Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 31 (1.8.1907)
- Date
- 1907-08-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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von Seiten Rabbi Elasar Meckels und San uel unternommrnen Gegenvorstellungen glücklicher , e ganz erfolglos blieben, so scheint er sich darin ge- MVWg zu irren. Zunächst war die niederösterr. Landesg für die Bestätigung Mannheimers nur mit tem Widerstreben und zwar erst dann zu haben, als am 28. Januar 1825 durch den Schutzbrief des Grafen die österreichtichc Staatsbürgerschaft erlangt hatte, elbe erfolgte endlich am 7. Juni 1826 mittels eines ^Erlasses, der hier in seinem Wortlaute wiedergegeben ^werden mag: „Die Anstellung dieses Israeliten (Mann-? Heimer) und der Aufenthalt desselben, in solange er dieser Stelle vorstrhe, werde gegen dem bewilligt, daß derselbe seinem Religicnsunteerichte wie in seinen Religions- Vortrögen strenge an die für Israeliten in den k. k. Staaten allgemein bestehenden Vorschriften sich ha te und *' weder hierin noch bei den gottesdienstlichen Ucbungen in Her Schule und im Bethause, oder sonstwo irgend eine wie immer geartete Neuerung oder Abweichung von der durch die gedachten allerhöchsten Vorschriften sanktionierten Form und Weise des israelitischen Religionskultus eigen-; mächtig sich erlaube, endlich auch, daß er als ein wahrer Jsra Iitc in dr.m Sinne, in welchem die Ctaatsverwalümg die Israeliten duldet, an dem Positiven des Mvsaitismus sich festhalte und jede naturalistischer eitgiöse Tendenz bei seinen Vorträgen in der und im Bethause sorgfäliigst vermeide. Diese Hohe Entschließung, von welcher Mannheimer unter einem , von hieraus verständigt wo den ist, wird den Herren Vertretern in Erledigung ihres Gesuches zur Wisienschaft p/mit dem Beisätze hiermit bekannt gemacht, daß sie über L die genaue Befolgung derselben zu wachen haben, h Wien, am 7. Juli 1826." ji'.V Die Polizeidirektion war damit in alter Form zur obersten Instanz in Sachen der jüdischen Religion von Seiten der Vertreter der Wiener Tolerierten erkieset. L)er Vorbehalt, unter welchem Mannheimer zur Wirksamkeit zugelaflen wurde, bietet zugleich den Schlüffe! für die bisher kaum gewürdigte Tatsache, daß er bei Gestaltung _MOWM_ des „Wiener Kultus" von hem in Hamburg, Berlin und Frankfurt gegebenen Borbstde, bei besten Schöpfung er doch persönlich mrtgewirkt hatte, abwich. Hußerls Schrift sei allen, die sich für die geschichtliche Gestaltung der Dinge im Judentume interessieren, bestens empfohlen, g F—k. Die moderne« Theorie« über das allgemeine Verhältnis von Leib und Seele, von Dr. Arnold Klein. (Breslau, Koebner.) Das uns vorliegende Merkchen ist die Umarbeitung einer von der philosophischen Fakultät zu Breslau preis gekrönten Arbeit. Der Verfasser beabsichtigt zunächst einen Ueberblick über die verschiedenen Standpunkte zu geben, von denen aus die Lösung des 'Problems versucht wurde. Die Frage über das Verhältnis von Leib und Seele führt uns naturgemäß zu der nach dem Wesen und Sein der Seele überhaupt und schon darum ist die vorliegende Abhandlung von allgemeinem Jntereffe und vermag uns auch nach der speziell religiösen Seite zu intereffieren. An die Darstellungen der verschiedenen Theorien reiht der Berfaffer eine durchgreifende Kritik. Darstellung und Kritik sind äußerst klar und durchsichtig. Die Darstellung läßt auch die feinsten Nuancen hervo - treten und die Kritik' wirkt überzeugend. So behandelt der Berfaffer in leicht faßlicher und lebendiger Sprache die Seelcnfrüae als Unparteiischer. Alle Theorien kommen zu ihrem Rechte, die Stärk, n und Schwächen einer jeden treten in gleichem Maße hervor, sodaß in dem Leser die Ueberzeugung sich festsetzt, daß die Wissenschaft diese Frage noch gar nicht endgültig gelöst Lat und — das ist das für unseren Standpunkt jwichtige Ergebnis — daß das letzte Geheimnis der Seelenfrage vom wiffenschaftlichen Standpunkt aus vielleicht nie wird ergründet werden können. Allen, die über diese hochwichtige Frage ohne besondere Mühe sich orientieren wollen, sei das Merkchen aufs wärmste empfohlen. 5t. Der Börseukönig. Roman von Edward Stilgeb auer. 441 Seiten Text. Preis broschiert 43R., elegant gebunden 5M. (Verlag von Rich. Bona Berlin W. 57.) Zu den Höhen des Parnaffos führt heute nicht allein jener steile Weg, den nur die starken Talente, die großen Geister zu wandeln vermögen. Es hat sich vielmehr noch ein Seitenpsad aufgetan, auf dem auch die Kleinen hinanzuklimmen vermögen, vorausgesetzt daß die Göttin Reklame ihnen als Führerin und Helferin zur Seite steht. So haben sich heute zu den Dichtern von Gottes Gnaden auch solche von der Reklame Gnaden gesellt und in ihrer vordersten Reihe steht Edward Stilgebauer. Die Lorbeeren, die ihm sein „Götz Krafft" eintrug, nachdem das Bcrlagshaus die Lärmtrommel in einer in Deutschland noch nicht dagewesenen Weise gerüM hatte, scheinen ihn nicht lange ruhen zu lasten und so hat er uns jetzt mit einem „Börsenkönig" beglückt. Ein Napoleon der Börse soll hier, wie uns der Waschzettel des Verlegers verrät, geschildert werden, wie er Millionen auf Millionen häuft, um endlich dem Wahnsinn zum Opfer zu fallen. Leider reicht aber weder daS Talentchen Stilgebar.ers für diesen Vorwurf aus, noch hat er es der Mühe wert gehalten, sich mit der Technik des Bankbetriebes nur so weit vertraut zu machen, als es die Behandlung seines Stoffes erfordert. Die gleiche Unvertrautheit mit seinem Stoffe zeigt Stilgebauer in Bezug auf jüdische Verhältnisse. Einen jüdischen Lehrer in einem Spesiartdorse läßt er im Kaftan einhergehen - die Feier des Bersvh nungstages endet eine Stunde vor Sonnenuntergang und eine Beschneidung wird vom „Rabbi am dritten Tage nach der Geburt des Kindes vorgenommen! Es ist unter diesen Umständen überflüffig zu betonen, baß Stilgebauer dem Geiste des Judentums noch weit weniger gerecht wird, so daß die Figuren, die er schildert, zu xarrikoturcn werden. Unsere Besprechung des „Börsenkönig" muß daher mit dem Satze schließen, der sich in gewissen amtlichen Bekanntmachungen findet: „Bor Ankauf wirdgewarnt!" JVLL. ED- U euilleton. Moosröschen. Erzählung von Babctle Fried in Prag. (Schluß.) Der Doktor war im Herzen froh, daß es nicht Vorgänge in seinem Hause waren, welche Rosa derart verstimmten. Als welterfahrener Mann hatte er für diese nur den einen Rat, sich um die ihr eigentlich ganz ferne stehenden Leute nicht zu kümmern, und weder an die Familie Helmstädten, die es wahrlich nicht wert sei, noch an die ehemalige Freundin zu denken. Der Doktor hatte gut reden. Er wußte ja nicht, was eigentlich die Ruhe aus Röschens f»erzen verbannte. Des jungen Ingenieurs zarte iebesbeweise hatten Eindruck auf sie gemacht und dennoch konnte sie sich dem beseligenden Ge-, fühle der ersten Liebe nicht hingeben, weil sie sich von ihm verachtet und verhöhnt glaubte. Es war ein Widerstreit in ihrem Herzen entstanden, der all ihre sonstige Heiterkeit verdrängte, der Streit zwischen Stolz und Liebe. Am Abend fragte der Doktor Arthur, wer der junge Herr, der ihn besuchte, gewesen sei. „Mein Freund," antwortete der Ingenieur, „ist der Sohn eines Börsianers, der bis vor kurzem steinreich genannt werden konnte, wenigstens hatte er in der letzten Schwindelperiode mit Unterstützung seiner ihm blindlings vertrauerten Klientel ungeheuere Werte angehäuft, die sich aber nach dem großen Krache als ein papierne s Vermögen erwiesen. Dies ist gewiß ein großer Nvttust für den jungen Mann, aber kein niederdrückender. Denn er ist ein tüchtiger Mann, hat gleichzeitig mit mir Technik studiert. Er hat nur bescheidene persönliche Bedürfnisse rmd kann sich in jeder Lage zurechtfinden. Der von seinem Vater durch Börsenmanipulationen manchmal recht unlauterer Art angehäufte Mammon hat chm niemals Freude gemacht. 'ba handelt es sich um etwas ganz anderes. Win Vater steht vor oem Ruin. Ihn kann nur - eines retten: Wenn er mit seiner Familie die Taufe annimmt, in welchem Falle ihm von maßgebender einflußreicher Seite eine ausgiebige Hilfe zugesichert wird, auch für den Sohn eine glänzende ehrenvolle Existenz. Er aber hängt mit allen Fasern seines Herzens an unserem Glauben, von dem er doch so wenig weiß, kaum dasjenige, das er einst in der Schule gelernt hatte, denn in seinem Elternhause hat man längst mit den alten Traditionen gebrochen und alles Jüdische über Bord geworfen." „An dem alten Helmstädten hat das Judentum wenig oder nichts zu verlieren. Für den jungen wäre es Schade," meinte der Doktor. „Wie Papa, Du weißt von wem die Rede ist, ich glaube nicht einen Namen genannt zu haben. Woher weißt Du ihn?" „Das ist gleichgiltig, genug ich weiß es. Muß denn der Sohn mittun, wenn sich der Vater verkaufen will?" „Das ist es ja, Papa! Gerade an dem jungen ist den heiligen Nothelfern am meisten gelegen. Es ist eine projektierte Heirat im Spiele. Mein Freund hat aber sein Herz bereits vergeben. Als sein Vater zu seinen Spekulationen mehr Kapitalien brauchte, als er auszubringen im Stande war, suchte er einen kapitalkräftigen Geschäftsfteund vom Lande an sich zu locken, indem er ihn und sein Töchterchen zu sich nach Wien lud, angeblich um die Weltausstellung anzusehen, und spiegelte den Leuten eine mögliche Heirat dieses Mädchens mit Robert vor. Bevor dieser den gemeinen Mißbrauch, der mit seiner Person geplant wurde, durchblickte, hatte vielleicht sich selbst unbewußt das reizende Mädchen Besitz von dessen Herz ergriffen." „Bitte für morgen," hob der Doktor an, „Deinen Freund hierher. Ich möchte gern selber einmal mit ihm sprechen." Rosa hatte nach einer unruhigen, schlaflos verbrachten Nacht erst in den Morgenstunden den ersehnten Schlaf gefunden.- Doch konnte sie sich nicht lange der notwendigen Ruhe erfteuen. Denn ganz ftüh, als alles im Haust noch im Schlafe lag, trat das Dienstmädchen in ihr Zimmer und weckte sie mit den Worten: „Entschuldigen Sie, Fräulein Rosa, wenn ich störe, aber es kam jetzt ein junges Fräulein herauf, das Sie durchaus gleich sprechen muß. Das arme Kind ist in einer furchtbaren Verfassung, nicht einmal recht angezogen und ganz verweint. Soll ich. sie hereinbringen? Sie wartet im Vorzimmer." „Aber gewiß, es ist sicherlich eine Bekannte, die etwas von mir begehrt. Aber warten Sie ein wenig, bis ich ausgestanden bin, und etwas über mich geworfen habe." Indessen wurde die Türe aufgerissen und herein stürzte, vom Weinen ganz enftellt, Elsa Reich mann. „Um"Gottes Willen, Elsa, wie kommst Du so früh hierher, und in diesem Zustande?" rief Rosa aus. „Bitte, laß mich bei Dir bleiben, ich habein dieser großen Stadt niemand außer Dir, wohin ich mich flüchten könnte." „Was ist mit Dir geschehen? Was ists mit Helmstädtens?" Ein Weinkrampf, der die Unglückliche schüttelte und sie der Sprache und fast der Sinne beraubte, hinderte sie zu antworten. Während sich Röschen um sie bemühte und sie mit den zärtlichsten Worten zu beruhigest suchte, hatte das Dienstmädchen den Doktor Herbeigerusen, dessen Bemühungen es bald gelang, das im höchsten Stadium der Aufregung befindliche Mädchen so weit zu beruhigen, daß sie mit einigen, wenn auch unzusammenhängenden Worten das Vorgefallene erzählen konnte. Der alte Helmstädten war spät Nachts heimgekommen und hatte sich in seinem Zimmer eingeschloffen. Früh fand man ihn tot. Erschossen. Durch eigene Hand. Zerrütteter Vermögensverhältnisst wegen. Seine Frau war vor Verzweiflung wie rasend, und macht ihr, Else, die heftigsten Vorwürfe,, sie sei an allem Schuld, ihre Liebelei mit Robert habe diesen verhindert, rechtzeitig die Rettung zu bewerkstelligen. Und so sei ihr Gatte das erste Opfer ihrer, Elses, Koketterie geworden. Das eine aber tröste sie, daß er nicht das einzige bleibe, daß mein Vater, auch um sein Vermögen gekommen ist, und vermutlich so enden würde wie der arme Helmstädten. „O, alles nur das nicht!" stöhnte Else; ich will alles entbehren, will für meine Eltern arbeiten wie eine Magd, nur am Leben soll er bleiben. Der Doktor versprach dem fast verzweifelten. Mädchen alles auszubieten, um ihren Vater von. einer so schrecklichen und sündhaften Tat abzuhalten, nur möge sie sich jetzt beruhigen. Äse mußte gleich zu Bette gehen, und Rose saß als treue Pflegerin an ihrem Bette. Dann sandte der Doktor an den Vater Elses ein Telegram ab,- worin er ihn zu einet schleunigen Reise nach Wien aufforderte, und sogar Zug bestimmte, mit welchem er fahren müsse. Dem Doktor lag daran, daß Reichmann schon unterwegs sei, bevor er durch die Zeitung, den tragischen Tod seines GescWtsfreundes er-