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Der Israelit · 1907-07-11 · Heft 28 (11.7.1907) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 28 (11.7.1907)
Date
1907-07-11
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Der Israelit. li. IM l«07 - Cdte 4. Rr. 28. . _ §uden der außer dem Ackerbau noch möglicher, eschaftigung, wie sie in einer Naturalwirtschaft der Handel mit den, Ueberschusse an Produkten, mit Luxusartikeln, u. s. w. ist, zugewendet haben. Eine andere Beschäftigung war für sie ausgeschlossen, denn die Bildung einer Klasse von Handwerkern ivar bis zum XII. Jahrhundert geradezu unmöglich. Die Gesellschaft hatte noch nicht jene Entwicklungsstufe erreicht, auf welcher es für eine beträchtliche Anzahl von Leuten nutzbringend war, sich ausschließlich dem Gewerbe zuzuwenden. Daß die Juden frühzeitig zu Trägern des Welthandels und insbesondere des Handels mit dem Orient geworden find, dafür ist eine andere Erklärung, als die des auf der Oberfläche plätschernden Rassentheoretikers, so einleuchtend, daß wir den vorausgesetzten „spezifisch jüdischen Handelsgeist" ganz außer Betracht lassen können. Es ist eine soziologische Tatsache, daß sich der Handel als unabhängige Beschäftigung zuerst im Dienste des Luxus entwickelt, noch ehe es eine Klaffe von Händlern in Rohprodukten des Landes gibt. Da nun einerseits in den germanischen Staaten bei den wohlhabenden Klassen, dem Adel und den geistlichen Großen das Bedürfnis nach Luxusartikeln vorhanden war, dieselben aber innerhalb germanischer Länder nicht beschafft werden konnten, so mußten die jüdischen Händler solche Gebiete aufsuchen, welche die germanischen Länder an Kunstfertigkeit und natürlichem Reichtum übertrafen. So kamen sie nach dem Orient, denn uur dort waren die verlangten Berkaufsgegenstände zu finden. Zunäckst kommt noch ein wichtiges Moment in Betracht, welches den jüdischen Händlern erlaubte, das Netz ihrer Beziehungen über alle bekannte Welt zu spannen. Die jüdischen Händler besaßen ein wichtiges Privilegium, welches ihnen von keinem Machthaber verliehen wurde noch verliehen werden konnte, das aber den faktischen Zuständen entsprungen war. So oft sich der jüdische Kaufmann auf den Weg machte, konnte er getrost auf die für ihn so wichtiger, Dienste rechnen, welche ihm die. fast ununterbrochene, von dem entferntesten Okzident bis nach dem weiten Orient fortlaufende Kette von Gemeinden seiner Stammesgenossen leistete. Er wußte sich überall verstanden, denn die einzige Weltsprache war dazumal die hebräische. Aller Orten boten ihm seine Stammesgen offen Informationen über Handelsplätze und Gelegenheiten. Wohin ihn nur sein Harrdel führte, überall fand er bei seinen Brüdern Schrrtz und Hilfe, Rat und Auskünfte. Dieser wichtige Vorsprung des jüdischen Kaufmannes vor allen anderen Händlern war allein genügend, um einen kräftigen jüdischen Kaufmannsstand heranzubilden. Durch den Handel reich geworden, zogen sich die Juden, nachdem ihre Vormundschaft dem aufblühenden einheimischen Kaufmannsstande im westlichen Europa lästig geworden, mit ihren mobilen Kapitalien in den Geldhandel zurück. Ueber die Motive, die dabei mitgewirkt hatten, ist schon an anderer Stelle Rede geführt worden. Hier ist noch hinzuzufügen, daß die Juden in ihren Kreditgeschäften nebst anderen Momenten auch durch ihre internationale Stellung begünstigt waren, zumal der Geldhandel der internationalen Verbindung noch mehr als der Warenhandel bedarf. Die Juden des Mittelalters wurden auf den Geldhandel auch aus dem Umstande hingewiesen, weil sie in der Zeit, wo sich der westeuropäische Handel aus dem Gewerbe zu entwickeln begonnen hatte, den Zusammenhang mit den Handwerken nicht mehr besaßen. Eine Ausnahme bildete am Ausgang des XII. und im Lanfe des XIII. Jahrhunderts Italien, wo die Juden das Färber- Handwerk gewissermaßen beherrschten. Das besondere Streben der Juden nach Geldbesitz wurde vielfach auf die Abstraktheit ihrer Geistesbeschaffenheit zurückgeführt. Wir, die wilder Ansicht sind, daß das Denken durch die äußeren Verhältnisse verursacht und beeinflußt wird, können uns keineswegs mit der angeführten Erklärung begnügen, sondern müssen den jüdischen Geldkultus in seinem historischen Werden betrachten. Schon der flüchtigste Einblick in die jüdische Geschichte läßt uns in dem äußeren Druck, dem die Juden als Volkssremde stets ausgesetzt waren, jene mächtige Triebfeder ernennen, welche den gehetzten Juden in seiner Suche nach dem „Steine der Weisen" so verzweifelt ausdauernd machte. Schon frühzeitig hatte er das Zaubermittel des Geldes kennen gelernt. Es verschaffte ihm Ansehen und Geltung, es war sein einziges Kampfnrittel innritten von beutelustigen Völkerschaften. Es war sein Heiler und Retter,- nur das Geld konnte seinen Bedrücker milder stimmen. „Die Christen" — sagt ein durch die Verfolgungen der Juden erbitterter jüdischer Rabbi des. XI. Jahrhunderts — „sind Gewaltmenschen und lassen sich nur durch Geld „umgestalten." ... Die traurige Lebensweisheit der Juden im Mittelalter!" Soweit der Verfasser. Nichts lehrt die warhaft göttliche Kraft des Judentums tiefer erkennen, als der Sieg, den trotz der in der Schipper'schen Schrift einleuchtend geschilderten, sittlich depravierenden Wirtschaftseinflüsse des Mittelalters, der Geist des Idealismus und des sittlichen Adels im jüdischen Kreise dennoch davontrug. Lin ernstes IM wer die Notwendigkeit der krricdtnng einer besonderen ottb-lüdirche« Lebrerpräparandie in Ungarn. Bon Rabbiner PH. Fischer in D^vavttnya. III. Was die Art und Weise der Errichtung der gewünschten Anstalt, ihre Einnahmequellen, ihren Lehrplan etc. betrifft, so können wir natürlich mit keinem fertigen Plan vor die Oeffentlichkeit treten. Zur Ausarbeitung eines solchen Planes müßte eine sachverständige und fi'rr die Angelegenheit begeisterte Kommission von Rabbinern, gesetzestreuen Lehrern und Baale Batim eingesetzt werden. Doch können wir nicht umhin, wenigstens einige Andeutungen zu geben. Was die Bedingungen zur Aufnahme in die Lehrerpräparandie betrifft, so haben wir bereits im vorigen Artikel der Meinung Ausdruck verliehen, daß in dieselbe nur solche Jünglinge aufzunehmen wären, die bereits einige Jahre hindurch in einer TQ'W studiert und fähig find, selbständig ein Blatt oodi mit D'mSD zu lernen. Hiermit wäre ein Doppeltes gewonnen. Erstens würde schon dadurch der von manchen Gegnern einer Lehrerpräparandie befürchteten „Entvölkerung" der NIZ-'V'' vorgebeugt werden. Denn eben durch diese Maßregel wird der TQ'V'-Besuch einen neuen Antrieb und Reiz bekommen, da er für gar viele die Vorbedingung zum Erlangen einer gesicherten Lebensexistenz werden wird. Daß aber heutzutage ein solcher Anreiz für den n^V'-Besuch nicht zu verschmähen sei, wird niemand bezweifeln dürfen, der die aufs Materielle gerichtete Strömung der Zeit kennr und es mit wehmütigen Blicken betrachtet, wie die Zahl der entsagenden Jünglinge — aus materiellen Gründen — leider! namentlich in den „etwas aufgeklärteren" Gegenden immer geringer wird. So würde diese Maßregel zur Hebung und Förderung der dienen. Auch hätten wir bereits hierin eine Bürgschaft dafür, daß die Jünglinge dem gewünschten Zwecke, tp'/vin zu sein, entsprechen werden. Die notwendigen 4 Mittelschulklassen sollen privatim oder in einem Vorbereitungskursus nachgeholt werden. Was den Lehrstoff der Anstalt betrifft, so soll — wie bereits kurz erwähnt — in Berücksichtigung unserer speziellen Verhältnisse der ganze Vormittag ausschließlich für die Fortbildung in der .1->1N-Wifsenschaft dienen. Denn eben dieses Fortsetzen des Thorastudiums wird das beste Unterpfand dafür sein, daß die Zög linge unseren Erwartungen entsprechen werden. der Heizer ist dazu nötig, der die Kohlen in die Glut wirst, und der Bergmann ist nötig, der die Kohlen zu Tage fördert. Die eint Hand wäscht die andere und nur auf gegenseitige Hilfe baut fich wahres Glück auf. Wozu stolz sein auf Wißen? Der Orientale beherrsch! nicht Künste und Wissenschaften in unserem Sinne und doch kann er durch Empfindung und durch großartiges Naturverständnis allein oft ein höheres Wißen erlangen und jedenfalls dadurch ein höheres Gluck erringen, als es durch reine Wiffenschast schlechthin hätte geschehen können. Wozu stolz sein auf Reichtum und Ehren? Auf dem Posten stehend, den uns das Schicksal anvertraut, find wir alle von gleichem Wert. Der Weltenlenker hat jedem seine Rolle im Weltenscbauspiele gegeben, dem einen eine bedeutsamere, drm anberen eine untergeordnete, der eine ist Schauspieler, der andere nur Statist auf dem Welttheater. Gar mancher ist mit seiner Rolle nicht zufrieden und begehrt eine höhere, um zu spät zu erkennen, daß keine andere Rolle für ihn geeignet war als die, d:e ihm der oberste Lenker zugewtesen hatte. Und je nachdem wie wir unsere Rolle spielen, weiden wir mit Beifall geehrt oder ausgepfiffen. Wenn das Theater aus ist, so gerat wir alle gleicherweise nach Hause,- wenn das Schachspiel zu Ende gespielt, wird König und Bauer in denselben Kasten geworfen. Nur was wir gewirkt, bildet bann noch den Unterschied und je nach dem Grade, in dem wir uns Mühe gegeben, erringen wir dann p^n «DH - *TÜ8 8172 D1S& "Witt 8“ 8H p. (Fortsetzung folgt.) nsgn Moderne Physiologie im alten jüdischen Zcöritttnm. Bekannt ist jene Erzählung in Gittin Wb, wie Bespafian während der Belagerung Jerusalems die Botschaft seiner Wahl zum Kaiser erhielt, nachdem ihn imrz vorher R. JoäMnan den Sakkai mit den Worten: „Heil Dir, König", begrüßt hatte. In einer Situation voll köstlicher Komik befindet sich alsbald der neue Herrscher: die Botschaft aus Rom hat ihn getroffen, als er gerade mit seiner Fußbekleidung beschäftigt ist, als Feldherr hatte er den einen Stiefel ungezogen, nun will er als Kaiser den andern anziehen — er geht nicht über den Fuß; nun will er den ersten ausziehen, er geht nicht vom Fuß. Der Kaiser ist konsterniert. R. Jochanan ben Saklai beruhigt ihn: „Bekümmere Dich nicht. Du erhieltest eine Freudenbotschaft und — heißt es in Mischle — Freudenbotschaft macht das Gebein fett." Er weiß auch ein Mittel, die Füße des Fürsten in die Grenzen ihres Alltagsvolumens zurückzuweisen. „Betrübtes Gemüt macht das Gebein dürr", bemerkt er, wieder nach Mischle, und so wird auf feinen Rat ein Mann vorgefnhrt, den er nicht leiden kann, dessen Anblick ihm Aerger verursacht, und riöMg, flugs schlüpft des Kaisers Fuß in den Stiefel. Man vergleiche nnn die Diagnose des R. Jochanan und das von ihm eingeschlagene Verfahren mit folgender, dem Feuilleton des „Berliner Tageblattes" vom 8. ds. entnommenen Stelle: ,^Jm neuesten Heft der „Umschau" macht nnn Dr. med. Ottfried Müller interessante Mitteilungen über noc^ innigere Zusammenhang zwischen Krper. ltchen Mnd feelffchen .Z einen sehr einfachen Apparat, mit dem man die verschieden starke Füllung der Blutgefäße, also das An- und Abschwellcn des Pulses leicht messen und als Kurve auf einem Papierblatt vorzeichnen kann. Ter Zeiger des dlpparates schreibt auf dem Papier eine annähernd horizontal und gradlinig verlaufende Linie, wenn man die Versuchsperson ruhig und in gleichmäßiger Stimmung sitzen läßt. Erregt man in der Versuchsperson durch irgend eine Ansprache oder einen entsprechenden Sinneseindruck ein unangenehmes Gefühl oder eine unangenehme Empfindung, so sinkt die vom Zeiger vorgezeichnete Linie rapid nach^unten hin, der Blutgehalt des Armes, auf den man den Apparat gesetzt hat, wird geringer. Erregt man andererseits eine angenehme Empfindung, so findet genau das Umgekehrte statt. Die Ausführung der Versuche kann in sehr verschiedener Weise vor sich gehen. Man kann zum Beispiel der Versuchsperson ein Geschenk überreichen, das ihr voraussichtlich Freude machen wird. Im Moment der Ueberreikyung steigt die vom Zeiger des Apparates verzeichnete'Linie stark an, die Blutgefäße des Armes erweitern sich. Erklärt man dann yach einiger Zeit, man müsse das Geschenk tvieder zurücknehmen, man habe nur einen Scherz machen wollen, so sinkt die vom Zeiger geschriebene Linie rasch ab, die Blutgefäße des Armes verrengern sich. Am schlagendsten wirken die Versuche, wenn die vom Apparat angezeigten Resultate unbeabsichtigt auftreten. So wurde im Laboratorium der Marburger Poliklinik seinerzeit ein Bauernburfche mit dem Apparat untersucht. Der Zeiger schrieb eine horizontal verlaufende Linie. Da öffnete sich plötzlich die Tür, und es trat ein stattlicher Herr herein, der sich als höherer Ministerialbeamter vmdgab

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