorresonde'nten.) Eröffnungssitzung/ Mittwoch, den 14. -August, Bormittag. Am Mittwoch Vormittag um 9'b Uhr wurde der achte Zionistenkongreß eröffnet. Wenige Minuten nach der Oeffnung der Saaltüren war der ganze Versammlungssaal überfüllt. Ueber 400 Delegierte. und mehrere Tausend Tribünengäste wohnten der Eröffnung bei. Um -/k/M . Er/Ä yjt| K 1 im M'P: -chDM - ZUM HM 4 -

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