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Der Israelit · 1907-07-11 · Heft 28 (11.7.1907) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 28 (11.7.1907)
Date
1907-07-11
Page
– (sequence 2)
Language
German
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. man schon dasBertrauen hegen, haß M M weder der unbedingten Notwendigkeit der Seminargründung überhaupt verschließt, noch auch der Rücksichten vergißt, die bei einer aus den Mitteln der Gesamtheit unternommenen Aktion notwendigerweise auch den Rabbinern von Waitzen und Bonyhad und ihren Anhängern geschuldet würden. Vielleicht findet sich ein Mmcen, der die — durchaus nicht sehr bedeutetem— Mittel zur Gründung der Präparandie zur Verfügung stellt, sodaß man den Widerstrebenden ourch die Tat beweisen könnte, daß ihre gmnß aus reinster Gesinnung fließenden Befürchtungen unbegründet waren. ch 4> * In knglsng. Di« statistisch«« Erhebungen über die Ber- HÄvüsse der eirmewanderten jüdischen Bevölkerung in England haben ein besonderes Jnterefle, nicht nur, weil sie an einem überaus lehrreichen Beispiel den Einfluß des jüdischen Religionsgesetzes aus die äußere Volkswohlfahrt zeigen, sondern auch, weil sie eine sprechende Kritik der gegen die Einwanderung gerichteten gesetzlichen Maßnahmen, der englischen Alien Bill, liefern. Im Londoner East End wurde während der letzten vierzehn Tage eine Durchschnittsgeburtsziffer von 57 aus tausend Pnwvhner erreicht/ eine Ziffer, die als überaus hoch bezeichnet werden muß. Dieser Geburtsstatistik steht eine Sterblichkeitsziffer von nur 11 ans tausend Einwohner gegenüber, ebenfalls eine recht günstiges Ergebnis. Die Zahlen gewinnen aber eine besondere Bedeutung, wenn man bedenkt, daß die Bevölkerutw, um die es sich hier handelt, unter den denkbar unvorteilhaftesten Verhältnissen lebt und einen außerordentlich schweren und aufreibenden Kampf ums Dasein zu führen hat. Ein Menschenschlag, der vermöge seiner religiösen Ueberlieferüngen über eine innerlich so kerngesunde Natur verfügt, wie die geringen Sterb- Nchkeit^ahlen sie offenbaren, und aus der anderen Seite von einem der gefährlichsten Krebsschäden des modernen Bölkerleoens so frei ist, wie die Zahl seiner Geburten beweist, ein solcher Menschenschlag kann von dem weitblickenden Staatsmann nicht als unerwünschter Zuwachs, sondern nur als eine Bereicherung der nationalen Kraft angesehen werden. Damit ist aber dem Fremdengesetz ein um so ungünstigeres Urteil gesprochen, als diese Einwandererauch im übrigen an staatsbürgerlichen Tugenden nichts zu wünschen übrig lasten. M Macht. Saättcltt Svtw4a>rv«pd-«le. Zweiter Satz: ..NieSer mit Df. Lömenfiein!“ Wenn der Geschichtsschreiber des badischen Judentums einst zur Darstellung der Synodaltaguna. vom 18. März 1907 gelangt, dann legt er wohl für einen Augenblick die Feder aus der Hand, von Scham und Schmerz übermannt ob der Art. wie die bald vierzigjährige hingebungsvolle Wirksamkeit eines Lehrers und Führers in Israel von den obersten Leitern der badischen Lanoessynagoge belohnt worden ist. Er wird seinem Geschlechte erzählen müssen, in welch unverantwortlicher Weise eine Hohe Behörde jene Tagung benutzte, um das amtliche Leben eines hochverdienten Rabbiners vom einseittgsten Parteistandpunkte aus in das schlechteste Licht zu rücken, ohne dem Angegriffenen auch nur Gelegenheit zu seiner Verteidigung zu bieten; er wird aufzuzeigen haben, wie man aus des Mannes gerechtestem Tun um jeden Preis eine Schuld herauszuklügeln suchte, und wie man trotz aller Bemühungen lediglich den Beweis geliefert hat, daß nur die Mannhaftigkeit, mit der dieser Rabbiner seiner Ueberzeugung als gesetzestreuer §ude innerhalb der Machtsphäre einer neologen berbehörde lebte, ihn zum Gegenstand all der unverdienten Angriffe gemacht hat. Herr Bezirksrabbiner Dr. Löwenstein in Mosbach istnoch ein Sprößling der guten alten Schule. Mit gediegenen Kenntnissen auf jüdischem und allgemein wissenschaftlichem Gebiete ausgerüstet, von heiliger Begeisterung für seinen hohen Beruf erfüllt, mit beiden Füßen feststehend auf dem Boden dex großen jüdischen Ueberlieserungen, so hat Dr. Löwenstein seine Rabbinerlaufbahn im badischen Lande vor mehr als einem Menschenalter angetreten. Mit ausgezeichneter Pflichttreue hat er die Jahrzehnte hindurch seines Amtes gewaltet und eine segensreiche Tätigkeit entfaltet. Dr. Löwenstein ist der liebende und sürsorgende Vater einer zahlreichen Familie, seiner Obhut unterstehen drei Rabbinatsbezirke mit etwa 40 Gemeinden, und trotz dieser Fülle von Sorgen und Arbeit ist er nicht, wie so viele, der . jüdischen Wissenschaft untreu geworden. Er widmet nicht nur täglich seine Zeit dem Thorastudium, was bei einem gesetzestreuen Rabbiner ja ganz selbstverständlich ist, sondern er hat auch jederzeit mit emsiger Geschäftigkeit Denkmäler der jüdischen Geschichte durchforscht und gesammelt und die Ergebnisse seines Fleißes in verschiedenen Werken und in einer großen Reihe von Artikeln und Notizen in ununterbrochener Folge der Oeffentlichkeit übergeben. Zu dieser harmonischen Bereinigung der mannigfachen Vorzüge und Tugenden, durch die sich B^irksrabbiner Dr. Löwenstein vor allen anderen Rabbinern des Landes auszeichnet, kommt aber — wohl nicht von unserem Standpunkte aus, aber nach den Grundsätzen des badischen Oberrats — noch das Wichtigste hinzu: Dr. Löwenstein ist ein geborener Badenser, ist der Sohn eines badischen Beamten, ist selbst im badischen Staatsdienst ergraut, ist der älteste an Jahren unter den badischen Rabbinern und so lange wie er, waltet noch keiner dieses Amtes im badischen Lande. Er erfteut sich der persönlichen Zuneigung feines greisen Landesvaters und seine Brust ist. geschmückt mit den höchsten Ehrenzeichen des badischen Fürstenhauses. Nach alledem ist Dr. Löwenstein geradezu prädestiniert, an leitender Stelle segensreiche Mitarbeit zu leisten/ sein umfassendes Wissen, seine reiche Erfahrung, seine intime Vertrautheit mit der Wesensart von Land und Leuten, sein selbständiges Urteil, gepaart mit der Ruhe eines abgeklärten Geistes, sollten dem ganzen Lande zugute kommen: Dr. Löwenstein wäre eine Zierde der Oberbehörde der badischen Juden, des badischen Oberrats. Und doch kann es nicht sein! Der Oberrat, wie er seit Jahrzehnten zusammengesetzt ist, besieht durchgängig aus Männern, die der Reform angehören, die den Boden des jüdischen Gesetzes verlassen haben. Wie könnte Dr. Löwenstein mit diesen Männern auf religiösem Gebiete Zusammenarbeiten, denen der Schwur vom Sinai nicht mehr verbindlich gilt wie ihm, wie ihm, dem für seine Person und für die Zukunft des Judentums diese Treue gegen das jüdische Gesetz alles gilt?! Es kann nicht sein! Das war auch der Gedanke der maßgebenden Persönlichkeiten des Oberrats-Kollegiums. O hätten diese „Großen" nur den Mut der Wahrheit gehabt, dann wäre viel Unheil und Kümmernis vermieden worden. Aber sie glaubten, sie dürften die Wahrheit nicht sehen und sagen, sie müßten um jeden Preis als die Vertreter der gesamten badischen Judenheit dastehen, sie müßten die Repräsentanten der Orthodoxie und der Reform zugleich sein! Um nun aber diese Rolle durchführen zu können, um die Aussprache dieser innersten Gegensätze der Glaubens- und Lebensanschauungen nicht in die Erscheinung treten zu lassen, um sie Niederhalten zu können, dazu war es allerdings notwendig, einen ehrlichen, überzeugungstreuen Mann, der nicht zum Dogma des Oberrats schwur, um jeden Preis von den hohen Sphären der oberrätlichen Regierung ferneines Feuilleton. Seodacdwage« «. bettacdtungen auf einer Uleltreise. Von Dr. M A. Fortsetzung.) Orient. Wenn der Cicerone die Stelle zeigt, wo man mit Rhein fich ergießt, sodoß man halb im Main und halb im Rhein fich befindet, so ergötzt fich daran bas Gemüt und wir empfinden eine gewisse Freude. Wenn dies nun schon bei so geringen Eigentümlichkeiten örtlicher Natur der Fall ist, um wie viel mehr müssen seltsam fteudige Empfindungen uns erst anwandeln, wenn es fich darum handelt zu beobachten, wie zwei Kulturen fich berühren. Man kann fich also leicht vorstellen, mit waS für Gefühlen man eine Stadt wie Alexandrien oder noch, besser wie Kairo betritt, welches von Alexandrien aus schon in wmigm Stunden mit der Eisenbahn zu erreichen ist. In Kairo berühren fich nicht nur Luxus und Elend, dort berühren fich auch alle Raffen, alle Religionen unalle Systeme ber Welt. Da wandern auf dem Trottoir Europäer, Egypter, Rubi«, Sudanesen, Beduinen, FÄlachen, Türken, Araber, Neger, verschleierte Haremsfrauen an uns vorüber und auf dem Straßenbamm steht man glänzende Equipagen und Reiter, Eseltreiber, Kameelzüge, Händler und Ausrufer, elektrische Trams, Automobile, Trauerzüge und Hochzeitszüge, alles in buntem Wechsel bahineilen. Man geht, man kommt, man ist in ständiger Bewegung, man hört alle Sprachen der Welt sprechm. Man sieht weite lange Kleider neben kurzen engen, lange ernste Bärte neben geschorenen, Kinn, herrische Miene neben lächelnden Zügen, Hüte neben Turbanen, Pantoffeln neben Stiefeln, dunkle Farven neben schreiendblmten, Märchen-Paläste neben armseligen Hütten. Staunend, steht man still und es ist einem zu Mute, als ob man über Tausend und eine Nacht eingeschlafen sei. WaS speziell uns D'Hni am Orient interessieren und ihn unS so anziehend machen muß, ist, daß wir dort zum großen Teil verwirklicht finden, was sonst als rein jüdische Lehre und Auffassung betrachtet und n cht allzuhäufig Mbl wirb. Es gibt ein altes Sprichwort: „Wir haben die Mafechte und fie den Derech-Erez", b. h. wir haben die Abhandlungen über alle Pflichten und stehen den anderen, die diese Abhandlungen nicht haben, tn Befolgung dieser Pflichten oft zurück. Oftgenug müssen wir beschämt uns sagen, baß wir nicht so gerecht, nicht so edel und schön geharwelt haben würben als ber Orientale es aus freien Stücken tat, währm uns die Religion dazu verpflichtet hätte. Wir wollen nickt verhehlen, baß das orientalische Leben auch - seine Schattenseiten hat, und es gibt wohl kaum iemanoen, der den Orient bereist und dies nicht verspürt hätte. Aber auch abgesehen von der Liebe, die jeden Juden mtt dem Orient als ber Heimat seiner Ahnen naturgemäß verbinden mich, ich persönlich ziehe rein objektiv betrachtet den Orient dem Occident vor, und es scheint mir der Morgenländer glücklicher und sympathischer als der Abendländer. Wo gäbe es wohl tn unseren Gegenden Menschen von solch - außerordentlicher Genügsamkeit, wie der Talmud fie uns schildert und wie die Orientalen fie ncch heute aukuweisen haben. Es gibt t ort Menschen, deren tägliche Nahrung nur aus wmigen Datteln, etwas Mehl, gerösteten Getreidekönern oder Reis besteht und die dabei ein höheres Alter erreichen als wir. Und WaS ihre Gastfreundschaft betrifft, so findet fich dergleichen auf ber ganzen Erbe nickt. Die Araber z. B blicken wie w,r auf Abraham als ihren Stammvater hin- und find in Bezug auf Gastfreundschaft seine würdige Nachkommen. — Bei aller Bestechungsmöglichkeit ist es doch für den Orient typisch, daß ein Richter, mit 200 Piaster bestochen, schließlich zum Unschuldigen sagt: „Und du armer Mensch, der du keinen Zeugen hast, der für dich sprechm könnte, nimm diesen Beutel hier, die 200 Piaster, die darin find, find dein eigen." Wir haben ebensowenig Grund auf den Orientalen verächtlich herabzusehen, als er uns gegenüber Grund dazu hat. So wie er Ursache gmug hat uns zu achtm, so habm wir alle Ursache ihn zu schätzen' Könnte nicht mit Recht der Japaner und Chinese stolz darauf sein, daß er Porzellan, Seide, Pulver, Kompaß, Buchbruckerei, Kanalbrücken und Schiffsbau lange vor den Europäern kannte, und was Japan in der Kriegskunst versteht, hat ja hinlänglich Rußland am eigenen Lewe verspüren müffm! Könnte nicht mit Recht Arabtm fich rühmen, niemals von ftemden Eroberern bezwungen worden zu sein, ganz abgesehen von seinem ausaekehnten Handel mit Kaffee und Balsam, Baumwolle und Perlen, Pferden und Kameelen? Und wo gibt es einen Teil der Erde, in dem mehr die Lehre rr5 TOT MN MVNN TOI HD b'D „alles, was vom Himmel geschickt wird, ist zum Gutm" mehr verwirklicht würde als im Oriertt?! Dem Orientalen ist der Gedanke in Fleisch und Blut übergegimgen, daß wir Menschen nicht wissen könnm, was «Ns Heile gereicht. Hält -och oft herSWW tziar ^"

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