Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 30 (25.7.1907)
- Date
- 1907-07-25
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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r- Malen den Versuch, den Beschluß des «des auf Grund des Talmuds und 'Kutscher Entscheidungen zu rechtfertigen, ein der ebensowenig auf jemand Eindruck wird, wie er ehrlich gemeint sein kann. ADer Rabbiner Lubetzki in Paris hat in einem ^ben an die beiden Pariser jüdischen r mitgeteilt, daß schon der verstorbene ZpHoc Kahn die mariaxe k clause resolötoire ein geführt hätte, aber auf eine „Schaaloh" bei Jizchack Echanan in Kowno die ge- LÜ^enoe Antwort erhielt und daraufhin den I pfin fallen ließ. Dennoch soll jetzt aus Talmud ^ÜndKodizes selbst die Scheidung durch den V2, der D ste.ganze Bände widmen, als überflüssig nach- «seu werden! Wi^-sein Kollege Lubetzki, so auch Rabbiner Weißkopf in Paris gegen die Affe der Rabbiner» Versammlung in der e entschieden protestiert. Hoffen wir, daß "scheu Rabbiner durch den lauten pruch aller derer, denen noch etwas heilig Judentum ist, gezwungen werden, das Zer- “!/ das sie geplant, aufzugeben. Mkrcde 5vv»äalrvmpdovie. Zweiter Satz: „Flieder mH Dr. bitaensfein." (Schluß.) Man sollte es nicht für menschenmöglich halten, daß Männer von hervorragender Bildung, Minner in so hohen Stellungen, wie die Mitglieder des Oberrats, es fertig bringen, einen tadellosen, allgemein geachteten Alaun, einen echten Menschenfreund, wie Dr. Löwenstein, als gehässigen Verächter seiner Mitwelt, als Aufrührer segen die Gesetze des Staates hinzustellen. - Und meldet uns das vom Oberrat selbst herausle, von ihm selbst im ganzen Lande verjüngste Verordnungsblatt, daß der Oberrat sich nicht scheute, den Namen und die Ehre dieses Mannes in den Staub zu zerren, um die systematische Zurücksetzung der Orthodoxie und die dauernde Ausschließung des hochverdienten, aber orthodoxen Bezirksrabbiners Dr. Löwenstein von der einflußreichsten Körperschaft des Landes zu rechtfertigen. Allerdings mußten zu diesem Zwecke die juristisch hochgebildeten Herren des Oberrats weit ÜÜ6W einen Zeitraum zurückgreifen, nach dessen sonst die schwersten Verbrechen längst jährt sind. Nach dem deutschen Strafgesetzbuch die Strafverfolgung selbst bei Kapitalverbrechen nach zwanzig Jahren auf,- das Staatsverbrechen Dr. Löwensteins muß noch nach mehr als 30 Jahren aufs schwerste geahndet werden. KM. welches Verbrechen hat sich Dr. Löwenstein als zu niedrig hatten,' so habe ich die Zahl eher zu gegriffen. Der Redner schilbette das Leben und Wirken seines Helden, als gefeierten Arzt, als Philosoph, Astronom, als den unerreichten Kodifikator des Talmud, erzählte seine Lebensschicksale und verweiltebesonders bei der Verkennung, Anfeindung und Verbrennung seiner Schrif en, die er auf das Konto der fanatischen Unduldsamkeit der orthodoxen Stocktälmudtsten seiner Zett setzte. Auf diese Wrjse brachte der Redner daS Kunststück fertig dw Rambam seinen unkundigen Zuhörern, als den HeroS des «liberalen", „freisinnigen", von den Orthodoxen vrrfehmten Reformjudentums darzustellm, alS dm Bannerträger einer Neum »era und als die. ideale LichtgHalt des von ter Buchstabengläubigkett emanzipierten, geläuterten Judender Zukunft, von deren leuchtendem Glanze die stm Strahlen auf den Redner selber zurückfielen. Welch eine Fälschung der GMtchte, welcke Berkanden Manm dieses Großen, welche AVfalls- >a, welche Aussaat des Abfalls und Leichtsinns de" eine solche Gedächtnisfeier bedeuten, wenn sie hmte ft wieder vollständig der Erinnerung entschwunden >! DaS Gros der Zuhörer hat dm Ramm des rides und dm RamvamlSngst wieder vergessen/ wieder einmal hundett J«chre Linaezygm fein werfle bei der nächsten JubiNumsseier vielleicht zurück-^hiS dähw bleivtalleS Vetzn Alten. ca Mw so.daß Mützen ein selbst _DerJSweltt.;U Schulden kommen lassen? Man höre und aune! Er hat in dem Kreise der Landgemeinde gepredigt. In welch „wenig rücksichtsvoller", „nicht geringen Anstoß" erregender Art, ja in welch „kränkender Weise", (Berordnungsbl. S. 47) Dr. Löwenstein damals in seinen jungen Jahren vorgegangen ist, beweist am treffendsten das schallende Gelächter, das die Verlesung der betreffenden Predigtstelle bei den gewiß feinfühligen Synodalherren vom 18. März 1907 auslöste und das in dankenswertester Weise dasselbe Verordnungsblatt eine Zeile weiter der Nachwelt als „Heiterkeit der Versammlung" dokumentarisch überliefert. Kann es nach dieser scherzhaft-spöttischen Ironisierung der Uebertreter der Speisegesetze noch zweifelhaft erscheinen, daß Dr. Löwenstein als unduldsamer Fanattker für Jahrzehnte hinaus ein für allemal die Anwartschaft auf eine Oberrytsstelle verwirkt hat? Mußte überdies Dr. Löwenstein nicht gebührende Rücksicht nehmen auf die- R Mitglieder der jüdischen Oberbehörde ndessynagoge, die öffentlich und geflissentlich jüdische Grundgesetze, Speisegefetze und Sabbathgesetze, ohne Zwang und ohne Unterlaß entweiben? Hat da Dr. Löwenstein die geziemende Achtung vor den Organen der Landessynagoge bewiesen? Was will es gegenüber diesem Löwensteinschen Scherzworte von vor dreißig Jahren heißen, daß Orthodoxe sich gekränkt und beleidigt fühlen, wenn heute noch — nicht im weltvergessenen Winkel einer Landgemeinde, sondern — von der Kanzel der größten Gemeinde des Landes herab ein Herr Reformrabbiner gegen die scheinheilige Orthodoxie mit Händen und Füßen wütet? Wenn auch zeitweilig so mancher Nichtorthodoxe trotz langjähriger Gewohnheit und Abhärtung hierüber nervös wird und aufbraust — es ist sicherlich nicht so schlimm gemeint, der Herr Reformrabbiner gehört ja selber der obersten Behörde der Landessynagoge an, hllst ihre Gesetze verfassen und begründet sie vom theologischen Standpunkte aus und wird also sicherlich nicht die geziemende- Achtung vor den Organen der Landessynagoge untergraben wie der böse Dr. Löwenstein. So zeigt uns dieser an sich höchst unscheinbare, aber mit vieler Mühe von Geh. Regierungsrat Mayer aus alten staubigen Akten vergangener Jahrzehnte ausgegrabene Fall, mit welch vergeblicher Mühe und Einseitigkeit man es versucht hat, Dr. Löwenstein den Stempel der Unduldsamkeit und anderen persönlichen Makels auf die Sttrne zu drücken, wie aber überall und in allen Fällen der Gegensatz religiöser Standiwk Shte handelt. Der dilettantenhaften Behandlung der chichte durch Borttäge in Vereinen, wie sie heute fach betrieben wird, hat noch Niemand einen dauernüm, bildenden Wett zuerkannt.. Ueber den Schaden, den dagegen eine solche Behandlung der Geschichte im Gefolge hat, kann man fich durch Lektüre der hterhergehörigen Literatur leicht unterrichten. (Ich verweise z. B. auf Fr. Nietzsche: Unzeitgemäße Betrachtungen. Zweites Stück: Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben. — H. Grimm inseine» „Unüberwindlichen Mächten" und Dr. Georg Stöckert. „Ueber den Bildungswert der Geschichte"). ES wäre intereflant, einmal ein Verzeichnis aller Anläße zusammen zustellcn, nach welchen man hmte gierig hascht, um Beranlammg zu einer Jahrhundert-, Halbjahr- Hundert- und selbst Btttteljahrhunoertfeicr zu haben. Am charakteristischsten finde ich Sie Verquickung, die man zwischen Geburtstags- und JuvilSumSfesten glücklich dadurch zuwege gebracht hat, daß man nicht nur die Geburtstage lebmder, sondern auch gestorbener- Personen feiert, sobald 100, 150. usw. Jahre seit dem Tage ihrer Geburt verflossen find! Dis Einzelnen, die eine solche Feirr wagen, mögm dabei auS wirkliche) Aber 6 6 . xhgHge zu Tage trat, liegt in seinem " und kann itt seinem Ernst durch je verhüllt werdenfeiet Zeit hchlgen an der- Zeit und chm Festen punkte und religiöser Betätigungen aufs deutlichste hervorleuchtet. In welch unverantwortlicher Weise das fürsorgende Wirken eines ernstlich um die Erhaltung des Judentums sich bemühenden Rabbiners durch den Oberrat beschränkt und vereitelt wird, zeigt der zweite Fall,-der ebenfalls drei Dezennien zurückliegt und mit dessen Heranziehung Herr Geh. Oberregierungsrat Mayer wiederum die „wenig rücksichtsvolle Art" belegen wollte, mit der Dr. Löwenftein „seine strenge religiöse Richtung" vertrat. Dr. Löwenstein hatte nämlich die Dreistigkett gehabt, entgegen der Anschauung des Oberrats der pädagogischen Ueberzeugung zu sein, daß es nicht eben fördernd auf das zarte Empfinden junger jüdischer Kinderseelen einwirken rönne, wenn ihr Blick jahraus, jahrein auf die Heiligenbilder und Kruzifixe geheftet sein müsse, mit denen die Schulräume des bisher katholischen Schulhauses geschmückt waren. Er wünschte deshalb nach Einführung der gemischten Schule die Entfernung der spezifisch katholisch-christlichen Embleme aus den Räumen, in welchen jüdischen Kindern jüdische Religion gelehrt wurde. Jeder vorurteilsfreie und gerechte Christ wird dieses Verlangen für völlig berechtigt halten. Es blieb einer jüdischen Oberbehörde Vorbehalten, Dr. Löwenstein ob dieses durchaus natürlichen und durch den elementarsten Trieb der Selbsterhaltung geforderten Wunsches als Fanattker hinzustellen. Das sind wahrlich keine persönlichen Schrullen und nicht der Ausfluß eines unverträglichen Charakters, wenn ein wahrhaft jüdischer Seelsorger im Vollbewußtsein der schwer auf ihm lastenden Verantwortung für die Zukunft der jüdischen Jugend seine ernsten, prinzipiellen Forderungen stellt. Jeder Mann von echter Herzensbildung wird darob in Hochachtung sich neigen/ die jüdische Oberbehörde lohnt es dem jüdischen Seelsorger mit Verurteilung und Ausschließung. Ein weiterer, dritter Punkt, der Herrn Dr. Löwenstein vom Oberrat zur Last gelegt wurde, der aber mit kaum zu überbietender Deutlichkeit den ganzen Fluch des oberrätlichen Systenrs klar legt, war der Fall Rosenthal. Der Religionslehrer und Schächter Rosenthal hatte während einer Militärübung vom Religionsgesetz verbotene Speisen genoffen. Der gesctzestreue Rabbiner Dr. Löwenstein hat chm daraufhin iflichtgemäß die weitere Ausübung der Schächtünktion untersagt/ der neologe Oberrat aber etzte Rosenthal wieder in sein Amt ein. Da haben wir wiederum den schroffen Gegens a tz zwischen dem jüdischen ReÄgionsgesetz und dem Willen der neologen Oberbehörde der Landessynagoge. Dieser Fall ist aber noch nach verschiedenen jre Zett, die ihnen hier best^ieglauben, daß die paar _ . den fttw, ihr ganze« Dasein ausmachen und daß neues nach Ablauf dieser Zeitlichkeit folgt Die große Mehrzahl unserer heutigen soaeNannten Gebildeten leugnet die Fortdauer nach dem Tode, leugnet die Unsterblichkeit und Ewigkeit oder stutzt sie fich so zu, daß diese Verflüchtigung einer vollständigen Leugnung gleichkommt. Zeitgemäß zu handeln und zu lebm ist ihr höchstes Ziel, unzeitgemäß zu denken, zu fühlen und zu hoffen ist'die schäiffte Verurteilung, die sie fürchtet. Ist es aber nach, dem Hinschwinden der paar hiniedtgen Jahre wirklich mit dem modernen Menschen vorbei, so gewinnt jedes Jahr, jedes Jahrzehnt und gar jedes Jahrhundert eine Bedeutsamkeit, wie fie fich eben in unseren Geburtstags- und JüvllämnSfestUchketten äußert. Diese Festlichkeiten mögm harmlos sein, die ganze Gesinnung und Anschauung aus der fie stießen find geradezu erschreckend. Es hat schon einmal eine Zeit gegeben, in welcher flache Weltltnge den Wahn in die jüdischen Reihen, zu tragen suchten, Tn# cffty ff«, daß es nur diese ---- ' Gwtzkett Leugnung nicht nur selver um stammenvem Protest entgegen-' getreten, sondern fie haben jeden Etnzelnen zum Herold der Wahrheit einer anderen, zweiten Wett begeistert und im GotteSheMgtum die Standarte der verkeitgneten jüdischen Mehrheit austs neue errichtet- (Mtschnü Eiwe Bedachst). Darav fehlts r in unseren Lägen. Jch spreche nicht von den Schulen, Kanzeln, ZettschristenunoBüchtttt/ tm Maßen im Dienste «btt ~ VVli VUI 'S'upuvll/ dUMIQVMI/ ausgesprochener und unausgesprochener des Abfalls und reNgtvfm LeMflnnS