Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 33 (15.8.1907)
- Date
- 1907-08-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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L« JsraeW. IVAugust 1«7. Paschck zog über den Gewählten bei dem neuen Gouverneur in Jerusalem Erkundigungen ein und erhielt von diesem die Antwort, R. Jakob Meir könne wegen der Beziehungen, die er in Jerusalem zur Alliance Jsraölite gehabt habe, nicht für das Rabbineramt empfohlen werden Hilmi Pascha gab die Auskunft an den Großvezier weiter, der den Chachambaschi von Konstantinopel, R. Moses Levy, davon in Kenntnis setzte, daß die Regierung die Wahl nicht gutheiße und man sich nach einer anderen Persönlichkeit für das Rabbinat in Salonichi umseheu müffe. R. Jakob Meir, der sich vor einiger Zeit nach Konstantinopeb begeben hatte, war bekanntlich der Kandidat Antöbis, des Vertrauensmanns der Alliance, bei der Jerusalemer Chachambaschiwahl. und man erinnert sich der gewalttätigen Art, mit der dieser die Bestimmungen des Gesetzes nichtachtend dem unter seinem Einfluß Stehenden die oberste Würde unter den Juden Palästinas zu verschaffen suchte. Wir hatten gegen die Person R. Jakob Metts niemals etwas einzuwenden und haben es immer nur bedauert, daß er sich von einem Manne wie Antöbi ins Schlepptau nehmen ließ. Für das Rabbineramt in Salonichi, wo er der Einflußsphäre AntÄbis entrückt gewesen wäre, .konnte man ihn daher als den geeigneten Mann anfehen, und man wird ihm das Mitgefühl nicht versagen, wenn die türkische Regierung nunmehr seine Wahl nicht bestätigte. Für die Alliance jedoch, gegen die sich die Entscheidung der Pforte hauptsächlich richtet, ist der Vorgangs eine verdiente Strafe. Die politi-. schen Motive, die dabei mitgewirkt haben, find freilich gänzlich nnberechtigt. In dieser Beziehung ist das Verhalten der Alliance durchaus unanfechtbar. Aber die Sünden, die sich die Alliance im Falle Antebi zu schulden kommen ließ, laffen die Schlappe, die sie sich jetzt geholt hat, als eine Art historischer Vergeltung erscheinen. Die Leiter der Alliance sind immer und immer wieder aus das unerhörte Treiben ihres Vertreters aufmerksam gemacht worden.' Das half jedoch nicht,- vielleicht helfen nun die bitteren Erfahrungen, die die Herren machen mußten. Dr. Gaster in London, der die Verhältnisse an Ort und Stelle genau kennen gelernt hat, betonte einem Vertreter der Jewish Chronicle gegenüber in bemerkenswerter Weise den Ernst der gegenwärtigen Sachlage für das ganze Orientwerk der Alliance und forderte in entschiedener Weise die Beseitigung Antebis. Damit wäre aber nock nicht die Hauptsache geschehen. Das S^Aem der bisherigen Tätigkeit der Alliance im Orient, das auf das religiöse Leben der jüdischen Bevölkerungen so außerordentlich schädlich wirkt, muß geändert werden. Sie ignoriert seit Jahrzehnten alle Beschwerden der GesetzeStreuen und schickt nach wie vor Lehrer nach dem Orient, die teils das Religionsgefetz geflissentlich und offen verletzen (indem sie z. B. den nasnn "rmt zugestandenermaßen übertreten), teils — und das ist noch viel schlimmer — äußerliche Pietät bewahren und dabei durch ihre Gesinnung die Grundwahrheiten des Judentums leugnen. Solange die Alliance nickt so loyal ist, an die Institutionen, die sie für die strengorthodoxen Juden des Orients errichtet hat, nur wahrhaft gesetzestreue, auch ihrer Ueberzeuguna nach aus dem Boden der Ueberlieferung stehende Beamte zu berufen, solange gebührt ihr trotz aller philanthropischen Verdienste das weitgehendste Mißtrauen der othodoxen Judenheit. Her (Um Machsor für die Djilin ma’ orn nmp fjpin nann. I. herausgreifen, i Rang, vielleicht Unter allem Gedankenhohen und Gemütstiefen, unter allem Ergreifenden und Erschütternden, das unser Machsor in so reicher Fülle bietet, nimmt oas Stück, das wir hier zur Betrachtung einen besonders hervorragenden die erste Stelle ein. Es ist in seiner allgemeinen Bedeutung Jedermann bekannt, auch wem das Machsor nur durch oberflächliche Kenntnis zugänglich ist. Aber selbst der Unkundige ahnt durch die innige, rührende Ergriffenheit der Vortragsweise dieses Pijut' die ungewöhnliche Bedeutsamkeit. Die höchsten Probleme menschlichen Denkens und die nächsten Anliegen des täglichen Lebens, die ernste Zukunft, die entschwundene Vergangenheit und die ftischpulsierende lebendige Gegenwart reichen sich hier die Hand, ziehen fast in einem und demselben Atemzug vorüber, und die alten tausendjährigen Sangesweisen schmiegen und ranken sich um diese scheinbaren Gegensätze und verbinden sie zu einem großen, harmonischen Ganzen. Es hat kein Versmaß und kaum schwache rythmische Anklänae, als ob die Fülle seiner Gedanken und Empfindungen jede Form sprenge und kein Wortfessel ertrage. Es ist wohl das einzige Stück unseres Machsor, dessen Entstehungsgeschichte uns durch Ueberlieferung bekannt ist. Sie ist so wunderbar ergreifend, daß sie in den meisten Machsorausgaben dem Stücke als Einleitung vorausgeschickt wird. Sie reicht vielleicht mehr als tausend Jahre zurück und erzählt von Rabbi Amnon aus Mainz, der durch Frömmigkeit, Bildung und hohe gesellschaftliche Stellung unter die hervorragendsten Männer seiner Zeit zählte. Er verkehrte viel am kurfürstlichen Hofe zu Mainz, und oieser Verkehr ward für ihn verhängnisvoll. Man drang in ihn sein Judentum abzulegen und die herrschende Religion anzunehmen, ein Ansinnen, dem er den entschiedensten Widerstand entgegensetzte. Als man ihn aber fort und fort ohne Unterlaß drängte, erbat er sich drei Tage Bedenkzeit. Dieses ihm in einer schwächst Stunde entfahrene Wort, well es die Auffassung zuließ, als mache es die Treue zum Judentum erst von menschlicher Erwägung und Ueberlegung abhängig, fiel dem großen Mann so schwer auf die Seele, daß er dafür Sühne durch ein Mertyrium sondergleichen suchte. Es wurden ihm Hände und Füße abgeschnitten und die abgeschnittenen Gliedmaßen mit ihm in einen Sarg gÄegt. Am Rosch-Haschono, ließ sich Rabbi Amnon in die zum Gebet versammelte Gemeinde tragen und als sich dieselbe in der Keduscha e&m anschickte, das Gelöbnis der Gottesbelligung auf's Neue abzulegen, unterbrach Rabbi Amnon dm Vorbeter, um die Helligung Gottes und das Bekenntnis, daß Er und nur Er unser König fei, durch die Tat seiner Martyriums zu besieg««, mit den Worten: '-.i •Vifi 'n nnK %d nmp nSyn -j1? pai Dann sprach er das Gebet: nmp *)pin naritt DV>n, und als er es eben geendet hauchte er seine reine Seele aus. Mit dieser Genesis unseres Gebets erscheint es es erst in seinem vollen Lichte. Ohne sie hätten wir aus seinem Inhalte auch nicht eine Andeutung dafür gefunden, daß es das fefete Aufklingen einer hohen Seele ist, die sich eben von ihrem durch furchtbare Qualen verstümmelten Körper zu scheiden anschickt. Kein Schmerzenslaut, keine Verbitterung, überhaupt nichts Persönliches kommt hier zum Wort. Bor der überwältigenden Bedeutung des Rosch-Haschono, als Tag des Gerichtes uno der Verantwortung, tritt die Persönlichkeit des Betenden vollkommen zurück. Und zwar ist es nicht der Rosch-Haschono den wir alljährlich mit ehrfurchtsvoller Schtzu begehen, sondern, wie Heidenheim zutreffend bemerk, der Rosck-Haschono der Zukunft mit dessen Schilderung unser Pijut einleit« um daran die Bedeutsamkett des alljährlich wiederkehrenden rutpn wn zu messen. Laßt uns künden die überwältigende Macht von dieses Tages Heiligkeit, Denn sie ist von erschreckender Furchtbarkett, Durch ihn wird einst Dein Reich erhoben Und ber«t gestellt Dein Thron, der uns Liebe gewoben, Auf ihm wirst Du dann thronen in Wahrhett. vre UeM««g des staaptdaarer. Um eilte Sitte, deren Alter eine schier unübersehbare Reihe von Geschlechtern umspannt, verstehen wid in ihrem Zusammenhänge mit den übrigen Lebensäußerungen eines Volkes, in denen Kreis sie entstanden ist und bewahrt wird, richtig zu würdigen, dazu ist vor allem erforderlich, baß man sich das kindische Lächeln abgewöhnt, wo heiliger Emst am Matze ist. Wer der Sitte jüdischer Fraum, das Haar zu verhüllen, nicht anders als mit überlegmer Miene zu begegnen imstande ist, beweist mtt dieser ver- . metntlichen Ueberlegmhett nur, daß ihm zum Verständnis volkstümlicher Tatsachen die elmtmtarKn Begriffe abgehen. Wir haben es bet dieser Haarverhüllung nicht mtt einer orientalischen Laune, einer abgestandenen, von der Zeit überholte«, nebensächlichen und Harum lächerlichen Zeit überholtem nebensächlichen und Harum lächerlichen Gepflogenheit, frmdern mit einer auf klar ausgesprochenem Gesetzes w or t beruhendm Bolksübung zu tun, die bei jedem Borurterlö losen zum mindesten doch auf eine gleiche Hochachtung und vorstwttge Scheu iw Urteil rechnen darf, wie irgend eine ^erqWerbte Eigentümlichkett des ger- Mlüüschen. ober rvmomnchen Volk stamMS. Dort wmm auch die Mobernsten umer den HWdeMdn eine durch die Begrenztheit des eigenm Standpunkts gebotene Reserve zu bewahren. Es sind das in der Regel dieselben Deute, die io ihrem Unmut über daS hartnäckige Fortbestehen »Mttklatterltcher jüdischer Sitten" alle diejenigm, die noch Witt die Sitte der Haarverhülluna pflegen, am liebsten Ws Vertreterinnen einer kulturfeindlichen Lebensführung ffchastltch boykottieren möchten. Zum Verständnis iden Jntolewnzmuß man sich vor Augen fläche, einer handgreiflichen und sofort einleuchtendm Schädlichkett ärgert aber Uebelwollmde n nur umso mehr. Wenn das jüdische Gesetzbuch nVd "MV für miy erklärt und als Konsequenz dieser Anficht verheirateten Fraum Re Haarverhüllung gebietet, so liegt dieser Verordnung ebenso wenig wie dem Gebote des Fleischabsalzens zum Zweck der Blutentziehung ein finsteres Muckertum zu Grunde, fobaß wir berechtigt wären, im Namen der Freiheit, wonach jedes Jndivibtmm berechtigt sei, feine äugere Erscheinung so zu ordnen und einzurtchtett, wie es ihm beliebt, eine Beseitigung dieser ausdrücklichen Gesetzesvorfchrtst zu fordern. Der jüdischen Lehre und ihrm Wächtern, dm Rabbinern, war diese äußere Erscheinung durchaus nicht "so gleichgültig, wie man gemetnhin zu glauben gewöhnt ist, es bewegte stch die Sorge der Ravbtnm für dm harmoMfchm Eindruck dieser äußeren Erscheinung nur in etwas anderm Bahnen, als bet dm wohlmeinenden Sachwaltern des Rechtes unserer Damm, über da« Haar so uneingeschränkt zu verfügen, wie es die Mode und wie eS eigener Geschmack und Wille für recht finden. Die Sitte grenzt hier — wie nicht immer — hart an das Gebiet deS Sittlichen. In seiner durch die Reinheit eines ganzen Volkslebens verbürgt m Weisheit errichtet unser Gesetz ein vielsagendes Panier in die Höhe und verlangt strikte Beachtung, auch wenn nicht sosor elnlmchtm sollte, auf welche Weise und in welch«» Punkte aus einer genaumBefolgung der Sitte dem Meal deS Sittlichen eine Förderung erwächst. DaS Gesetz rechnet aus unser Bertromm und auf unsere ~ ' angm zu werden. Nicht t seinen Inhalt bilden, mschmftemrdltch. Sie kennen uns gmau. Sie wiffm, wie leicht erregbar unser Gemüt, wie leicht vergiftbar tmfere Seele, wie leicht verunser $«&• Darum “ WttWävm L)as isewtz reßyn« am unter seeti Zuversicht, vmt tigtt nicht hintergan eisern find die Paragraphen, die Mmschenkundig und darum m« der Kultur nicht hintanhaltm, ihn im Gegenteil förderu; und beschleunigen wollen, indem fie uns selber mtt ihre« / Schutz bedenken, uns, die wir alS die rriustm Träger der Kultur ihr das Hochziel einer ewigm Wahrhett weisen. - Kohlschwarze Gewänder, zum wenigstm ein tiefschwarzer Streifen um Hut und Arm, wollm nach unseres Weltteils Sitte bei Trauernden dm Verlust eines treuen Famtlimgltedes auf Weg und Steg zum Ausdruck — und in Erinnerung bringm. Dieser schwarze Streifm, - der seinen Träger als schmerzlich Trauernbm kennzeichnet, dieser wallende Schleier, der seine Trägerin auS der frohen Schaar sorglos heiterer Genossinnen herauÄhÄt, fie flehm um Schonung, fie sprechm zur Umgebung: Nehmt Rückficht auf diese Trauernbm, betraget mch ernst und würdig in ihrer Nähe und gebet Acht, daß kein unvorsichtiges und kränkendes Wort ihre kaum verfielen Tränen wieder zum Fließm bringst. Noli me tangere, rühr' mich nicht an — fleht dieser Streifm, mahnt dieser Schleier. Run denn, auch der Scheitel auf dem Haupte verheirateter Frauen will nichts anderes sein, als eine flehende Weisung, als ein mahnendes Wort. Noli me tangere. Dack^. daß ein leicht verletzbares Heiligtum hier aufschuldtge , Achtung wartet. Uno wenn ein kränkendes Wort «S Herz einer trauernbm sticht, wie schmerzhaft muß das Gift erst sein, das ein der Schranke des göttlichen Sit" Sittlichen zu nahe kommmdes Wort in das Herz «wer jÜdischm Gattin träufelt! Warum aber nun gerade daS Haar? Numeri 8.5 8. 11 ff heißt es in jenem gewaMm GesMÄvort, das Gott selber zum Garantm und Zeugm der fitttichm Rettchett Mischer Ehm bestellt, daß die erwiesener Matzm vom Made ideS^discheu^M " nicht ameS Berbtt ' _o 1 v wenn yt Wwrerst »ehe.