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Der Israelit · 1907-07-11 · Heft 28 (11.7.1907) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 28 (11.7.1907)
Date
1907-07-11
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 38. Seite 7 11. Juli 1907. _ zu der jüdischen Religion bekennen, geworden sind, als Juden, die in Holland wohnen. So dann und wann kann das alte Semitenblut wohl noch ein Mal zur Geltung kommen. Es ist also „Leben in der Brauerei", wie die Holländer sagen. Das Stück heißt: Kabale und Liebes es ist ein bürgerliches Trauer.oder. . . ich weiß nicht recht... Lustspiel - Ort der Handlung: Rotterdam. Personen: ein Präsident, eine Mylady — besser: ein Fräulein — die einzelnen Mitglieder eines Kirchenrats, ein Gemeindevorstand, ein Oberrabbiner und verschiedene Nebenpersonen. Die Handlung spielt zu einem kleinen Teil in Brüssel, größtenteils aber in Rotterdam im Sitzungszimmer des Konsistoriums, im Arbeitszimmer des Gemeindesekretärs u.s.w. Die Sache ist übrigens eine ganz einfache. Eine ganz gewöhnliche ri-il'!-Geschichte. Erft Liebe, dann Kabale! Ein Jude, der ein christliches Mädchen heiraten möchte — Anfrage beim Oberrabbiner, ob er sie ins Judentum aufnehmen will — dessen Weigerung — desgleichen bei den anderen holländischen D'33"» — Reise nach Brüssel — der dortige Rabbiner Schwarz lehrt, examiniert, nimmt ins Judentum — sein Judentum — aus und vollzieht die Trauung — das junge Paar kommt nach Rotterdam und will sich ins Gemeinderegister eintragen lassen — Vorstand und Oberrabbiner sagen ,>nein" — Kirchenrat sagt „ja" — Zusammenstoß und Kampf. .. Es sind hier wohl schon mehr nni^-Geschichten vorgekommen. Ich spreche dabei von den letzten 30 Jahren. Aber wenn der Verlauf der Sache den Vorschriften des y"tr entsprach, die DHJ? — worüber man sich ja informieren konnte — D*Htrr Dny waren, da konnte, wenn auch die Aufnahme ins Judentum selbst tadelnswert war, doch nichts gegen die Eingliederung in den Gemeindeverband eingewendet werden. Wenn aber die beiden Heiratslustigen, der Jude und die Christin, einfach zu einem Reform-Rabbiner gehen, da kann man sich denken, daß der Mann, der es sonst mit dem y-'tt? auch nicht so genau nimmt, es hier gewiß nicht tun wird. Als nun die 0D2NL die Einschreibung verweigerten und dabei meinten, damit sei nichts getan, daß Herr Schwarz sich Rabbiner nenne, es könne sich ja schließlich wohl jeder Rabbiner nennen, da ging der junge Ehemann, der gewiß wie iraK divqk zu tun meinte, wenn er ru^Bfn 'L22 nnn war, aber dabei vergaß, daß ritt orrofc . O'twn nK m^aö ’nti'l hin zu Rabbiner Bloch in Brüssel und holte sich dieBescheinigung, daß die Handzeichnung und Befugnis des Herrn Schwarz in Ordnung gingen. Jetzt erhob in der Sitzung des Kirchenrats der Präsident die Forderung, daß das Verlangen des Ehepaares bewilligt werde, und man hörte Argumente wie: die Trauung ist in Ordnung, und der Oberrabbiner hier hat mit der Sache nichts zu schaffen, denn es ist eine rein administrative Frage. Schließlich ward ein Beschluß gefaßt mit 11 gegen 4 Stimmen, wonach die OD21L um die Eintragung ins Gemeinderegister ersucht werden. Drei Tcwe später sandte der Oberrabbiner Dr. B. Ritter dem Kirchenrat einen Brief, der sehr ruhig und gemäßigt gegen die Einschreibung protestierte. Es wurden nun in Zeitungen und in der Oeffentlichkeit verschiedentlich Stimmen laut, die gegen die Einschreibung sprachen. Da nahm man denn, um die Gegner der Einschreibung zu diskreditieren, seine Zuflucht zu allerlei übler Nachrede, die jedoch von vornherein kein Vernünftiger glaubte und die sich nachher auch als eitel Verleumdung herausstellte. In einer neuen Sitzung des Kirchenrates traten die orthodoxen Mitglieder der Einschreibung wiederholt entgegen und erklärten die Niederlegung ihres Mandats. Der Kampf wogt weiter. Wie das Ende isthoffe ich Ihnen auch zu schreiben. Vorläufig will ich Ihnen in meinem folgenden Brief erzählen, wie es kam, daß kein holländischer Rabbiner für die Proselytierung der Christin zu haben war, d. h. ich beabsichtige Ihnen einiges über die Geschichte und Einrichtung des Der Israelit. niederländischen jüdischen Rabbinerseminars milzuteilen. gvankveidj. Paris, 6. Juli. Ali Kemali, Sekretär der ottomanischen Vertretung im Haag, gibt bekannt, daß der Konferenz ein vom Foreign Office befürworteter türkischer Vorschlag zugehen werde, große Gebietsteile Mazedoniens der Kolonisierung durch jüdische Familien zu überlassen. Die zionistische Zentralleitung bekämpfte zwar das Projekt, aber Zangwills' Autorität hat genügt, das Foreign Office aufs neue günstig zu stimmen. (Der Plan, gerade in der unruhigsten Ecke Europas jüdische Auswanderer anzusiedeln, erscheint auch abgesehen von der Frage der Durchführbarkeit als ein ziemlich abenteuerliches Beginnen.) gdfmeii Zürich, 1. Juli. Eine Eingabe der israelitischen Religionsgemeinschaft an den Stadtrat, jüdischen Kaufleuten, die am Samstag geschlossen haben, zu gestatten, ihre jüdischen Angestellten am Sonntag in bestimmten Stunden in ihren Bureanx und Magazinen zu beschäftigen, ist abgewiesen worden. Oesterreich. Bielitz, 5.. Juli. Am 30. Juni und 1. Juli hielten die österreichischen Zionisten, unter Teilnahme der zionistischen Reichsratsabgeordneten hier ihren Parteitag ab, der aus allen Kronländern beschickt war. Den Jahresbericht des Landeskomitees erstattete dessen Obmann, Doktor Scha lit aus Wien, der auf die politischen Erfolge der Zionisten im letzten Jahre hinwies und betonte, daß die Vorgänge in Rußland der unmittelbare Anstoß für eine selbständige jüdische Politik der österreichischen Juden wurden. Es wurde versucht, die Judenfrage auf die Tagesordnung der Haager Friedenskonferenz zu setzen. Trotz der Unterstützung Englands und Amerikas wurde bloß erreicht, daß in der nächsten Zeit in Haag eine Ausstellung eröffnet wird, in der einer Statistik der volkswirtschaftlichen Bedeutung der Juden in der ganzen Welt eine Statistik der Judenmaffakres der letzten hundert Jahre und ihrer Folgen gegenübergestellt werden soll. Auf Antrag des Abgeordneten Dr. Gabel wurde der Parteileitung das Vertrauen ausgesprochen. Einen großen Teil der Beratungen nahmen die Organisationsfragen ein. Es folgte eine Debatte über die Beteiligung der Zionisten an fremdnationalen Bestrebungen. Die Zionisten aus Böhmen traten für die Unterstützung der deutschen Schutzvereine ein. Der Antrag wurde nach stürmischer Debatte abgelehnt, wobei das Verhalten der deutschfreisinnigen Partei während der parlamentarischen Vorgänge der letzten Woche den Ausschlag gab und auch auf die Demonstrationen an der Prager Universität gegen den Abgeordneten Dozenten Dr. Mahler hingewiesen wurde. Am Sonntag referierte Abg. Dr. Mahler über die jüdischen Ansiedlungen in Palästina. — Zu bemerken ist noch, daß die meisten Delegierten leider am Sabbath ankamen und sich's in den christlichen Restaurants wohl schmecken ließen und daß die zionistische Festgemeinde den Schiwo osor betamus am besten durch einen Kommers glaubte begehen zu können. Rußland. Petersburg, 4. Juli. Gestern hielt der Vorsitzende desVerbandesderecht russischen Leute in Odessa, Graf Konownizin, eine Versammlung ab, nach der auf ein läppisches Gerücht hin, daß die Juden einen Ueberfall auf das Stadthaus planten, die nächsten Straßen abgesucht wurden. Dabei wurde jeder entgegenkommende Jude mit Revolver, Dolch oder Gummistock angefallen. Ein alter jüdischer Trödler wurde erschossen, sechs Juden wurden tödlich verwundet. Erst dann erschien die Polizei und zerstreute die Verbandsmitglieder. Ihr Leiborgan erklärt nunmehr, daß der Verband beschlossen habe, dauernd in dieser Art gegen die Juden vorzugehen. Die Lage der Juden ist äußerst traurig, da niemand diesem barbarischen Vorgehen ernstlich steuert. Urrrnttnien. Bukarest, 7. Juli. Die erste Gruppe von Auswanderern, die zum Teil aus den von den Dörfern in der Moldau vertriebenen israelitischen Handwerkern und zum Teil aus kleinen Landwirten besteht, ist bereits zusammengesetzt worden. Die Auswanderer werden auf Kosten der „Jewish Colonisation Association" nach Canada gesendet werden. Bukarest, 5. Juli. Bezüglich der von der „Cronica Jsraelita" gebrachten Nachrichten über Mißhandlung jüdischer Soldaten in Dorohoi hat der Kriegsminister General Averescu dem Bukarester Korrespondenten der „Boss. Ztg." mitgeteilt, daß ihm der Fall, durch anonyme Denunziation zur Kenntnis gebracht worden sei und er eine strenge Untersuchung angeordnet habe, deren Resultat noch aussteht. Soviel sei jetzt schon festzustellen, daß die schlechte Behandlung jüdischer Soldaten in der rumänischen Armee unter keinen Umständen ein System darftelle und daß es sich höchstens um einen isolierten Fall handeln könne. Wenn es Schuldige gebe, so werden sie ohne jedwede Rücksicht strenge bestraft werden. (Hoffentlich macht der Minister sein Versprechen auch wahr.) Amerika Fladiridifen aus fimerifta. (Bon unserem Korrespondenten.) Newyork, 1. Juli. Am 9. Juni fand der Jahreskonvent des Verbandes der orthodoxen Gemeinden der Bereinigten Staaten und Canadas in der Synagoge in der 85. Straße in Newyork, statt.*) Wie gewöhnlich brachte der Jahresbericht des Präsidenten Rabbiner Dr. H. Pereira Mendes eine Fülle interessanter Mitteilungen, die ein beredtes Zeugnis von der reichen und ersprießlichen Tättgkeit des Verbandes für die Stärkung des orthodoxen Judentums in Amerika ablegen. Der Verband hat erfolgreiche Vorstellungen gegen die christlichen Feiern in den öffentlichen Schulen bei dem Erziehungsrat der Stadt New-Aork gemacht, hat die jüdischen Insassen öffentlicher Anstalten mit Mcttzos für die Pesach-Feiertage versorgt, und ist damit beschäftigt für die jüdischen Taubstummen einen speziellen Gottesdienst einzurichten. In Verbindung mit der Sabbath-Afsociation hat er für die Sache der Sabbath-Heiligung gewirkt und neuerdings auch für die Interessen der Juden in einigen südamerikanischen Staaten eine nützliche Tätigkeit entwickelt. Auf dem Konvent waren 145 Gemeinden durch Delegierte vertreten, eine achtunggebietende Zahl, wenn auch nur ein kleiner Bruchteil von den nach Tausenden zählenden orthodoxen Gemeinden Amerikas. Bei der Nachmittagssitzung hatte man das seltene Vergnügen, einen bedeutenden deutschen Gast in der Person des bekannten Herrn Benjamin Hirschaus Halberstadt als Redner zu hören. Derselbe sprach über die Verhältnisse bezüglich der rituellen Speiseanstalten in Amerika, die er auf Grund seiner Reise-Erfahrungen als herzlich schlechte bezeichnete, und ersuchte den Konvent dahin tätig zu sein, daß ein Verein ähnlich dem deutschen Verein für rituelle Speise-Anstalten für Amerika ins Dasein gerufen werde. Seine Rede wurde sehr beifällig ausgenommen und ein seinen Vorschlägen entsprechender Beschluß gefaßt. Am Abend fand eine stark besuchte Massenversammlung in der Synagoge in der Rivingtonstraße statt, in welcher Ansprachen von den Rabbinern Dr. Mendes, Drachman, De Sola und einigen anderen Herren gehalten wurden. Bor Kurzem wurde in New-Iork in höchst eindrucksvoller und feierlicher Weise die Beettli- *) Wir haben darüber bereits in großen Zügen berichtet D. Red.

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