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Der Israelit · 1907-07-18 · Heft 29 (18.7.1907) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 29 (18.7.1907)
Date
1907-07-18
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
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Ms- WWW MWAMMMV! Wt.WttLett doch, geehrter Herr Redacteur, von mir nicht verlangen, daß ich mit dem Reccensanten in Klatscherei yfo und nt?y wetteifern solle, ich gehedaher sofort zur Hauptsache über. R. bekam das Werk in die Hände, u. z. so, daß ihm das deutsche Tittelblatt zuerst vor Gesicht kam und las den Namen des Rabb. Dr. Salamon Friedländer. Die Sorge, ob ich den Doctortittel wirklich besitze oder nicht, versetzte seine Nerven in solche Aufregung, daß er jeden Halt und Anstand außer Acht ließ. Armer R! Ein Him besonders ein n"n greift doch ein be bräisches Werk so an, daß ihm das hebr. Tittelblatt von oben liegt. Hätte R. das gethan, würde er sich diese Aufregung erspart haben, *) oder sollte er das deutsche geläusiger als das Hebräische lesen können .... Wüßte R. aber, wie wenig ich auf die Ehre des Doctortittels gebe und wie herzlich ich die Stunden bedauere, welche ich einige Jahre hindurch täglich darauf verwendet habe, würde er seinen normalen Geisteszustand behalten haben. Waß seine Aeußcrungen in Bezug auf meine Person betrifft, so ist R. damit noch lange nicht im Reinen 3) und überhaupt in gewaltigem Jrrthum, wenn immer er sich aber unter dem Herausgeber des i^Vim TiD^n vorstellt, nehme R. davon Kenntnis, daß derselbe bedeutend ein größerer O2N als er ist, und an Karakter und NT ihm gewiß nicht nach steht. 4) Endlich glaubt R. eine Stelle gefunden haben, welche wichtig genug ist, um seine Verdächtiguni gegen den Talmud Jeruschalmi klar aussprechen zu können, es ist das die Art u. Weise wie die Rabbiner d^P) jftpm NNO 'NV2222 in den von mir veröffentlichen Briefen ihre Namen unterzeichnen. Welch erbärmliche Geistesschwäche! 1.) Gerade der Fälscher fälscht pünktlich und genau und lostet es demselben, der doch in der hebr. Litteratur mindestens so bewandert ist wie R., gar keine große Mühe, die Namen der g. Rabbiner gerade so nachzuzeichnen, wie sie in ihren Werken Vorkommen. 5) 2.) Zitirt doch R. selber, daß die Unterschriften der Rabbiner in ihren Werken verschiedenartig sind, warum ist es dann dem R. auffallend, daß sie sich hie und da, wie auch in den von mir veröffentlichen Bri fen, auf diese Weise unterzeichnet haben. Waß sich aber R. erdreist zu sagen, nie haben sie sich so unterzeichnet, ruf ich im zu mjo WN wm Z.) Ueberhauvt ist auf die Unterschriften in gedruckten Werken u n"lV, besonders wenn sie in Widerspruch mit handschriftlichen Dokumenten stehen, sehr wenig zu geben, da beim Druck manches vom Abschreiber, einiges wieder vom Drucker weggelassen wird, da solches nichts zum Zweck des Werkes zu sagen hat. Die Bezeichnung '»□"sn ist bei den -rod ein allgemeiner Gebrauch, die Unterschrift "vmjn Nim ü^n mag wohl die Bescheidenheit gegen seinen Bruder in Ausdruck bringen welchen er als JIBSra DN anfieht. °) Doch halte ich es als Pflicht und Schuldigkeit den g. Leser über zwei wichtige Punkte in Bezug auf die Herausgabe des Jeruschalmi im allgemeinen, nähere Erklärungen abzugeben. R. ist in gewaltigem Jrrthum wenn er glaubt, daß ich über das Vorhandensein der Handschrift zur Talmud Jeruschalmi zu lange geschwiegen habe. Ich that was Pflicht und Schuldigkeit eines klardenkenden nicht übereilten Gelehrten 7) ist, über etwas 2) Die Aufregung war gar nicht vorhanden. Nicht einmal obenstehende Liebenswürdigkeiten des Herrn Fr. regen mich im mindesten auf, und der Doktortitel des Herrn F. sollte meine Gemütsruhe stören? Der kleine Satz von seinem Doktortitel steht ja nur so nebenher. f»err Fr. müßte mir dafür dankbar sein, da er denselben enutzt, um von der Hauptsache abzulenken. Interessant wäre es ja allerdings, zu hören, wann und von welcher Universität Fr. den Doktortitel erhalten hat, namentlich wenn man das prachtvolle Deutsch seines Eingesandt liest und hört, wie herzlich er die Stund, n bedauert, die er einige Jahre hindurch täglich darauf verwendet hat". Armer Dr. Friedländer! Biel wichtiger wäre es jedenfalls, zu erfahren, wie er mit einem Male zu dem Namen Algasi kommt. R. 3) Also hat man noch mehr Ueberraschungen zu erwarten. Die Metamorphosen Ungar - Russe - Sefardi Algasi genügen noch nicht! R. 4) Sehr bescheiden. Siehe Mischte 27,2. Was wird man zu diesem Selbstlob des Herrn Fr. z. B. in B. M. W. — Herr Fr. wird die Initialen wohl verstehen — sagen? R. 5) Herr Fr., der ja in der hebräischen Literatur so bewandert ist, kennt doch wohl den Bibelvers Jesaja 44 25, R. ®) Herr Fr. weise eine einzige Stelle nach, in der die genannten Benvenisti so unterzeichnen, wie er sie unterzeichnen läßt. Wo entdeckt er bei ihnen die so beliebten Buchstaben R. *) Herr Fr. scheint über diesen Punkt sonderbare Begriffe zu haben. Was tat er denn als er „Positives in Händen" hatte. Er „versandte von Jedem gedruckten (ich unterstreiche) Bogen zehn Exemplare". Aber wer hat die Handschrift, wer die famosen Briefe gesehen? Hätte er die den Gelehrten auch nur seiner Umgebung — er hatte aar nicht nöttg in die Ferne zu streifen — gezeigt und sich von ihnen die Echtheit bestätigen lassen, dann wäre ja jeder «erdacht von vornherein ausgeschlossen. Haben etwa die Herren Buber b"h Prof. Schechter, Prof. Berliner die Handschrift gesehen? Druckb ogen hat er ihnen gesandt und sie, d. h. die zwei ersten, vertrauten ihm (von Prof. Berliner wissen wir nichts, die Rabbiner von BriSk und Kowno und Rabbi Bür Rainer waren vorstchttger. R. solange zu schweigen, ÄS er postttves in Händen hat, denn, alS ich nämlich in den Besitz der Handschrift gelangte, stellte ich die rn^H auf, 1.) ob die Handschrift wirklich der Text zur Jeruschalmi ist, oder ein hallachischer Cob. aus den Gaonimzeiten, ähnlich dem n"Yv 2.) Ob wir es mit wirklichen Jeruschalmi oder mit „Kunst" to^PIT zu thun haben, denn es konnte vor Hunderte Jahren gerade so gekünstelt werden, wie R. behauptet, daß es jetzt gekünstelt wurde. Ich mttersuchte jeden Satz, jede Zeile, ja sogar jedm Ausdruck und nachdem ich die feste Ueberzeugung gewann, daß ich es wirklich mit dem IID^D zu thun habe, war der Erste dm ich davon verständigte, der unverg. Salamon Buber. Ich bin in Besitze von etwa achtzig Briefen, in welchen er mich auf meine Anfragen belehrte und mit Rat und That unterstützte, von welchen Briefen ich Ihnen die wichtigsten, g. Herr Redacteur auf Ihren Wunsch zur Verfügung stelle. Bon jedem gedruckten 7) Bogen versandte ich zehn Exempl. fünf an rabbinische Größen ersten Ranges und fünf an andere Gelehrte wie Salamon Buber, Proff. Dr. Schechter, Proff. Dr Berliner u. s. w. mit der Bitte, jeden Bogen genau zu untersuchen und bei der geringsten Verdächtigung mich davon benachrichtigen, damit der Druck unterbrochen und eine genaue Untersuchung angestellt werde. Niemand hat aber das geringste Verdächtige gefunden, tm Gegentheil, der Brezanyer Oberrabbiner, der doch den Jeruschalmi buchstäblich kennt, hat dazu seine Glossen und Beiträge eingesendet. Nur der, mit einer großen Dosis von niiy versehene R. erdreist sich, das Werk zu verdächtigen. Waß ich in meiner Einleitung über die Auffindung der Handschrift erzähle, gib ich zu, daß dasselbe mangelhaft ist. Ursache: das Werk zeigte einen Kostenaufwand von 6006 Kr. welche ich mit große Schwirigkeiten erkämpfte. Als das Werk zur Vollendung kam, besaß ich von Seiten der Auffinder der Handschrift wenig und unklare Angaben. Ich sollte daher warten, wurde aber von Seiten des Druckers wegen Zahlung sehr bedrängt und auch Salamon Buber riet zu, das Veröffentlichen des Werkes zu beschleunigen. Ich erzählte daher in der Einleitung waß ich wußte, und waß ich nicht wußte, konnte ich nicht erzählen. Ich verweise daher auf die Einleitung zu dem, sich eben unter der Presse befindliche zweite Theil, Tra'tate niflSD nTDT wo alles genauer und klarer dargestellt ist. Schließlich erkläre ich, um weitere Verdächtigung zu vermeiden, daß ich in vier bis fünf Wochen eine Commission von Rabbinern und Gelehrten berufen werde, um ihnen die Handschrift und übrigen Dokumente zur Prüfung zu unterbreiten. 8) Welcher Gelehrte sich dabei betheiligen will, möge mich benachrichtigen. Ich bitte Sie, g. Herr Redacteur, diese Zeilen sofort zu veröffentlichen und zeichne mit vorzüglichster Hochachtung. ■b't £"d rrror noto "TCn Religionspsycbologie. Das erste Heft einer Zeitschrift*) für Religionspsychologie liegt vor unssie hat für Deutschland jedenfalls bcn Vorzug der Originalität. Wenn wir auf ihr Erscheinen Hinweisen, so geschieht es in der Neberzeugunq, daß uns Juden die religiöse Entwicklung der Kulturmenschheit in allen ihren Stufen und Richtungen interessant sein muß, und weil es ferner nicht ausgeschlossen ist, daß sich aus den in der Zeitschrift niedergelegten Beobachtungen und Erfahrungen mancher wertvolle Fingerzeig für die praktisch-religiöse Erziehung gewinnen läßt. Die Zeitschrift will erstens die Tatsachen, d. h. die Entwicklung und das Verhalten des religiösen Lebens bei beiden Geschlechtern, in verschiedenen Lebensaltern, den verschiedenen Schichten der Bevölkerung, unter dem Einfluß von Krankheit, Klima, Not, Haft re., sorgfältig feststellen und untersuchen, zweitens die Anomalien der religiösen Empfindung, ihre Steigerung wie ihr oft völliges 8) Also besitzt Herr Fr. die Handschrift und Dokumente! In seiner Einleitung erzählt er, daß er die Briefe seinem Bruder zurückgesandt und die Handschrift überhaupt nur leihweise im ganzen ein Jahr gehabt abe (stehe „Israelit" Nr. 27, S. 10). Wie reimt sich as zusammen? Wozu ist auch die Berufung einer Kommission nöttg? Wenn Herr Fr. Handschrift und Dokumente Herrn Prof. Berliner — sicherlich heute ser größte Kenner hebräischer Manuskripte — vorlegt und dieser das Alter und die Echtheit bestätigt, wird Jedermann zufrieden sein, selbst der von Herrn F..so sehr geschmähte R. *) Zeitschrift für Religi ans Psychologie. Grenzfragen der Theologie und Medizin. Unter Mitwirkung zahlreicher Psychiater, Theologen und Pädagogen herausgegeben von Oberarzt Dr. Job. Bresler (Lublinitz) und Pastor Gustav Bo rbrodt (Alt-Jeßnitz). Halle a. S. Verlag von Carl Marhold 1907. Bd. I. Heft 1. (Monatlich 2—3 Bogen. Preis 10 Mk. pro Jabr). Darniedertiegen in den Kreis der Betrachtung ziehen und endlich die „Pflege und Lehrbarkeit" der Religion (Psychagogik) behandeln. Wenn man das Verzeichnis der Mitarbeiter mustert, so erweckt einiges Mißtrauen die überwiegend starke Beteiligung der Nervenärzte. Gewiß kann die Beobachtung der Anomalie der Erkenntnis des Normalen zuweilen von erheblichem Nutzen sein, aber ebenso nahe liegt die Gefahr, daß die ganze „Religionspsychologie" von vornherein in ein falsches Fahrwasser gerät, wenn ihr Tatsachenmaterial von Psychiatern geliefert und von Neurologen verarbeitet wird. Materialismus und Rationalismus find ohnedies noch immer zu geneigt, alles religiöse Empfinden aus der Tageshelle des wachen Menschengeistes in die Dämmerung weihraucherfüllter Kirchen zu weisen, und es kann diesen Erbfeinden des religiösen Bewußtseins gar kein größerer Vorschub geleistet werden, als wenn die „Tatsachen" des religiösen Lebens aus Nervenkliniken und Irrenhäusern gewonnen und ihre angebliche Unwirklichkeit auf diese Weise mit handgreiflicher Deutlichkeit vordemonstriert wird. Solches „Tatsachenmaterial^ wird nimmermehr den Untergrund für eine das Leben beherrschende Ethik abgeben können, und das allein ist schließlich der Prüfstein für die Echtheit und den Wert religiöser Lebenserscheinungen. Daß unsere Bedenken nicht aus der Luft gegriffen sind, beweist gleich das erste uns vorliegende Heft der Zeitschrift, das mit einem Aufsatz von Prof. Freud in Wien: „Zwangshandlungen und Religionsübung" eingeleitet wird. Freud ist in der medizinischen Welt besonders durch seine „Sexualtheorie" bekannt, berühmt, fast möchte man aber auch sagen berüchtigt. Ihm ist der im Keime sexuelle Charakter aller nervösen Störungen zur a priori feststehenden Ueberzeugung geworden, und er unterwirft die ihn aufsuchenden Patienten in wochenlangen Colloquien einer so gründlichen Seelenanalyse, daß er schließlich immer irgend einen Punkt auffindet, an den er seine Theorie anzuknüpsen vermag. L o e w e n f e l d hat das recht überzeugend nachgewiesen. Nicht viel anders scheint es uns mit der neuen Theorie Freuds in Betreff der veiis giösen „Zeremonien" zu stehen. Die bekannte Tatsache, daß Neurotiker häufig kleine Verrichtungen, Zutaten rc. bei gewissen Handlungen des täglichen Lebens z. B. beim Ankleiden, beim Schlafengehen in immer gleicher oder gesetzmäßig abgeänderter Weise vollziehen, und daß sie mit einer gewissen Angst auf diese Formalitäten achten, unfähig, sich ihrer zu er wehren — diese Tatsache will Freud zur Erklärung des „religiösen Zeremoniells" benutzen, und er kommt zu dem ungeheuerlichen Ergebnis die „Zwangsneurose als pathologisches Gegenstück zur Religionsbildung, die Religion als universelle Zwangsneurose" aufzusassen. Daß es ein gutes Omen sei, wenn eine Zeitschrift, die der religiösen Erkenntnis dienen möchte, mit einer so schallenden moralischen Ohrfeige für alle Religion beginnt, wird, man grade nicht behaupten können. Wissenschaftlich ist die Freudfche Neurose-Religion noch viel weniger ernst zu nehmen, als seine Sexualtheorie. Denn wenn diese im Grunde doch einen berechtigten Kern enthält, so ergreift jene von vornherein einen total falschen Maßstab der Beurtellung. Grade in den Anfängen der heidnischen Religion wird das sogenannte Zeremoniell von außen als religiöses Pflichtgebot auferlegt und es fehlt das wichtigste Kennzeichen der zwangsneurotischen Handlungen: die Entstehung aus dem Unbewußten. Daß aber die symbolischen Vollziehungen innerhalb der höheren Religionen — nicht etwa nur im Judentum — der Sphäre jener krankhaften Seelenäußerungen völlig entrückt sind, bedarf kaum eines Beweises. Nichtsdestoweniger wird ein geistvoller Mann, wie Pros. Freud, das Kunststück schon fertig bringen, allmählich das ganze Gebiet des reugiösen Lebens unter das Schema der Psychiatrie zu rubrizieren,

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