Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 28 (11.7.1907)
- Date
- 1907-07-11
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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MWWWW mm WMMMWWWMIMWffWMWWWWWW ';y^r«r^«r5p;!^s? ' Nc. 28. 11. Juli 1907 WeMeLo«. Aus den flammen. Eine Geschichte aus Lithauen von S. Schachnowitz -Endiuge«. Lieber Leser, hast Du schon einmal eine Feuersbrunst gesehen? Ich meine nicht da, wo Messinghelme glänzen, Kommandorufe erschallen, Straßen abgesperrt werden, Maschinen arbeiten und aus riesigen Spritzen und .Schläuchen dem wilden Elemente zu Leibe gegangen wird. Das ist keine Feuersbrunst, es ist eine Augenweide für einige Augenblicke, an die später höchstens noch die Versicherungsgesellschaft denkt, ein Kinderspiel gegen das Feuer, wie es jetzt noch oft in meiner Jugenderinnerung aus der lithauischen Heimat auflodert. Es ist stockfinstere Nacht. Tausende geplagte Existenzen haben nach des Tages Mühen und Sorgen Ruhe and Vergessenheit in den Armen des heiligen Schlafes gesunden, ebensoviele haben sie vergebens gesucht, diese Ruhe. Da träumen die einen von Glück, von Morgenrot, da drehen und wälzen sich die anderen auf ihrem Lager und mühen sich, all die kleinen Teufelchen zu verscheuchen. Da, ein unheimlicher Dämpfer, ein vielstimmiger, unartikulierter Ruf draußener wächst und hallt von der Nachtluft getragen wie aus allen Ecken und Enden auf einmal. Was war es, was gibts? Wo brennt es? Und blutrot leuchtet es zum Fenster hinein. Es lodern und züngeln die Flammen, Funken sprühen, der Himmel ist wie blutgetränkt und die Stadd ist hell beleuchtet. Alles läuft, stürzt, stürmt. Wohin, woher? Der Geruch benimmt den Atem und der Rauch dringt in die Augen und in die Kehle. Die Sturmglocke ist von dem Gewühl der Straße längst übertönt und nur: läßt der Meßner müde seinen Arm sinken nnd flüchtet sich vor den heranfliegenden Funken aus dem Turmraum. Und jetzt kehren die Väter eiligst heim, um ihre Habe in weiße Laken und graue Säcken zu packen. Alles, was die Hand im ersten Schrecken erwischen kann, wird geborgen, ein Band, eine Schnur, ein alter Rock, ein wackeliger Schemel, indes das Nützlichste und Kostbarste wohlverborgen den Flammen überlassen wird. Die Weiber -reißen ihre schreienden Kinder aus dem Schlafe. Hinaus, hinaus! Rettet, helfet! An den eigentlichen Brandplatz denkt keiner- Dort brennt ein Dutzend Strohdächer auf einmal. Die Feuergarben haben nun auch die höheren Schindeldächer erreicht. Die Balken stürzen, Fenster klirren, Mauern sinken. Ganze Häuserreihen verschwinden. Es rauscht und zischt und knattert. Die Behörde ist am Platze und hat sich bereits heiser geschrieen. Die tapferen Soldaten, die als erste auf dem Platze waren, dringen unter wahrer Todesverachtung in die halbverkohlten Häuser ein und — stehlen und plündern tapfer, alles, was noch den Flammen zu entreißen ist. Und nun graut der Morgen. Eine Menge glimmender Schutthaufen. Man schreit nicht mehr, man jammert nicht mehr. Kehle und Augen sind ausgetrocknet. Man nimmt das weiße Bündel, in dem einige Habseligkeiten zusammengewürfelt sind und seine halbnackten Kinder und geht. Wohin? Dort, wo die Hütten gestanden, liegt ein verkohltes Häuflein, aus dem hie und da ein Funke aufschimmert. Ein zackiges Brettchen liegt fast unversehrt da. Der Kleine, der die ganze Zeit erstaunt und schlaftrunken die Flammen angestarrt, erkennt den Teil seines Bettchens und will darnach greifen. Er verbrennt sich die Finger und fängt an fürchterlich zu schreien. Seine Stimme ist klar und hell und frisch, der einzige, der sich noch nicht heiser geschrieen und geweint hat. Wohin mit dem weißen Pack? Es sind darin einige alte Schuhe, aber kein Kleid. Die Sabbathkleider sind mit dem Schranke verbrannt. Einige Krusten Brot und ein schwarzer Topf sind auch gerettet, aber die Gold- und Schmucksachen, Der JSraeltt. Seite 9. teuere Familienandenken sind verschwunden. Die Schlüssel liegen alle wohlbehalten im Sacke, aber kein einziges Schloß ist mehr da, das ihrer bedürfte, kein einziges Hemd ist gerettet. Wohin? Auf der „Sarde" (Sandufer an der Memel) bauen sie Zelte. Her mit den Laken, Decken und Säcken! Bringet Holz, Stangen, Pfeiler, Bretter, Seile und Stricke! Noch einen Augenblick betrachtet Zemach den schwarzen rotfunkelnden Haufen. Dann geht er mit Weib und Kind nach der „Sarde". Beril, der Achtzehnjährige, geht nicht nach der „Sarde". Er will den Eindrücken der Schreckensnacht nicht entfliehen. Hier, angesichts der auflodernen Flammen war der Plan bei ihm aufgetaucht, hier am Kohlenhügel sollte er fertig ausreifen. Dort auf der „Sarde" ist Sand und Wasser. Sein Plan sollte aber nicht zu Wasser werden, sollte sich nicht in den Sand verlaufen, er hat ihn heute Nacht mit Flammenschrift am Himmel gezeichnet gesehen. Er setzt sich auf einen Balkenteil, den Kopf mit beiden Händen gestützt. So hat er einmal auf einem Bilde den Propheten Jeremiah gesehen, wie er brütend, klagend und hoffend auf den Trümmern Jerusalems saß. H o f f e n auf einem glimmenden Schutthaufen? Wie es da rot und hell aufflackert! Wie die feurigen Goldpunkte durch Rauch und Asche durchschimmern! Beril greift nach dem unversehrten Wandbrettchen der Kinderwiege. In dieser Wiege hat er vor Jahren geruht, darin sind ihm die Lieder gesungen worden von „Rosinen und Mandeln, damit er soll handeln" und „von der Tauroh, der besten Sechauroh, die ihn soll begleiten und ihm Glück bereiten." Und als er später als Knabe in der gleichen Wiege die kleinen Geschwister schaukelte und das gleiche Lied sang, da gingen andere Gedanken durch seinen Kopf. Er wollte ein Mann werden, arbeiten und den armen Ettern helfen. Rosinen und Mandeln hatte er nicht ungern, aber Handeln war nicht sein Fach, und die Thora die beste Ware, die wollte nicht recht in den Kopf. Nun, man muß auch nicht immer nach dem besten trachten. Und so auf dem langen Tisch mit unterschlagenen Beinen sitzen und die Nadel schwingen, wie etwa Koppel, der Schneider, dem er täglich zusah, das dünkte ihn gar nicht übel und unehrbar. Als Beril mit 15 Jahren seinen Eltern rundheraus erklärte, er wolle der Koppel die Schneiderei erlernen, da zittierte der Vater, ein ehrbarer Handelsmann, der nur Rabbonim, aber keinen Handwerker bisher in seiner Familie aufzuweisen hatte, weinte die Mutter, die ihren Erstgeborenen für etwas besseres bestimmt glaubte; es half nichts. Kein Weinen und Bitten, kein Schelten und Drohen konnte ihn von seinem Vorhaben abbringen. Seit einem Jahre bezog er nun von Koppel eine kleinen Wochenlohn. Er nähte sich in der Feierabendstunde aus einem Futterreste ein Beutelchen, das er um den Hals hängte. Allwöchentlich tat er es auf, um das, was er nach dem täglichen Brod erübrigte, hineinzutun. Mit der Hand auf dem Beutelchen schlief er abends ein und morgens beim Erwachen griff er nach seinem Schatz an der nackten Brust. Als die Flammen die Nacht erhellten, ließ er die Hand nicht von der Brust, als müßte er den Schatz vor den sengenden Funken schützen und nun schien es ihm, als stände es mit roter Flammenschrift deutlich am Himmel geschrieben: Dorthin! dorthin! Und es qualmte der Rauch und es flogen die Funken, alle dorthin, dorthin-! Ob es wohl langen wird? Er hatte seinen Schatz schon lange nicht mehr gezählt. Nun nahm er eine spitze Holzkohle aus dem Haufen und schrieb damit auf sein Bettbrettchen, hier die Wochen, hier die Zahlen. Und nun zählte, rechnete, dachte und schrieb er. — „Was machst denn hier?" Es war nur eine, die in diesem Tone zu ihm reden konnte, Sorl die Schneiderstochter. Ihre | pechschwarzen Haare waren ungekämmt und ringelten sich in langen Strähnen um den weißen Nacken, und die geröteten Wangen. Ihre kleinen schwarzen Augen schimmerten und die Stimme bebte. Fortsetzung folgt. Sabbat-Anfang u. Ausgang. 'yDDi müö ORT: Anfang Data« Ausgang Uhr iMin. 1907 S667 UhrlMin. t3.Juli e. Aw Frankfurt a M 7 45 9 30 Berlin .... — — 9 35 München . . . 7 15 9 00 Stratzburg . 7 30 9 20 Pose« .... — — 9 11 Breslau - . — — 9 00 Nürnberg ■ . — — 9 10 Stuttgart. . . 7 30 9 14 Prag. 8 30 9 00 Für de« Reklamenteil ist die Redaktio« nicht toenmfc wörtlich; insbesondere ist es ausschließlich Sache der Leser, die im Reklameteil enthaltene« Empfehlungen ritueller Ware« oder sonstige Anaabeu religionsaesetz» lichen Charakters auf ihre Znverläsfigkeit z» prüfe». Kaiser Friedrich Quelle 63461 - Offenbaeh a. M.-— I „Gegen Gicht n. Rheumatismus bewUurt.M Ich hab ja wahrhaftig alle Tascbaa «all, für eine Schachtel Fays ächte Sodener Mineral- Pastillen muß sich aber der Platz immer noch finden — ohne die geh ich einfach nicht auf die Sommertour. Die schützen die Schleimhäute gegen Reizungen» die leisten ausgezeichnete Dienste bei Erkältungen, denen doch jeder Sommerfrischler und jeder Tourist auSgesetzt ist; sie und bequem mitzuführen und haben den besonderen Vorzug» daß ste auch dem Magen gut tu» und beispielsweise kein Sodbrennen aufkommen lassen. Für so nützliche Dinger aber muß sich schon noch ein Eckchen im Rucksack finden. Man kaust Fatzs ächte Sodener Mineral-Pastillen für 85 Pfg. in jeder Apotheke, Drogen- oder Mineralwasserhandlung, weise aber jedwede Nachahmung entschieden zurück. Spa (Belgiens Dieser schöne Badeort sieht von Jahr zu Jahr die Zahl seiner jüdischen Gäste sich vermehren. In der Sommersaison wird da ein Gottesdienst abgehalten und fü rituelle Küche ist auch gesorgt worden. So sind die moralischen und materiellen Jntcresien unserer gesetzestreuen Juden zufriedengestellt, denn weltberühmt sind die lohlensäurchalrigen Wasser, Badeanstalten von Spa. Weiterhin bietet die Lage in den belgisch« Ardennen eine Stätte für Erholungsbedürftige rmü Kranke__ Das Restaurant von H. Baumann in Berlin, Friedrich st ratze, untersteht nicht mehr der Aufsicht des Rabbinats der Adatz-Jisroel-Gemeinde. Es verbleib« unter desien Aufsicht die Restaurants Wwe. Pa ul ine P e t t a s o h n (Ausrichtung von Festesien), Kaiser Wilhelmstratze 3, Simon Lewin, Neue Schönhauserstr. 10 und F. Simon, Gipsstr. 12a. Bad Nenndorf bei* Hannover. Unser idyllisch gelegener Badeort, der seit mehrerm Jahrhundert« bet vielen Menschen best« Erfolg, selbst bei den hartnäckigsten Gicht-, Rheumatismus-, Ischias- und Hautleiden erzielte, rühmt sich auch in dieser Saison. großen Zuspruches selbst aus hohen Kreisen. Der Platz bietet aber auch Erholung Suchenden eine wirkliche Stätte, an der man ungezwungen und still ini großen schartigen Park und Waid ungestört neue Kräfte sammeln kann. Es kommt hinzu, daß man hier bei bester Verpflegung streng rituell leben kann. ____ Bav Salzschlirf, 29. Juni. Ihre Majestät die Königin-Witwe Carola von Sachsen hat ikre vierwöchige Kur in Bad Salzschlirf mit außerordentlich gutem Erfolge beendet. Der Kurdirektor, Oberleutnant a. D. Haeseler, wurde bei diesem Anlasie von Seiner Majestät dem Könige von Sachsen zum Ritter des Albrechtsordms ernannt. Die Ueberreichung der Insignien fand durch den Kammerherrn Seiner Majestät des Königs und Oberhofmarschall Ihrer Majestät der Königin-Witwe, Exzellenz von Malortie, persönlich statt._ Gewerbe-Akademie Friedberg. Die an der Akademie hier kürzlich wieder unter dem Vorsitz e neS städtischen Prüfungskommifsars (Geh. Baurats) in dm Abteilungen für Maschinenbau, Elektrotechnik, Bau-Jngenicurfach und Archikekturfach abgehalteoen Ingenieur- Prüfungen haben wiederum ein günstiges Resultat ergeben, denn von den Kandidaten der Hauptbezw. V orprüfung bestanden II mit dem Prädikat „sehr gut", 20 mit „gut", 10 erreichten die Note „bestanden", während 3 die Prüfungen gan; oder teilweise wiederholen müsien. D. s neue Maschinenlaboratorium ist dem Herrn Dozenten Dipl. Ing. Jmmerschilt unterstellt, der auch im Verein mit den übrigen Dozent« wieder tie Ercurfionen in die amliegmden Jndustrieknzirke leirm wird.