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Der Israelit · 1907-08-15 · Heft 33 (15.8.1907) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 33 (15.8.1907)
Date
1907-08-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
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«ette 4. nt. 83 Set dftMdtt Hk August 1907 ’b-. - s; L 8foim ntmp *jpinnanai ovki »na »in t 1ni3^Q »aran 121 "j»D2 -ipnn?12'1 ,nD»2 i^y 2Vni Rosch-Haschono ist das einzige unserer Feste, das keinen nationalen Ursprung, sondern die rein menschlichen B^iehungen zum Gegenstand hat, die den Schöpfer mit seinem Geschöpf, den Vater mit dem Kinde, Gott mtt seiner Welt verbinden. über die Schranken und Nattonalität gezogen, ja sie" beschränkt sich nicht auf die Menschheit, sondern erstreckt sich auf die ganze irdische Welt und alle in ihr lebenden Kreaturen, sie umspannt selbst die Himmelskörper und ihre unserer sinnlichen Wahrnehmung entzogenen Sphären. Daß die überwälttgende Fülle von Kräften, Daseinsformen, Gestaltungen und Erscheinungen, deren Summe wrr Welt nennen, einen Schöpfer, Meister, Regler und Erhalter haben müsse, das legt die blos menschliche, logische Erwägung jedem denkenden, unbefangenen Beobachter nahe. Diese Erwägung findet durch die jüdische Wahrheit nun insofern eine wesentliche Ergänzung und Bestätigung, als diese uns einerseits innerhalb der Bahnen und Gesetze der fiesamten Natur auch das Gesetz des Menschen, eine Stellung und sein Verhältnis zu dem ihn umgebenden Weltgetriebe, vorschreibt und andererseits indem sie uns den Moment bezeichnet, in welchem aus Gottes Geheiß das ganze Universum ins Dasein getreten ist. Dieser Moment ist Rosch-Haschono, nach dem wir deshalb die Jahre der Wett und unsere eigenen Lebensjahre zählen. Das ist die überwälttgende Macht der Heiligkeit dieses Tages. Durch seine Fixierung hörte die Erforschung und Beobachtung des Universums auf ein spekulatives, theoretisches Philosophem zu sein. Sie erinnert den Forscher alljährlich daran: daß die Welt einen Anfang, einen Schöpfer, einen Gesetzgeber, einen Richter, kurz einen Gott hat, der seinem Gesetz in der großen Erden- und Himmelwelt wie in der kleinen Menschenwelt Beachtung und Ausführung seines Willens sichert. ntPlip Heiligkeit, das entschiedene Bereitstehen für alles Gute und Edle, ist zwar an und für sich kein metaphysischer, sondern ein ausschließlich moralischer, ethischer Begriff. Aber wenn die energievolle Hingebung an ein höheres Gesetz, die keinen Kampf mehr kennt, sondern in freudiger Festigkeit höher und höher auf der Bahn vorwärts, aufwärts schreitet, die ein höherer Wille vorgezeichnet, wo fände sich dann das Charak-. teristikmn der Helligkeit reiner ausgeprägt, als stelle Pttester die Frau wieder vor Gott und entvlgst den Kopf der Frau." x rtewn twn n# jnoi. Eine Krone fällt vom Haupte e^er Königin. Denn sie ging eines Vorzuges verlustig, »er fie über die Masse ungezählter Genossinnen emporhob, die keine Weisung je empfingen vom Geiste des Hauses Mob. Dieser Geist ahndet jede Verletzung, auch wenn der Vollzug der n#Dlü noch in Frage steht, mit dem Verluste einer Krone, des äußeren Merkzeichens innrer Seelenreiheit. yr*ö 1IÖP «W Jww» fflisb niDTM «Wir heißt es zur Stelle in Kethuboth. Israels Töchtern ist es untersagt, mit entblößtem Haupthaar zu erscheinen. Nachdem im Volke durch Generattonen hin- - durch geübte Sitte die Vorstellung häuslicher Zucht und Sittenstrenge verbunden ist mit der Forderung, das gesetzlich sanktionierte Symbol dieser Strenge hoch und heilig zu halten, begreift man die Vermessenheit nur schwer, wie an die Säulen eines solches Heiligtums der Frevel seine zerstörende Hand zu legen wagte und versteht allmählich dm Kausalnexus recht wohl, warum von dem historischen Augenblick an, da diese Krone des jüdischen Weibes vom Haupte gerissm ward, — nicht diese Krone allein aus dem Familienschatz des jüdischen Volles verschwand. War doch in den Hauben unserer Großmütter mancher Edelstein verborgen, wertvoller als das funklnde Geschmeide im Lockenhaar der Enkelin. > Ob der Scheitel ästhetisch ist? Diese Frage wird von denjenigen verneint, die dm Scheitel schmähm. Das ist sittlich nicht mmr als natürlich. Seitdem der - badische Oberrat das alte Gebetbuch nicht benutzt, findet er eS unästhetisch. Er selbst wird öm Zusammenhang «Mrltch umkehrm und sagm, er benutze eS nur deshalb es unästhetisch finde. Darüber läßt sich Ganz ober ähnlich so verhütt es sich mit Daß der Scheitel in Wahrhell dm For- AestßM irt ch I wLerstrettet- H^ßwgen, in der uns umgebenden Welt, im Gesetz der Natur, wie es in der Keimkraft des eingesargten Saatkorns wie in den leuchtenden Himmelskörpern waltet? Hier und nur hier finden wir das unerschütterliche Streben, zu dem sich sterbliche Menschen nur so schwer und nur so unvollkommen emporzuringen vermögen, das in Gott selber sein vollendetes, unerreichbares Ideal hat, von dem aber ein verklärender Strahl auf die zu seinem Dienste berufenen Weltenscharen fällt. 11132 ip«n *?3 rii»32 'n «mp tmp trnp Diese Erwägung stellt die ganze Metaphysik in den Dienst der Ethik, wandelt das gesamte Universum in einen großen Tempel und alle seine Triebe, Kräfte, Formen und Erscheinungen in eine Schar begeisterter, heiliger Gottesdiener um, deren ganzes Wollen und Streben nur in dem einen Ziel aufgeht, den Willen ihres Herrn und Meisters zu vollbringen. Und bestrahlt, geblendet von diesem lichten Glanze einer ganzen Welt voll geflügelter Gottesboten, steht da der fehlende, irrende, trotzende, sterbliche Mensch und fühlt den ganzen Abstand zwischen sich und jeder Mücke, die treu und emsig die ihr gewährte Spanne Zeit durchschwirrt! Das alles ist kein leerer Wahn, keine bloße sublime Idee, kein tändelndes Spiel einer luftigen 'Phantasie! Das sind keine regellos von Ewigkeit zu Ewigkett hinwirbelnden Erscheinungen, die aus einer Vergangenheit strömen, wir wissen nicht woher, die nach einer Zukunft steuern, wir wissen nicht wohin, das sind im Gegengteil greifbare, konkrete Tatsachen, die man nicht wegdiskutieren kann. Sie reden eine laute, eindringliche überzeugende Sprache und wenn wir sie auch noch so oft und noch so entschieden abweisen möchten, am Rosch- Haschono schaffen sie sich Gehör. Diese Welt, die wir sinnend betrachten, die wir staunend bewundern, an deren Ewigkeit, Zufälligkeit und Entgöttlichung wir so gern und so leicht glauben möchten, um uns über unsere eigene Hinfälligkeit und Abhängigkeit hinwegzutäuschen, sie war nicht immer da, sie wird nicht ewig da sein. Sie ist einmal geschaffen worden. Wann? Heute, am Rosch-Haschono. V?iy mn di\i L2LVI23 Töj;\DVn .crtt^ij; nr *>2 Heute ist der Geburtstag der Welt. Dieser Tag') stellt vor Gericht Alle Gebilde der Welten. *) Daß hier nur mvi Subjekt des Satzes sein kann, daß somit die überwältigende Bedeutung des Tages an und für fich es ist, die alle Gebilde der Welt vor Gericht die maßgebensten Beurteiler, die alten Griechen, bezeugen. Niemals, auch heute nicht, hat der SchönhettSkultus begeistertere und hingebungsvollere Priester besessen, als in den Hellmen des Altertums. Es war ein Volk, umflossen von Licht und Schönheit. Man lese den Homer und bewundere die unerreichten Denkmäler ihrer plastischen Kunst. Es waren das dieselben schönheitstrunkenen Gttechen, deren Frauen das Haar durch ein haubenarttg umgeschlungenes Tuch verdeckten. Zuweilen war es auch ein aus Goldfäden geknüpftes Netz. Die griechischen Frauen, in deren Mitte bas Idealbild der Aphrodite von der Bolksphantafie geträumt und erschaffen wurde, waren altmodisch genug, das Haar mit einer Haube zu verdecken. Wie sehr übrigens die Aesthettk der Haartracht im Laufe der Zeiten schwankte, beweist z. B.die Tatsache, baß es im 18. Jahrhundert Frauenfitte war, das Haar durch rmtergelegte Kissen, falsche Haare und Drahtgestelle in turmhohe Frisuren zu bringen, und daß noch zur Zeit des zweiten Kaiserreiches eine reichliche Verwendung falscher, Haare von jedem, der nicht altmodisch erscheinm wollte gefordert wurde. Alle diese wechselnden Launen der Mode hat der jüdische Scheitel überdauert. Er muß demnach eine Lebenskraft besttzen, die unabhängig von den Dogmen des ästhetischen Urteils armseliger Menschenkinder fehl» Trägerinnen adelt und krönt, indem fie fähig werden, die Mütter des widerstanbskräftigsten Kulturvolks der Erde zu sein. R. B. Scheitel. Die Ebenmäßigkeit und Gesetzmäßigkett, ist der wir Himmel, Erde und was sie füllet, sich bewegen sehen, diese unveränderte Gleichmäßigkett, nach der wir Tag und Nacht, Sommer und Winter, Leben und Sterben kommen und gehen sehen, diese wechselnde Beständigkeit und dieser beständige Wechsel, alles, alles vollzieht sich nach ehernen, heiligen, göttlichen Gesetzen, die mit der Erschaffung der Welt, die mit dem heutigen Tage, mit Rosch-Haschono in die Wirklichkeit getreten sind. Das ist die überwältigende Heiligkeit des Tages. Daß sie furchtbar und Schrecken erregend ist, für jeden der sich ihr nicht verschließt und fie, von welcher Seite auch immer, ins Auge faßt, das lehrt das ganze Weltgebäude, das predigt jedes Sandkorn, das wir sonst gedankenlos mit Füßen treten. Wir besitzen eine scharfsinnige Abhandlung von einem berühmten deutschen Philosophen, die sich damit beschäftigt, den Einfluß festzustellen, den ein einziges fehlendes oder überflüssiges Sandkörnchen auf die gesamte'Konstruktion des Weltganzen haben müßte, Die dort geschilderten Umwälzungen sind eine ergreifende Illustration des jesaijanischen Wortes (Kap. 40, 12), das Gott als den Allmächtigen feiert, der das Maß für den Staub der Erde bestimmt hat. Noch nachdrucksvoller legt aber diese Erwägung den Gedanken noch: Wenn ein einziges, winziges Sandstäubchen, das nicht an seinem rechten Platze steht, die Störung des ganzes Weltplans zur Folge haben muß und zwar nicht auf Grund moralischer, ethischer und religiöser, sondern auf Grund logischer, mathematischer und metaphysischer Reflexionen, wie schwer muß dann die Menschentat, ja das bloße gesprochene und zurückgehaltene Wort und selbst der flüchtige Gedanke, sowie die aufwallende Regung auf der Gotteswage wiegen, die unser Tun und Lassen und seinen Einfluß auf das ganze Universum abwägt! An diesem Maßstabe gemessen wird jeder Schritt und Tritt, jeder Atemzug und jeder Pulsschlag ein Gegenstand furchtbarer Verantwortung am Tage des Gerichts. Wenn ein Sandkorn Welten aufwiegt, wer will dann das Gewicht der Menschentat ermessen! Vor diesem Gedanken bricht das ganze Götzentum zusammen, das unsere Zeit mit der Natur, ihrer Wissenschaft und ihren Gesetzen treibt, um Gott aus seiner Welt streichen und blind würfelnde Naturmächte an seine Stelle setzen zu können. Die Natur kennt kein Datum. stellt, hat in den niDDin zu seinem 'i pbD rpV 131 Rabbi Josef Schwarz über allen Zweifel festgestellt, indem er aus der Form die sprachliche Unmöglichkeit oer gewöhnlichen Auffassung nachgewiesen hat. (Die alte« Golvunnen von Rhodes a.) die der völkerkundlichen Forschung schon so viel Kopfzerbrechen gemacht haben, find jetzt von Hall in der Afrikanischen Monatsschrift genauer beschrieben worden. Hall spricht die Ansicht aus, baß die hauptsächliche Bearbettung dieser Goldminen nicht durch die Portugiesten im 16.—18. Jahrhundert und auch nicht durch Araber und Perser zwischen dem 10. und 16. Jahrhundert stattgesunden haben könne. Er ist - vielmehr zu dem Schluß gelangt, haß fie noch älter se.n müssen und wahrscheinlich von etngewanderten Semiten zuerst in Angriff genommen worden seien. Das gleiche Alter sollen dann auch die berühmten Tempelruinen von Rhodesta besttzen. (Ei« antiker Judeusriedhof.) Es ist dem Archäologen Breccta, dem neuen Letter des Museums in Alexandrien, gelungen, dm anttken Judenfriedhof dieser Stadt aufzufinden. Er lag im Osten von Alexandtten und rnthtett eine Fülle interessanter Grabftmde, auch Inschriften ttaten in großer Zahl zu Tage. Wieder zu haben Sammelmappen zum Ausbewahren derJsraelit-Nuuuuer» gegen Einsendung von Mark 1.—, zuzüglich Porto

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