Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 31 (1.8.1907)
- Date
- 1907-08-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2449244-2449276--63681-2506239- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
WWWWW EMMiM WWWWM 8. WMWWWWWMWNWWWW«WWWWWWWWWWWWWWWWWWWVW ^' :'■• mm:'■ - ■'••••■' ' *■ fr ' fettet Thora verdient, als sie den Schülern aus sehr bedürftigen Familien und Waisen auch den Lebensunterhalt Besorgen muß. Wir nehmen Veranlasiung, den Vertreter der Anstalt dem wohlwollenden Interesse des jüdischen Publikums wärmstens zu empfehlen. Zweibrücker», 30. Juli. Die gespannten Verhältnisse zwischen der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde und dem Bezirksrabbiner Dr. Meyer, die schon seit Jahren Bestehen, haben wie schon oft auch kürzlich wieder zu einem recht unliebsamen Zwischenfall geführt. Am 12. März, dem Geburtstag des Prinzregen: en, gedachte der Rabbiner einen Festgottesdienst abzuhalten, fand aber, as er sich zur Synagoge begab, trotz vorheriger Benachrichtigung des Synagogen-Ausschusses den Eingang verschlossen. Der Ausschuß hatte schon früher den Amtsstuhl Dr. Meyers aus der Synagoge entfernen lasten. Ucber den Vorfall vom 12. März berichtete der Lehrer der israelitischen Gemeinde, Bachenheimer, in der Preste. machte dabei aber die nicht den Tatsachen entsprechende Mitteilung, das Kgl. Bezirksamt habe dem Rabbiner die Ausübung seiner tunktionen in der Synagoge untersagt. Durch diese ngabe fühlte sich Dr. Meyer beleidigt und erhob Privatklage, deren Verhandlung vor dem Schöffen- - gericht jedoch mit der Freisprechung Bachenheimers endete, da, wie das Gericht ausführte, zwar eine objektive Beleidigung vorliege, jedoch der Angeklagte in Wahrung berechtigter Interessen, unter dem Schutz des § 193, gehandelt habe, wenn er als Religionslehrer der Gemeinde Mitteilung über den Grund des Ausfalls des Gottesdienstes machte. Gegen dieses Urteil legte der Kläger Berufung ein, die am 25. Juli vor der hiesigen Strafkammer verhandelt wurde. Es »raren 13 Zeugen geladen un^ die Verhandlungen dehnten sich £>tö in die Nachmittagsstunden aus. Die Verkündung des Urteils erfolgt am 31. Juli. Graudenz, 21. Juli. Bon Herrn Rabbiner Dr. Loevy-Graudenz erhalten wir folgende Zuschrift: „Seit einiger Zeit treibt sich in Ostpreußen ein Mann, welcher sich Wolft nennt, herum und sammelt auf Grund eines von mir angeblich unterschriebenen Schriftstückes Beiträge für das hiesige Waisenhaus. Das Schriftstück ist jedoch gefälscht, wie ich überhaupt niemals ein solches ausgestellt habe." Wie», 26. Juli. Bei dem russischen Ort Zvönitz, nahe am österreichischen Gebiet, wurden acht jüdische Männer und Frauen von Bauern über die Grenze geführt. Die letzteren überfielen plötzlich die Auswanderer: zwei Frauen fanden dabei den Tod, die übrigen wurden verwundet. Die Rufe der Frauen zogen die russischen Grenzwächter herbei, die die Leute verhafteten. Der Vorfall zeigt wieder, wie gefährlich es für die Auswanderer ist, sich auf Führer und Agenten zu verlosten, statt mit einem ordentlichen Auslandspaß zu resten. Qerefn$we$en. Posen, 30. Juli. Aus dem Jahresbericht des Israelitischen ArmenHilfs-Bereinsin Posen pro 1906 entnehmen wir folgende Daten. Die an den Verein gestellten Anforderungen verursachen von Jahr zu Jahr steigende Ausgabeneinzelne Zweige erforderten im Berichtsjahr ganz besondere Mehraufwendungen. So erhöhten sich die laufenden Monalsunterstützungen von 5436,70 Mk. im Jahre 1905 auf 5996,60 Mark, die Unterstützungen an Durchreisende von 5107,70 Mark im Jahre 1905 auf 6647,91 Mark. Die Bestreitung dieser Ausgaben, ohne die ohnedies sehr zusammengeschmolzenen Reserven flüstig zu machen, wurde nur ermöglicht durch hochherzige Spenden von Gönnern und durch 5 ubventionierung seitens der hiesigen Synagogengemeinde mit 2400 Mark. Unter den Ausgaben für Durchre sende find auch die Unte stützungen an Rückwanderer enthalten. Die Weiterbeförderung derjenigen unserer unglücklichen rustischen Glaubensgenosten, die von Verfolgung und Not gepeinigt, den heimatlichen Boden verkästen mußten, ist dom Hilssverein der deutschen Juden übernommen worden, sonst härten diese Ausgaben den Etat viel stärker belastet. Der Verein betrachtet es, nach wie vor, als seine Aufgabe, Gemeindemitglieder, denen wirtschaftlicher Verfall droht, wenn irgend nröglich, existenzfähig zu erhalten. Die Mitgltederzahl ist im letzten Jahre erfreulicherweise gewachsen. Eine Einnahmequelle erschloß sich auch durch die Ablösung der Neujahrs^ gratulationen, die 272 Mark erbrachte. In Rücksicht darauf, daß viele die hiesige Genieindcstation passierende Auswanderer tagelang warme Kost entbehren, wurde die Einrichtung getroffen, ihnen während des Aufenthalts hier warmes Esten zu verabreichen. Eine schon längere Zetl geplante Neueinrichtung ist in diesem Jahre ins Leben gerufen worden, indenl der Vorstand sich durch Kooptation von drei Damen ergänzte. Die Fürsorge in der Wirtschaft und in der Häuslichkeit der von dem Verein unterstützten Familien hat sich als eine ebenso große Notwendigkeit erwiesen, wie die laufende Unterstützung. Personalien. Frankfurt a. M., 21. Juli. Oberlehrer Dr. JosephZ Caro von der Realschule der Israelitischen Religwnsgesellschaft erhielt den Profeffortitel. Bischhansen, 81. Juli. Bor kurzem waren es 25 Jahre, daß der Lehrer der hiesigen jüdischen Gemeinde, Herr Jacob Stein, in den Schuldierfft ein- 5n ist. Obwohl der Jubilar sich allen Ehrenunaen zu entziehen suchte, ließen seine Gemeinde ie Freunde aus Nah und Fern jeS sich doch nicht nehmen, ihm die besten Wünsche und sinnige Aufmerksamkeiten in überaus großer Zahl zu übermitteln. Die jüdischen Kollegen der Umgegend überreichten durch Herrn Lehrer Blach-Reichensachsen einen wertvollen Becher mit entsprechender Inschrift. Karlsruhe, 29. Juli. Am vergangenen Freitag verschied hier nach längerem Leiden kurz vor erreichtem 70. Lebensjahre Faau' Babette Traub. Die Verstorbene, welche auf eine mehr als 30 jährige Tätigkeit als Angestellte der n'IDH zurückblickte, hatte es verstanden, turch taktvolles Auftreten und gewissenhafte Pflichterfüllung sich die Achtung und Wertschätzung aller Kreise der jüdischen Bevölkerung zu erwerben. Eine stattliche Schar von Trauergästen geleitete sie am Sonntag Morgen zum Grabe. Herr Rabbiner Dr. Schiffer und Namens der Verwaltung der Religionsgesellschaft Herr M. Altmann gaben der Trauer um die Dahingeschiedene beredten Ausdruck. London. 29. Juli. Die vor einigen Tagen stattgehabte Halbjahrsversammlung des hiesigen Board of Schechitah gestaltete sich für ihren Präsidenten, den zum Peer ernannten Sir Samuel Montagu, zu einer herzlichen Kundgebung. Der Vizepräsident schlug der Versammlung vor, Lord Swahthling — so lautet der Peer-Name Montagu's — die Glückwünsche des Board und besten Genugtuung über die der jüdischen Gemeinschaft durch die Ernennung widerfahrene Ehre zum Ausdruck zu bringen. Als dann Lord Swahthling eintraf, teilte der Vizepräsident ihm die Annahme dieses Vorschlages mit, wofür der Lord mit dem Hinweis auf seine 36jährigen Beziehungen zum Board seinen Dank aussprach. Darauf hielt der Chief-Rabbi eine Ansprache an den Präsidenten des Board und überreichte ihm zum Zeichen der Anerkennung seiner Verdienste eine schön ausgestattete Adresse. Eine Deputation der vom Board autorisierten Fleischer überbrachte ebenfalls eine G ückwunschadreste. Pakrae (Slavonien), 26 Juli. Dieser Taze wurde in Pakrac Herr Rabbinatskandidat Lasar Schönfeld, ein Zögling der Preßburger zum Rabbiner gewählt. Die Berufung eines orthodoxen Rabbiners in dieses Amt ist angesichts der Verhältniste in Slavonien, wo es mit der jüdischen Gesinnung und dem jüdischen Leben traurig bestellt ist, sehr zu begrüßen. Paris, 30. Juli. Am 11. Juni war eia halbes Jahrhundert vergangen, seit daß Dr. med. Gustav PfeiffMr ein geborener Württemberger, den Kranken des deutschen Hilfsvereins in Paris unentgeltlich seine Fürsorge widmet. Anläßlich des Gedenktages wurde Dr. Pfeiffer vom König von Württemberg zuul Kgl. Medizinalrat ernannt. Die.Urkunde überreichte Fürst Radolin in feierlicher Weise vor dem versammelten Botschaftspersonal und den Leitern des Hilfsvereins. Sprechsaal. Sehr geehrter Herr Redakteur! Ihr Herr Berichterstatter, der wohl von guten Motiven geleitet gewesen sein mag, als er Ihnen die Notiz über die hiesigen Restaurations-Verhältnisse gegeben, hätte nicht übersehen dürfen, daß an der Synagoge und am Betsaal hiersekbst eine Bekanntmachung folgenden Inhalts angeheftet ist: „Kurfremde werden darauf aufmerksam gemacht, bei dem Unterzeichneten über die rituelle Zuverlässigkeit der hiesigen Restaurationen und Privathäuser Erkundigung einzuziehen. Das Distrtktsrabbinat." Abgesehen davon hätte Ihr Berichterstatter durch persönliche Anfrage bei mir oder durch sonstige Information mit Leichtigkeit erfahren können, daß ich auf Anfragen bestimmte Auskunft erteile, und laß mir bereits vor mehreren Jahren von der Restauration Herzfeld, in diesem Jahre von den Restaurationen Geffner und Hamburger mit Klage gedroht wurde, weil ich in unzweideutiger Weise erklärte, daß dieseben nicht anerkannt tverden können. Derselbe hätte auch erfahren können, daß ich wiederholt von Kurgästen angegangen wurde, die Restaurationen Geffner und Pfingst unter Aufsicht zu nehmen, ich dies aber abgelehnt habe, weil selbst eine nnJtPn in diesen Restaurationen mir nicht genügende Garantie bietet. Was speziell die Restauratton Geffner betrifft, in welcher der Wolbromer Rabbiner trotz meiner Verwarnung gegessen, will ich nicht verschweigen, daß Geffner auf das Zeugnis der Rabbiner Vernfeld in Zaleszczyki, Schalem Lilienfeld in Bodheice und Horwitz tt in Stanislau sich beruft. Diese Herren Rabbiner haben in Gemeinschaft mit dem Wolbromer Rabbiner die Verantwortung für die zu tragen, da ich denselben das gegen Geffner vorliegende Material mitgetetlt, ohne daß sie irgendwelche Erklärung erlaffen haben. — Daß übrigens alle anderen hier existierenden Restaurationen von mir nicht anerkannt werden können, beweist auch zur Genüge das Verzeichnis des Vereins für rituelle Speisehäufer, in welchem lediglich Hotel Ehrenreich und das Speisehaus Selig Aufnahme gefunden. — Ich muß daher den -mir gemachten Borwurf Ihres Berichterstatters zurückweisen. Meine Pflicht kann es nicht sein, all die Restaurationen und Privathäuser aufzuzählen, in welchen man rituell nicht speisen darfes ist vielmehr Pflicht eines jeden hierherkommenden inpi'V bei mir anzufragen, wo man zuverlässig rituell speisen kann. «angsvoll r. M. Bamberger. Briefkasten. M. N. Anchovis Paste, die nicht unter Aufsicht hergestellt ist, ist entschieden zum Genuß v e r b o t e n, da sie einen Fettzusatz zu enthaften pflegt. Fischpräparate, Bei denen man die Fische nicht mehr erkennt, -dürfen, falls sie nicht unter Aufsicht hergestellt find, nicht genosten werden. klilgrgangene Spenden. Für Erez Jisroel: Adler Höchst 5.— durch Lehrer Roßmann, GerSfeld, v. Juda Wahlhaus H 3.—. Juda Wahlhaus I 5.30, derselbe Matnas Jad 2.— für Moscheb Sekenim 1.—, für Stam E. I. 0,20, D. Hommel 1.—, A. Barth 1.—, Windmüller 1.—, Weüheimer, Aschenhausen 1.—, Summa abzüglich Porto 16.25. S. I. München für R. M. b. H. 5.—, Ungenannt für Bolksküche, Jerusalem 5.— Summa 31.25. Für Aufruf; „Herzliche Bitte." I. Braver, Jchenhausen 3.—, Eugene Fribourg, Metz 4.— Summa 7.—. Für nSs noisn (Nr. 121.): Adler, Höchst 5.—, M. Rosenbaum, Posen 3.—, Frau Lehrer Salomon 3.—, Summa 11.—. Für 86 jähr. m-m p (HS 145); Eiscmann, Westheim 2.—, N. N. 6.—, Summa 8.—. Für n*73 nwrn (Edelmut); S. Kahn, Stuttgart 2.—. A. Becker. Sammlung der Gemeinde Nikolaiken 10.30, A. Herzberg, Bückeburg 3.—, S. Kahn, Stuttgart 2 —, Raphael, Freyftadt 3.—, M. Brandt, St. Gallen, 3.—, N. N. 5.—, Ungenannt 5.—, N. N. Bergen 2.—» Summa 35.30. Für Blazowar Ploni, Rexingen 1.80, Wagner, Altona 4.05, I. B. Jchenhansen 10.—, Neustädter, Sülzbürg 4.60, Sammlung der Gemeinde Wartenburg 15.55, E. Fribourg, Metz 5.—, Summa 41.—. Für; „Dringende Hilfe": N. 91. Arnstein 10.—, S. Kahn, Stuttgart 2.—, N. N. Kettwig 2.—, Bas Zion, Rexingen 1.—, Gust Levi, Neubrunn 5.—, N. N. 3.—, Fr. Marx, Mainz 2—, Heß, Ermreuth 2.—, Summa 27.—. Für „Innige Bitte": S. Kahn» Swttaart 2.—, S. F. in K, 2.—, H. Bacharach, Seligenstadt 5.—, Summa 9.—. Für n°72 roasn („Hilfe") r - S. Kahn, Stuttgart 2.—, N. Eppstein, Greußenheim 5—, Hirschenberg, Westheim 2.—, Ben Zion Rexingen 1.—, B. P 5.—, A. Lewin. Königshütte 5.—, Summa 20.—. Für Talmid-chacham („Existenz") r S. Kahn, Stuttgart 2.—, N."Eppstein, Greußenheim 5;—, Ben Zion Rexingen 1—, A. Lewin, Königshütte 10.—, N. N., Schlüsselheim 100.—, Summa 118.—. wiMon. Aus den flamme». Eine Geschichte aus Lithauen von S. Schachnowitz-Endingen. IV. (Schluß.) Dann trug sie den Brief an die Landungsbrücke und warf ihn eigenhändig in den Postkasten des Dampfers, der mit dem Morgengrauen nach Tilsit abging. Und nun waren nur 16 Tage verstrichen, in denen sich der Zustand der Kranken verschlimmerte. „Die Entscheidung ist nahe," hatte der Arzt lakonisch bemerkt. Lea sprach nicht mehr, sondern lag still mit wogender Prüft und leise röchelnd da. Aus dem welken Gesichte starrten die Augen, wie suchend nach der Türe gerichtet. Um das Krankenbett standen gedrückt und mit rotgeweinten Augen der Gatte und die Kinder. Auch Koppel war da, während Sorte, bei der sich heute eine tiefe Unruhe bemerkbar machte, leisen Schrittes aus und einging. Da tat sich langsam die Türe aus. Die Kranke zuckte und ihr Blick wurde noch schärfer, dann ließ sie ihn wieder sinken und erstarrte matt und teilnahmslos. Auch die Anwesenden ergriff ein Schauer. Denn die Eintretende war keine andere als Chanoh, die Gabete, deren Erscheinen am Krankenlager stets als letztes Symptom zu gelten pflegte, weshalb ihr die Schuljugend den Ehrentitel „Malachhamowes" beilegte. Die erfahrene Chanoh musterte scharf die Patientin, schüttelte das Haupt und flüsterte: „Richtet Kerzen!" Hatte es die Kranke gehört oder gemerkt? Denn sie zuckte mit den Augenwimpern und ihre Hand bewegte sich kaum merklich wie bittend und ablehnend. „Noch nicht!" Es hörte es keiner, denn die Lippen bewegten sich kaum. Aber Chano