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Der Israelit · 1907-08-15 · Heft 33 (15.8.1907) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 33 (15.8.1907)
Date
1907-08-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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15. August 1907. Der JSraeltt. Nr. 38. Sette 7 würden da, wo durch Majoritäts-Beschluß das neue eingefüyrt würde, aus dem Gotteshause gedrängt und von der Teilnahme an dem Gottesdienste ausgeschlossen werden. 3. Der Glaube an einen persönlichen Messias, der die Zurückführung der Zerstreuten Jsrael's und hiermit verbunden die Erlösung der gesamten Menschheit und den Eintritt des Weltfriedens, d. h. des sogenannten messianische Zeitalter verkünden soll, ist eine der dreizehn Grundwahrheiten, die von Maimoniöes aufgestellt wurden und als wesentliche Bestandteile der jüdischen Glaubenslehre zu allen Zeiten gegolten haben. Dieser Glaube steht mit der Liebe zum deutschen Vaterlande, in welcher die Anhänger des überlieferten Judentums Niemandem nachstehen, durchaus nicht in Widerspruch. 4. Der zu allen Zeiten mit Gebet verbundene Opferdrenst und die ihn betreffenden Vorschriften umfassen einen großen Teil der uns von Gott offenbarten Thora. Es wäre deshalb eine Herabsetzung dieses göttlichen Gesetzes, wenn man den Opferdienst und dre Gedanken, welche er in den Gemütern unserer Ahnen wecken sollte, als einen minderwertigen Gottesdienst bezeichnen wollte. Die Propheten haben sich auch niemals gegen den Opferdienst an sich, sondern nur gegen seine Veräußerlichung gewendet, wie sie überhaupt, gegen jede äußerliche Gottesverehrung, die nicht mit sittlicher Lebensführung verbunden ist, eiferten. Indem wir in unseren Gebeten die Opfer erwähnen, halten wir den Zusammenhang mit der großen Vergangenheit unseres Volkes und dem erhabenen Gottesdienste im hehren Tempel zu Jerusalem aufrecht, und wenn wir um die Wiederkehr jener Zeiten bitten, befinden wir uns in Uebereinstimmung mit den Worten des großen Propheten: „Ich werde sie bringen zu Meinem heiligen Betge ttifb sie erfreuen in Meinem Bethause; ihre Ganzopfer und ihre Schlachtovfer werden jiutn Wohlgefallen fern auf Meinem Älrme, denn Mein Haus soll ein Bethaus genannt rverden für alle Völker". (Jos. 56, 7). 5. Der Glaube an die einstige Wiederbelebung der Toten ist in der Bibel begründet und in der Tradition als wichtiger und bedeutsamer Grundsatz der jüdischen Religion ohne Widerspruch aufgestellt Worten; die Abänderung und Weglassung der hierauf bezüglichen Gebetstücke kommt einer Verwerfung dieses Glaubensartikels gleich. Die Unterzeichneten badischen Rabbiner beeehren sich, von vorstehender Erklärung, die auch der künftigen Synode zur Kenntnisnahme, sowie den in Berlin erscheinenden Zeitschriften „Jüdische Press e" und „Allgemeine Zeitung des Judentums" demnächst zur Veröffentlichung zugesändt werden soll, dem Gr. Oberrat ergebenst Mitteilung zu machen. Wir sehen uns zu diesem Schritte veranlaßt, einerseits, weil wir die gute Absicht des Gr. Oberrats, durch fein Gebetbuch die Religiosität zu fördern, anerkennen und es umsomehr für unsere Pflicht halten, der Ueberezugung von der entgegengesetzten Wirkung dieses Mitte» Ausdruck zu geben; andererseits, weil unser Schweigen in einer Angelegenheit, welche weite Kreise des badischen Judentums auf's tirfste bewegt, mißdeutet werden könnte". Die mannhafte Erklärung der konservativen badischenRabbinenwird trotz des Umwegs über Berlin ihres Eindrucks auf die Kfentliche Meinung in Baden nicht verfehlen. Die Tatsache dieses Umwegs selbst ist ein interessanter Beitrag zur Charakteristik der unbegre^ten Bewegungsfrecheit, deren sich die gesetzesMuen Rabbiner des Oberrats-Reiches erfreuen und verdient deshalb immerhin registriert zu werden. Frankfurt a. M., 14. August. Während die Juden in Osteuropa jetzt glücklicherweise von Progromen verschont sind, kommt aus Westen, aus dem Reiche des Scherif, eine erschütternde Botschaft. In Kasa blanko, dessen Ghetto schon öfters von den Nomadenstämmen der Umgegend räuberisch heimgesucht wurde, sind viele jüdische Menschenleben Möroerhänden zum Opfer gefallen. Diesmal war's nicht nur das Verlangen nach Beute, das die Berber nach Kasablanka trieb. Die Niedermetzelung der Europäer, die sich in der Stadt niedergelassen hatten, war ihr Zieles sind denn auch eine Anzahl Franzosen und Spanier getötet worden. Ueber alle Maßen aber haben die Juden gelitten. Ein großer Theil der Bewohner des Ghetto ist aus er Stadt geflohenihr Schicksal ist unbekannt. Niemand weiß, ob nicht die Berberhorden ihr Werk im Innern des Landes an ihnen fortgesetzt haben. Französische und spanische Truppen suchen nun mit Waffengewalt die Ruhe im Lande herzustellen. Mit welchem Erfolg, das wird der weitere Verlauf der Ereignisse lehren. Straßburg i. E., 9. August. Das Landgericht Straßburg hat vor kurzem ein Urteil gefällt, wonach die Rechtsfähigkeit der elsaßlothringischen Synagogengemeinden auf Grund eines Dekrets vom Jahre 1808 von der ausdrücklichen Anerkennung durch das Staatsoberhaupt abhängig sei. Es handelte sich um die Entscheidung folgenden Rechtsstreits. In der Gemeinde Wingersheim hatte sich die Nlpv 25 Jahre hindurch in einem Privathause vefunden und war von der Besitzerin desselben besorgt worden. Das Haus kam nun aber in andere Hände, und die neue Hauswirttn wollte die Benutzung der mpö nicht mehr gestatten. Die Gemeinde erhob darauf Klage, wurde jedoch vom Landgericht endgülttg abgewiesen, weil ihr mangels oer formellen Anerkennung durch das Staatsoberhaupt die Rechtsfähigkeit abgehe und sie somit nicht als prozeßführende Partei auftreten könnte. Eine solche Anerkennung, bemerkt zu diesem Urteil die Straßburger Jsraelittsche Wochenschrift, ist aber für keine der elsaß-lothringischen Gemeinden, weder unter französischer noch unter deutscher Herrschaft, erfolgt. Das Urteil hat also prinzipielle Bedeutung für sämtliche Gemeinden des Landes. Auf Grund dieser Sachlage, die auch in der Tagespreffe erörtert wurde, ergiebt sich, daß eine Gemeinde, die ein Recht auf dem Klageweg geltend machen will, dies nur mittelbar durch das zuständige Bezirks- Konsistorium. bewerkstelligen kann. Das Konsistorium muß also im eigenen Namen den Rechtsstreit führen. Es muß dazu aber gemäß der Konsistorialordnung vom Jahre 1844 bce Ermächtigung des Bezirkspräsidenten einholen. wart. — Die „B. j. A." München ist dieses Jahr Präfidialvereinigung im „Bunde jüdischer Akademiker" und möchte hier ihrer Freude darüber Ausdruck geben, daß in diesem Sommersemester zwei neue „Vereinigungen jüdischer Akademiker" in Marburg und Heidelberg gegründet wurden, ein Beweis für die Lebensfähigkeit unseres Prinzips. Die Zahl der Hochschulen, an denen „V. I. A." bestehen, ist jetzt auf fünf gestiegen. Zu Auskünften über die Verhältnisse an den einzelnen Universiitäten betr. Verköstigung u. deA. ist das Bundespräsidium (der Vorsitzende der Münchener V. I. A.) gerne bereit. Me Ettern, welchen daran liegt, daß ihre Söhne als bewußte Juoen dem Elternhaus erhalten bleiben, wenn sie fern von der Heimat weilen, werden sich mit uns in dem Wunsche einen, daß auch fürderhin der „Bund jüdischer Akademiker" immer mehr erstarke. Straßburg, 12. August. Auch in"diesem Semester hatten wir eine Zunahme unserer Mitglieder zu verzeichnen. Das Vereinsleben gestaltete sich recht regeaußer an den allwöchentlichen Bereinsabenden fanden sich die Mitglieder ebenso häufig zu gemeinsamen Ausflügen zusammen. Referate hielten die Herren stuä. pharm. Auerbach: „Sabathai Zwi"- med. Ellern: „Ueber Nationaljudentum" - phil. ,Moch: „Jüdische Glaubensartikel" Rabbiner Buttenwieser: „Jüo. Geschichtsquellen"- ehern. Baer: ,/Luzatto" - viril. Buttenwieser: begriff der Natton"- phil. Brom: „Nächstenliebe im Talmud". Die Neuwahl des Vorstandes hatte das Ergebnis: c&nd. phil. Moses Buttenwieser 1. Vorsitzender, stnd. med. Heinrich Ellern, Schriftführer cand. phil. Theodor Baer, Kassier. o. i. n. München, 12. August. Mit Beginn der Hochschul-Ferien hat auch die hiesige.„Vereinigung Jüdischer Akademiker" für dieses Semester ihre Tättgkeit beendet. Trotz der KüHe des Sommersemesters war das erledigte Bereinsprogramm recht reichhaltig. Borträge hielten: Herr Rabbiner Dr. Ehrentreu über „Die Niederschrift der mündlichen Lehre"- cand. med. dent. Ehrman „Babel in der Bibel" - cand. jnr. Cahn „die Messiasidee" - cand. med. dvnt. Zunz „Jbrische Sklaven"- cand. phil. Kraus „der SabbatH als soziale Einrichtung" - Ehrmann „Einige talmudische Anordnungen", ferner „die Abstammungslehre" (mit besonderem Diskusfionsabend) - Kraus „Was sagt die Wissenschaft über den Ursprung des Saobath"- und Bibliotheksassistent Sternberger „Das hermeneutischePrinzip der Forschungen v. S. R.Hirsch V'xt." Besonders interessant gestaltete sich ein Leseabend, an welchem „Der Prozeß eines jüdischen Handwerkers" (Jeschurun 1863) und die Broschüre „Der Austritt aus der Gemeinde" von S. R. irsch zur Vorlesung und Besprechung kamen, uch an die übrigen Borträge schloffen sich stets anregende und lebhafte Diskussionen an. Neben den wissenschaftlichen Abenden wurden auch regelmäßige D'nynp in D"ttn ii"n in Verbindung mit dem Verein „Mikor Chajim" abgehalten. Das Studium von WZ-V, das zwei Jahre hindurch betrieben worden, gelangte in diesem Semester zum Abschluß, der durch einen recht gemütlich verlaufenen DVD gefeiert wurde. Es ist nunmehr mit o’Tnn begonnen worden. Ein weiteres erfreuliches Gedeihen zeigte die Tätigkeit der „V. I. A." auf dem Gebiete des freundschaftlichen Zusammenschlusses. Man pflegte eifrig jene Geselligkeit, die bei den fern vom Elternhaus weilenden Studenten eine große Rolle svielt und deren Art nicht selten von entscheidendem Einflüsse auf sein, ganzes Geist- und Gemütsleben ist. Der neugewähtte Vorstand setzt sich zusammen aus den Herren cand. med. dent. Ehrmann (Sternstraße 22) 1. Bors., cand. math. S. Levi 2. Bors., cand. phil. I. Kraus 1. Schriftführer, cand. med. dent. R. Möller 2. Schriftführer, cand. jeur. Rosenthal Kassen¬ Cöln,11.Aug. DerR Heini sche Rabbinerverb and hielt vor kurzem hier seine Generalversammlung ab. Es waren 11 Mitglieder erschienen. Der Vorsitzende Dr. Grabowski- Barmen erstattete den Jahresbericht. Bei der Besprechung der Abwehrtätigkeit, die im Berichtsjahr gegen die Angriffe der Schächtfeinde gerichtet wurden, sprach sich die Versammlung dahin aus, daß nur durch eine klare gesetzliche Bestimmung der Schächthetze ein Ende emacht werden könne. Aus der Neuwahl es Vorstandes gingen Dr. David-Bochum als Vorsitzender, Dr. Grabowski atz Stellvertreter und Dr. Samuel- Essen als Schriftführer hervor. Dr. Mosenthal- Cöln erstattete ein Reftrat „Praktische Erfolge im apologetischen Unterricht.^ Im Mittelpunkt des Bortxags wie der sich daran anschließenden Diskussion stand die Kritik des Güdemann'schen Buches, an dem in ver- , schiedener Hinsicht Ausstellungen gemacht werden. Die Debatte schloß mit der Annahme folgenden Antrags von Dr. Levi-5krefeld: „Der Rheinische Rabbinerverband erkennt die Rottvendgkeit eweS für den Religionsunterricht in den obere« Klaffen geeigneten Handbuchs der Apologetik deS Judentums an uud beauftragt die Kollegen akob-Dortmund und Rosenthal-Cöln, der nächsten Generalversammlung des Verbandes den Entwurf eines solchen Handbuches vorzulegen." Auf den Sprößling, der aus solcher Parung hervorgehen wird, darf man gespannt sein. Dr. Samuel referierte über die Tagung deS Rabbinerverbandes in Berlin, die in ihm schr ungünstige Eindrücke zurückgelaffen hat. In der Besprechung des Reftrats werden Dr. Samuel und Dr. David mit der Ausarbeitung von Vorschlägen zur Herbeiführung besserer Bedingungen des Rabbinerstandes betraut. Kaiserslautern, 9. Aug. Ueber die Frage derAnstellung von israelitischenBolksschullehrern an konfessionell gemischten Volksschulen, die in hiesiger Stadt akut wurde, liegt jetzt eine Entschließung des Staatsministeriums vor, die dem Stadtrat in seiner igen Sitzung zur Kenntnis gebracht wurde, das Staatsministerium in oer Frage

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