Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 28 (11.7.1907)
- Date
- 1907-07-11
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 12. Nr. 28. Der JSraelit. 11. Juli 1907. '' II. 1. Begrüßungen. 2. Berichterstattung des BereinsvorstandeS. 3. Anträge: I. Antrag der „Bezirkskonferenz" Ansbach: a) Es wollen in allen Kreisen Bayerns sogenannte „Bezirkskonferenzen" ins Leben gerufen werden, die korporative Zusammenfassungen der einzelnen Vereinsmitglieder darstellen. Das Züsammenfinden der Mitglieder zu einer Konferenz ist freier Natur, weder an die Grenzen eines Rabbinats oder politischen Kreises, noch an einen bestimmten Zeitraum gebunden. b) Die verschiedenen „Bezirkskonferenzen" eines Kreises sollen sich wenn tunlich jährlich zu einer Kreisversammlung zusammenschließen. Referent A. Strauß, Uffenheim. Antrag: Erhöhung des Jahresbeitrags auf JC. 25.— Antragssteller: A. Strauß, Uffenheim. 4. Wahl der Verwaltung pro 1908/10. 5. Bortrag: „In wie weit ist eine Umgestaltung des hebräischen Ueberfetzungsunterrichtes nach Stoffauswahl, Stoffverteilung £ und methodischer Behandlung notwendig?" Referent: Seminaroberlehrer Jakob Stoll, Würzburg. Thesen: I. Der hebräische Uebersetznngsuntericht hat die. materiale Aufgabe, dem Schüler den Lehrinhalt unseres Religiongesetzes aus der biblischen Quelle und das Verständnis der Gebete zu vermitteln. II. Als Religionsunterricht fällt ihm aber auch die formale Aufgabe zu, Gemüt und Charakter religiös zu beeinfluffen. Eine solche Wirkung ist nur zu erwarten von dem lebendigen Inhalte der biblischen Erzählungen und Belehrungen, von dem reichen Stimmungs - und Empfimdungsgehalte unserer Gebete und Psalmen. III. Darum sind die pädagogischen Bestrebungen, die den hebräischen Uebersetzungsunterricht im Sinne einer Sprachmethode umgestalten wolfen, verfehlt. Denn das Erlernen der hebräischen Drache ist uns nicht Selbstzweck,- es kann aber auoh Mittel zum Zweck nicht werden, weil der BoÜsschüler nicht dahin gebracht werden kann, hebräische Texte mit grammatischen Hilfsmitteln selbstständig zu übersetzen. IV. Die naturgemäße Methode ist die, welche vom Bekannten ausgeht, in unserem Falle vom Inhalte der Pentateuch - und Gebetstücke, der. zuerst in deutscher Sprache vorbereitet, daraeb'oten, sachlich behandelt und eingeprägt wird. Diese sachliche Behandlung macht — eine entsprechende Stoffgruppierung vorausgesetzt— den besonderen systematischen Religionsuntericht über- Das darauffolgende Uebersetzen ist eine Affocierung der bekannten Begriffe mit den hebräischen Wortformen, wobei die Selbsttätigkeit der Schüler nach Maßgabe des bereits erworbenen Wortschatzes in Anspruch zu nehmen ist. Grammatische Belehrungen sind erst dann am Platze, wenn sie vom Schüler durch vergleichende Betrachtung des ihm eigenen Sprachschatzes zu erschließen sind und sollen nur soweit gehen, als sie geeignet sind, dem Volksschüler das Behalten und Wiäererkennen der Formen zu erleichtern. VI. Die Stoffverteilung richtet sich nach der Schwierigkeit des Inhalts. 1. Auf der Unterstufe sind (neben den zu memorierenden kurzen Gebetssprüchen) vorzugsweise erzählende Stoffe aus 1. B. M. zu übersetzen. 2. Auf der Mittel- und Oberstufe (gewöhnlich vereinigt) wechseln in jedem Jahrespensum Pentateuchstücke erzählenden und belehrenden Inhalts, die nach Gesichtspunkten eines systematischen Religions-Unterrichts gruppiert werden. 3. Die gemütvolle Erfassung der meisten Gebetstücke und Psalmen hat die Kenntnis des geschichtlichen und religionsgesetzlichen Inhalts der Bibel zur Voraussetzung und ist deshalb erst auf der Oberstufe möglich. 6. Freie Aussprache über Schul- und Standesangelegenheiten, insbesondere wünscht die Konferenz „Nürnberg - Fürth" eine Aussprache darüber: 1. Ist eine Änderung des Lehrstoffes der jüd. Religionsschulen nötig? a) hinsichtlich des Umfanges, b) „ der Anordnung, o) „ der Zeit. Es sollen seitens der einzelnen Kurse Referenten aufgestellt werden. 2. Der jüd. Lehrerverein erkennt die Notwendigkeit derSchaffung einer Methodik des jüd. Religionsunterrichtes an und will von Vereinswegen eine Kommission dazu einsetzen; jedem Mitgliede soll ein Teil der Ausarbeitung übertragen werden.Die Konferenzen sollen ersucht werden, zunächst durch ganz kurze, skizzierte methodische Referate für die Methodik a) des Fibellesens, b) der biblischen Geschichte, e) der Bibel (Urtext) [ für den erzählenden und gesetzlichen Teils ihre Stellung zu charakterisieren 3. Der Lehrerverein berate darüber, wie kranken Lehrern, die Heilbäder aufsuchen müffen, in ehrbarer Weise Beihilfe zu den Kurkosten gewährt werden könnte, entweder a) durch Abkommen (Verträge) mit den jüd. Hotelbesitzern und Badeverwaltungen oder b) durch Schaffung von Badestipendien durch den Verein. i. Im Anschluß an die Generalversammlung ist ein gemeinsamer Ausflug nach dem Niederwald geplant. Die Verwaltung: H. Gold st ein, Vorstand. A. Mandelbaum, Schriftführer. Neu markt i. Oberfr. Im Haushaltungsplane der Stadt Neumarkt betragen die Gemeindeumlagen pro 1907 bei den Katholiken und Protestanten je 152 Prozent, die der Israeliten bloß 82 Prozent aus der Staatssteuer. Die Ursache dieser gewaltigen Differenz ist darin zu suchen, daß die Kultusgemeinde Neumarkt eine eigene Religions- und Elementarschule besitzt, an der nur eine Lehrkraft wirkt, wodurch die Kosten bedeutend geringer sind, was an anderen Plätzen in analoger Weise der Fall sein wird. Die Gründung von jüdischen Volksschulen ' ist daher das beste Mittel, um die Mitglieder vor überaus hohen Umlagen zu bewahren, und unter allen Umständen sollten die Gemeinden in ihrem eigenen Interesse darauf bedacht sein, die bereits bestehenden jüdischen Volksschulen zu erhalten. Die Preisgabe derselben bei Lehrerwechsel bedeutet eine gefährliche Operation am eigenen Körper, die, wenn sie einmal vorgekommen ist, sich nicht mehr ungeschehen machen läßt, und die Reue folgt immer auf dem Fuße nach, ohne daß man hernach daran mehr etwas ändern kann. ScherjHa«. nbDn nytp ino Siddur Schaare Tefillah. Gebetbuch für Synagoge, Schule und Haus. Heraus gegen von der Bereinigung tsr. Religionslehrer und -Lehrerinnen zu Frankfurt a. M. Unter Mitwirkung einer Kommission bearbeitettet von I. B. L e v y, Lehrer in Frankfurt a. M. «weite vermehrte und verbesserte uflage. Rödelheim. Druck und Verlag von M. Lehrberger u. Co. 1907. - 1 Mk. Der Umstand, daß ein Gebetbuch innerhalb Jahresftist eine zweite Auflage nötig macht, spricht schon an und für fich für desien Brauchbarkeit Hierzu kommt noch zur weiteren Empfehlung, daß diese neue Auflage eine ganze Reihe von umfasienden Verbesserungen und Erweiterungen aufweist. So find u. A. die Semirot für Freitagabend, die Seelen- und Gedächtnisfeier (niDttf: mDTPl)/ sowie eine systematisch geordnete Auswahl von Machsorstücken, die fich besonders für die Durchnahme in der Schule eignen, und eine kurze Leselehre dem Buche beigegeben worden. Als einen besonderen Vorzug dieses neuen Siddurs bezeichnen wir das nach dem Kalender geordnete Verzeichnis der Gebete an allen ausgezeichneten Tagen des Jahres (S. 10—17). Hier ist alles deutlich und klar zusammengestellt, was der Schüler und Beter wisien muß, um sein Gebet nach Vorschrift verrichten zu können. Alles ist übersichtlich geordnet, in schönen und gefälligen Typen ausgeführt. Guter Druck, gutes Papier, guter Einband, was man in den stüheren Siddurausaaben vermißte — es findet fich hier alles beisammen- Wir zweifeln nicht taran, daß dieser neue Sitdur viele Anerkennung finden und in Synagoge, Schule und Haus den „Dienst des Herzens" segensreich fördern wird. Nachschrift der Redaktion: Der vorstehenden Besprechung der neuen "NIO-Ausgabe, die uns von befreundeter Seite zur Verfügung gestellt wurde, haben wir um so lieber Raum gewährt, als sie nur unsere eigene Ansicht darüber wiedergibt. Wir können noch hinzufügen, daß wir auch die geordnete Zusammenfassung der □'O'H über funn und auf Seite XXVII der „Gebetordnung" als einen Fortschritt begrüßen. Dagegen müfien wir auf unserer Ansicht beharren, daß es ein Fehler war, diese und viele andere □,o-j aus dem Text zu entfernen und in die „Gebetordnung" zu verweisen, viele wichtige piyi hingegen ohne jeden ersichtlichen Grund gan; hinwegzulasien; wir und mit uns viele Kollegen hätten eine Vermehrung derselben gern gesehen. Dabei ist der Herausgeber ganz inkonsequent vorgegangen bald bringt er einen p im Text, bald weist er bloß auf die „Gebetordnung" hin und bald läßt er ihn ganz weg, immer o.ne erkennbaren Grund. Ein grober Fehler ist aus der ersten Auflage in die zweite mit hinübergenommen worden: wird bekanntlich nach bin VT eingeschaltet und nicht nachni^Ob PD-lDn jUIV wie Seite 91 angegeben. Sprechsaal. In den letzten Nummern wurde die Frage erörtert, ob man mit nicht eingeschulten Kindern bereit ' das Hebräische Lesen beginnen soll. Es wird die Leser dieses Blattes interesiieron, zu erfahren, daß schon im Talmud über diese Frage diskutiert und die einzig richtige Lösung gegeben wurde, daß cs auf die körperliche Beschaffenleit des Kindes ankommt. Die Stelle (Kethubolh 50a) lautet: niriD 1:3 litt b"D JWttp 31 1ÜÜ pL-1 insn ’HDfcn 1ZV1O irw rnrm p m? td:i in:™ m^inrii in» pjroo p»i mn» M331 an WTDl «n »Q» n’JQ'W- „Wer seinen Sohn unter sechs Jahren zum Thoralernen bringt (es ist, wie das Vorhergehende zeigt, vom allerersten Unterricht die Rede), der kann seinen Jungen nie recht wieder gesund kriegen, Andere meinen: er ist von seinen Mitschülern nie (in seinen Fortschritten) wieder einzuholen. Und Seide haben recht: Er macht Fortschritte, bleibt aber schwach. Ich kann die beiden Meinungen aber auch so ausgleichen, daß die Einen von einem schwachen, die Anderen von einem kräftig'n Kinde reden". Diese letztere Antwort wird dann im Schu'chan Aruch Jore dea 245, 8 als Halacha rezipiert. Allerdings wird dort auch die Ansicht Abarbanels (eus seinem Kommeniar zu Aboth 5, 24) zitiert, nach der die Kenninis der Buchstaben schon im Alter von drei Jahren beigebracht werden muß, eine Vorschrift, der man im allgemeinen nicht nachzukommen pflegt, obwohl sie durchführbar ist. Warum sollten die Eltern den Kindern nicht spielend die jüdischen Buchstaben beibringen können? Es macht so einem kleinen Knirps außerordentlich viel Vergnügen, aus der Tefilla, d m Chumesch die ihm bereits bekannten Buchstaben herauszusuchen. Natürlich dürftedasnieeineArbeitsein, keine Strafe, kein heftiges Wort darf fallen. Es muß für den Kleinen eben ein Spiel, ein Vergnügen sein. Und wird es den Kleinen zu schwer, dann läßt man es eben bleiben. So würde man beiden Ansichten, die hier im Sprechsal zur Geltung kamen, gerecht werden können. Man würde mit dem eigentlichen Hebräischen Lesen bei einem nicht so kräftigen Kinde, und das sind unsere Großstadtkinder meistens, erst nach dem deutschen Lesen beginnen, die Kinder lernen dann in drei Wochen, wozu sie sonst ein halbes Jahr brauchen. Und „die Superiorität der 'pH min" würde den Kindern praktisch dadurch eingeprägt, daß fie die hebräischen Buchstaben vorher gelernt haben. Jüdisches Leben und jüdisches Fühlen kann und muß vor allem durch die Praxis in dem Hause geweckt werden. Statt der vielen Gaffenlieder, die die leinen aufschnappen, sollen fie niTDT mitfinge.r, über alles und jedes eine N313 sagen usw. Da haben sie zu sechs Jahren einen ganz gehörigen Stoff im Kopfe angesammelt, der Junge hat sich ordentlich an dm heiligen Laut gewöhnt und bann lernen fie nachher in Windeseile, wozu fie fimher unnütz lange Zeit gebraucht. Wgm.