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Der Israelit · 1907-08-01 · Heft 31 (1.8.1907) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 31 (1.8.1907)
Date
1907-08-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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w »M. Nie. B7 Mte - mgen gegen das jüdische Religionsgrsetz in einer Weise, "die geeignet erscheinen auch nichtjüdischen Faktoren die Augen zu öffnen über die Tiefe der Gegensätze, die das historische, gefetzestreue Judentum von jüdischer Neologie und Reform trennen. Die hohe Regierung kanii nicht — sagt die neologe jüdische Landesvertretung in der zweiten Eingabe — ein Statut genehmigen, das zur Bedingung der Aufnahme ein Maß der Befolgung der Glaubensgesetze macht. Denn abgesehen davon, daß wir ein Forum, das in dieser Frage entscheiden könnte, nicht kennen, steht es außer Zweifel, daß damit dem Mißbrauche Tür und Tor geöffnet würde. Wir halten unsere Behauptung aufrecht, daß man sich eine Person, die sämtliche Bestimmungen dieses Religionsbuches einhalten würde, überhaupt nicht vorstellen kann, welche Tatsache an sich schon zur Genüge beweist, daß die bezeichnete Beschränkung zu den größten Willkürlichkeiten führen würde, denen die zur Ueberprüfung in Bereinsangelegenheiten berufene Verwaltungsbehörde hilflos gegenüberstände. Der Inhalt des Schulchanaruch ist nur gelehrten Männern bekannt und gewöhnlich befassen sich mit dem Studium desselben nur die Rabbiner, und . so kann davon, daß jedes Mitglied des Vereins seinen Inhalt kenne, ja sogar (!) eine demselben entsprechende Lebensart Nachweise, nicht die Rede sein. Da im übrigen der Schulchanaruch mehrere solche Anordnungen enthält, die heute schon ganz undurchführbar sind, so können darauf statutengemäße Bestimmungen nicht geändert werden. Es ist unverständlich, daß der Verein in dieser Beziehung Einwendungen macht, denn unter den Nagy-Szöllöser Verhältnissen, bei dem dort vorherrschenden Bildungsgrad (!) ist ja nicht daran zu denken, daß unreligiöse Elemente in den Verein eindringen könnten. Die Genehmigung der Statuten sei daher von der Weglassung des Schulchanaruch-Paragraphen abhängig machen. Der Referent im Kultusministerium hat dieses neologe Gutachten befürwortet. Das Präsidium der orth. Kanzlei intervenierte aber mit großem Nachdruck für die Respektierung des orth. Prinzips und so wurden die Statuten doch samt dem Schulchanaruch-Paragraphen mittelst Ministerialerlasses Zahl 58606 sanktioniert. Die Nagy- Szöllöser Mischnajothchewrah hat demnach den ErbschastSprozeß nach allen Regeln des Schulchanaruch gewonnen. Budapest, 25. Juli. Es ist bekannt, wie sehr die religiöse Erziehung der die Mittelschulen, (Gymnasien, Realschulen,Handelsakademien etc.) besuchenden jüdischen Jugend Ungarns im Argen liegt. Spezifisch jüdische Mittelschulen gibt es hierzulande nicht. Man hat wohl einige jüdische Bürgerschulen, diese entlassen aber ihre Zöglinge bereits zu 14—15 Jahren, also gerade an der Schwelle des kritischsten Jünglingsalters, da die verschiedenartigsten, gesellschaftlichen und kulturellen Einflüsse auf das empfängliche Gemüt einstürmen, und es, wenn der feste Halt fehlt, nur allzuleicht der im Elternhause herrschenden jüdischen Lebensart für immer zu entfremden vermögen. Nur eine hinreichende Beschäftigung mit der Thora bietet diesen Halt, gewährt Schutz vor den der jüdischen Gesinnung drohenden Gefahren. Was aber wollten in dieser Beziehung die wöchentlichen 2 Stunden obligatorischen Religionsunterrichtes an den öffentlichen Mittelschulen bedeuten? Bei der Qualität der Religionslehrer, wie sie meist an diesen Anstalten wirken, und der von ihnen eingeführten Lehrbücher (eine Stichprobe davon haben wir erst in No. 29 dieses Blattes gegeben) will es schon viel heißen, wenn die jüdische Gesinnung und Lebensweise der Schüler nicht durch diesen Unterricht unmittelbar geschädigt wird Bon einer Förderung derselben kann aber leider in der Regel gar keine Rede sein. Es ist daher zu begrüßen, daß zwei dem kgesetzestreuen Judentum angehörige Mittelschul-Professoren, die Herren Dr. Leo Singer und A. Bokor, in Budapest eine mit einem Internat verbundene Privat-ErziehungDanstatt fö* Mittelschüler gegründet haben. Der uns eingefandte Prospekt verspricht recht Gutes. Das Institut will die religiöse Lebensweise der Zöglinge streng überwachen und denselben einen täglichen jüdischen Unterricht von 2 Stunden angedeihen lassen. Wenn, was die Zukunft zu erweisen haben wird, die Anstalt die im Prospekte dargeleAten Absichten, in die Tat umsetzt, so werden pch die Gründer ein großes Verdienst um die jüdische Jugenderziehung Ungarns erworben haben. Rußland. Eli sab ethgrad, 28. Juli. Infolge der Ermordung dreier Polizisten befinden sich die hiesigen Juden wieder in Progromgefahr. Obwohl feststeht, daß ein Russe die Tat begangen hat, wird von Seiten der Schwarzen Hundert doch die jüdische Bevölkerung dafür verantwortlich gemacht. Verschiedene Angriffe auf die Juden haben bereits stattgefunden. Petersburg, 22. Juli. „Westminfter Gazette" brachte vor einigen Tagen die Nachricht, daß die russische Regierung durch Mendelssohn eine ausländische Anleihe vorbereite! Wie zur Bestätigung dieser Nachricht öffnet die „Rußkoje Snamja" — das Zentralorgan des Schwarzen Hundert — dem neuen Bundesgenossen ihre Arme. Das Blatt schreibt: «Ohne ausländische Juden kommen wir jetzt nicht durch} denn Geld ist nötig. Ist es denn dann nicht einerlei, ob wir daS Gelb von Pariser, Londoner oder Berliner Juden nehmen? so könnten die treuesten und patriotischsten Söhne Rußlands fragen. Darauf antworten wir unseren Lesern: Rein, das ist durchaus nicht einerlei. W nn es schon darauf ankommt und unser armes, zerrissenes Vaterland gezwungen ist, neue Ausländsanleihen abzuschließen, so ist es dennoch besser, dies in Berlin zu tun als in Paris und London. Denn erstens ist Mendels- 8hn überhaupt nicht Jude! Der jetzige Leiter des berühmten erliner Bankhauses ist ein Urenkel des genialen Komponisten Felix Mendelssohn-Bartholdh, der bekanntlich das Christentum nicht auS persönlichen Berechnungen, sondern aus Ueberzeugung angenommen hat. . . ." Nach dieser Reinigung des Mendelssohnschen Stammbaumes spendet daS Pogromistenblatt Herrn Mendelssohn selbst das höchste Lob, dessen es fähig ist: „Als eistiger Lutheraner der vierten Generation ist Mendelssohn nach dem Statut berechtigt, in den Verband des russischen Volkes ausgenommen zu werden, wo Juden unter keiner Bedingung Eintritt finden." Nun folgt ein Passus, in dem der Schwerpunkt der ganzen „Beweisführung" liegt: „Deutschland ist außerdem (!) ein durch und durch monarchisches Land. Der Berliner Geldmarkt wird, ungeachtet des UeberwiegenS jüdischer Elemente auf demselben, solche Forderungen an unS nicht stellen, wie fie, obwohl nicht offiziell, m Paris und insbesondere in der stanzöfischen radikalen Presse gestellt wurden. . ." Man sieht: Es ist nicht leicht, der Offiziöse einer Regierung zu sein, die bald hier, balo dort um Geld zu betteln hat. England. London, 26. Juli. Am 23. Juli wurde vor dem Richter Kekewich über das Gesuch der jüdischen Nationalbank um Genehmigung der von der Generalversammlung im vorigen Jahr beschlossenen Statutenänderung verhandelt. Die Aenderung bezieht sich auf die Festlegung der Gebiete, deren Kolonisierung die Bank fördern soll. Während das Statut bisher in dieser Beziehung außer Palästina und der übrigen asiatischen Türkei auch irgendwelche andere Gebiete der Welt einbegriff, soll nach den neuen Beschlüssen jedes nicht in Kleinafien liegende Territorium ausgeschloffen sein. Damit soll einer Tätigkeit der Bank im Sinne der Jto vorgebeugt werden. Deren Führer haben aber gegen das Gesuch der Bankgesellschaft Widerspruch erhoben; sie ließen sich in der Verhandlung ebenso wie die Leiter der Bank durch Anwälte vertreten, Herr Zanawill erschien in Person. David Wolfsohn, der Präsident des zionistischen Aktionskomitees, der Sekretär der Bank Hermann Neumann, S. Goldreich von Johannesburg, Lewin Epstein von New-Aork und I. L. Goloberg von Wilna haben sich bei chrer Vernehmung als Zeugen zu Gunsten, Zanawill, Clement Salamon von London und Urilsschsohn von Grodno zu Ungunsten der Statutenänderung 'ausgesprochen. Die darüber aufgenommenen Protokolle wurden verlesen. Der Richter sprach nach den Vorträgen der Parteien die Ansicht aus, daß die Zeit, in welcher sich die über die ganze Welt zerstreuten Inhaber von Shares äußern konnten, nicht genüge, er verkündete daher den Beschluß, die Erledigung des Gesuchs einstweilen zu vertagen. In der Begründung führte er aus, die Sache habe keine. Eileniemand habe einen Grund sich gegen eine Vertagung zu wehren. Anderseits liege Veranlassung vor, zunächst eine weitere Erörte-- rung der Frage zu ermöglichen. Er glaube wohl, daß er die Tragweite der Sache nicht ermessen könne, aber er bemühe sich die Einwände der Gesuchsgegner zu verstehen. Die Frage scheine ihm für die Judenheit von großer Wichtigkeit zu sein, es liege im Interesse der Judenheit, daß reichliche Gelegenheit zur Erörterung des Streites gegeben werde, daß man die Aenderung nicht ohne möglichst allseitige Zustimmung vornehme. Er habe gewiß den Eindruck, das sich als letztes Ziel des ganzen Werkes die Besiedelung Palästinas.darstelle. Es könne jedoch sein, daß die Kolonisation in Argentinien und anderwärts ein Mittel zur Erreichung dieses Zieles biete, und es wäre doch eine sehr ernste Sache, solche Mittel auszuschließen. Er überlaffe es den Parteien, ein Zirkular vorzubereiten, durch das in gewissen Zwischenräumen in den Ländern, wo Besitzer von Aktienanteilen wohnen, auf die Frage öffentlich aufmerksam gemacht und der Tag bezeichnet werde, bis zu dem Einwendungen gegen die Statutenänderung vorgebracht werden können. In einer Konferenz des Richters mit den Anwälten wurde dann die Vertagung bis zum 7. April 1908 vereinbart. Die Parteien haben den Entwurf eines Zirkulars und die Liste der Zeitungen, in denen dasselbe veröffentlicht werden soll, dem Richter zur Genehmigung vorzulegen. _ London, 25. Juli. Der Londoner Board of Guardians hatte am Ende des vergangenen Jahres mtt dem ansehnlichen Defizit von 12000 Pfd. (240000 Mk.) abgeschlossen. Durch Zuhllftnahme der dem Verein gestifteten Legate — ein Ausweg, der auf die Dauer nicht gangbar ist — wurde dasselbe auf 5000 Pfd. reduziert. Nun ist nach einem halben Jahr die Situation diesetrefflichen Vereins, der sich um die jüdische Fürsorge in London so außerordentlich verdient gemacht hat, wieder ungünstiger geworden, als sie es am Ende von 1908 war, und wenn die Dinge sich so wie bisher weiter entwickeln, so wird sich die Verwaltung am Schluffe dieses Jahres einem Defizit von etwa 15000Pfd. gegenübersehen. Ein so erfreuliches BUd diese Ziffern von der Hllfsarbett des Board entwerfen, — ein solches Defizit ist ein wirklicher Rrchmestitel — so find doch die Schwierigkeiten, die sich daraus für die Verwaltung ergeben, recht bedauerlich. Vorläufig ist es eine offene Frage, wie man sich mit diesen Schwierigkeiten wird abfinden können. Palästina. Jerusalem 10. Juli. Herr A. Grajewsky, Inhaber des Reisebureau Tabor in Jerusalem, der die rituelle Verköstigung auf der letzten vom Wiener zionistischen Zentralverein veranstalteten Gesellschaftsreise nach Palästina übernommen hatte, teilt uns mit, daß er angesichts der bedauerlichen Vorkommnisse von damals seine Beziehungen zum Zentralverein gelöst habe und bei der nächsten Palästinareise seine Küche unter die Aufsicht des Jerusalemer Rabbinats stellen werde. Wir bemerken dazu, was wir schon früher betont, daß die Teilnahme eines von einem europäischen orthodoxen Rabbiner bestellten ivivan der Reise unbedingtes Erfordernis ist. vemircdter. Frankfurt a. M., 20- Juli. Die Talmud- Thora und Jeschibah Chatam Sofer in Sgfes wird von hervorragenden Rabbinern aller Länder eine sehr werwolle und verdienstvolle Institution zeichnet, die um so mehr die Unterstützung aller Fr«

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