Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 30 (25.7.1907)
- Date
- 1907-07-25
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Der : ^greifend tvnßt« Herr RaLbinatsassessor an der Bahre den Gefühlen der. Trauer um Heimgang dieses Mannes Ausdruck zu geben, Bermst in unserer. Zeit doppelt schwer, empfun- Witt).: Ging doch mit Mathias Apelt ein leuchtzytzdes Vorbild dahin, ein charakterfester Jehudi, der in allen Fährnissen und Prüfungen des . Lebens ährte und der auch sein Haus mit Frau und _ «rn zu einer Stätte zu gestalten verstand, wo «an für ^-,-,1 zi-m und Ev,-> Ol'p allezeit ein warmes Herz und «ine tatkräftige Hand hatte. .----Herr Di rektor Lange rief dem pflichttreuen Sichrerder mit Liebe an fernem Beruf und seinen Schülern hing, den Dank des Lehrerkollegiums und . der Schüler nach. Möge Gott den Hmterbliebenen Trost .urch Kraft verleihen und der Gedanke sie erheben, daß man in weiten Kreisen wohl zu würdigen weiß, wer Mathias Apelt gewesen ist. ' Der f «Kitt, fl> SMchraal. Kiffingen, 31. Juli. Geehrter Herr Redakteur! omer „Rebby", der gegenwärtig hier feinem ganzen Hofstaat in einem Restaut rituellen Erforbernissm keineswegs Gr d«kt sich dabei mit bet AuSrwe rD'^NlV1 to, obphon der hiesige Rabbiner haben soll, daß er in jmem Restaurant nicht dürfe. . Durch, den „Reböe" werben bedauerlicher »och viü» andere polnische und russische Juden ver jenes Restaurant zu frequentieren. Der hiesige " err Dr. Bamberger ist allerdings dabei nicht fretzufprecheu, denn er sagt wohl, wenn man chu fragte daß man bei Ehrenreich oder Selig ohne Bedercken effen dürfe. Dies genügt aber nicht. Er hat als 27» «mch die Pflicht, daraus aufmerksam zu machen, wo »um nicht essen darf. Niemand könnte dem Rabbiner Meüber einen Borwurf urachen, und das Publikum wäre dar anWM geschützt. Angesichts der bei dm hiesigen jüdischen Metzgern herrschenden Be hältniffe wird man gewiß nicht behaupten Wnnen, daß eine solche Erllärung Luxus wäre. Schlaumau ben David. fest. TT mMon. au u JV«$ den flammen. Eine Geschichte aus Lithauen von S. Schachuolvitz- Endingen. HI. «Und wo ist das Geschäft?" unterbrach Zemach unwillig. -0. „Das Geschäft? Laßt mich ausreden. Ich habe etwa 200 Rubel Erspartes liegen, ist bei mir schlecht und unsicher ausgehoben. EinSchnei- .... der ist kein Kapitalist. Ihr seid Kaufmann und! wißt, wie man so was anpackt. Also — unterbrecht mich nicht — Ihr nimmt das Geld, baut damit Euer Häusel auf, handelt und gibt es mir wieder, sobald Ihr es nimmer braucht." „Was soll das?" sagte nur Zemach. Zorn und Staunen lagerv in feiner Stimme. „Das soll Euch nützen und mir auch. Aber wenn Ihr nicht wollt, auch gut! Man kann •/ keinen zwingen. Ueberlegt es es Euch nochein- ' mal. Und nun seid machet!" Er ging. Und Zemach überlegte. „Wenn ich nur wüßte, was der Schneider dabei hat?" sagte er. „Unbegreiflich!" bestätigte Lea. „Aber weißt Zemach, er macht sich ein Gewissen daraus, daß '• er uns das Kind abtrünnig gemacht. Und nun -• WÄ er es gut machen:" „Er hat nichts gut zu machen und ich nehme fein Geld nicht!" „Aber das Häusel, das zu Grunde geht? ' Und wenn doch schließlich, wie er sagt, auch ihm 7 damit gedient ist?" „Wollen es noch einmal überlegen!" ' Und sie überlegten noch einmal und noch ein- < mal, und sie überlegten jeden Tag und jeden Ubmd. Und nach acht Tagen holte Zemach das . Geld. Das Häuschen wurde bald neu hergerich- 'M und der Handel verbesserte sich ganz ^wesentlich. v Und wieder kam der Schneider. Und jetzt wurde er immer mit aufrichtiger Freundschaft empfangen. Drei- bis viermal im Jahre brachte er neue Gelder, die im Geschäfte angelegt wurden, das nie so groß und blühend war als jetzt. »Hätte es nie geglaubt, daß das Schneidergewerbe soviel abträgt!" wunderte sich Zemach jedes Mal. „Da sollt Ihr erst hören, was so etn-iunger, tüchtiger Schneider dort in Amerika verdient!" war die regelmäßige Antwort Koppels. Die Eltern glaubten zu verstehen und schwiegen. Und wenn Zemach von Abrechnen und Zurückzahlen sprach, da sagte Koppel: „Laßt es noch sein! Einen besseren Verwalter hätte ich für das Geld auch nie finden können." So verginge»! Jahre. Es waren Jahre des steten Aufbmhens für das Haus Zemachs. Er war lange kein Handelsmann mehr, sondern Großhändler, für den unzählige kleinere Händler arbeiteten,' Rohprodukte und Getreide einkauften, Maklerdienste leisteten und in ihm ihren Ernährer sahen. Sein Ansehen stieg ganz gewaltig, da er als Nogid als „Gewir" der alte talmudkundige und fromme Zemach blieb. Umsomehr fiel seine intime Freundschaft mit Koppel, dem Schneider, auf, mit Koppel, den er früher in den Tagen der Not verachtet, ja gehaßt hatte. Wußte es doch keiner, daß es das Schneidergeld war, das so viel Glück brachte, das Schneidergeld, dessen Verwalter er auch jetzt noch wohl oder übel sein mußte. „Es ist hart," senkte Lea, „daß Berits der schwere Zeiten mit uns mitgemacht, nun'kein Lebenszeichen von sich gibt und sich der besseren nicht mit uns freuen darf." Darauf hatte jeder seine eigene Antwort. „Er hat die harte Zeit bei uns nie recht mitgemacht. Daß er es aber seinen alten Eltern gar so machen könnte, hätte ich doch nicht geglaubt," sagte der Vater. Seine Stimme klang weicher als sonst, wenn er von Berit sprach. „Dem Berit geht es gut," sagte der Schneider, darauf verwette ich meinen Kopf!" Und Leibele, der nach dem Brande stch bald dem väterlichen Geschäfte rugewendet hatte und bei Gelegenheit gern weise Reden, wie er sie als eifriger Anhänger der neuhebräischen Literatur täglich aus Zeitschriften und Büchern einsog, meinte wichtig: „Berl war, soweit ich mich seiner erinnere, ein Charakter, abgerundet und abgeschlossen wie in Marmor gemeißelt. Heute werde ich ihn besser verstehen." „Abgeschlossen und abgerundet, wie gemeißelt," bestätigte der Schneider, „so hat mir seitdem noch keiner ein Knopfloch ausgeschnitten, einen Aermel angenäht." Ueber dieses Mißverständnis ärgerte sich Leibele nicht wenig. Die einzige, die seine Worte verstand und noch mehr hineinlegte, war Sorle, die rot wurde und unter irgend einer Ausrede sich entfernte. Ihr nach wie immer der kleine Jakob, der Jüngste im Hause Zemachs. Hier auf dem Platz, wo einst Berf gearbeitet, saß wie gar oft auch jetzt der schöne ernststille Knabe und ihm, dem Neunjährigen, ihrem klugen verschwiegenen Freunde, schüttete das Mädchen sein übervolles Herz aus. „Der Berl, liebes Kind," sagte sie und ihr schwarzes Auge glühte, ihre rosigen Lippen bebten. „Der Berl? Hast, ihn nicht gekannt, warst kaum ein halbes Jahr alt, als er ging. Solche Menschen wie er gibt es nicht viele. Hier auf diesem Platze saß er und arbeitete. Er sprach nicht viel und was er sprach, war geläutertes und gewogenes Gold. Er wollte nie zu viel, aber das, was er unternahm, führte er meisterhaft durch. In seinen gemeffenen.Schritten und Reden lag etwas Weltbezwingendes. — Hast Du gehört, was heute Leibett über ihn sagte? — Hast auch gehört, was mein Vater von seinem Kopfe und seinen Händen spricht? Hast auch gehört, wie deine Mutter über das goldene Herz klagt? Alles wahr und noch vttl mehr. — Unddürste ich es sagen, wie er in seiner Art seine Eltern so glühend liebt, seine Eltern und Geschwister, die ihn nie verstanden. — — Und der Knabe, der feinen Bruder nie gesehen, bebte vor Sehnsucht und sagt mit weinerlicher Sttmme: „O, wie liebe ich ihn, den Berl!" — „Ja, du liebst ihn auch, ich weiß es" Und Sorle druckte den kleinen Lockenkopf leidenschaftlich an ihre wogende Brust und bedeckte ihn mit Küssen. * * * Genau zehn Jahre waren verflossen seit dem mächttgen Brande, der die große Umwälzung im Städtchen gebracht und dem auch Zemach die Wendung seines Schicksals verdankte. Da erkrankte Lea. Sorle, die Schneiderstochter, ließ es sich nicht nehmen, bei ihr Tag und Nacht zu wachen, und das anmutige Mädchen, das, mutterlos wie sie war, längst in Lea eine zweite Mutter gesunden, erwies sich auch als liebe, aufopferungsvolle und gewandte Krankenwärterin. Und es hörte sich seltsam an, wie Zemach oft an Koppel dessen bei anderer Gelegenheit selbstgemünzte Worte richtete: „Sie hat Kops und Hände das Mädchen, sie ist nirgends verloren." In einer Nacht fieberte Lea stark und ries fortwährend: „Berl! Mein Berle! Das goldene n!" nd als das Fieber nachließ und die Patientin in einen ruhigen Schlaf verfiel, da schloß sich Sorle in das nebenanliegende, für sie reservierte Zimmer ein und schrieb —. Sie schrieb die ganze Nacht, viele, lange, warme und liebeserfüllte Sätze und als sie ihren langen weitläufigen Brief noch einmal durchlas, zerriß sie ihn wieder und schrieb auf einen kleinen Bogen nur die wenigen Worte; „Lieber Bernhard! Laß genug sein des grausamen Spieles! Deine Mutter verlangt nach Dir, so komme gleich, daß es nicht zu spät wird^ Auch erwartet Dich Deine Sorle!" Und auf die Adresse: „Mr. Bernard Barchow, Manufaktur und Konfektton Engros in New-Aork." (Schluß folgt.) Sabbat-Anfang u. Ausgang. pnnto ORT: 1 Anfang Datum Ausgang Uhr >Min. 1907 5667 Uhr Min. ÜI.Juli 16. Aw Frankfurt a M 7 40 9 10 Berlin .... — — S 03 München . . 7 15 8 44 Strahburg . 7 15 9 OO Pose« . . . . — — 8 40 Breslau . . — — 8 40 Nürnberg. . . — — 8 52 Stuttgart. . . 7 30 8 56 Prag.| 8 10 8 40 Tamiliennacftricbtcn. (Unseren Abonnenten steht diese Rubttk kostenlos zur Verfügung. Nichtabonnenten haben für die Austrahme jeder Notir eine Gebühr von 1 Mk., die gleichzeitig einzufenden ist zu entrichten. Die Sendwmen müssen immer spätestens am Mittwochs Bormittag vor dem Erscheinen der jeweiligen Nummer in unseren ^ändensiin^»!^^^ mimt thal, Frankfurt a. M.-Breslau. — Recha Ellern mit Emanuel Forchheimer, Karlsruhe - Bndatzest. — Flora Strauß mit Julius Rothschild, Homburg v. d. H.-Wiesbaden, Alsfeld. — EnunaZuckermitBennhHeidelberger, Aub-Mergentheim. — Frieda Re i s mtt Moritz Steiermann, Frankfurt a. M.-Biblts. Auguste Schreibet mtt Lehrer Nathan Levi, Anröchte i, W.-Bentheim. Geburten: Ein Sohn: Boden Heime r (Bodenheimer), nnkfurt a. M. — Mayer (Wolf), Frankfurta.M. — Selig chwarzschild (Rodenberg), Newyott. — Eine Tochter: Emil GottfchalllKahn), Köln. — Max Popper (Neuburger), Frankfurt a. M. Veratorben: Lehrer Matthias Adelt, 711., Franktrt a. M. — Henriette Baer, 67 I., Frankfurt a. M. — iejmtj Wechsler» 51 I., München. Theresia WormS, i I., Frankfurt a. M. — Eduard T raum an n» 88 I., Mannheim.