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Der Israelit · 1907-08-15 · Heft 33 (15.8.1907) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 33 (15.8.1907)
Date
1907-08-15
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Gesinnung unter der Jugend wurden mit großem ErnsL debattiert. Auch wurde ein Beschluß gefaßt, durch welchen das. Publikum aufgefordert wird, diejenigen Jargon-Zeitungen, die die Lehren des Sozialismus predigen und eine feindliche Haltung dem Judentum gegenüber einnehmen, zu meiden. Der Konvent schloß, wie üblich, mit einer Massenversammlung, bei welcher von verschiedenen Rednern Ansprachen gehalten wurden. Herr Dr. David B l au st e i n, seit zehn Jahren Oberhaupt des großen Institutes der Jewish Educational Alliance, in der die vielseitigsten erzieherischen und sozialen Tätigkeiten zentralisiert sind und die von vielen tausenden Zöglingen besucht wird, zieht sich von seinem Posten zurück. Die Verwunderung über diesen Schritt ist allgemein, da der Posten ein hervorragender und gut dotierter ist und Dr. Blaustein die Pflichten o sselben zur allgemeinen Zufriedenheit erfüllt h^at. Es heißt, daß er zu einem anderen Berufe übergehe, nämlich Mitglied des Direktoriums der Jesferson-Bank werde Am 17. Juli starb Prof. Angelo H ei lprin, einer der hervorragendsten Gelehrten Amerikas. Dieser Mann ist uns, obwohl er mit Judentum und Juden in fast gar keiner Beziehung stand, interessant als einer der vielen begabten Menschen, die aus der von Osteuropa eingewanderten jüdischen Bevölkerung hervorgehen. In 1853 als Sohn des bekannten Michael Heilprin in Ungarn teboren, kam er als dreijähriger Knabe nach den Zereinigten Staaten. Er war hochbedeutend auf den Gebieten der Geologie und Paläontologie, über die er viele Werke verfaßt hat. Er hatte im Laufe seines Lebens mehrere Professuren inne und war zur Zeit seines Todes Präsident der Nationalen Geographischen Gesellschaft von Amerika. Seine sensationellste Leistung war die Erklinunung des Mont-Polee auf der Insel Martinique, wenige Tage nach der Eruption, die -40000 Menschenleben hinweggerafft hatte. Die Tageszeitungen brachten höchst ehrende Artikel anläßlich seines Todes, erwähnten aber nicht, daß er Jude war. Ueraii$cbte$. Frankfurt a. M., 14. Aug. Gegenwärtig weilt hier der Vertreter der min 'HDltl? m Jerusalem. Dieser Verein un'.erhäkt in den. Kolonien des heiligen Landes Talmud-Thora-Schulen, deren segensreiches Wirken von allen Freunden der Thora unterstützt zu werden verdient. Berlin, 11. August. In der Zeitschrift hes Königlichen Statistischen Landesamts gibt Prof. Dr. Kühnert eine eingehende Darstellung der Ehescheidungsbewegung in Preußen in den Jahren 1895—1905. Dabei zeigt es sich, wie außerordentlich zahlreich die Scheidungen von Mischehen sind, denn von der Gesamtzahl der im Jahre 1905 gerichtlich gelösten Ehen — 6856 — waren nicht weniger als 1080, d. i. 15,8 Mischehen, also beinahe V« aller, geschiedenen Eben waren Mischehen. Entsprechend der Tatsache, daß die Mischehen in den Städten verhältnismäßig mehr als auf. dem Lande Vorkommen, entfielen auf die städtischen Ehescheidungen 905 gleich 17 \ Scheidungen von Mischehen, auf die ländlichen dagegen nur 175 gleich 11,4°/«. Was nun die Mischehen der Juden betrifft, so kamen auf die Scheidungen von 140 rein jüöWm Ehest 32 Scheidungen von Mischehen. In 11 Fällen hatten evangelische Männer jüdische Frauen geheiratet, in vier Fällen katholische Männer jüdische Frauen, ebenfalls in 4 Fällen jüdische Männer katholische Frauen in 13 Fällen jüdische Männer evangelische Frauen. Bei einer Betrachtung nach Provinzen erhält man für die Scheidungen von Mischehen folgendes Bild: Obenan steht die Provinz Heffen Nassau mit einem Anteil, der auch nicht annähernd von irgend einer anderen Provinz erreicht wird. Nächst Hesien-Naflau kommt Schlesien, dann folgen die Rheinlande und Westfalen. Berlin, 9. August. Der bekannte Antisemit Hans v. Mosch sendet dem Vorwärts folgende Zuschrift: „Auf Grund des 8 11 des „Gesetzes über die Presse" ober im „Deutschen Volkskunde" irgend welche große oder kleine Unterschlagungen verübt habe; wahr ist dagegen, daß ich mein ganzes Vermögen infolge schmählichen Vertragsbruches sogen. Antisemitm verloren habe, und daß ich durch gemeine Intrigen sogen. „Bundesb.üder" aus meiner Stellung htnausowräkwt worden bür." Worms, 3. August. Die her hiesigen aus dem 10. Jahrhundert stammenden Synagoge anfangs, des 17. Jahrhundert angegliederte Raschikapelle, rie außer dem in die Umfassungsmauer eingelassenen steinernen Sitz des berühmten Gelehrten viele wertvolle Pergamente und mit der Geschichte der Wormser jüdischen Gemeinde in rekonstruiert werden, Arm dem drohenden^Berfall zu ent gehen. ■ Ans Württemberg, 30. Juli. Wie bereits früher in diesem Blatte berichtet wurde, ging vor ewigen Jahren infolge Wegzugs der letzten Mitglieder die jüdische Gemeinde Pflaumloch bei Nördlingen ein. Die in den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts erbaute Synagoge (am Eingang'find die Buchstaben 9"ab nnn zu lesen), die auf einer kleinen Anhöhe steht uno sast oas Sanze kleine Dorf überragt, wurde von dem Geheimen!ommerzienrat Alexander v. P f l a u m in Stuttgart, einem geborenen Pflaumlocher, angekauft und der politischen Gemeinde Pflaumloch zum bleibenden Eigentum geschenkt und zwar mit folgenden Besttmmungen. Das Gebäude soll fortan dienen zur Ausnahme 1. einer Kleinkinderschule ohne Unterschied der Konfession, 2. zur Aufführung von musikalischen und a iberen Borträgen und Veranstaltungen zu Gemeindeversammlungen rc., 3. zur Aufnahme einer Lesehalle und 4. als Wohnung alter oder kranker Personen und einer Schwester, die die Pflege von Kranken in Pflaumloch und den umliegenden Orten, ebenfalls ohne Unterschied der Konfession, besorgt. Gestern fand nun die feierliche Einweihung der neu erstellten Räumlichkeiten statt. Außer Herrn v. Pflaum und den Vertretern der Behörden hatte fich baS ganze Dorf und viele Freunde aus Nah und Fern zu dem gewiß seltenen Feste etngefunden. Nach einem emleitenden Gesang ergriff der Spender das Wort, um de r Ursprung und den Zweck seiner Schenkung darzulegen. Er gedachte dabei tiefergriffen der schönen Jugendzeit, die er m Pflaumloch verlebt, und in ehrenden Worten seines Lehrers Löwenstein, den er als Musterlehrer bezeichnet. Das Gebäude, das bisher schon ethischen Zwecken gedient hatte, solle auch fürder solchen Zwecken erhalten bleiben. Damit dies für die Zukunft gewährleistet sei, hat der Sttster ein Kapital angelegt, von dessen Zinsen an die Gemeinde jedes Jahr der Betrag von 500 Mark ausgefolgt werden soll. Auch den gesamten Um- und Einbau hatte er auf seine Kosten übernommen. Der Vertreter der Regierung, Herr v. Falch, betonte, daß alle Veranstaltungen, die mit den neu erstellten Räumlichkeiten im Zusammenhang stehen, allgemein bildend, fördernd, helfend, tröstend sein würden und daß nach dem Willen des Stifters alles, waS eine Konfession verletzen könnte, streng ausgeschlossen sein müsse. Der Herr Schultheiß dankte im Namen der Gemeinde für die hochherzige Stiftung und überreichte Herrn v. Pflaum zu dessen großer Ueberraschung ein kunstvolles Diplom, das seine Ernennung zum Ehrenbürger der Gemeinde enthielt. St. Ludwig, 12. August. Nachdem Herrn Rabbiner Dr. Schüler von Seiten des Kaiserl. Ministeriums Ende vorigen Jahres die Erlaubnis erteilt worden war seinen Wohnsitz von Hegenheim, das leider fortwährend abntmmt, nach St. Ludwig zu verlegen, ist nunmehr von Seiten des Kaiserl. Statthalters für Elsaß-Lothringen die landesherrliche Ermächtigung eingetroffen, daß der Sitz des Rabbinats von Hegenheim nach St. Ludwig verlegt werde. Herr Dr. Schüler vleit nach wie vor Rabbiner von Hegenheim nur verwaltet er die Filialgemeinden Hegenheim, Hüningen und Buschweiler sowie das Rabbinat Hagenthal von St. Ludwig aus.? Wie», 9. August. Ueber unglaubliche Mißhandlungen, die ein jüdischer Soldat in Galizien erlitten hat,' machen die Blätter folgende Mitteilungen. Der Vorfall ereignete fich beim 10. Korpsarttllerieregiment aus Przemysl, das eben bei Grodek manövriert. Der Kanonier Samuel Henner der zweiten Batterie wurde vom Hauptmann Walluschek wegen eines geringfügigenDisziplinarvergehens zum Rapport befohlen und dort mit fünf Tagen strengen Arrests und Spangenschließens verurteilt, obwohl das Spangenschließen bereits abgeschafft ist. Aber was kümmerr sich der Hanptmann in einem entlegenen galizischen Städtchen, dazu noch während der Manöverzeit, um derarttge Verbote! Diese Strafe schien dem dieser Batterie angehörendm Leutnant Kafka zu geringfügig, deshalb zitterte er dm Henner zu fich, beschimpfte ihn mit den Worten: „Elender Saujud" und dergleichen und befahl dm Bormeistern Specht und Hübel ihn zwei Stunden anzubinden, welche Strafe jetzt eim Mililäre ebenfalls streng verboten ist. Die Strafe wurde sofort iw Beisein des Leutnants, der übrigens nach dem Reglement kein Disziplinarstrafrecht hat und Ich daher mit dieser Maßregel eines MiSorauchs der Dtenstgewalt schuldig machte, vollzogm. Der Soldat wurde derart an einen Pfahl angebunden, daß er mit dm Füßen den Boden gar nicht berühren konnte, und in dieser Pofitton verblieb er mit kleinen Unterbrechungen, dte dazu dienten, den Hängenden bei seinen Ohnmachtsanfällen durch Begießen mit kaltem Wasser zum Bewußt - 'ein zu bringen, zwei Stunden 25 Minuten, bis ihn ein ölutsturz auS dm Händm der Peiniger Vefteite. Obwohl nach Vollzug der Strafe die Ohnmachtsanfälle fich wtederholtm und der Soldat über Hitze klagte, wurde er erst nach energischem Borsprechm der Mutter beim ^Hauptmann Walluschek nächsten Tag zur ärztltchm Btfite ins Truppmspttal Grodek abgeschickt. Dort stellte der Regimentsarzt 39 Grad Hitze und einen außerordmtltchen Schwächezustand fest. Er sandte | dm Kranken unver- Igl'ch ins Gamisonsspital nach PrzemhSl ab. Der orfall wird jedenfalls im Parlament zur Sprache ge bracht werdm. die Muntzifizenz von Mitgliedern der Familie fchild und v. Goldschmidt wurde der Ankauf lim v. Roth' veMtzrvere». Frankfurt, a. M., 12. August Bestem wurde der Neubau des „Moritz und Johanna Oppmhetmer'schen Kindergarten für Israeliten" (Baumweg 7) ln eterltcher Weise seiner. Bestimmung übergeben. Die unzureichenden Verhältnisse des frühem Lokales des Kinderiu der Hanauerlandstrave hatte» längst die Er- MeS r^ktM HetmeSnötwrndtz gemacht. Durch eigneten Grundstücks ermöglicht, die Mittet zum Vau haben die Kinder von Moritz und Johanna Oppenheim« zum ehrenden Gedächtnis an ihre Eltem gestiftet. Der Neubau macht einen gefälligen Eindruck und ist mit «Leu nur wünschenswertm Einrichtungen versehen. Herr Prof. S u l z b a ch, der Borfitzende der Verwaltung, der in seiner Eröffnungsansprache einm. Rückblick über die Geschichte der Anstalt gab, betonte, daß man bemüht gewesen sei, nicht nur zweckmäßig, sondem auch schöne uitb freundliche Räume zu schaffen und so in den Kletnm Eindrücke zu erwecken, die sie aus ihrer Kindheit alS wertvolle Erinnerung mit ins Leben hinaus nehmen. Er dankte allen, die durch ihre Opferwilligkeit zum GeltNgm des Werkes beigetragen haben. Herr Dr. M e h l e r erörterte die hygienischen Prinzipien, nach denen der Kindergarten ausgebaut worden ist. ES Dürfte in dieser Beziehung den weitgehendsten AnfozKerungen entsprochen sein. Herr Stadtschulinspektor H elMie r überbrachte die Glückwünsche der städtischen Schuldeputation und bezeichnete den Kindergartm als dm schönsten der Stadt. An die Eröffnungsfeier schloß fich ein Runbgang durch die Räume des neuen Hauses. PmoNaiiei. Netv-Aork, 5. Aug. Die Meldung von dem Tode Morris Rosenfelds, dte durch die Blätter ging, unrichtig. Der Dichter ist allerdings schwer leidend uni bedarf sehr der Hilfe der Glaubensgenossen. Jerusalem, 2. Aug. Am 11. Aw fand das Begräbnis R. Jizchak Blasers y'jtf statt. Er hatte in feinem Testamente den Willen ausgesprochen, daß man ihn nicht t©DD sein solle, und so war es den Führem der Jemsalemer Judenheit versagt, an seinem Grab dem Schmerz um den Verlust des großen Lehrers Ausdruck zu verleihen. Es seien hier einige Daten aus dem Leben des 71jährigen mitgeteilt. Er war in der rusfischen Stadt Schnipischak geboren, sein Vater hat wie er die letzten Lebensjahre im heiligen Lande verbracht. Als Knabe schon saß er zu Füßen von R. Israel Salant , der damals in Wilna weilte. Nachdem er später eine Familie begrünbett zog es ihn wiederum zu seinem Meister nach Kowno, und als R. Israel Salant V'jft nach Memel übersiedelte, folgte er ihm auch dorthin. Den 25 jährigen, der trotz seiner Jugend schon durch seine hervorragende Gelehrsamkeit sich einen Ruf begründet hatte, wählten die Petersburg« Juden zu ihrem Rabbiner. Er bildete dort aus der tn viele Gruppen zersplitterten jüdischen Bevölkerung eine einheitliche n!?np und entfaltete in deren MUte eine überaus segensreiche Tättgkeit. Aber schon nach acht Jahrm legte R. Jtzchak, dem jede Würde zuwider war,. baS Rabbineramt’njeder und gründete in Slobodka bei Kowtto die berühmte nav, die nach seinem Meist« HDX2 benannt ist. Hier gab er das halachifche Werk pnjp 'HD heraus, das die Bewunderung der rabbinischm Welt erregte. Diesem Werke folgte im Jahre o"nn däS Buch TI8, in welchem er seinem Meist« ein biographisches Denkmal setzte und dessen wichtigste Lehrsätze entwickelte. Vier Jahre später wanderte er zum heilige» Lande und wohnte von da ab in Jerusalem in dem von Samuel Straus y^ gestifteten Gebäude der Jeschtba Bnn TIN/ wo er wie früher die Methode R. JSräÄ Salants yw zu verbreiten suchte. Er hat viele Werke handschriftlich htnt«lassen. n'DJftn- Sabbat-Anfang u. Ausgang. D'&S) V: - OBT: Anfang Data«' Ausgang Uhr läRiit 1907 5667 UhrlMup 17.Aug. 7. Elul Frankfurt a. M 7 05 8 30 Berlin .... — — 8 18 Alüucheu . . . 7 00 8 05 Stratzburg . 6 45 8 25 Pose» .... — — 8 04 Breslau . . . — — 7 58 Nürnberg. . . — — 8 12 Stuttgart. . . 7 15 8 18 Prag. 7 30 8 00 7s«ssie«» schlichte». ü am Mittwoch, en müssen immer irren der jeweiligen er in unsere» 1 '3 richten. Die Sendr. Bormittag vor dem Händen sein.) Verlobte: Betty Hirsch mit Marcus Be er manu Fraukfutt a. M.-Hannover. — Jda Meier mR bbiner, Camille Bloch» Baden (Schweiz)-Suh und WaldEls aß.) — gen Adler, Frankfurt a.M.- trmine Cabn mit Eugen Adler, Frankfurt a.M.— Hilda elig mit Jsak Sonn, Hechtsheim (Rheinh.)-Greßeu. äugo Ut i tz mit Selma geb. : »eß mit Klara geb. Fränkel. erser Frank- VermMiUe: Klutschmitz. — Hugo fort a. M. «ehurten: Ein Sohn: Sigmund Kahn (De BriA Brüssel. — Eine Tochter Dr. med. I. Lange,Frankfurt a. M — Joseph Schwab, Frankfurt a. M. i/.’i

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