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Der Israelit · 1907-08-08 · Heft 32 (8.8.1907) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 32 (8.8.1907)
Date
1907-08-08
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sette 6 Nr. 32.__ zuerst einen „pxi W", immer gilt ihm das Wort „paiwl piö 'rm/' ich schicke michan und bin bereit. Sein ganzes Ich stellt er in den Dienst der Sache, nie möchte er gedankenlos eine mxo üben. Schließlich betrachtet er sein ganzes Leben als eine Vorbereitungsperiode zur jenseitigen Welt. „Diese Welt gleicht einem Borsaal zur zukünftigen Welt. Bereite dich wohl vor im Vorsaal, damit du Einlaß findest in den inneren Palast. (Pirke Aboth.) Wir begreifen daher sehr wohl, daß für jeden herannahenden Feiertag uns eine dreißiatägige Vorbereitung angeraten wird. Sind doch die jüdischen D'nyiD ge schichtlich, liturgifch und ideell von so reichem Wesensinhalt, daß diese Vorbereitungszeit durchaus nicht zu weitgegriffen erscheinen dürfte: Es gibt vieles zu tun und zu bedenken für den, der denken will. Nicht müsfig finde uns darum der Monat vor der Jahreswende. Das Widderhorn mahnt eindringlich zur Ein- und Umkehr. ntP£H2 .'131 mitwi mpmi „Durchsuchen wir unsere Wege und durchforschen sie, daß wir zurückfinden zu Gott." Schauet auf euer gesamtes Verhalten den Anforderungen des göttlichen Gesetzes gegenüber. Prüfet euer Tun und Lassen an den Werktagen, im geschäftlichen Verkehr, ob es immer im Einklang steht mit Recht und Gerechtigkeit. Fraget euch, ob eure Gedanken und eure Zunge nicht allzuleicht sündhaftem Gebrauch dienten. Denket über die Feier des Mtv und der D'sitD wv" nach, ob sie der heiligen Bedeutung, die Gott ihnen gab, auch wirklich entsprach. Schauet in eure Häuser und Familien, ob sie ein kleines Heiligtum darftellen, wo Vater und Mutter wie Priester und Priesterin wirken sollen. Wie steht es mit der religiösen Unterweisung der zarten Jugend? Habt ihr sie gefördert, Religionsschule und Religionslehrer in ihrer Wircksamkeit unterstützt oder nicht vielmehr gar gehemmt? Gebet euch Rechenschaft darüber, wie oft euer Gebet nur bloßes Lippenwerk war, nnm K*?2 *)132, einem Körper ohne Seele gleich. Sind die rviTX an euren Gewändern, die zum Schmuck -es Armes und Kopfes, die nn?E als Wahrzeichen der jüdischen Häuslichkeit den strengen Anforderungen des Religionsgesetzes entsprechend? Bedenket, wie jeder einzelne in seinem religiösen Verhalten niHt nur für sich verantwortlich ist, sondern auch für seine ^Umgebung durch das gute oder schlechte Beispiel, das er ihr gibt. Solche und ähnliche Gedanken haben in diesen Tagen unsere Seele zu erfüllen,' dazu mögen die Elulwochen uns dienen. Bald werden wir in geweihten Stunden das Sünden bekenn tnis ablegen, nichteine philophisch-abstrakte Betrachtung, sondern aus Wenn man sein festes Haus verläßt, um in die Festhütte zu ziehen, so bezeugt man ja auch sonst damit das unbegrenzte Vertrauen auf unseren Schöpfer, der reich machen kann und arm und der uns für die Zahl unserer Erdenjahre zu Verwaltern seines Gutes bestellt tat. Hier erlebte ich jedoch die Bedeutung der Mizwath ruckoh in besonderer Weise. Ich hatte kein festes Haus, wo ich Schutz finden konnte vor der Unbill der Witterung oder vor Räubern oder wilden Tieren, ich hatte nichts als meine Suckoh. Durch das Laubdach hindurch sah ich Sterne, die viel hundertmal größer find als die ganze Erde, und ich fühlte so recht einerseits die Nichtigkeit meines Seins, anderseits die fü sorgende Waltung Gottes für alle seine Geschöpfe. Als unsere Vorfahren auf ihrem Wunderzuge durch die Wüste wanderten, da schaute die Herrlichkeit Gottes auf sein Volk herab, und auch ich einsamer Eüstenwanderer stand, das fühlte ich, unter dem Schutz.' des Allmächtigen, der jeden meiner Schritte lentt, jede meiner Taten kennt. Ich bin einsam, fern von meinen Brüdern, in öder Wüste, preisgegeben allen Gefahren. Doch ich bin nicht allein und verlosten, denn Gott ist mit mir NTK *6 'l- Gott sieht mich ja, steht ja selbst die Träne, die ich darob vergieße, daß ich fern von der Heimat, fern von Gesinnungsgenosten und Glaubensbrüdern dieses schöne Fest feiern muß. Dinge, die man sonst gar nicht oder doch nur ganz wenig beachtet, traten plötzlich mächtig in den Vordergrund. Unsere Vorfahren hatten in der Wüste kein Brot und Gott gab ihnen Brotsie hatten kein Wasser und Gott ließ ihnen aus dem Felsen Master fließen. Es ist die Vorsehung, die herabschaut auf den Menschen, jeden seiner Seufzer hört, über ihm wacht, ihn schützt. Nicht diese vier Wände find es, die mir Schutz bieten und nicht dieses Blärterdach, nein die wahre PD1D das ist der Schutz, den der Himmel mir angedeihen läßt vom ersten Tag meines Daseins an bis zum letzten. Die Der JSraeltt. dem vollen Leben geschöpft, der konkreten Wirklichkeit abaelauscht, in kindlich schlichter Art unfern Erdenwandel bis in die tiefsten Gründe musternd! Und wenn wir uns imElul mehr als sonst an die Summe jüdischer Pflichten erinnern sollen, dann bewundern wir gerade wie in jenem Sündenbekenntnis das pädagogische Feingefühl unserer D'D2n auch in dem Umstande, daß sie schon während des ganzen Jahres uns dazu erziehen. Täglich betet der gesetzestreue Jude dreimal die Benediktionen uawi und 12*? rf?D; schöner und inhaltreicher kann schließlich keine der vielen nin^D sein als das Bittgebet mm Kim für den zweiten und den fünften Tag der Woche. Derjenige Schüler ist der tüchtigste und lobenswerteste, welcher das ganze Jahr hindurch an seiner Vervollkommnung arbeitet. Den Prüfungstagen sieht er ruhig entgegen. Ein ganzer Monat, eine hübsche Spanne Zeit, ein weites Arbeitsfeld liegt vor uns. An uns alle als Arbeiter hat man gedacht. Volkstümlich aufgefaßt ist der .131^0 - Gedanke des letzten Monats, volkstümlich ausgestaltet ker Weg, der zu Gott zurückleitet. Möchte doch jeder ihn rechtzeitig beschreiten. Kein Gedanke kann bitterer sein als das Bewußtsein: es ist zu spät! Lasset das alte Jahr ausklingen in den reinsten Akkorden! Wollet sie begreifen in ihrer Tiefe, die 71x11 mom 'Q', auf daß der nahende n"i uns der himmlischen Liebe würdig finde. M. Erläuterungen und Gedanken. 6« jüdisches SchatzKästlein Von Rabbiner Dr. Kaatz in Zabrze. (Fortsetzung.) 17. Das rechte Urteil. Die Thora gebietet: „Richter und Amtsleute setze dir ein in allen deinen Ortschaften, die der Ewige dein .Gott dir gibt nach deinen Stämmen, damit sie das Volk mit Gerechtigkeit richten." (5 B. M. 16. 18) Waren die Israeliten etwa so unverträglich und streitsüchtig, daß jeder Ort, auch der kleinste, die Einsetzung von Richtern notwendig machte? Eine solche Annahme wäre irrig. Vielmehr sollte diese Vorschrift eine erhöhte Bürgschaft für die Gerechtigkeit des richterlichen Urteils bieten. Der Richter gewann dadurch eine größere Vertrautheit mit den örtlichen und den persönlichen Verhältnissen der Einzelnen. Diese Vertrautheit machte es ihm leichter „das Volk mit Gerechtigkeit zu richten." Die daraus zu gewinnende Lehre muß auch in das Leben übertragen werden. Man urteile Vorsehung ist es, die unsichtbar, aber wohl merkbar über uns und alle Geschöpfen wacht „wie der Adler über seinen Jungen." Die Vorsehung offenbart sich in allen, im Großen und im Kleinen, und war schauen will, gewahrt die himmlische Macht überall, gleichviel ob in der Wüste oder in unseren Gegenden. Wenn man auch nur zwei Blätter desselben Baumes miteinarder vergleicht, auf die Aehn lichkeiten und die Unterschiede in den feinen Verästelungen achtet, so kann man stundenlang bewundernd sich an deren Anblick freuen und nicht genug über ihre große Zweckmäßigkeit staunen. — Es gibt Dinge, die haben wir alle in den Schulen gelernt, auch geglaubt und sie haben uns vorübergehend interessiert) den grgßen pädagogischen Wert, der ihnen innewohnt, erkennen wir jedoch nicht eher als bis wir eine gewisse Erfahrung besitzen und darauf angewiesen sind, jene Dinge genauer zu betrachten. Gleich am ersten Tage hatte ich ein Schauspiel, wie es an imponierender Kraft wohl seinesgleichen sucht, ein Schauspiel, das man wohl in allen Ländern der Erde sehen kann, das aber hier in der freien Natur der Wüste ganz besonders die Aufmerksamkeit auf sich lenken mußte. Ich entdeckte in der Nähe der Suckoh eine tote Ratte und wollte sie mit dem Fuße bei Seite stoßen, da gewahrte ich unter dem Aase eine Unzahl von Käfern, die die Erde fortscharrten, sodaß die Leiche sich langsam senkte und senkte, bis sie nach längerer Zeit ganz im Boden verschwunden mit Erde überdeckt war. Es waren die unter dem Namen nexropNoms vespillo bekannten, auch bei uns vorkommenden Totengräberkäfer, die vermöge eines ungemein scharfen Geruches, dessen Sitz in den keulenförmigen Fühlern zu suchen ist, Aas schon aus weiter Ferne wittern, den Boden darunter wegscharren und so selbst ansehnliche Tiere unter die Erde bringen. Mag dies immerhin darum geschehen, weil fie Eier in das AaS legen wollen, das den auskriechenden 8. August 1907. nicht vorschnell und ohne Kenntnis der Persönlichkeit) denn das führt zur Ungerechtigkeit. Nur der wird seinen Nebenmenschen recht beurteilen können, der seine Person und seine Verhältnisse aus eigener Anschauung kennt. Urteile daher nicht oberflächlich und übereilt! * * * 18- Her Liberalismus. Rabbi Josua ben Lewi, der in den „Sprüchen der Väter" (6. 2) den Grundsatz aufstellte: „Nur der ist freisinnig, welcher sich mit der Thora beschäftigt", proklamierte den „jüdischen Liberalismus", der vom „liberalen Judentum" wohl zu unterscheiden ist. * * * 19 Die Theodi?ee in den Pfalmen. Warum der Frevler triumphiert, der Gerechte aber leiden muß, dieses Problem wird von Psalmisten nicht äußerlich gelöst, sondern innerlich überwunden. Es ist ihm dann tatsächlich gelöst, wenn es ihn innerlich nicht mehr belastet. Mag auch in den äußeren Vorgängen nichts anders geworden sein, das Wesentliche und Enscheidende ist, daß es im Gemüte des Fragenden anders geworden. Es wird licht in seiner Seele und darum licht in der Welt: „Du (Gott) siehst es, denn du blickst auf Leid und Kummer, sie in deine Hand zu nehmen." (Ps. 10.14) „Der Ewige in seinem heiligen Weltentempel, der Ewige, dessen Thron im Himmel, seine Augen sehen, seine Wimpern achten auf die Menschenkinder." (11. 4) Das neu erwachende freudige Bewußtsein, daß „Gott sieht", hebt die Seele des Frommen hoch empor über alle lastenden Fragen. * 4- 4- 20- Schlagmorte. Sich von Schlagworten blenden lassen, heißt, sich vor Gespenstern fürchten. Sind doch Schlagworte oft nichts anderes, als Wortgespenster. 4- * 21. Das Verborgene und das Ottenbare. In dem Satze: „Das Verborgene ist bei dem Ewigen unserem Gotte, aber das Offenbare 12*? 12'23*?1 bei uns und unseren Kindern auf ewig, alle Worte dieser Lehre auszuüben" (5 B. M. 29. 28), sind die Worte ir22*?1 12^ mit Punkten versehen. Meines Erachtens sollen diese Punkte an deuten, daß die Worte 12'23*?1 12*? verdoppelt zu denken sind, dergestalt, daß sie sich nach oben und nach unten beziehen, sodaß der Satz bedeutet: „Was offenbar ist uns und unseren Kindern, das ist,daß wir und unsere Kinder auf ewig alle Worte dieser Lehre zu erfüllen haben." Auch der erste Buchstabe des folgenden Wortes Larven zur Nahrung dienen soll: Niemand wird die ungeheure Zweckmäßigkeit, die hier zum Ausdruck kommt, bestreiten können und niemand wird umhin können die sich hier offenbarende 't 011132 zu bewundern. Und nimmt man nun solch ein Totengräberkäfe. lein zur Hand, so läßt es einen knarrenden seltsamen Ton vernehmen und strömt einen übelriechenden Saft aus. Der Oberflächliche hält sich schnell die Nase zu und geht seines Weges, ohne sich um das „warum" zu kümmern. Der Denkende jedoch merkt bald, daß durch Reibung des fünften Hinterleibringes an den Rändern der Flügel decken der knarrende Ton als Schreckmittel gegen Feinde erzeugt wird und ter moschusartige Geruch den Gegner abhalten soll nahezukommen. Die Augen offen halten — voilä I’affaire. Wir sind von lauter Wundern umgeben, unser eigenes Leben ist ein solches Wunder und der Himmel wacht ständig über uns und allen Geschöpfen. (Fortsetzung folgt.) RS51 Wieder zu haben -Sarrrmetrrrappen mm Aufbewahren der Israelit-Nummern gegen Einsendung von Mark 1.—, zuzüglich Porto /ZV /ZV /ZV /zv *

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