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Der Israelit · 1907-08-08 · Heft 32 (8.8.1907) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 32 (8.8.1907)
Date
1907-08-08
Page
– (sequence 10)
Language
German
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m m MDMWWW L ) aao^is \ rr. t-p-ft. Die rr. Generell ° Verrammlung des israelitischen Lebrervereins für dar Königreich Bayern. Es schien vielen ein recht gewagtes Unternehmen, die Konferenz der bayrischen Lehrer in A schaffen bnrg, im äußersten Westen des Landes, abzuhalten. Wie der Erfolg bewiesen, waren die gehegten Befürchtungen, unbegründet, denn die Präsenzliste wies 82 Teilnehmer aus. Unter den zahreichen Gästen bemerkten wir die H. H. Rabbiner Dr. Wachenheimer-Aschaffenburg,Dr.Stein- Schweinfurt, Dr. Bamberger-Hanau und zwei Vorstandsmitglieder der Aschaffenburger Gemeinde. Der Vorsitzende, Goldstein-Heidingsfeld, wies in seiner Begrüßung darauf hin, daß die Tagesordnung Zeugnis von dem idealen Streben der bayrischen Lehrer ablege, daß der zahlreiche Besuch der Versammlung aber auch beweise, daß sie bereit seien, für ihre Sache pekuniäre Opfer zu bringen. Und das muß wahr sein! Sie sind nämlich u. W. die einzigen, die für den Besuch der Konferenzen keine Reiseentschädigung erhalten. Ja, als s. Z. auf der Konferenz in 5kiffingen der gerade anwesende Gründer des G B., Jakob Nachod s. A. aus Leipzig, aus freien Stücken eine Subvention anbot, da wies sie der damalige Vorsitzende, Direktor Stern V"X"T, mit der Begründung zurück, jeder Lehrer müsse so viel Opferfreudigkeit besitzen, nm jährlich einmal ohne fremde Beihilfe eine Konferenz zu besuchen. Wenn alle Kollegen im Reich solch idealen Sinn an den Tag gelegt hätten, so wäre s. Z. der Zuschuß des G. B. von 1500 Mk. unnötig gewesen und die Einigkeit der Lehrer wäre schon längst eine vollendete Tatsache. Wir sind weit davon entfernt, unseren anders denkenden Kollegen nach berühmtem Muster „niedrigen Mammonismus" vorzuwerfen, aber angesichts der Rolle, welche die Reiseentschädigung auf manchen Versammlungen spielt, wollten wir doch auf das anerkennenswerte Verhalten der Bayern Hinweisen. In recht herzlicher hießen Weise die H. H. Rabbiner Dr. Wachenheimer, Lehrer Tannenwald und Gemeindevorsteher Hamburger die Lehrer in dem „bayrischen Nizza" willkommen. Der Vorsitzende erstattete hierauf Bericht über die Tätigkeit des Vorstandes im abgelaufenen Bereinsjahr, über die freudigen und die traurigen Ereignisse bei der Lehrerschaft innerhalb der blauweißen Grenzpfähle. Unter anderem berichtete er über das Hinscheiden eines Kollegen, der sich zeitlebens mit einem Fixum von 500 Mk. begnügen mußte und der — wie wir gleich hinzufügen wollen — doch stets seine volle Schuldigkeit getan hat. Das Hauptaugenmerk des Vorstands ist noch immer der Hilfskasse gewidmet und er hat alle Ursache, einigermaßen stolz auf seine Erfolge zu sein, denn bei 181 ordentlichen Mitglieder erzielte die Kasse eine Einnahme von ca. 16500 Mk. und besitzt ein Vermögen von ca. 120000 Mk. Der Vorsitzende forderte zu eifriger Werbetätigkeit auf, da die Einnahmen gegen früher einen kleinen Rückgang aufweisen. Das von ihm gerügte Verhalten der jungen Lehrer, dem Verein fernzubleiben, finden wir begreiflich angesichts der Bestimmung, daß sie beim Uebertritt in eine außerbayrische Stelle nicht nur die Mitgliedschaft — was berechtigt ist — sondern auch die eingezahlten Beiträge, sowie das Eintrittsgeld verlierennur eine Abänderung der Statuten kann hier Wandel schaffen. Die Fortbildungskurse entfalten eine rege Wirksamkeit und scheinen den Mitgliedern recht ans Herz gewachsen zu seindie Anträge von denen wir weiter unten berichten, sind ein schlagender Beweis dafür. Der „Landesverein" in dessen Verwaltungsausschuß, wie wir bereits mitteilten, demnächst zwei Lehrer eintreten, will diese Fortbildungskurse ja auch subventionieren, aber er möchte gerne eine Kontrolle über diesAben ausüben. Jedenfalls werden die bayerischen Lehrer sich ihre ideelle Unabhängigkeit zu wahren wissen. Die Unterstützungsquote wurde für die drei nächsten Jahre von 140 auf 200 Mk. festgesetzt. Inklusive des Staatszuschusses schwankt demnach die Pension für dienstunfähige Lehrer und Lehrerwittwen zwischen 275 und 475 Mk. kommt also den Leistungen der ostpreußischen Kasse sehr nahe, wobei allerdings zu bemerken ist, daß die Letztere erst auf einen sechsjährigen Bestand zurücksieht und keine Karenzzeit festgesetzt hatte. Der Antrag von Strauß-Uffenheim, den Jahresbeitrag von 10 auf 25 Mk. zu erhöhen, wurde fast einstimmig abgelehntauch der Vermittlungs- Vorschlag der Verwaltung fand keine Gegenliebe. Angenommen wurde dagegen der Antrag von Stern-Frankfurt a. M., den Stand der Kasse von versicherungstechnischer Seite aus prüfen zu lassen, um festzustellen, ob eine erhöhte Unterstützungsquote möglich sei- „Im Prinzip" sprach man sich auch für eine Beitragserhöhung aus. Recht lebhaft wurde die Debatte bei dem nächsten Punkte der Tagesordnung. Die Bezirkskonferenz, reot« der Fortbildungskurs Ansbach, hatte den Antrag gestellt, im ganzen Lande Bezirkskonferenzen ins Leben zu rufen. Wir begreifen die Stimmung, aus der dieser Antrag hervorgegangen. An das „Lernen" hatten sich nämlich stets sehr anregende Besprechungen über alle Gebiete des Schul- und Gemeindelebens angeschloffen, die — wir wissen das aus eigener Erfahrung — sehr häufig nutzbringender und segensreicher sind und größere Befriedigung gewähren als die Debatten auf den großen Jahresversammlungen und die daher den Teilnehmern an den Fortbildungskursen den Wunsch nahelegten, diese Einrichtung zu verallgemeinern. Der Antrag wurde mit der Motivierung abgelehnt, daß die Einrichtung neuer Fortbildungskurse stets erwünscht, daß aber für die Gliederung des Vereins in „Bezirkskonferenzen" eine Bedürfnis nicht vorhanden sei. Vielleicht erreichen die Herren Kollegen in Mittelfranken, denen man reges Streben nicht absprechen kann, ihren Zweck dadurch, daß sie das Ergebnis ihrer freien Besprechungen in Referate zusammenfassen und veröffentlichen. Unser Organ steht ihnen hierzu zur Verfügung. Wir befürchten aus diesem Vorgehen nicht nur keine Sonderbündelei, sondern erhoffen davon eine rege Befruchtung der Bnrhandlungen in der Hauptkonferenz. Die Wahl der Verwaltung pro 1908/10 ergab keine Veränderung. Wünschenswert wäre es gewesen, wenn die Vertrauensmänner der bayrischen Lehrer darüber Aufschluß gegeben hätten, was sie denn eigentlich zur Besserung der Lage ihrer Kollegen zu tun gedenken. Wir möchten hier beiläufig bemerken, daß unser Vorschlag in der jüngsten Nummer von „Erziehung und Lehre" selbstverständlich nicht so aufzufaffen war, als ob eine Kommission im Lande umhereisen und bei' den Gemeinden anfragen solle, ob sie keine Elementarschule brauchen. Aber gerade der von dem Vorsitzenden angeführte recht betrübende Vorfall, daß nämlich eine Gemeinde die Errichtung einer jüdischen Volksschule beschließt und der Plan wird von dem Lehrer ganz unbegreiflicher Weise vereitelt, angeblich, weil er sich materiell nichts davon verspricht, zeigt aufs deutlichste, wie notwendig zuweilen das persönliche Eingreifen der Verwaltung ist. Wenn alljährlich nur zwei jüdische Elementarschulen auf ihr Betreiben hin errichtet werden, so ist das in unseren Augen eine größere Ruhmestat, als wenn sie einige tausend Mark mehr für ihre Hilfskasse „gut macht". Nach der Vorstandswahl folgte der Vortrag von Seminaroberlehrer Stoll-Würzburg: „Inwieweit ist eine Umgestaltung des hebräischen Uebersetzungsunterrichts nach Stoffauswahl, Stoffverteilung und methodischer Behandlung notwendig?" Wir haben die Thesen bereits in der vorjüngsten Nummer von „Erziehung und Lehre" veröffentlicht und auch das Referat selbst werdeü wir demnächst zum Abdruck bringen - wir können uns deshalb für heute auf einige allgemeine Bemerkungen darüber beschränken. Der Vortrag war nicht nur seines Inhaltes wegen ein hpchbedeutsamer, sondern er enthielt zugleich ein Programm und gab die Grundsätze wieder, nach oenen die Zöglinge der Lehrerbildungsanstalt in Würzburg in der Methodik des jüdischen Religionsunterrichts unterwiesen werden. Auch diejenigen, die nicht mit allen Ausführungen des Referenten einverstanden waren — wir gehören '■iiÄi

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