Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 31 (1.8.1907)
- Date
- 1907-08-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Der SekttL verbarg die Talgkttze unter ihrer Schürze und zog sich etwas zurück. Bor der Haustüre hörte man ein gedämpftes Gespräch. Dort stand ein großer wohlgebauter Mann mit schönem runden Bollbart, dem man an der eleganten Kleidung und schlanken Haltung den vornehmen Großstädter ansah. „Sie sind wohl der Herr Doktor aus Tilsit, an den wir gestern geschrieben?" ftagte Sorle, die aus der Küche dem Herrn entgegenkam. „Ich bins," er hielt inne und betrachtete still das Mädchen, „komme ich noch recht?" „Wollte es Gott?" sagte nur das Mädchen und wandte das Gesicht ab. Tränen, das wußte sie, sehen die Doktoren nicht gern. Sie öffnete die Haustüre und lud ihn mit stiller höflicher Handbewegung zum Eintritt ein. Doch der Fremde zögerte noch. „Habe ich mich so verändert Ln den zehn Jahren?" murmelte er leise vor sich hin, „aber auch sie, Gott welche herrliche Erscheinung.!" Nun hob auch Sorele ihre schwarzen Augen empor. „Gott, wäre, es möglich?" Noch sprach sie kein Wort, nur ihre Lippen bebten. Da nahm der fremde Herr einen dunkelen Gegenstand aus seiner Brusttasche hervor und hielt ihn dicht vor die Augen des Mädchens. Es war ein zackiges Brettchen, die Kohlenschrift war etwas verwischt, aber noch deutlich genug, daß das Mädchen erbleichte. „Bernard! Bert! O wußte ich es doch." „Sorele!" Und er wollte sie in seine Arme schließen. Doch gewann das Mädchen bald die Macht über sich. „Nein!" sagte sie, „erst zur Mutter?" Im Krankenzimmer erhob sich alles respektvoll vor dem vornehmen Herrn, den man ebenfalls für den deutschen Arzt hielt. Nur die Kranke zuckte stark und ihre Brust schwoll so mächtig, als wollte sie noch einen letzten Ansturm gegen den unsichtbaren Feind wagen. Und mm geschah ein Wunder. Die blassen Lippen, die seit Tagen schon ruhten, bewegten sich plötzlich und lispelten etwas, das halbgebrochene starre Auge bekam sonderbaren Glanz und die Hand rührte sich langsam und erhob sich und nun umschlang sie den Hals des Fremden. Und darin hob sich die Hand immer höher und ruhte schwer und kalt auf seinem Haupte. Und schließlich rührte und hob sich auch die andere Hand und ruhte auf dem Haupte Soreles< zogen, der Segen erteilt von ihr, deren Geist bereits am Throne Gottes stand, es bedarf noch kaum meiner Bestätigung." Zemach hatte sein weitverzweigtes, gutgehendes Geschäft und seine Familie. Doch Koppel, der nach der Verheiratung seiner Tochter allein dastand, sollte mit nach Amerika. „Umsomehr" bat der Schwiegersohn, „als Du dort als Leiter der Werkstätten der rechte Mann am rechten Platze wärest." Aber Koppel ließ sich nicht dazu bewegen. „Für uns alte Knaben ist es nichts. — Ich habe, was ich für den Rest meiner Tage brauche. So bleiben wir hier bei den alten Gewohnheiten und Freunden und freuen uns mit dem Glücke unserer Kinder in der Ferne." Doch am Abend vor der Abreise sprach Zemach: „Jetzt bleibt uns noch ein Geschäft zu erledigen. Koppel hat bei mir zu verschiedenen Zeiten Geld angelegt, das gut verwaltet ist. Ich ahne wohl, welche Bewandtnis es mit diesem Gelde hat und begreife es nun, warum Koppel die Rücknahme so unerbittlich verweigerte. Hier die Wertpapiere wohlgeordnet, sie fallen den Eigentümer zwischen Euch beiden wählen." Da ergriff Bert das Wort: „Da Du, lieber Vater, das Geld weder brauchst noch willst, so bleibt es als Eigentum dem, der mir zu diesem, wie zu meinem weiteren Vermögen den Grundstein gelegt und mir sein Liebstes aufbewahrt." „Ich nehme es dankend an", erwiederte Koppel, „und benutze es nun, da ich es selber nicht brauche, als Mitgift für Euch, wie es von einem Vater einmal Brauch und Sitte ist." „Dann darf ich es nicht ablehnen", erwiderte Berl, „aber das Geld lasse ich hier als Fond, von dessen Zinsen Feuerversicherungsprämien gezahlt werden sollen für arme Handwerker." Und eine weitere sehr bedeutende Summe stiftete Berl zur Errichtung eines Beth Hamidrasch und zur Unterstützung von Talmudjüngern. „Bin ich selbst", so sagte er, „auch kein Talmid Chochom geworden, so will ich doch mit dem Gute, das mir Gott geschenkt, das Lernen unserer heiligen Thora unterstützen." Sabbat-Anfang u. Ausgang. Und noch einmal öffneten sich die Lippen, aber sie schloffen sich nicht mehr. Ein Lächeln huschte über das fahle Gesicht und nun war es darin still in Ruhe und Verklärung. — Wie versteinert standen alle da und sahen nicht wie Chanoh die Kerzen anzündete, hörten nicht, wie laut und innig sie Schemajisroel betete. Die Talgkerzen zuckten und flackerten und beschienen das verklärte Gesicht der Toten. Ihre fände ruhten immer noch wie segnend aus den öpfen der zwei vor ihr Stehenden. Da löste sie Zemach behutsam und dicht vor -er toten Mutter umarmte er seinen Sohn „Mein Kind", konnte er nur mit vor Tränen erstickter Sttmme Hervorbringen. Und es ergab sich von selber, daß er auch die neben ihm stehende Sorle in seine Arme schloß und auch ihr das gleiche Wort an die Brust preßte: „Mein Kind!" Die anderen folgten, zuletzt auch, Koppel. * sjs * Die dreißig Trauertrage waren vorüber. Berl oder Bernard Barchow, wie die Adresse der täglich einlaufenden Geschäftsbriefe lautete, fing an von Verpflichtungen, die ihn zur Rückkehr zwängen, zu sprechen. Das Geschäft wäre im Gange, die Fabrik im Betriebe und beide könnten den Meister und Inhaber nicht lange entbehren. Koppel als Fachmann und Zemach als prakttscher Geschäftsmann verstanden es recht wohl und machten keine Versuche ihn zurückzuhalten. Im stillen Kreise der engsten Familienangehörigen wurde Sorte dem reichen Amerikaner zum Weibe nach dem Gesetze Moses und Israels angetraut. „Die Trauung", so lautete die kurze Rede des greisen Rabbiners, „ist bereits voll- ORT: Anfang Datum Ausgang Uhr iMin. 1907 5667 Uhr «Min. 3.Aug. 23. Aw Frankfurt a M 7 35 9 00 Berlin .... — — 8 49 München . . . 7 15 8 32 Strastburg . 7 00 8 50 Pose» .... — — 8 35 Breslau . . — — 8 28 Nürnberg. . — — 8 40 Stuttgart. . . 7 30 8 45 Prag. 8 00 8 30 n Künstliche n. natürliche Mineralwaffer ir, Aepfelwei« -==. Flaschenbier ■ (6777) liefert frei ins HauS H. ATIssenbaum, Frankfurt a. M., Ostendstr. 75. —— -—— Telephon 5441. ■—■—-— Iiiih mizrti jdll iid 0 KMfd 4 O m- « O O Q _ o o was will er denn eigentlich? — Ach, 0ber, der hat heute eine Hochtour gemaV und ist bSs erkältet heimgekommen. U®*; möcht er aber morgen auf den Mertler hinauf» und damit er dann wieder ganz auf dem Damm ist, hat er den Hausburschen in die Apotheke geschickt, damit er ihm schleunigst Kays ächte Sodener Mineralpafiillen holt. Der Bursche bleibt ihm nun zu lano. Kay» ächte Sodener, sagt der Herr, Helsen ihm immer, und wenn er sie heut mitgehabt hätte, dann hätF er sich auch nicht erkältet; nun läßt er sich gleich sechs Schachteln holen, damit er nicht mehr in Verlegenheit kommt! — Kays ächte Sodener kosten 85 j>kg. per Schachtel und find in jeder Apotheke, Drogen- und Minera waff-rhandlung zu haben. 4 Landeshuter £ ZÄmilievllschlicdte«. (Unseren Abonnenten steht diese Rubrik kostenlos zur Verfügung. Nichtabonnenten haben für die Aufnahme jeder Notiz eine Gebühr von 1 Mk., die gleichzeitig einzusenden ist, zu entrichten. Die Sendungen müssen immer spätestens am Mittwoch, Vormittag vor dem Erscheinen der jeweiligen Nummer in unseren Händen sein.) Verm&hlt: Karl Baer mit Florentine geb. Bendheim» Wiesbaden. Cteburten: Ein Sohn: Julius Kann (Buch), Bingen. — Eine Tochter: Nathan Möller (Möller), Hamburg. — Paul Frank (Buch), Leipzig. — Abraham Rothschild (Eichelstein), Frankfurt a. M. Verstorben: Babette Oppenheimer» 49 I., Köln. — Nathan Frank, 59 I.» M-Gladbach. — Joseph Gottschalk. 49 I., Frankfurt a. M. — Jeanette Katzenstein (Bauer), 62 I.» Franksttrt a. M. Für de« Reklametefl ist die Redaüion nicht verantwortlich; insbesondere ist es ausschließlich Sache der Leser, die im Reklameteil euthalteue« Empfehlungen ritueller Ware« oder sonstige Augabe» religiousgesetzlicheu Charakters auf ihre Zuverlässigkeit zu prüfe». Kaiser Friedrich Quelle 6346) - OfOfcnbaeh a. M. -— „Gegen Gicht n. Rheumatismue bewihrt. Leinen», und Gebild»Weberei F.V. Grünfeld Königl., Qrossherzogl. a. Fürstlicher Hoflieferant Berlin W-, Leipziggrstrasse 20-2. Grösste Auswahl aller Wäscheartikel für den Hausbedarf. HBfertiing ganzer IMtteigei. Preisliste mit Abbildungen sowie Kostenanscbläge zn Diensten. (7959) iSd Bad Muri o.d.& Hotel and Restaurant Marx. Einziges Hotel* und Restaurant am Platze, welches unter Aufsicht des ständigen rpjtra (Aufseher) des Herrn L. Aronsohn, Frankfurt a. M. steht Table d’höte 2.50 an separaten Tischen. — Diner ä pari Reine Weine. ■■■ ■■ Besitzer: Wilhelm Marx, ElisabethenstFasse Nr. 50 SRC* vis—ä—vis dem Kargarten. 'WM Telephon Nr. 314. Pension im Hanse. Telephon Nr. 314. Meyers Großes Konversations-Lexikon. Ein Nachschlagewerk des allgemeinen Wissens. Sechste, gänzlich neubeavbeitete und vermehrte Austage. Mehr als 448,000 Artikel und Verweisungen auf über 18,240 Seiten Text mit mehr als 11,000 Abbildungen. Karlen und Plänen im Text und auf über 1400 JllustrationStafeln (darunter etwa 190 Favbendrucktafeln und 300 selbständige Kartenbeilagen) sowie 130 Textbeilagen. 20 Bände in Halbleder gebunden zu je 10 Mark oder in Prachtband zu je 12 Mark. (Verlag deS Bibliographischen Instituts in Leipzig und Wien.) Vom „Großen Meyer" liegt uns der 15. Band vor, mit dem dieser Schrittmacher der Bildung bis zum Stichwort „Plakatschristen" gediehen ist. Bietet sich uns zwar Tag für Tag häufig genug Veranlassung, dieses Werk in Gebrauch zu nehmen, sü beschästigen wir uns doch ab und zu gern einmal besonders mit ihm. Was uns zunächst am meisten festelt, sind die Abbildungen. Im 15. Band zählten wir. von den Textbildern abgesehen, an Tafeln allein 49 schwarze und 19 farbige, zu denen sich noch 19 vorzügliche Karten gesellen. Wir booten diesmal die Erweiterung der neuen Auflage gegen dm bezüglichen Abschnitt der vorangegangenen in bildlicher Beziehimg geprüft und konnten dabei wesmtliche Berbefferungen und reichliche Neuerungen feststellen. So nennm wir zwei Porträttafeln» die „Deutschen Philosophen" und „Physikern" gewidmet sind und uns von großen Zeitgenoffm z. B. Kuno Fischer und Wilhelm Wundt oder Wilh. Röntgen und William Thomson im Bilde vorführen. „Ozeanische Altertümer zeigen uns zwei neue, m historischer, naturwissenschaftlicher und kultureller Beziehung höchst interestante Tafeln» und militärischem Gebiete gehören an die Beilagen „Panzerlaffeten", sowie „Panzertürme und Panzerbatterien". Von neuen das Judentum betreffenden Artikeln fei eine kurze Würdigung des jüdischen Theologen und Orientalisten Joseph Perles erwähnt. Fügm wir noch hinzu, daß zwei Tafeln „Pfahlbauten" und drei solche mit Darstellungen der „Pferderaffen" fast durchgängig neue Einzelbilder erhalten habm, und ein Blatt mit vier „Phanologischen Karten", auf denen uns die zeitliche Entwickelung des Pflanzenlebens im Laufe deS Jahres graphisch veranschaulicht wird, zum Teil den Stand von 1905 vergegenwärtigt» so dürfte über den bildlichen Teil das wesentlich Reue gesagt sein. Daß der 15. Band auch in textlicher Beziehimg auf der Höhe steht» haben uns zahlreiche Stichprobm bewiesen. Wir könnm also auch ihm mit bestem Gewiffm volles Lob spenden.