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Der Israelit · 1907-07-18 · Heft 29 (18.7.1907) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 29 (18.7.1907)
Date
1907-07-18
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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cs scheint, noch nicht befriedigt, führt er noch weitere Motive an:, dag „die Ausweisungen der Juden schwere Folgen Haben nicht bloß für diese selbst, sondern auch für die christliche Bevölkerung", weil „bei der Neigung der Juden zu den verschiedensten Geschäften sich da, wo sie temporär ansässig geworden sind, sich sehr komplizierte Beziehungen zu Personen anderer Konfessionen ergeben haben, deren Störung ohne bedeutende Erschütterung der beiderseitigen Interessen ganz unmöglich ist und daher zahlreiche Klappen und Gesuche um die Hinausschiebung der Ausweisungen verursacht, nicht bloß Vonseiten der Juden, sondern auch von Seiten christlicher Bürger, welche im Lauf der Jahre mit Juden in rechtliche, ökonomische und persönliche Beziehungen getreten sind." Nach dieser und ähnlichen Begründungen wird zwar die Giltigkeit des alten Plehweschen Zirkulars „bis zur Lösung der Judensrage auf legislativem Wege" ansgedehnt auf alle Juden, die sich bis zum 1. August 1906 in Ortschaften, wo sie nicht wohnberechtigt, niedergelassen haben. Aber nur unter der Voraussetzung, daß die örtliche Administration die Gewißheit hat, daß der Jude, welcher in einem Wohnorte belassen werden soll, für die gesellschaftliche Ordnung unschädlich ist und nicht die Unzufriedenheit der örtlichen Bevölkerung erregt. Diese Klausel, welche die betreffenden Juden der Willkür der Polizei und dr Leute des „schwarzen Hundert" ausliefert, schien dem Premier aber noch nicht auszureichen, um sich vor der etwaigen Beschuldigung der Judophilie von Seiten des „Verbandes des russischen Volkes" gewahrt zu wissen, und er fügte jener Einschränkung noch folgendes bei: „Gleichzeitig damit wird die Notwendigkeit betont fest und unentwegt die Forderungen des Gesetzes hinsichtlich fernerer ungesetzlicher Niederlaffung von Juden einzuhalten und ich mache es Ihnen zur unabweisbaren Pflicht, sorgsam darauf zu achten, daß künftighin der Aufenthalt von Juden an Orten, wo ihnen das Wohnen verboten ist, nicht mehr zugelaffen wird." Aehnlich verhält es sich mit der sehr schätzenswerten Erweiterung der Bildungsrechte der Juden, welche wir dem erleuchteten und humanen Minister ftir Volksaufklärung von Kaufmann zu verdanken Haben. Das Zirkular vom Jahre 1887, welches die Aufnahme der Juden in allgemeine Schulen auf einen gewissen Prozentsatz beschränkte, hat für die jüdische Bevölkerung eine Schul- und Bildungsnot geschaffen, die sich in der Gestaltung ihrer ökonomischen Verhältnisse deutlich bemerkbar machte. Leute mit bescheidenen Mitteln ruinierten sich förmlich, um entweder eine Vakanz in einer allgemeinen Schule zu kaufen, oder ihren Kindern eine bei uns höchst kostspielige häusliche Bildung angedeihen zu lassen, oder auch sie ins Ausland zu schicken. Der letztere Ausweg hatte zudem noch den Nachteil, daß ihre Kinder meist eine Beute der russischen politischen Emigranten wurden, die nach neuen Opfern suchten, um ihre Kolonnen zu füllen. Es war mithin eine große Wohltat, daß der Minister im vorigen Jahre den Leitungen der Hoch- und Spezialschulen vorschrieb, Juden unbeschränkt als Studenten und Hörer zu immatrikulieren. Und eine noch viel größere Wohltat war es, daß er Konzessionen zur Eröffnung von Mittelschulen an rechtsfähige Juden erteiltedadurch wurde die Schulnot wesentlich gemildert, auch der: Juden die Möglichkeit gegeben, ihre Kinder im Geiste ihrer Religion erziehen zu lassen. Bei alldem konnte auch dieser ausge- Uärte Staatsmann nicht umhin, der Kamarilla Rechnung zu tragen und so hat er es neulich, bei der Eröffnung einer ganzen Reihe neuer Mittelschulen und technischer und agronomischer Lehranstalten für nötig gefunden, die Aufnahme der Juden in diese Anstalten auf 10°/o zu beschränken. Diese auffallende, der ganzen Politik des Mannes zuwiderlaufende Maßnahme ist eben nur aus der Rücksichtnahme auf beu „Verband des russischen Volkes" zu erklären. Mit einer Wül ohnegleichen predigen dessen Organe gegenwärtig den Kreuzzug gegen die Juden; und man muß sich demgegenüber auf alles gefaßt machen. Jk M, Valcistrna. Jerusalem, f>. Juli. Herr Juda Leib Menuchin aus Homel, Vorstandsmitglied bei sehr vielen jüdischen Institutionen Jerusalems, wie min ,"nn -iyi ist nachdem er bloß einige Tage im hiesigen Krankenhause Schaare Zedcck darnieder gelegen hatte, im Aller voil 65 Jahren gestorben. - Rabbiner S ch o n t Chat m aus K o w n o, seit langen Jahren Dajan im pix pi n'3 ist nach langer Krankheit verschieden. — .n"axan — Der hiesige Nconp tron* Verein der Aschkenas. Perusch.-Gemeinde hat ein großes Terrain auf dem Oelberge erworben. Der Verein leistet außer seiner musterbaften Tätigkeit nEK ohdpi roVöto auch viel Segenreiches auf dem Gebiete der öffentlichen' Wohlthätigkeit im allgemeinen, iildem er alljährlich eine sehr hohe Summe an Leidende und Bedürftige verteilt. — Tr. Sch. Lew in, Mitglied der ersten russischell Reichs-Dllma, hat bei seinem Aufenthalte hier ein Referat in hebräischer Sprache über das Leben amerikanischen Inden vom zioniftischelr Standpunkte betrachtet, gehalten. Wie bekannt wurde Rabbiner I a k o b M e °i° e r einstimmig zum Ehacham-Baschi in Saloniki erwählt. Diese Woche ist er vom Kaimekam Rabbiner Moses Halewy nach Konstalltinopel berufen worden, zum Empfang des Jrade des Sultans, durch das seine Ernennung zum Eliacham-Baschi bestätigt werden muß. Am 20. Siwan ist R. Jakob Meter hier abgereist. vermischtes. Frankfurt a. M., 1<- Juli. Wir machen auch an dieser Stelle wiederholt darauf aufmerksam, daß die Redaktion weder für den Inseratennoch für den Reklamenteil irgendwelche Verantwortung übernimmt. Es ist ausschließlich Sache der Leser, die im Inseratenteil und Reklalnenteil enthaltenen Einpfehlungen von Waren oder Instituten usw. auf ihre religionsgesetzliche Zuverlässigkeit zu prüfen. Posen. 25. Juni. Der Probst T h e o p h i l Gapczynski aus Rogasen hatte sich gestern vor der If. Strafkammer des hiesigen Landgerichts auf sechs verschiedene Anklagepunkte zu verantworten. Die Anklage wegen Aufreizung verschiedener Bevölkerungsklassen zu Gewalttätigkeiten bezieht sich auf den Bericht des Polizeiassessors Augustini Der eine am 10. Februar d. Js. in Rogasenabgehaltene „Straz"-Versammlung. Unter anderem sagte der Angeklagte: ,^Zu ihrer Verteidigung brauchen die Polen Geld! Wieviel polnisches Geld wird aber noch zu den Juden getragen! Ich habe in polnischen Häusern überall Kalender gesehen, welche nicht von Landsleuten stammen, jüdische Bilderbeinahe die ganze Parochie kauft leider bei den Juden! Sind denn die Juden die Freunde > cr Polen? Bei den Wahlen hätten sie sehen können, wie diese sich verhalten haben. Selbst Gebetbücher werden bei den Juden gekauft! Wie danken die Juden den Polen dafür? Einen Beweis dafür bildet die Umtaufung des altpolnischen „Jnowrazlaw" in „Hohensalza! Dafür, daß sich die Jnowrazlawer Juden an dem polnischen Adel und dem polnischen Arbeiter bereichert haben, haben sie „Jnowrazlaw in „Hohensalza" umgetauft. Jetzt leben sie vom polnischen Gelbe in Berlin! Pflicht des polnischen Volkes ist es, fortan nur bei Landsleuten zu kaufen, sonst begeht man eine Sünde an der Nation- „Swoj do Swego!" „Ein jeder zu den Seinigen!' — muß das Losungswort eines jeden Polen sein. Diesen Spruch müßte ein jeder Pole über seine Tür anbringenseiner Frau müßte ein jeder Pole einen Zettel auf den Rücken kleben, wenn sie in die Stadt geht. Wenn die Frauen Waren von Andersgläubigen nach Hause bringen, sollten die Männer diese Waren hinauswerfen. Weshalb bereichern sich denn alle Juden? Weil sie es „verstehen"! Ich will nicht zum Boykott auffordern, nicht Rassehaß gegen die Deutschen predigen, sondern dem Volke dartun, daß es sich verteidigen muffe. Gebt mir die Versicherung, daß Ihr alle fortan nur bei unseren Landsleuten kaufen werdet!" Die Versammelten riefen begeist.rt: „Wir versprechen d .s!" Das Gericht erkannte auf eine Gesamtstrafe von drei Monaten Gefängnis gegen den Angeklagten. Stralkowo, 11. Juti. In der jenseits unseres stillen Grenzörtchens belegenen russischen Ortschaft Kon in hatte der reiche jüdische Großkaufmann Leszynsi eine Dampfmaschine errichtet. Dies war den dortigen sieben Windmüllern sehr unangenehm und sie beschlossen, den Konkurrenten aus dem Wege zu schaffen. Sie beredeten daher den neunzehn Jahre alten Wirtssohn Szumanowicz, der sich bereit er lärte, gegen ein Entgelt von 150 Rubeln den Leszynsi ins Jenseits zu befördern. Sz. führte denn auch in den letzten Tagen voriger Woche den Plan aus, indem er kalten Blutes den Dampfmühlenbefitzer, als dieser mit seiner Frau einen Spaziergang unternahm, . niederschoß. Bon dem ausbedungenen Mörterlohn erhielt er nur sieben Rubel, und da sich die Anstifter trotz mehrfachen Drängens zu weiteren Zahlungen nicht verstehen wollten, erstattete der Mordbube gegen sich und seine Verführer die Anzeige. Jetzt sitzen alle acht hinter Schloß und Riegel. Beuel, 12. Juli. Auf dem hiesigen israelitischen Friedhofe sind in letzter Zeit 11 Grabdenkmäler umgeworfen worden. Auf die Ermittelung der Täter setzte die Synagogengemeinde eine Belohnung von 130 Mk. aus. Wien, 12. Juli. Die Oe st er reich i sch-Jsrachitische Union zu Wien erläßt folgenden Aufruf: Am!. April 1899 ist ini B r e z i n a w a l d e bei Polna die Agnes H r u z a aus Klem-Veznitz tot ausgesunden worden. Weiter wurde am 27. Oktober 1898 die Marie Klima aus Ober-Veznitz im „Herrschaftlichen Walde" bei Polna als Leiche aufgefunden. In beiden Fällen wurde behördlicherseits ein Mord konstatiert. Wegen dieser beiden Morde wurde Leopold Hilsne.r aus Polna als Mitschuldiger vom Schwurgerichte schuldig erkannt. Er beteuert aber bisher unausgesetzt seineUnschuld. DieÖsterreichisch-Israelitische Union sichert derjenigen einzelnen oder denjenigen mehreren Personen, die dem Gerichte oder der Oesterreichisch- Jsraelitischen Union oder dem Verteidiger Dr. Zdenko Auredniczek, Hof- und Gerichtsadvokat in Wien, innerhalb zweier Jahre, das ist bis 10. Juli 1909, solche Angaben machen oder Beweismittel beibringen, die zur Entdeckung der Täter oder zur Erweisung der Unschuld Leopold Hilsners und somit zur Wiederaufnahme des Strafprozesses führen, eine Prämie von 20,000 Kronen zu. Diesem Betrag ist bei dem Notar Dr. jur. Johann Janatka in Polna deponiert. Brüssel, 14. Juli. Herr Rabbiner S. Bam be r g e r in Brüssel schreibt uns: Auf verschiedene Anfragen teile ich mit, daß von belgischen Restaurants Hotel Reinsberg in Brüssel und .'Hotel Frank, Ostende während der Saison unter meiner Aufsicht stehen., Uereinswesen. Frankfurt a. M., 16. Juli. Wie bereits in der jüngsten Nummer von „Erziehung und Lehre" mitgeteilt, findet nächsten Dienstag, den 23. d. Mts., in Aschaffenburg die Konferenz der bayrischen Lehrer statt. Seitens der Verwaltung des bayrischen Lehrervereins werden wir ersucht, darauf aufmerksam zu machen, daß sie sich freuen würde, wenn die Versammlung von recht vielen Kollegen aus den angrenzenden Staaten besucht werde. Da Aschaffenburg von allen Seiten aus so leicht erreichbar sei, so hoffe sie um so sicherer auf recht zahlreichen Besuch. Frankfurt a. M., 28. Juni. Der zweite Delegiertentag des Jüdischen Frauenbundes wird am 7. und 8. Oktober ds. Js. in Frankfurt a. M. abgehoben werden. Es steht von Frauen aus allen Teilen Deutschlands eine rege Beteiligung zu erwarten, da Referate von sachkundigen Rednerinnen zugesichert sind und die geplante Besichtigung der mustergültigen Anstalten Frankfurts den Delegierten und Gästen lehrreiche Anregung geben tvird. Personalien. Breslau, 11. Juli. Herr Theodor Oschinski ist im Alter von 63 Jahren verschieden. Er war ein begeisterter Arbeiter im Dienste des Judentumssein Tod bedeutet einen schweren Verlust der Breslauer Gesetzestreuen. iY'asttn»_ Briefkasten. I. W. S. Wenden Sie sich an die Jdiotenanstalt in Idstein im Taunus, wo für jüdische Zöglinge rimelle Beköstigung ermöglicht ist. CüiMon. Aus den flammen. Eine Geschichte aus Lithauen von 2. Schachnowitz-E,rdingen. II. „Was ich hier mache? Es ist mein Heim!" „Willst du nicht auf die Sarde?" „Ich mag den Sand und das Wasser nicht nnd am wenigsten das Weibergeschrei." „So komm zu uns! Unser Stüberl ist stehen geblieben!" Berit lächelte: „An Arbeit wird es nun freilich nicht fehlen, es hat nun Nackte genug im Orte." „Es ist nicht recht Bert — sagte Sorl vorwurfsvoll — nach dieser Nacht so zu sprechen!" „Ich habe in dieser Nacht einen Plan gefaßt, Sorl!" „Und?" — Die kleinen Augen blitzten, die Stimme bebte noch mehr. „Hast Du gesehen, Sorte, was in den Flammen stand?" „Schrecken und Verderben!" „Und Licht und Wiederaufbau." „Wie meinst denn das?"

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