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Der Israelit · 1907-07-25 · Heft 30 (25.7.1907) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 30 (25.7.1907)
Date
1907-07-25
Page
– (sequence 2)
Language
German
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v. t'f" K V«;. tesner betont das jüdische wie SS jeder 1VNL Jw von neuem beseoen soll. . Nie und nimmer könne die Stimme der Gerechtigkeit erstickt werden. Israel sei ein Märtyrer der Wahrheit. Ihr Glanz werde auch nach all' der gewaltigen Errang der Judenheit wieder freundlich strahlen. Wir schauen getrost dem 1VN2 entgegen. Und so war es auch! Nach den erregenden Verhandlungen in Nyiregehaza, wo Moritz Scharf seinem Vater die gräßlichste Seelenpein verursachte, sollte die Freisprechung sämtlicher Angeklagten erfolgen. Am 17. Juli 1883 wurde der Kronzeuge Moritz Scharf durch den genialen Verteidiger Eötvös der Lüge überführt. Er konnte durch das Schlüsselloch gar nicht sehen, was er gesehen haben wollte. Mittlererweile waren auch die über eine von der Theiß bei Tisza-Eszlar am 18. Juni 1882 angeschwemmte Leiche vorgenommenen Untersuchungen zum Abschluß gekommen. Die von den Universitätsprofessoren und Wien, sowie von Dirchow in erholten wissenschaftlichen Gutachten er- Aärten den gefundenen Leichnam für den der verschwundenen Esther Solvmoffi. Sie konnte .Mo nicht . abgeschlachtet und vergraben worden Umsonst hatte eine große Antisemitenverin Dresden dem „ungarischen Mchter-!*u*u>e, insbesondere dem Nyiregehaza^ Gerichtshof sein Vertrauen" ausgesprochen. Wan zeigte auch das in Oel gemalte Bildnis der Judenmärtyrerin Esther Solymoffi!) Umsonst waren die ungarischen Antisemitenbläter voll des Lobes über die „Korrektheit", mit der Ungarns jünger Richterstand arbeite. Der Gerichtshof.in Nyiregehazar verkündete.dem Antrag der Staatsanwaltschaft gemäß das Urteil, daß sämtliche Angeklagte freizufprechen seien.- Als ein erhebendes Zeichen edlen Sinnes, .seien hier die Worte wiedergegeben, welche der Gerichtspräsident nach dem Freispruch an die Angeklagten richtete. „Ich muß Sie ermahnen, daß Sie, zu Ihrem häuslichen Herd und zu Ihren Mitbürgern zurückkehrend, Ruhe und Bescheidenheit mitbringen und sich jeder Provokation enthalten, welche zur Aufreizung der ohnehin erregten Gemüter und zur Störung des friedlichen Zusammenlebens führen könnte. Die ausge- Mndenen Vexationen und Leiden mögen Sie nicht dem Richter, noch dem Gerichtshöfe, noch endlich einzelnen Mitbürgern zuschreiben, sondern dem Zusammentreffen der Umstände. Sie mögen sich mit dem Schicksal befreunden, das sich oft schonungslos und schwer in den Lebensweg stellt, und welchem auszuweichen oft bei der größten Rechtlichkeit und Anständigkeit fast unmöglich ist.^ Im Oktober 1888 erschien in einer urigärk schen Zeitung eine Erklärung von Moritz Scharf, worin er bekundete, daß man ihn bei dem hohen physischen und moralischen Drucke, der auf ihn geübt worden sei, für seine falschen, lügnerischen Angaben nicht verantwortlich machen könne. Im Frühjahr 1899 brachten die Zeitungen die Nachricht, daß Moritz Scharf als Diamantschleifer in Amsterdam gestorben sei. Ein Vierteljahrhundert ist seit jenen Tagen verflossen. Vorstehende Skizzierung des großen Prozesses wird manchen lebhaft zurückversetzen in die Empfindungen der damaligen Zeit. Die blödsinnige Anklage ist seitdem wiederholt entlarvt worden. Bon Israel aber gilt heute wie damals das große Wort unseres Wochenabschnittes: Dfttfl DV>n onVo cpti o'ro o^pavi „Ihr Anhänger des lebendigen Gottes, am Leben seit Ihr heute immer noch!-" A. KochmrimZjHa«. Der mündiener 6emein9ebonfIih(. Die Erwartung, daß die Verwaltung der israelitischen Kultusgemeinde München ihren Konflikt mit der Orthodoxie nicht auf die Spitze treiben und gegenüber dem bescheidenen, gerechtfertigten Verlangen der gesetzestreuen Gemeindemitglieder einen Mittelweg zur Aufrechterhaltung des Friedens in der dortigen Gemeinde finden werde (siehe N. 26 dieses Jahrgangs), hat sich nicht bestätigt. Wie uns aus München von verschiedenen Seiten berichtet wird, hat die Verwaltung in ihrer Sitzung vom 20. Juni mit Majorität beschlossen, oas Gesuch des „Vereins zur Förderung jüdischer Wissenschaft" abzulehnen, nachdem zuvor ein Antrag, das Gesuch der orthodoxen Gemeindemitglieder zunächst dem Rabbinat zur gutachtlichen Aeußerung vorzulegen, sowie der von einem liberalen Verwaltungsmitglied gestellte Bermittlungsantrag, zur Prüfung der Eingabe der Orthodoxen nach der rechtlichen Seite hin eine Kommssion zu wählen, durch Uebergänz zur Tagesordnung erledigt worden war!• Um den Umfang der Provokation darzulegen, den diese jedes Kompromiß ablehnende Stellungnahme der Münchener Kultusverwaltung für unsere dortigen Gesinnungsgenossen bedeutet, halten wir esffür geboten, das , .... suchen des Vorstandes der Münchener orthodoxen Synagoge hier nochmals zu wiederholen. Das Gesuch ging bekanntlich dahin/ es wolle bestimmt werden, daß bei Behinderung des Rabbiners, Herr Dr. Ehrentreu jederzeit berechtigt sein solle, in den Familien der Vereinsmitglieder die rab binischen Funktionen bei Trauungen und Beerdigungen auf Wunsch der Beteiligten auszuüben. Wir stellen weiter fest, daß in dem uns vorliegenden Gemeindekalender der Kultusgemeinde München und nach dem Jahrbuch des D. I. G. B. Herr Dr. Ehrentreu in dem Verzeichnis der Münchener Gemeindebeamten ausdrücklich als „Vertretendes Rabbiners für das Ritualwesen" bezeichnet ist. Nun ist es allerdings eine bedauerliche Tatsache, daß der Ausdruck „Ritual" und alles, was damit zusammenhängt für, das moderne Empfinden einen höchst unangenehmen Beigeschmack von Inferiorität gegenüber dem eigentlichen „Kerne" der Religion in sich birgt, und daß dieser Ausdruck gerade darum von neologer Seite mit Vorliebe herangezogen wird, um dem „zurückgebliebenen" gesetzestreuen Judentum mit seinem „Ritualwesen" und seinen „Ceremonien" den gebührenden Platz am Sklaventische der Geschichte anzuweisen. So wäre es vom neologen Standpunkte ein ganz folgerichtiger Gedankengang, dem „Aufsichtsbeamten für das Ritualwesen" noch lange nicht die Fähigkeit zuzuerkennen, auch der ungemein verwickelten Funktion einer Trauung oder einer Leichenrede Zu genügen — allein abgesehen davon, daß sich gegen/ eine solche Entwürdigung der heiligsten und grundlegendsten jüdischen Pflichten selbst diejenigen wohl entschieden verwahren würden, die so harmlos sind, das Wort „Ritualwesen" als unverfänglich ruhig hinzunehmen, findet der gekennzeichnete neologe Gedankengang im Geiste des bayrischen Gesetzes keine Stütze. Dem bayrischen Staate gilt das alte vom Sinai überlieferte Judentum mit seinen „Formen" und „Ritualien" als das Judentum überhaupt, und es ist ein Unding, daß der Mann, der den Rabbiner in seinen wichtigsten Funktionen, eben in der Aufsicht über das sogenannte »Ritualwesen" vertritt, daß dieser Mann offiziell nicht einmal die Qualifikation zur Vornahme jener Casualien besitzen sollen, die jahraus jahrein in den meisten deutschen Gemeinden von den dort amtierenden Religionslehrern ausgeübt werden. Die Münchener Kuttusverwaltung schein anderer Anschauung zu sein. Sie untersagt dem orthodoxen „Stellvertreter des Herrn Rabbiners" in dessen Verhinderung die Vornahme von Casualien in den Familien der Orthodoxen, selbst in der von letzteren aus eigenen Mitteln erbauten Synagoge tk >, - 5=;; ¥? „i keines Meuilleton. üeobacbwngen «. vettacbwngen auf einer Mitteise. Bon Dr. M. A. Durch das rote Meer. Wir hatten den Suezkanal, dieses Meisterwerk der Jngenieurkunst, bewundert, und mm ging die Reise Wetter durch oas an erhabenen Erinnerungen so 'reiche Rote Meer, dessen Farbe übrigens schön blau ist. Zu beiden Setten steigen gewalttge GebirgSmafsen auf, bald - auch wird der kuppenförmige weitgestreckte Sinai sichtbar. Ob dieser Berg wirklich der yjd VI ist, möchte man bezweifeln, denn die Gegend erscheint überaus kahl, ohne Spur vegetativen Lebens. Auch ist ja der Werg höher als viele seiner Nachbarn, während nach unserer Tradition der *od V als der kleinste unter diesen B«g«r dargestellt wird. In der Tat lauteten auch die Antworten auf meine an Gelehrte gerichtete Fragen ver- Wchen. Manche bezeichnen den Dschebel Musa (Moses- Vera), 2282 m, manche dm Serval, 2031 m, als den Horeb. .&ttfvtte neuen epochemachenden Ausgrabungen und Mnbe, die man in dtesm Gegenden gemacht und die übrigens die Offenbarung am Sinai bestättgen, will ich UN dieser Stelle nicht eingehm, weil die Entdeckungen tzwch nicht zum Abschluß gekommen find. . Im Busen von Suez ist die Temperatur erträglich, dort weht fast stmrbig ein kräftige Nordwi Wetter nach Südm jedoch werden die Winde von dem glühenden Boden der arabischen Wüste erwärmt und die Schwüle wirb derart drückend und die Luft so sehr mtt warmer Feuchtigkeit gesättigt, daß man glaubt in einem Dampfbade zu sein. Man bat den Wunsch, so rasch wie möglich aus diesem merkwürdigen Gewässer zu entkommen. Wenn man schließlich Land gewahrt, so find dies kahle öde Felsen. Wohin das Auge blickt, ist alles wüst. Sv stellt man fich dm Boden vor, wo einst Sodom und Gomorrha lag. Nicht umsonst heißt der Eingang zum Bahr-el-Ahmar Babelmandeb (Tränentor), denn wahrlich Unglück in Fülle hat fich dort schon ereignet und die Gefahren und Strapazen einer Fahrt durch üa> Bahrel-Hioschas find groß. Obgleich alle Reismden unseres Schiffes leichteste Leinenkleidung trugen, war doch nicht einer darunter, der nicht stark'unter der Hitze zu leiden gehabt hätte. Freilich war es August, gerade die heißeste Jahreszeit in jener Gegend. Selbst dem astatischen Schiffs- Volk unseres Dampfers machte die Hitze große Beschwerde. ES waren da Vertreter aller süd- und ostastatischen Völkerschaften, braune Fellachen, helle Araber, schwarze JsmaliS und Gallaneger, bräunliche Hindus, Malaien, Siamesen und Chinesen. Man glaubte schier ein ethnographisches Museum mtt lebendigen Exemplaren vor fich zu haben. Am meisten zu bemtttleiben find die Maschinmheizer. Die Temperatur steigt bei den Dampfteffeln zuweilen bis auf 50°. Europäer würben schon nach wenigen Minuten ohnmächtig werden, aber auch die Reger müssen alle 15 Minuten abgelöst werden, fie werden schweißtriefend auf Deck gezogen, um sich — nicht etwa im Schatten — sondern unter den Sttahlen der glühenden So ne zu erholen. Man kann sich in unserem lieben Europa von' einer derartigen Hitze überhaupt gar keinen Begriff machen. Schweißtriefend steigt man in ein Bad Md kaum hat man dasselbe verlassen, so ist die Haut schon wie auSgttrocknet und gleich darauf steht man wieder schweißtriefend da. An Schlafen ist nicht zu denken, allenfals befindet man sich in einer Art Betäubung. Die Kleiber kl den fest am Leibe und scheinen mit der Haut eine Börbi, düng eingehen zu wolleu. Damals stellten fich bei allen auf dem Schiffe mit Ausnahme meiner Wenigkeit ein eigentümliches Hautübel ein. Ein masernartiger Ausschlag bedeckte den ganzen Körper und bewirkte ein unaufhörliches Jucken. Die Engländer nennen diesen Ausschlag prikly heat, die Deutschen ,/roter Hund". Man konnte nicht begreifen, daß ich der einzige sei, der von dieser Krankheit verschont geblieben und man meinte, ich müsse zumindest diese Krankheit schon einmal gehabt haben. Der Kapitän führte es bann darauf zurück, baß ich mich des Fletschgenusses enthielte. Ich selbst glaube, baß es auch damit im Zusammenhang stand, daß ich so wenig Wasser wie möglich und dann auch nur abgekochtes trank. Auch schützt das thoragemäße Leben den Körper gegen Krankheit und sonstiges Ungemach in hohem Grade. Mäßigkeit ist eine der ersten Bedingungen für den, der durch heiße Gegenden reisen oder dort gar längere Zeit weilen muß. Erlebnis in des Teufels Pnnfch*efsel. So nennen die Engländer die Stabt Aden nicht nur wegen der schauerlich wilden, zackigen, schroffen Kegelverge, die fie recht und links umgeben, sondern vorzüglich wohl wegen des entsetz ichen Klimas und des dort herrschenden Wassermangels. Aden, ein englischer Besitz, ist überaus bedeutsam als vortrefflicher Hafen in unmittelbarerer Nähe des roten Meeres und wetzen seiner Lage Inder Mitte zwischen Bombay und Suez. Arabiens Export, namentlich in Kaffee, geht jetzt fast ganz vis Aden. Auch als starke Festung und Waffenplätz ist Aden für die Engländer ungemein wichtig, denn dort ist der Eingang des roten MeereK.' Am allsrwichtigsten ist es

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