Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 32 (8.8.1907)
- Date
- 1907-08-08
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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WWWWWW Rr. 32. Sette 12. WWWWWWWWMWWWWWW«V«W>MMWWV!AMMW»««MME^ Der JSraettl. 8. Augnst 1907. obersten Klaffe (7) bestanden und das Reifezeugnis fürdm EtnjShrtg-Freiwilligen-Dienst ei halten haben, so glaubm wir, daß die Anstalt den Beweis für hervorragende Leistungen im profanen Unterricht 'erbracht hat. Aber auch in den religionswiffen'chastlichen Fächern weist fie schöne Erfolge auf, denn außer den pflichtmäßigen vier Unterrichtsstunden wird noch ein erweiterter fakultativer.Unterricht in Religion erteilt, so daß in den drei oberen Klaffen Klßl gelehrt werden konnte. Es wäre sehr zu wünschen, baß die materielle Lage der Anstalt ihren wissenschaftlichen Leistungen entsprechen würde und daß die bayrischen Juden dieser Schule etwas mehr Aufmerksamkeit und ein etwas größeres Wohlwollen sch nken würden. Sie verdient die Förderung all derjenigen, dcnen die Erhaltung der jüdischen Schulm, oder sagen wir bester, der jüdischen Religion am Herzen liegt. De n täuschen wir uns nicht darüber: der Besuch der nichtjüdischen Schulen bietet mehr Gefahr für unserer Jugend als wir uns gemeintglich träumen kaffen. Doch darüber ein anderes Mal. mm L-' - Jahresbericht der jüdische« Privat-Gymnasial Lehranftatt i« Storozhrietz (Bukowina), gegründet von Dr. Jung, Rabbiner in Ungarisch-Brod (Mähren). Es gehört viel Mut, Ausdauer und Begeisterungsfähigkeit dazu, um in einem kleinm Städtchen Haltasiens eine solche Anstalt ins Leben zu rufen. Wir haben uns daran gewöhnt, die Gründung von Schulen in jenen Gegenden unseren Gegnern zu überlassen. Mir werden noch lange an dm Folgen dieser Unterlassungssünde zu tragen haben. Dem Jahresbericht ist eine recht lesenswerte Abhandlung: „Die Juden in Babylonien" von Dr. Jakob Engel angefügt. Auch hier ist der Einfluß von Halevv unverkennbar. Uni so freudiger sind wir daher überrascht, wmn kraftvolle Männer aus unserer Mitte Lehrstätten gründen, in denen piN -pi Dy min harmonisch vereinigt ist und wir sind Herrn Rabbiner Dr. Jung zu doppeltem Danke verpflichtet, daß er trotz aller Anfeindungen und ohne jede andere Unterstützung als seine eigene Tatkraft hier wiederum ein jüdisches Kulturwerk geschaffen. Wir rufen ihm und der neugegründeten Schule deshalb ein herzliches ami n» zu. I - -- _ * Schwabach, 25. Juni Bei der UebertrittSprüfung auS der PräparandeHchule in das Lehrerseminar dahier waren für den Religionsunterricht folgende Aufgaben gestellt: 1. Uebersetzung von Richter Kap. 10 u. 1t und Erklärung der darin vorkommenden Berbalsormen. 2. An welchen Tagen sind die sogenannten „ehrfurchtgebietenden Feste?" Welche Gedanken sollen sie uns nahelegen und durch welche Vorschriften gelangen diese Gedanken zuni Ausdruck? 3. In welchem Zustande fand König Chiskia bei seinem Regierungsantritt das Reich Juda vor - welche wichtigen Ereignisse spielten sichzu seiner Regierungszeit ab und wie hinterließ er das Reich seinem Nachfolger? vrleMasien. Anfrage: Ein Herr C., der nicht nach jüdischem Ritus lebt, meldete seinen 10 jährigen Knaben in einer christlichen -Mafien-Pension hier an, obschon eine beffere jüdische Familie sich erboten hatte, dm Knabm in ihrem Hause auf unehmen und ihm gute geisttae und körperliche Pflege angedeihen zu lasten. Herr C., der nicht Mitglied und nicht im Bezirke hiefiger Stadtgemeinde wohnhaft ist, verlangte aber von mir, ich möchte seinem Knaben Religionsunterricht erteilen. Ich lehnte dieses Verlangen ab, weil ich nicht ein iiDiy *>T msy sein wollte. Der Vater würde sich sonst in seinem Verhalten durch mein Entgegenkommen unterstützt und seine Handlungsweise für gerecht und tadellos betrachtet haben. Außerdem hielt ich einen Religionsunterricht, nach meiner Ueberzcugung, für ganz zweck- und wertlos, da der Knabe in ganz christlicher Umgebung aufwachsen und Theorie und Praxis von vornterein im schroffsten Wiederspruch stehen sollten. Der Knabe wurde hierauf ein anderes Gymnasium und in eine jüdische Pension gebracht, wo er auch jüd. Religionsunterickt erhalt. Da ich aber wegen meines Verhaltens vielfach angegriffen werde, so richte ich an Sie, verehrt. Herr Redakteur, die F ag-, habe ich mDl p» recht gehandelt, oder haben diejenigen recht, die mein Verhalten verurteilen, indem sie glauben, der Knabe hätte vielleicht durch meinen Unterricht ein -nco werden können? K. Antwort: Ohne die Frage nach halachischeu Gesichtspunkten definitiv entscheiden zu wollen, find wir der Meinung, daß Ihr Verhalten durchaus dem Geiste der jüdischen Lehre entsprochen hat. Das jüdische ni3"W, die Verantwortlichkeit des einen Juden für den andern, ließ es in der Tat nicht zu, daß Sie durch die Uebernahme des Religionsunterrichts den Schein erweckten, als sei eine „jüdische Religion" unter prinz pieller Preisgabe des praktischen jüdischen Lebens denkbar. Der Erfolg hat Ihnen ja auch recht gegeben. WS inderecke Sara. «Sara, hier ist dein Extemporale." Die Angereoete erhob sich und schritt dem Pulte der Lehrerin zu, um ihr Heft in Empfang zu nehmen! „Ich konnte die Arbeit nicht zensieren," sagte diese ernst, „du hast nicht selbständig gearbeitet, sondern von Mariechen abgeschrieben." „Ich, Fräulein? Sicher nicht." Fräulein Hansen wies auf die beiden geöffneten Hefte. „Ihr habt aber beide genau dieselben Fehler, und Mariechen kann doch wohl nicht von dir abgeschrieben haben, da du schräg hinter' ihr saßest." Verwirrt und errötend betrachtete Sara die beiden Arbeiten. „Aber ich habe gewiß nicht abgeschrieben," sagte sie, ängstlich in die Hefte blickend. „So sage doch die Wahrheit," mahnte die junge Lehrerin mit liebevoller Eindringlichkeit, „es ist ja offenbar, daß du abgeschrieben hast und du verschlimmerst dein Unrecht nur, indem du zuleugnetst. — Ich werde dich nicht strafen, denn es ist die erste Unwahrheit, die du sagst, — nicht wahr, du hast es getan?" Statt aller Antwort schüttelte Sara den Kopf. „Sieh mich an und sprich" fuhr Fräulein Hansen fort, und das Kind hob den Blick ängstlich und doch vertrauend zu der Lehrerin empor. „Ich habe nicht abgeschrieben!" Diese schwankte. Saras Unrecht war augenscheinlich, doch ihre Art schien ihr weit mehr ängstlich und verlegen, als schuldbewußt. „Geh auf deinen Platz!" sagte sie endlich, und überlege dir noch einmal, ob ou es getan hast. Schweigend gehorchte Sara, und der Unterricht begann. Mißgestimmt verließ Fräulein Hansen die Klaffe. Sie hatte das Kind in der Wirzen Zeit, die es diese Schule besuchte, so lieb gewonnen, sie hatte sich so oft an seiner offenen Art erfreut — und nun hatte es einen solch»offenkundigen Betrug ausgeübt und ruhig geleugnet. Aber vielleicht war es wirklich ein Zufall, daß beide Kinder dieselben Fehler geschrieben hatten. Sie nahm die Hefte, die sie der Vorsicht halber zurückbehalten hatte, zur Hand. Alle drei Fehler, die Sara und Mariechen gemacht hatten, waren ein und derselben Art, vielleicht hatten beide zufällig eine und dieselbe Grammatikregel nicht begriffen und falsch angewandt. Aber das war wohl kaum anzunehmen. So überlegte Fräulein Hansen hin und her, und ohne, daß sie es selber wußte, verließ sie das Zimmer — vielleicht wenn sie Sara einmal bei Seite nahm und ihr recht liebevoll zuredete, daß sie dann ihr Unrecht eingestand? — Die Türe des Klaffenzimmers war nur angelehnt, sodaß man auf dem Flur jedes Wort verstand, was in der Klasse gesprochen wurde. Unwillkürlich blieb die Lehrerm stehen, als sie bemerkte, daß Sara den Mittelpunkt der Unterhaltung bildete. — „So laßt doch dieses Thema endlich", rief Sara eben, „ich ändere meinen Namen nicht!" „Aber er ist doch gar nicht schön, jeder lacht darüber, Mama sagte gestern, der Name sei ganz vorsintflutlich!" „Nichtwahr, Sara ist ein hebräisches Wort?" fragte jetzt ein anderes Mädchen, „was heißt es auf deutsch?" „Fürstin" antwortete eine ruhige Stimme. „Es ist also ein sehr schöner Name aber schließlich weiß ja keiner, was er bedeutet,- Mama meinte, in der Schule könntest du dich doch wenigstens „Klara" nennen!" „Ich tu's nicht, und damit fertig," rief die Angeredete jetzt hastig, „seinen Namen ändern, weil jemand ihn nicht schön findet, das ist" — die Sprecherin suchte nach einem bezeichnenden Ausdruck — „charakterlos." „Ist denn ein Name etwas so wichtiges?" frag'.e ein niedliches Schwarzköpfchen. „Ja natürlich!" Und leise, nur für die jüdischen Kameraden verständlich, fügte sie hinzu: „Mama sagte kürzlich, eines der vier Hauptverdienste, um deretwillen die Kinder Israels aus Egypten erlöst wurden, sei das gewesen, daß sie ihre jüdischen Namen beibehielten." „Du sagst wohl alles deiner Mutter, was dir in der Schule passiert," rief eine Freundin, die aus der geflüsterten Bemerkung nur das eine Wort verstanden hatte. „Ja, warum nicht?" „Alles, auch wenn du Schelte kriegst?" „Selbstredend, warum fragst du denn so oft?" Da schellte es und leise, freudig lächelnd, zog Fräulein Hansen sich zurück. Ein dreizehnjähriges Kind, das zu charakterfest war, seinen Namen zu ändern, den alle verlachten, das es für selbstverständlich hielt, seinen Eltern alles zu erzählen, was in der Schule vorgefallen, selbst auf die. Gefahr hin, Schelte zu erhalten, war gewiß zu ehrlich abzuschrejben und es später zu leugnen. Irr der nächsten Stunde sagte sie. zu Sara: „Wenn du mir sagst, daß du nicht abgeschrieben hast, so ist es wohl doch so, denn ich glaube nicht, daß du einer Unwahrheit fähig bist!" Als einzige Antwort lächelte das kleine Mädchen der Lehrererin dankbar zu. Sabbat-Anfang u. Ausgang. na-, ORT: Anfang Datum AuSgang Uhr iMin. 1907 5667 Uhr IMin. lO.Aug. 30. Aw Frankfurt a. M 7 20 8 45 Berlin .... — — 8 34 München . . . 7 15 8 18 Ttratzbnrg . 7 00 8 40 Posen .... — — 8 20 Breslau . . — — 8 13 Nürnberg. . . — — 8 26 Stuttgart. . . 7 30 8 31 Prag..... 7 45 8 15 Tamlliennacbridmit. (Unseren Abonnenten steht diese Rubrik kostenlos zur Verfügung. Nichtabonnenten haben für die Aufnahme jeder Notiz eine Gebühr von 1 Mk.» die gleichzeitig einzusenden ist, $u entrichten. Die Sendungen müssen immer spätestens am Mittwoch, Vormittag vor dem Erscheinen der jeweiligen Nummer in unseren Händen sein.) Verlofot -ReginaBlumenthal mitLippmannStrauß Franlfurt a. M.-Schlüchtern. — Eva Fr ieße m mit Jonathan Ublfelder. Präparandenlehrer, Ermershansen-Bursvreppach. — Emma Maas mit Alfred Schriesheimer, Mannheim- Leutershausen (Bergstraße).— Verm&hlt: D.Heß mit Hedwig geb. Sonneborn» Birstein. Verstorben: Nathan Rosenthal, 74 I., Gießen. — Frau Jacob Kaufmann, 86 I., Marburg. — Simon Dilsh eimer, 71 I., Mosbach. Für de« Reklameteil ist die Redaktion nicht verantwortlich; insbesondere ist es ausschließlich Sache der Leser, die im Reklameteil enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angabe« religtonsgesetzlichen Charakters ans ihre Zuverlässigkeit zu prüfe«. Kaiser Friedrich Quelle 6346) -- Ottenbach a. II. - „Gegen Gicht n. Rheumatismus bewÄhrt.“ a wirklich hlhsch hier, Herr Wirt, aber eins vermisse ich doch: es gibt keine Geschäfte, wo man $ays ächte Lodener Mineral- Pastillen kaufen tännte, und die fehlen mir sehr — ich Hab' leider keine mitgenommen. — Ei, meine Gnädigste — wieviel Schachteln wünschen Sie? Ich Hab' La?s ächte Sodener auf Lager, da fie immerfort verlangt werden und da sie in -er Tat ganz ausgezeichnet find, wenn man von der Sommerfrische oder einer Tour den vollen Genuß haben und nicht mit Erkältungen heimkommen will. — Man kaust sie für 85 pfg. in jeder Apotheke. Drogen- oder Mineralwasserhandlung.