Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 30 (25.7.1907)
- Date
- 1907-07-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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kV*. MÄ lifrtifef m Drkcfcnnlvlbta i 48. Mrgsng. ^_u..— _ m a__ 25. Juli 1007. Yranftfurf a. HL, Sen 15. nro 56677 Der gAraürt mchriüt jeden Donnerstag Aromte««tt-r Gewöhnliche Ausgabe Ml. 1.50 vrerteljä-rüch. HestauSgabe auf Ku»W>r»chrapier IRL L— PLertegöbckich. gewöhnliche Ausgabe: Oeüvrreich S Kr., RuKaNL 1 Bub* England s sd* Amerika 60 cte* Niederlande 1£0 L) AbpmmnentS bei aLm PsWHWM-MlchhaMMMt, sikvte ExpedMon. HestanSgadr nur direkt. JNferats^rSO Pfennige für die sech-gespaltene Lolonel-Zeile; Rabatt nach Tarif. Jnseratenamta-me nnr aWkch Haaseustein u. Bogle> GvNto OeL de» SK. PMp«lkaffe ttkn Sko. 79405«_Frankfurt a. M. und deren Filialen. Lamts bei dem K. Dwftsparkaffe«O«t V*b»cheft P»» v-k 25 IM«,. Giueivm rav - Erinnerung. Schnell rauscht der Strom der Zeit dahin. Unter den tausendfältigen Eindrücken der raschlebigen Gegenwart entschwindet vieles schneller dem Bewußtsein der Zeitgenossen, als dies zur Zeit des Bakers und Großvaters der Fall gewesen. Heutzutage bedarf es nicht mehr eines Bierteljayrhundert, bis ein Ereignis der Geschichte angehört. Im Zeitalter des Dampfes und der Elektrizität ist man zur großzügigen Weltpolitik -gelangt, unter dem Druck der sozialen Probleme, die alle Staaten bewegen. So isrs kaum Wunder zu nehmen, daß die Erinnerung an große Geschehnisse bald verblaßt. Man kann dies nur bedauern. Auch der '' ist und bleibt die rin. In diesem Sinne möchten wir den jetzt Lebenden ein Stimmungsbild zeichnen, das vor ’ W Jahren die Judenheit beherrschte. Der fröh- Vche IvM fand uns damals in deprimierter Seelenverfassung. Die herrlichen Trostreden des Propheten schienen ihre altbewährte Zauberkraft ' eingebüßt zu haben. Eine furchtbare Anklage - hätte inan im fernen Ungarn geschmiedet gegen; Judentum und Judenheit. Das alberne Märchen vom Ritualmoro beherrschte die Gemüter und t fand ein gewaltiges Echo in der gesamten euroiischen wie außereuropäischen Presse. Zwar WMche Ber- »Lmiäen gegeben, die Mül Und ZMren unschuldig Angekmgter im Gefolge führten. Zwar erlebten wir ein Dezennium später im eigenen Baterlande die Demütigung eines „Lantener Proz^ses" und vor sechs Jahren erst die Schande von Könitz. Dennoch muß behauptet werden, daß diese antisemitischen Schurkereien lange nicht derartig die WeÜ in Atem hielten wie der Prozeß von Tisza-Eszlar anno 1882. War es doch seit 1840, seit der Beschuldigung in Damaskus der erste größere Ritual« ord« prdz eß! Zeichnete sich dieser Prozeß doch durch hiue M zweijährige Dauer und dwcch eine Verkettung der eigenartigsten Umstände .- aus! Gingen doch damals, zumal in Deutschland, die Wogen des Antisemitismus gerade rauschend hoch! Stöcker, derPvÄger der „Wahrheit und christlichen Liebe", stand mf dem Gipfel feines „Ruhmes", den töir Hm heute so herzlich gönnen. Alle diese Momente M^Wen Mammen, um „Tisza-Eszlar" za.einem wett größeren Sensationsereiguis zu gestalten, Nses sMere HÄle. zu werden verwoben. Gerade die BeAeumdmm von Tisza-Eszlar und HKeft.vernichtende Myßlegung hat künftiaen lt M WeW-b zurückzukommen, damit auch das junge Geschlecht den Kontrast zwischen dem ivm rot? von dazumal und dem Trostsabbath von heute nachfühlen lerne. Selbstredend können wir da? große Ereignis hier nur in den Hauptmomenten sesthalten. In Tisza-Eszlar, einem ungarischen Dorfe an der Theiß, die ein Nebenfluß der Donau ist, wurde am 1. April 1882 Esther Solymossi, ein vierzehnjähriges Mädchen, von ihrer Dienstherrin fortgeschickt, um Waren einzukaufen. Der Weg zum Hause des Krämers führte an der Synagoge vorbei. Das Mädchen war aber nach An-- tritt des Rückwegs verschwunden. An demselben Tage waren drei ftemde Schächteraspiranten, der Synagogendiener Josef Scharf und andere Personen in der Synagoge gegenwärtig, wo die Wahl eines jüdischen GemeindeschächterS stattfand. Da Esther auch an den folgenden Tagen nicht heimkam, fing man von einem Ritualmorde zu sprechen an. Arglos äußerte der Synagogendiener I. Scharf Esthers Mutter gegenüber, als dieselbe ihm vom Verbleib chrer Tochter erzählte, diese könne sich ja wiederfinden. In Nänäs sei sei auch einmal ein Mädchen verschwunden,- man behauptete die Juden hätten es umgebracht. Schließlich sei es wieder gefunden worden. Diese harmlosen, tröstlichen Worte benutzte man zum Anlaß der Ritualmordklage. Josef Scharfs viereinhalbjähriger Sohn erzählte die gehörte Geschichte von Nänbs Kindern und Erwachsenen, die ihm Zucker gaben, so daß er in seiner taste schließlich die Erzählung mit dem vorliegenden Fall verband. Samuel Scharf wurde am 19. Mai 1882 vom Untersuchungsrichter, verhört und erzählte, diesem, fein Vater habe der Esther ein Stück Linnen kr den Mund gestopft, ein anderer Jude ihr den Kopf abgeschnitten. Sein vierzehnjähriger Bruder Moritz Scharf habe den Kopf gehalten u. s. w. Das hatte der Kleine allmählich von den Mädchen und Frauen, die ihm Zucker gaben, gAernt Und -das ulles nahm der Bizenotar Vary zu Protokoll — ein Protokoll, das seinesgleichen in der Welt vergeblich sucht! )en in Tisza-Eszlarwurde die ewige Gefangenschaft, feinem Bater prophezeiht, wenn er bei feiner Aussc lüdernfalls wolle man beiden eine'schi i 7e der. rone _ bereiten. In ungarischer Sprache lernte M< scharf die Worie auswendig, die man chm prägte. Der Gerichtspräsident redete "" kB itdriaenML ast dann i Unterzeichneten Protokoll ist ersichtlich, -daß derselbe die Sochmpsst weder kanE, noch von ihrer Ermordung ettväs wußte. Moritz wincde nun nach '.NaMalsi gebracht und hier verwandelte sich der AngWrgte in «wen Zeugen. Er widerrief seine zu PMykoll ^gegebenen Aeußerungen und machteMknaue Angaben über die Mwöldung. . Der außerordeMichfurchtsame^rabe, den feine SstefnnstWr,»einM^S-ssenfttßi"nt Juden sich versammelten und auch Fremde duwaren, wie der Tisza-Löker Schächter Salovw Schwarz und der Schächter von Tögläs, da bä^ gann der Gottesdienst um 8—87, Uhr und währte bis 11 Uhr. Um diese Zeit entfernten^ sich die Jsrcnliten; Salomo Schwarz und dW Schächter von TeglaS aber blieben und fa^ sie wollten in der Synagoge bleiben, um beten. Ich entfernte mich in bas meines Vaters,- später. kam ein Bettler mit einem drei- bis vierjährig« Knaben dahin. Dyr Bettler war^ r am Freitag zu uns gekommen und blieb, dis Samstag dort. Mein Baker rief ein Mäl herein, der jüdische Bettler aber führte die Solymossi in den TempA- Später nach Viertelstunde, hörte ich aus dem jgefd&ttt.. va S&K Torkaler und Tsglsser Schächter die Solymossi zurErde Niederdrückten und Schwarz ihr den HM dwMchnitt, das abließ und es in ein irdenes Gchäß goß. kamen Ihrer vier aus dem Tempel und Weißstein, Samuel Lustig, Adolf Junger, Abraham Braun., Ich weiß nicht, wohkr j Schüssel taten, auch nichts wohin sie den Leik gebracht ,- denn ich ging von. der Türe So waren vier Juden des Mordes, andere der BorschubtAmmg hiezu angeAag dem Nyrregehazaer Gerichtshoß Nach der . truflischer Tücke gemachten Aussirge Scharfs bemächtigte sich natürlichder an§ Juden eine furchtbare Aufregung, wie Blitzstrahl' aus hsterem Auynet sie hätte. Und mit ihnen, den rmst ^HlpCCHlSy . UtlO. die ganze jüdifche Diästivra. As ist jene hvwiche Rede im Gedächtnis, jenes d«ckoürdigen Jahres in Israel hielt in Anlchnung gn wächiae Prützh-tenwort: ^>1^>