Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 30 (25.7.1907)
- Date
- 1907-07-25
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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sör* Pädagogische j^ei( age min stoch einmal 4er Mmemdersttche Ccbrplan. Unfer Kollegs Herr Lebermann-Därmstübt Ihat seinem im Jahrgang 1906 veröffentlichten Lehrplan eine ausführliche Begründung von der -Notwendigkeit eines solchen vorausgeschickt. In Württemberg wäre das ein recht überflüssiges Beginnen. Dort würde man den Gedanken, ohne einen Lehrplan zu unterrichten, einfach für lächerlich halten, denn seit langer Zeit ist man in dem Schwabenlande an eine zielbewußte Arbeit gewöhnt. Eine natürliche Folge davon ist es, daß man sich den Lehrplan im ganzen und in seinen Teilen recht genau anfieht und Kritik daran übt. Wenn nun gar ein neuer Lehrplan erscheint, so wüßten wir wirklich kein geeigneteres Thema für eine Lehrerkonserenz als die Besprechung desselben. Auf der diesmaligen Tagung in Stuttgart hat sich nun der Lehrplan eine -recht scharfe Kritik gefallen lassen müffen, die scheinbar mit der wohlwollenden Besprechung in der ^jüngsten Nummer von „Erziehung und Lehre" in Widerspruch steht. Um Mißverständnisse zu beseitigen, wollen wir bemerke«/ daß letztere geschrieben war, bevor das Protokoll der Stuttgarter Versammlung erschien. Würde es sich nur um die Ansicht des Herrn Kollegen Spatz handeln, so hätten wir keine Veranlassung nochmals auf oie Sache zurückzukommen. Wir nehmen für uns das Recht .in Anspruch, eine von dem Herrn Kollegen ganz verschiedene Meinung zu haben " und sie auch zu vertreten. Anders verhält es sich, wenn, wie es nach jenem Bericht in den „Blättzrn für Erziehung un dUnterr." zu sein schein, sämtliche württembergische Lchrer auf Seite des Herrn Spatz stehen würden. Nun soll aber die'Berichterstattung des Schriftführers über sein eigenes Referat, nach einÄ uns gewordenen zuvÄässiaep Mitteilung, eine recht einseitige sein. Wir stellen zunächst fest, daß unsere Besprecht:^ nur eine Beurteilung des Geistes war, der aus beim neuen Lehrplan spricht und daß sie sich auf die Kritßk von Einzelnheiten nicht eingelassen. Auch in Württemberg find die Behältnisse in den einzAnen Gemeinden so versckichen, daß eür Le^eplan ganz unmöglich für alle Schulen eines Landes paffend sein kann. ES hieße ja auch den EharaktSr eines solchen Nörmmlehrplans durchaus verkennen, wenn man das erwarten wollte. Die Ansichten der jüdischen Lehrer Über alle Fächer des Religionsunterrichts weit auseinander, gehen überdies leider nocy zu als daß es möglich wäre, eine allseitig befriedigende Arbeit zu kiefern. Wir wollen dies an einem Beispiele Nachweisen. Wann soll man mit dem Unterricht im Lesen des -Hebräischen anfangen? Bor dem Beginn des Schulunterrichts verlangt der eine mit großem Eifer, „damit den Kindern schon praktisch die Superorität von nvmpii NUN zum Bewußtsein gebracht werde"/ gleichzeitig mit dem Deutschen dürfe man nicht beginnen, weil das Erlerne zweier Alphabete die Kinder verwirre. Dieses Verfahren verwerfen wieder andere und halten eine Bilderfibel, die sich möglichst genau dem Lehrgang der deutschen Lesefibeln anschließt, für geeignet, diese Schwierigkeit zu beseitigen. Nun kommt der Dritte und schlägt vor: der Unterricht beginne ein halbes Jahr nach dem Eintritt in die Schule, wenn die Kinder einigermaßen das Deutsche zu lesen verstehen. Das verlangt auch der alte württembergische Lehrplan. In vielen norddeutschen Schulen aber beginnt man erst im zweiten Schuljahr damit und der neue württembergische Lehrplan schließt sich dem an und verlangt für das erste Schuljahr nur eine Art vorbereitenden Unterricht, was wir, nebenbei gesagt, nicht für das Richtige halten. In ähnlicher. Weise gehen die Ansichten über den systematischen Religionsunterricht, über hebräische Grammatik, über Bibellesen usw. weit auseinander. Solange nun eine solche Verwirrung in den Köpfen herrscht, ist jede Kritik eines Lehrplans cum grano salis, ja, um mit Johannes Scherr zu sprechen, mit einem großen Brocken Satz zu verstehen und denjenigen Lehrplan möchten wir für den besten erklären, der dem Lehrer die meiste Freiheit läßt und den weitesten Spielraum gewährt. Er soll nicht eine Zwangsjacke für den Lehrer, sondern nur der Rahmen fein, der von ihm auszufüllen ist und erst dann würden wir die scharfe Kritik billigen, die an dem neuen Lehrplan geübt worden, wenn seitens der Rabbiner oder der Oberkirchenbehörde gefordert würde, daß man sich sklavisch daran binde. „Wie in einem Feldzug nach Moltke'schem Rezept die Gedanken uno leitenden Ideen nur in den Hauptzügen voraus bestimmt werden, deren Ausführung jedoch dem verständigen, genialen Erfassen der Unterführer in die Hand gegeben ist, so kann auch ein Lehrplan nur anregen und richtunggebend wirken, während es dem verständigen Lehrer überlassen bleiben muß, nach Lage der Verhältnisse, Zahl und Befähigung der Schüler, dem Plan Leben einzuhauchen, ab- und zuzugeben und den Boden für eine geregelte Durchführung des Planes zu schaffen." In Bezua auf die Auswahl der zu übersetzenden Gebete uno Pentateuchstellen läßt der neue Lehrplan im Gegensatz zu früher volle Freiheit. Aber nicht das ist das Hochbedeutsame und Charakteristische an ihm, sondern — und das kann nicht oft genug betont werden — die Entschiedenheit, mit der hier eine Vermehrung der Unterrichtszeit für das Hebräische über die gesetzliche Pflichtstundenzahl der Lehrer hinaus gefordert wird und die Bereitwilligkeit, die Lehrer für diesen freiwilligen Unterricht angemessen zu honorieren. Anderswo beklagt man den Rückgang der Kenntnisse in den hebräischen Fächern, hier stellt man die Mittel bereit, ihn nach Kräften aufzuhalten. Und noch ein anderes ist charakteristisch für den neuen Lehrplan. Er hat mit de« württembergische« „Lehrbuch der israelitischen Religion", dieser Qual für Lehrer und Schüler, endgültig gebrochen. „Der Unterricht in Religionslehre soll nur eine Ordnung und Zusammenfassung, eine Vertiefung und Verknüpfung debei dem Unterricht in' biblsscher ^schichte und beim Uebersetzen der Gebete Md des. Pentateuchs, sowie beim Bibellesen erworbenen Schatzes von religiösen Begriffen und Ideen sein/ nicht eine steife, trockene, philosophisch grübelnde, sondern eine lebenswarme, lebenspendendende und begeisternde Erhebung des Gemüts und Erhaltunoes religiösen Bewußtseins." Bei einer solchen Auffassung von der Aufgabe und dem Zweck der Religionslehre ist allerdings für das /^Lehrbuch" kein Raum und es ist Zeit genug, wenn man mit dem fünften Schuljahr an diese Ordnung und Zusammenfassung herantritt. Gegenüber diesen Vorzügen verschwinden wahrlich die kleinen Mängel und „Unstimmigkeiten", die ihm anhaftm. Kritik ist nützlich und förderlich, aber auch Anerkennung darf nicht fehlen, da wo sie am Platze ist und Herr Kirchenrat Dr. Kroner hat sich mit. dem neuen Lehrplan um das württembergische Religionsschulwesen verdient gemacht. Das Wircde 6ymna$i«ai in s! Mg. totor. Bon Dr. s Rüh. Heinschel. Die letzten Reichsratswahlen haben, für uns eine neue Lehre gezeitigt: Wir stehen in Oesterreich nicht mehr im Zeichen des Rationalismus! Was wir von dem radikalen schwarz-roten Reichsrat, waS vom RadtkaltSmuS überhaupt zu erhofft« haben? Daß er rücksichtslos, hochmütig, gewalttätig alles zerstören wird, waS chm hindernd in den Weg treten, daß er die Knute schwingend, jede Eigenart unterdrücken mtb nur der Macht die Herrschaft zuerkennen wirb. WaS wir Juden von dm keiden radikalen Parteien, die ja die Mehrheit im ReichSrar haben, zu erwarten haben, ist mit wenigen dürren Wirten gesagt: Haß oder Gleichgiltigkeit, Verfolgung oder Mißachtung: jkdd mp ßOD mpV Die Einen werden mit allem Rachdruck fördern, wir sollen nur Mensch:«, aber nicht Juden fein — als koenn Judentum nicht mit wahrem Mmschentum identisch wäre,- die Andern werben unter, dem Dechnanttt der christlichen L ebe, auS purer Liebs zu unS verlangen, daß wtx nicht mehr Menschen, ie ihrer religiösen Eigenart und ihrem StammeSoewußtsetn leben, sein dürfen. Kurz, wir gchen einer schweren Ze t entgegen. Es ist wohl wahr, daS Judentum har schon schwerere Zetten überdauert, allein zu jenen Zetten war eS bas ewutztsein, dke tieft rimete Ueberzeuguna, die V welche mitten im Sturm und Drang brr Zeiten, >bm. im Judentum verharren hieß. Freilich macht der Umstand, daß sich einzelne lose mW untätige Glieder infolge des Druckes von Außen vom Juberttum lossagen, die Gefahr nicht fürchterlicher. Jene indifferentm nicht funktionierenden Glieder am Leibe des reli im Glaul