Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 29 (18.7.1907)
- Date
- 1907-07-18
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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■ , t.'V' is zu Nr. 29 des „Israelit". 'euilleton. Msorrörcheu. 3 Erzählung von Babette Fried in Prag. (Fortsetzung.) Nachdem sich Rosa etwas erholt und durch eine genossene Erfrischung gekräftigt hatte, besichtigte sie die kleine, aber behaglich eingerichtete Wohnung des Doktor-Ehepaares. Als sie in das Studierzimmer des Arztes gekommen war, erblickte sie über dem Schreibtische einen Kupferstich, bei dessen Anblick sie sagte: „Moses Mendelssohn!" Ganz entzückt umarmte der Doktor das Mädchen. „Du Haft mir zum Gewinn einer Wette verholfen," sagte er. „Ich habe dieses Porträt vor einiger Zeit bei einem Trödler gesehen und für teures Geld erstanden, doch alle meine Bekannten, denen ich das Bild zeigte, behaupten, daß es gar keine Ähnlichkeit aufweise, und nur so aufs Geradewohl gezeichnet sei. Nun Du ihn auf den ersten Blick erkannt hast, muß ja diese Aehnlichkeit mit dem authentischen Bilde des Philosophen eine frappante sein." Rosa konnte sich eines Lächelns nicht erwehren. Als sie später mit dem Onkel allein war, sagte sie. „Onkel, ich mag Dich nicht in dem Irrtum lassen, daß ich an der Gesichtsähnlichkeit das Bild erkannt habe. Hatte ich ja niemals Gelegenheit ein Porträt Mendelssohns zu sehen. Du hast bei meiner Ankunft in Wien mein scharfes Auge bewundert. So habe ich auch auf den ersten Blick das Wort gesehen und gelesen, das als Titel auf dem Buche, welches das Bild in der Hand hält, geschrieben ist. Es lautet: Phädon. Ich habe in der Bibliothek meines Vaters dieses von Mendelssohn verfaßte Werk gesehen. Da kombinierte ich, daß dieser Kupferstisch ein Porträt Mendelsohns sein müsse." Beschämt zwar, nichtsdestoweniger erfreut über den Scharfsinn seines Schützlings, konnte der Doktor nicht umhin, Rosa seine unumwundene Anerkennung auszusprechen. Jeden freien Nachmittag benutzte der Doktor dazu, um mit Frau und Nichte in die Weltausstellung zu fahren. Einen erfahreneren und beredteren Cicerone hätten sich die Damen gar nicht wünschen können, und er wieder kein dankbareres Publikum. Natürlich war es nicht die Kleider- und Schmuckausstellung, welcher sie ihr besonderes Augenmerk schenkten, obzwar sie auch diese Abteilung besichtigten. Es waren hauptsächlich die Wunder der Maschinenhalle, dann^die Natur- und Kunsterzeugnisse fremder Länder, welche von den Bewohnern derselben vorgeführt wurden, es waren die exotischen Menschen und Dinge, welche die Ausmerksamkett unserer kleinen Gesellschaft fesselten. Die Sprachkenntnisse des Doktors kamen ihnen sehr zu statten, da sie es ihm ermöglichten sich mit den fremden, auch außereuropäischen Ausstellern in ein Gespäch einzulassen, um Ausführliches über das Borgesührte zu erfahren. Einen schönen Nachmittag, an welchem sie besonders aufgeräumt und aufuahmfähig war, bestimmte unsere kleine Gesellschaft zum Besuche der Kunsthalle. Da konnte, es der alte, aber immer noch witzige Herr niM unterlassen, seine Nichtchen auch der Probe zu unterziehen, die der allezeit bereite Wiener Witz für die ahnungslosen Provinzler erfunden hat. Auf dem Prachtgebäude der Kunsthalle stand mit großen goldenen Lettern als Inschrift nichts als die Worte: „Der Kunst". Diese beiden Worte läßt der seinen Gast aus der Provinz herumsührende Wiener von ihm herablesen, und da kommt es vielfach vor, daß der Fremde das erste Wort als Artikel auffaßt und sich über die Unrichttgkeit des Ausdrucks verwundert. Als unsere Gesellschaft auf dem weiten Platz anlangte, in dessen Mitte sich die Kunsthalle mit dem hohen Giebel befand, sagte der Doktor zu Röschen: Bitte, „Kind, die Sonne blendet mich zu sehr, und Du hast doch ein so gutes Auge, lies mir die Inschrift da oben." Arglos, ohne irgend etwas Besonderes zu finden, las Röschen: Der Kunst. Als sie später erfuhr, welche Falle ihr gestellt worden, der sie aber glücklich entgangen sei, sagte sie einfach: „Da ist doch nichts dabei, ich habe sofort herausgefunden, daß es eine poetische Weglassung des Wortes geweiht, oder bestimmt ist. Aber hierbei fällt mir eine Anekdote ein, die mir Väterchen einst erzählt hat. Kommt da ein polnischer Jude nach Wien und bleibt vor einem Auslagefenster stehen, hinter welchem mannigfache Bilder zu sehen sind. Fällt da sein Blick auch auf ein von Künstlerhand gemaltes Bild, den Orpheus darstellend, wie er mit seinem Saitenspiel die wilden Tiere im Schach hält, und welches als Inschrift die Worte trug: „Die Macht der Musik". Mein lieber Pole las das, und sagte zu sich selber: Die Deutschen brüsten sich uns Polen gegenüber mit ihrem reinen Deutsch, und doch machen sie selber die gröbsten Fehler. Da sollte richtig stehen: „Der macht die Musik, anstatt die Macht der Musik." — Auf diese Weise verbrachte Rose glückliche, heitere Tage im Hause und in der Gesellschaft des feingebildeten und herzensguten Grünseld'schen Ehepaares. Ihre Briefe an die Eltern atmeten die vollste Heiterkeit, und enthielten bogenlange Berichte über alles Gesehene und Erlernte. Daß inzwischen der große Börsenkrach hereingebrochen war, und nicht nur viele schwindelhafte Existenzen hinweggefegt hatte und viele solcher noch mit dem Untergange bedrohte, sondern auch viele gutsituierte Familien, an den Bettelstab brachte, die sich hatten betören lassen, ihre mühsam erworbenen Sparpfennige unsoliden aber großen Gewinnversprechendeu Nnternehniern anzuvertrauen, dieser große Zusammenbruch kümmerte unsere Freunde wenig. Der Doktor hatte sein Vermögen in sicheren Staatspapieren angelegt, und sich niemals an Börsengeschäften beteiligt, so verlockend ihm vielfacher Gewinn verheißen wurde. Und' Röschens Vater? Dem bot die kleine, aber gut dotierte Sparkasse in dem heimischen Städtchen genügende Sicherheit für das Wenige, das er sich im Laufe der Jahre an seinem Munde abgespart hatte. Die Frau Doktor Grünfeld fühlte sich von dem häufigen Besuche der Ausstellung müde und abgespannt, und da man ohne sie nicht hingehen wollte, beschloß der Doktor einige Tage auszuruhen. Diese Pause wollte Rose dazu benutzen, um die Notizen, die sie sich in der Ausstellung gemacht, regelrecht in ihr Tagebuch einzutragen, und dann ihrem sehnsüchttgen Verlangen, ihre Fxeundin Elfe aufzusuchen, Genüge zu tun. MW?, Blätter ihres Tagebuches füllten sich mit den ' Wbhaftesten Schilderungen alles Gesehenen und Beobachteten, aber es waren keine Kleider und Juwelen, die sie da schllderte, sondern die Erzeugnisse von Kunst und Industrie, es waren die Menschen und Sitten fremder Länder und ' "Erdteile, deren Beschreibung sie einen Platz in ihrem Tagebuche einräumte. Und jetzt hätte sie gerne Else gesehen, hätte erfahren ob die große Welt, in der sie nun lebte, ihren auf das Oberstächliche gerichteten Sinn vertieft habe, ob sie das rein Aeußerliche ihrer Denkungsart abgestreist hatte. O, wie wenig kannte das kleine Rabbinerstöchterlein die soge- (Fortsetzung des Romans siehe nächste Seite). Ast» de« Reklameteil ist die Redaktio» «icht verantwortlich: insbesondere ist es ausschließlich Sache der Leser, die im Reklameteil enthaltene« Empfehmngen ritneller Ware« oder sonstige Angabe» religio«Sges«d» liche« Charakters ans ihre Zuverlässigkeit zu prüf««. Kaiser Friedrich Quelle 6346) —-- Offenbacb a. 1. - „Gegen dicht u. Rheumatismus bewfchrt.“ Bad Hombnrj w.d.B. Hotel and Restaurant Marx. Einziges Hotel and Restaurant am Platze, welches unter Aufsicht des ständigen rowo (Aufseher) des Herrn L. Aronsohn, Frankfurt a. 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Die Anstalt hat sich durch eine mehr als 60 jährige Tätigkeit auf dem Gebiete der Jugenderziehung das Vertrauen beS Publikums in hohem Grade erworben._ Der Gesamtauflage dieser Nummer liegt ein P«chnK der „Sana Gesellschaft" in Cleve a. Rh. bei.