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Der Israelit · 1907-08-08 · Heft 32 (8.8.1907) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 32 (8.8.1907)
Date
1907-08-08
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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staats irchenrechtliche Stellung der Israeliten in Wachem Seite 127 und ff.) Es zeigt sich eben, daß die Mm Jahre 1863 getroffenen Bestimmungen gegenüber der Hi-wsschen stattgehabten Entwicklung der Dinge nicht mehr genügen-" Es wird dünn Remedur der gegenwärtigen IMißstände entweder durch ministerielle Interpretation des Judenedikts oder auf dem Verordnungsbezw. Gesetzgebungswege verlangt. Es müsse in diesen Fragen noch lediglich mit Maßnahmen der einzelnen Bundesstaaten gerechnet 4veÄen, da der Toleranzantrag des Zentrums, der die Freiheit der Vereinigung zur gemeinsamen häuslichen und öffentlichen Religions- Kbung gewährleistet, vorläufig keine Aussicht -Äuf die Zustimmung des Bundesrats habe. Es heißt dann in dem Artikel weiter: §Die Schaffung der die öffent.ichen Kirchengeselleschäften allein angehenden Kirchengemeindeord- Wirrig wird demnächst den bayrischen Land ag zu beschäfligen haben. Daß bei diesem Anlaß die Verhältniffe Aer Privatkirchengesellichaften ebenfalls — zum wenigsten ^in der öffentlichen Diskuffion — gest eift werden, ist zu verwarten, und es ist begreiflich, daß sich die Blicke auch auf die Mängel richten, die der staatlichen Ordnung der k reügiöftn Dinge innerhalb der Privatkirchengesellschaften anhaften. Auf diese, in den Rechte quellen und Normativbestimmrmgen für die kirchlichen Verhältniffe der Israeliten im Lmfe eines Sökulums zutage getretenen, der positiven ^Richtung besonders gefährlichen Mängel - hinzuweisen, war der Zweck dieser Zeilen." | Man sieht aus diesem Artikel, daß das Zeni trum seinen Traditionen folgend einer Revision hder bayrischen Judengesetzgebung, wie sie zum ^Schutz der orthodoxerr Minoritäten notwendig ffist, mit freundlicher Gesinnung gegenübersteht. HoUarrd-. kimiiergamer öriek. (Bon unserem Korrespondenten.) | Amsterdam, 1. August. f Jn meinem letzten Brief versprach ich Ihnen über das Niederländische Rabbinerseminar einiges mitk Meilen. Ich erfülle hiermit mein Versprechen. Die I Entwickelung dieser Anstalt geht auf das Jahr [ 5468 — 1708 zurück. Der Amsterdamer Ober- Erabbiner Arje Juda Kalisch errichtete damals eine Schule, die unter dem Namen er Tiro myo rJünglinge durch Unterricht in ü“u; und D^poiS fm Rabbineramt vorbilden sollte. Mit dieser chule vereinigte der spätere Oberrabbiner Levy x Saul Löwenstein, genannt R. Arjeh Leib, im Jahre 1840 die von ihm errichtete Jeschibah ^y vn-ivn n'2* Der Lehrgang war folgender: Die verschiedenen Rabbiner unterwiesen | täglich einige Stunden je 3 oder 4 Studenten Mb trivi und Dann und wann hielt der ßOberrabbiner vor der Gesamtheit der Studenten seinen das betreffende Objekt von allen Seiten ^handelnden Vortrag/ daran schloß sich auch ßwohl eine öffentliche Disputation zwischen dem K und den 0,Tö,?n, bei der man erkennen, r konnte, wieweit diese in der jüdischen Wissenschaft fortgeschritten seien. Mit der Zeit fand hinan jedoch, daß bei dem Unterricht kleiner Mchülergruppen durch verschiedene Lehrer die EinffHeit der Ausblldung litt. Man übertrug nun k den Unterricht sämtlicher cmrQ in der Hauptssache einem Lehrer, während die übrigen D'Jin ^titzlich noch einige Stunden talmudische Vorträge! zu halten hatten. Dieses System soll sich dann . zu dem jetzigen yy vmon N'2 entwickelt haben, von dem sich im Lause der Zeit die myD wieder loslöste. Wenn einer der Schüler sich durch l besondere Begabung auszeichnete, so ließ man i Ihn eine der in Deutschland, Böhmen und Polen - mühenden beziehen. Viele kamen als große Gelehrte von dort zurück und fast alle x niederländischen Rabbonim erwarben, nachdem sie : erst in Ämsterdem die Grundlage ihres Wissens ' empfangen, ihre Gelehrsamkeit in den ausländischen lDiefer Zustand dauerte an bis zum Ende des 18. Jahrhunderts. Nunmehr begann f man den Schülern die volle Ausbildung in der ^Heimat zu geben, welche Tendenz durch den ^Verfall vieler deutscher begünstigt wurde. ^Darunter litt die wissenschaftliche Tüchtigkeit der Dlusgebildeten nicht und das System hatte den ^Vorteil, daß die Studenten mit den Verhältnissen der holländischen Judenheit in stetem Zusammenhang blieben. Der Zeitlauf erweckte nun ein Streben, auch der profanen Wissenschaft in der Rabbinerschule Eingang zu verschaffen. Dieses Streben begegnete zunächst einem aus mancherlei üblen Erfahrungen leicht erklärbaren Widerstand. Aber auf die Dauer konnte dieser nicht siegreich bleiben. Die Zahl der Schüler nahm ab,' und so sah man sich schließlich genötigt, ein gewisses Maß von weltlicher Bildung in das Programm einzufügen. Damals, im Jahre 1827, waren nur t noch zwei Mitglieder vom alten Vorstand übrig: l A. A. Prins und S. A. Cohen de Hart. Diese wählten fünf weitere hinzu, M. Lehren, S. B. Rubens, E. Simons jr., D. Fall und S. I. Mulder. Ersterer ward Präses, der zweite Kassenführer, der letztere Sekretär. Die beiden alten Mitglieder wollten nur noch mit beratender Stimme ihre langjährigen Erfahrungen dem Institut zur Verfügung stellen. Es fehlte in dieser Zeit sehr an den Mitteln zur notwendigen Ausgestaltung der Rabbinerschule. Nicht einmal ein passendes Gebäude war vorhanden, bis D. I. Holländer dafür 4000 Gulden stiftete, um welche Summe man das Haus erstand, das jetzt noch als Seminargebäude dient, unter den anderen Häusern in der Rapenburgerstraat kenntlich durch die in großen vergoldeten Buchstaben gehaltene Inschrift: o'-vira myo Nederlandsch Israelitisch Seminarium. Im folgenden Jahre veranlaßte die Negierung einer Anregung der Hauptkommission der Jüdischen Gesellschaft folgend die Seminardirektion und die Amsterdamer Schulkommission, den Entwurf einer neuen Seminarordnung zu verfassen und denselben allen Rabbinern, Lehrern und Gemeindevorständen des Landes zur Begutachtung zuzusenden. Eine große Zahl von Gutachten ging ein/ aber dann kam der belgische Krieg von 1830 und die Regierung hatte keine Zeit mehr, sich um die Sache zu kümmern. Man tat im eigenen Kreis, was man tun konnte. Die jüdischen Gemeinden und Privatleute unterstützten die Anstalt finanziell und sie erhielt damals den Namen: . Nederlandsch Israelitisch Seminarium. Der profane Unterricht wurde vermehrt. Durchschnittlich 18—20 Studenten besuchten die Schule, die in zwei Klassen gegliedert war. Es waren nur drei Lehrer vorhanden, einer für die profanen Fächer, einer für die jüdische Disziplinen und einer speziell für D'pDlS. Täglich wurde von 9—12 und von 2—4 Uhr mit gelernt und die Stunden von 5-8 Uhr waren dem profanen Unterricht gewidmet. Unter den profanen Fächern wird merkwürdigerweise auch aufgeführt: Uebersetzung der Bibel ins Niederdeutsche (also nicht mehr Jargon), mit '»"an und hebräische Grammatik und Literatur/ ferner figurieren hier holländische Sprache, vaterländische Geschichte, Rechnen und Geographie, und für die höhere Klasse auch Mathematik, Logik und hebräische Prosodie. Der Uebergang zur höheren Klaffe war durch erfolgreiche Ableistung eines Lehrerexamens vor der Unterrichtungskommission der Regierung bedingt. Dieser Zustand blieb bis 1862. Dann kam die große Reorganisation, die das Seminar durchaus umgestaltete. Darüber werde ich den Lesern das nächste Mal einiges mitteilen. Eine Rabbinerwahl in Deutschland ist für die jüdische Oeffentlichkeit im allgemeinen kein Ereignis, das besondere Aufmerksamkeit erregt. Ganz anders hierzulande. So ist die jetzt erfolgte Ernennung des Herrn S. Heertjes zum Oberrabbiner von Nord-Brabant und Limburg ein Vorgang, dem die ganze holländische Judenheit ein lebhaftes Interesse entgegenbringt. Der neue pn der hiesigen Gemeinde, Herr Katz aus Tyrnau (Ungarn), ein über hervorragende Stimmmittel verfügenden Kantor, ist in sein Amt eingeführt worden. Der Amtsantritt des Herrn Katz wird von allen Seiten freudig begrüßt. fflefteweidj. Wien, 2. Aug. Im Laufe dieser Woche fanden unter Vorsitz des Statthaltereirats Ritter v. Hentl die Verhandlungen der Einigungskommission zur Regelung, des abendlichen Ladenschlusses unter Zuziehung von Vertretern verschiedener Branchen statt, welche bereits Siebenuhrsperre erzielten. Namens jener Firmen, die ihre Geschäfte außer an Sonntagen auch noch an Samstagen und an den israelitischen Feiertagen geschlossen halten, brachte Herr Bernhard Hofbauer das Ersuchen vor, daß diese Geschäfte in der Zeit, wo für ihre Branche die Siebenuhrsperre gilt, bis acht Uhr beigeschlossenen Verkaufsläden interne Manipulationsarbeiten vornehmen können. Diese Forderung wurde von den Vertretern der Gehilfenschaft als gerechtfertigt anerkannt. (&n$Uxttb. London, 2. August. Der Premierminister empfing am vergangenen Mittwoch eine von dem Abgeordneten Winston Churchill geführte Deputation, an der Lord Swaythling und eine Reihe anderer illustrer Persönlichkeiten teilnahmen, um eine Herabsetzung der Taxe, die in England für die Naturalisation erhoben wird, zu veranlassen. Der Ministerpräsident war von den Staatssekretären Asquith, Herbert Gladstone und Herbert Samuel umgeben. Nach einigen einleitenden Worten Churchills trug Lord Swaythling die Wünsche der Deputation vor. Er bat den Minister um eine Herabsetzung der Taxe von 7—8 Pfund auf 1—2 Pfund, indem er darauf hinwies, daß durch die Aliens Act gewiß in genügender Weise gegen die Einbürgerung unerwünschter Elemente Schutz geboten werde. Im Namen des Jewish Board of Deputies sprach D. L. Alexander, der darauf aufmerksam machte, daß die Gesamtsumme der im Jahre 1906 gezahlten Naturalisationssteuern nur 3470 Pfund ausgemacht habe. Als eine Einnahmequelle könne der Staat also diese Institution nicht ansehen. In ähnlichem Sinne äußerten sich mehrere andere Mitglieder der Deputation. Es wurde als der englischen Nation unwürdig bezeichnet, daß durch die hohe Steuer vielen tüchtigen Elementen die Einbürgerung unmöglich gemacht, also die Armut gewissermaßen bestraft werde. Die Antwort Sir Campbell-Bannermanns ist von großem Interesse. Er könne, so äußerte er sich zu der Deputation nach einer sehr freundlichen Begrüßung, natürlich keine bestimmteErklärung über die Angelegenheit abgeben. Wenn er nicht falsch informiert sei, werde die Taxe nur zur Bestreitung der für die Nachforschungen über die Person des Gesuchstellers notwendigen Ausgaben erhoben. Er für seine Person und feine Kollegen ebenfalls, seien auch Gegner des Fremdengesetzes. Die Regierung müsse es, nachdem es einmal in Geltung sei, anwenden, sie sei aber bemüht, jede Härte bei der Anwendung zu vermeiden. Desgleichen wünsche er nicht, daß der Naturalisation unnötige Schwierigkeiten in den Weg gelegt würden. Eine Steuer, die dafür zu entrichten ist, dürfe die vom Staat zu machenden Aufwendungen nicht übersteigen. Er werde mit seinen Kollegen erwägen, ob dies bei der Taxe, die jetzt besteht, der Fall sei. „Ich kann meinerseits nur die Zuversicht aussprechen, daß keine Einrichtung bestehen bleibe oder getroffen werde, welche die von der Deputation vertretene so tüchtig arbeitende und so ehrbare Klaffe von Menschen unvernünftigerweise von der Erlangung des englischen Bürgerrechts ausschließt." Nach dieser Erklärung des Premierministers dürfte die Hoffnung auf eine Herabsetzung der Naturalisationstaxe keine unberechtigte sein. London, 2. Aug. Bei Gelegenheit der Neueröffnung der University College School macht ein Mitarbeiter der „Jewish Chronicle" bemerkenswerte Mitteilungen über das religiöse Verhalten der jüdischen Zöglinge der öffentlichen Schulen. Er erwähnt es mit Genugtuung, daß die Leitung der University College School von keinem Juden verlangen werde, daß er am Sabbath die Schule besuche, spricht aber die Befürchtung aus, daß die jüdischen Eltern zum Teil keinen Gebrauch von diesem liberalen Entgegenkommen machen würden. Dieses in vielen Schulen beobachtete Verhalten jüdischer Eltern erschwere es den gewissenhafter Denkenden natürlich sehr, ihre Wünsche bei den Schulbehörden durchzusetzen. Der Leiter einer der größten

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