Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 27 (4.7.1907)
- Date
- 1907-07-04
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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4. Jull1907 Der USraeltt. Sette noch feine Tätigkeit in Kafchrusangelegenheiten, die Versorgung von Armen mit Mazzos, der Kampf gegen die gefährlichen Bestrebungen der Mission und die Fürsorge für Taubstummen und Blinde erwähnt. Nach der Rede des Präsidenten sprach Rev. Meldola de Sola aus Montreal über das verderbliche Treiben der amerikanischen Resormrabbiner, die außer in der Leugnung der Göttlichkeit der Thora ihre Hauptaufgabe darin erblicken, Proselyten zu machen und Mischehen einzusegnen. Die Versammlung beschloß, dieses Referat der in Kürze stattstndenden Konferenz der Reformrabbiner zu übermitteln. Herr Alb. Lukas erstattete Bericht über die Tätigkeit der Schulkommission. Auch ein deutscher Gast wohnte der Sitzung bei, Herr Kommerzienrat Benjam. Hirsch von Halberstadt. Derselbe sprach unter großem Beifall über das Thema der rituellen Speisehäuser, unter Hinweis auf die Leistungen des bekannten Hamburger Vereins. — Am Abend fand eine öffentliche Versammlung statt, in der Rev. Meldola de Sola nochmals das blasphemische Treiben der Reformrabbiner geißelte; er bezeichnete es als den Gipfel der Ungeniertheit, wenn Männer wie Köhler und Emil G. Hirsch den Titel Rabbiner für sich in Anspruch nehmen. Weitere mit Begeisterung aufgenommene Reden hielten Dr. H. Schoher, Rev. H. S. Morais, Rev. Dr. B. Drachman und Dr. Ph. Klein. vermischtes. Frankfurt a. M., i. Juli. In der „Flamme" Organ des Vereins für Feuerbestattung, Wien, befand sich vor einiger Zeit ein Verzeichnis der in Offenbach eingeäscherten Leichen, darunter auch: „ W i l h. H e n n, Verwalter der Israel. Religions-Gesellschaft, Frankfurt a. M. Israelitisch." Da Herr Henn nicht Israelit, auch nicht Verwalter, sondern Hausmeister der Jsr. Religions-Ges llschast war, wäre vielleicht eine Richtigstellung von seiten der zuständigen Behörde nützlich, denn die Feuerbestattungs- Vereine sind in der Propaganda rücksichtslos, und wie sie angebliche Nachgiebigkeiten der katholischen Kirche ausposaunen, so könnten sie auch mit dieser Notiz Reklame machen wollen. Wie», 26. Juni. Im kaufmännischen Vereinshause in Wien hielt am Samstag der Verein zur Abwehr des Antisemitismus seine Generalversammlung ab. Oberinspektor Engel erstattete den Berwaltungsbericht, in dem er bemerkte, daß der Verein in mehreren Eingaben an das Ministerium des Innern anläßlich der Wahlbewegung gegen den rüden Ton einzelner Kandidatenreden protestiert habe. In den neuen Vorstand wurden gewählt: Gemeinderat Dr. v. Dorn, Dr. Kronawetter, Oberinspektor Engel, Prof. Dr. Severini, Regierungsrat Löhner und Herr Oswald Hohcnstnner. Frau Baronin Berta Suttner wurde zur Ehrenprästdentin gewählt. Schließlich murde eine Resolution angenommen, in der es heißt, die Versammlung verurteile die anläßlich der Reichsratsavahlen so zahlreich gegen die jüdischen Mitbürger zum Ausdrucke gelangten Feindseligkeiten, insbesondere aber bie seitens einer parlamentarischen Verbindung — lediglich aus dem Grunde der Zugehörigkeit zum Judentume, beziehungsweise zur Sozialpolitik — vollzogene Ausschließung hochgebildet: Männer von hervo ragender Intelligenz und bewährtem edlem Charakter aus ihrer Verciniguni. Budapest, 17. Juni. Ein vor kurzem inDebreczin erschienenes Buch, dessen Verfasser sich Koloman Veszpremy nennt, enthält einige bemerkenswerte Angaben über die Bedeutung der Juden in Ungarn. Ungefähr ein Drittel der ungarischen Juden lebt in Den verschiedenen Städten, die anderen zwei Drittel .leben unter der Landbevölkerung. In Pest wohnen 1-67,974 Juden, also 23,4 v. H. der Bevölkerung. In den Handelsschulen sind 40—50, in den höheren Mädchenschulen 30—40, in den Gewerbeschulen und Bürgerschulen 30, in den Gymnasien und Realschulen .22,74 v. H. der Schüler jüdischen Glaubens. Von den Hochschulen zählen die Veterinärakademie 60, die medizinischen Famltäten 47,8, die technische Hochschule 44,23, die Apotheker-Hochschule 31,93, die juristischen Fakuläten aber 27,72 v. H. Juden unter ihren Hörern, was dafür zeugt, eine welch große Rolle -die Juden gerade in der ungarischen Intelligenz Wielen. Am meisten wenden sich die Juden auch in Ungarn aus naheliegenden Gründen der ärztlichen und Advokaten-Laufbahn zu. Im Jahre 1906 waren von sämtlichen Advokaten 34,2, von sämtlichen Aerzten 48.2 und von sämtlichen Tierärzten 24,8 v. H. Juden. Dieses Verhältnis ist im fortwährenden Steigen begriffen: so wuchs z. B. die Zahl der jüdischen Advokaten in der Zeit von 1890—1900 von 918 auf 1538, d. i. um 68,6 v. H. an, während die Gesamtzahl der Advokaten in derselben Zeit bloß eine Erhöhung von 7.2 v. H. aufweist. Geringer ist die Zahl der jüdischen Beamten, denn ihre Zahl beträgt unter den Staatsbeamten bloß 4,4, unter den Äomitatsbeamten 2,2, unter den städtischen Beamten 4,5 und unter den Gemeindenotaren 3,2 v. H. Erfreulich ist es, daß die Juden auch in der Landwirtschaft eine große Rolle spielen. Unter den 3836 Großgrundbesitzern (mit einem Besitz von mehr als 1000 Joch) gibt esk bereits 1064, d. i. 27,6 v. H., unter den 23,184 Grundbesitzern, mit einem Besitz von 100 bis 1000 Joch aber 5922, d. i. 25,5 v. H. Juden. ' ' Uerein$wmn. Hamburg, 28. Juni. Die neugebildete Ortsgruppe des Verbandes der Sabbathfreunde hielt am vorigen Mittwoch, ihre konstituierende Versammlung ab, die zahlreich besucht war. Der Vorsitzende legte zunächst den von dem provisorischen Komitee verfaßten Statutenentwurf für die Verwaltung der Ortsgruppe vor. Es sind darin 9 Vorsteher vorgesehen, von welchen 3 gleichzeitig der Verwaltung des Israelitischen Stellenvermittlungs-Vereins in Hamburg angehören sollen. Nach kurzer Debatte wird der Entwurf durch en dlvc-Annahme gutgeheißen. Als Punkc 2 der Tagesordnung erfolgen durch Stimmzettel die Wahlen der Vorstandsmit- § lieber. Es wurden gewählt die Herren: A. Auerbach, soseph Bachrach jr., Arnold Cohn, Mich. Flörsheim jr., Herm. Gumpertz, Michel Jacobsen, Cäsar Kleve, Nathan Meyer, W. Pels. Alsdann referiert Herr Moritz A. Loeb, (auf der Durchreise nach Frankfurt unser Gast) über das seitens des Verbandes geplante Kreditinstitut für Geschäfte die am Sabbath geschloffen halten. In überaus klarer und verständlicher Weise legte der Redner dar, daß der Verband seine hochidea en Zwecke mit den praktischsten, modernsten Mitteln zu verfolgen gedenke. Durch das Kreditinstitut sollen orthodoxe junge Leute, denen zur Etablierung nicht genügend Mittel zur Verfügung stehen, nach Möglichkeit unterstützt werden. Redner legt die finanziellen Grundzüge dar, auf welchen das Institut aufgebaut werden soll. Es ist in Form einer G e - n o s s e n s ch a f t m. b. H. gedacht, durch welche es auch jungen Leuten und Minderbemittelten ermöglicht werde, durch kleine ratenweise Einzahlungen Genossenschaftler zu werden. Er belegt feine Ausführungen mit zahlenmäßigen Beispielen, die das Beste von der segensreichen Tättgkeit des Instituts erhoffen lassen. Mit dem Kreditinstitut soll auch eine Studiengesellschaft Verbund.» werden, welche Branchen ausfindig macht, in denen trotz der heutigen schwierigen Erwerbsverhältnisse eine Etablierung unter Einhaltung des Sabbath möglich ist. Der Referent schließt mit einem warmen Appell an die hiesigen Mitglieder, dem Institut die nötige Unterstützung zu Teil werden zu lassen, sobald die Aufforderung dazu ergeht. Lebhafter Beifall begleitet die überzeugenden, interessanten Ausführungen. Als Punkt 4 erscheint ein Antrag des provisorischen Komitees dahin gehend, alle Gleichgesinnten zu veranlassen, ihren Bedarf vorzugsweise in den Geschäften zu decken, welche am Sabbath geschlossen halten. Es soll zu diesem Zweck dem hiesigen „Israelitischen Familienblatt" und dem „Sabbath" regelmäßig ein Flugblat beigelegt werden, in welchem sich solche Geschäfte empfohlen halten. Der Antrag wird nach kurzer Debatte angenommen und seine Durchführung dcm Borstande anempfohlen. Ein fernerer Antrag des Herrn G. Oppenheim, daß im „Sabbath" regelmäßig durch eine hervortretende Notiz darauf hingewiesen werde, daß die Mitglieder ihren Bedarf in den Geschäften decken, die am Sabbath geschlossen halten, gelangt ebenfalls zur Annahme. Um 11 Uhr wird die Versammlung mit Dank an die Erschienenen und dem Wunsch eines ferneren Gedeihens geschlossen. Personalien. ~ Lehrer Apt ins Amt getreten, in welchem er sich als äußerst pflichttreuer, gewissenhafter und geschickter Lehrer erwiesen hat. Aber nicht bloß um die Schule hat sich Herr Apt Verdienste erworben, sondern auch um die Gemeinde, deren mannigfache Wohltätigkeitsanstalten an dem Jubilar einen einsichtsvollen Leiter und einen eifrigen Förderer haben, der überall das treue jüdische Herz erkennen läßt. Wenn auch Herr Apt in seiner bekannten l Bescheidenheit schon im voraus sich jede Ehrung verbeten hatte, so glaubten doch Vorstand und Vertretung der Gemeinde nicht ganz von einer Feier des Tages absehen zu dürfen. Schon am ftühen Morgen trafen viele kostbare Geschenke und Blumenspenden von zahlreichen Gemeindemitgliedern und auswärtigen Freunden ein. Mittags erschienet Herr Landesrabbiner Dr. Löb, Herr Schulvorsteher Jakob Pils und der Vorsteher des Ausschußkollegiums, Herr Dr. med. Sternberg, zur Gratulation, hoben in anerkennenden Worten die Verdienste des Herrn Apt um Schule und Gemeinde hervor und gaben insgesamt dem Wunsche Ausdruck, daß es Herrn Apt noch lange vergönnt sein möge, seines Amtes in Rüstigkeit und Schaffensfreude wie bisher zu walten. Herr Philipp Meyer dankte dann im Namen des Talmud-Thora-Bereins, zu dessen Vorstand der Jubilar seit Jahren gehört, und wies darauf hin, daß Herr Apt stets bestrebt gewesen sei, die Ziele des Vereines nach Möglichkeit zu fördern, auch er wünsche von ganzem Herzen Herrn Apt noch recht lange mit an der Spitze dieses Vereins zu sehen. Um 3'/z Uhr versammelten sich unter Leitung des Herrn Hauptlehrer Selig die Schüler und Schülerinnen zu einer erhebenden Schulfeier. Auch die christlichen Ortskollegen ließen es sich nicht nehmen, dem Herrn Jubilar ihre Wünsche darzubringen. Der Vorstand des Vereins der jüdischen Lehrer in den Rabbinatsbezirken Emden, Oldenburg, Bremen sandte ein in herzlichen Worten gehaltenes Schreiben und der Bund gesetzestreuer Lehrer übermittelte durch seinen Vorsitzenden Herrn Dr. Lange- Frankfurt a. M. dem treuen Mitgliede die besten Wünsche. Abends vereinigte sich eine Anzahl Freunde und Bekannte im Hause des Jubilars, wo Herr Lehrer Wolff-Aurich, als Vertreter des Lehrervereins und als persönlicher Freund des Herrn Apt, seinen Wünschen und denen des Vereins nochmals Ausdruck lieh. Ladenburg, 28. Juni. Bei der jüngst stattgehabten Gemeindewahl wurde Herr Sigmund Selig zum Shnagogenrat gewählt. Jamiliennacbricbten. (Unseren Abonnenten steht diese Rubrik kostenlos zur Verfügung. Nichtabonnenten haben für die Aufnahme jeder Notiz eine Gebühr von 1 Mk„ die gleichzeitig einzusenden ist, zu entrichten. Die Sendungen müssen immer spätestens am Mittwoch, Vormittag vor dem Erscheinen der jeweiligen Stummer in unseren Händen sein.) r . Geburten: Eine Tochter: Lehrer Mark us, Ayenheim. — Adolf Adler (Stern),Frankfurt a. M. — Henry Sommer (Rothschild), Frankfurt a. M. — Leo Mainz (Mainz), Frankfurt a. M. Verlebt: Else M a y mit Max Kaufmann, Frankfurt a. M. Vermahlt: Simon Natd an mit Rosette geh. Hirsch, Frankfurt a. M. — 0r. mell. Karl Wallach mit Alma, geh. Seckel, München-Gladbach. Versterben: Julius Löwenstein, 17 I., Frankfurt a. M. — Leopold Strauß (aus Wachenbuchen), 53 I., Frankfurt a. M. — Frau Hirsch Löb II., 70 I., Montabaur' Für de« Reklameuteil ist die Redaktion «tcht verantwortlich; insbesondere ist es ausschließlich Sache der Leser, die im Reklameteil enthaltene« Empfehlungen ritneller Ware« oder sonstige Angaben religionsgefetz» liche» Charakters ans ihre Zuverlässigkeit zn prüfe«. Drohobitfch, 21. Juni. Am vergangenen Dienstag starb im Alter von erst 59 Jahren Rabbi I. L. Schreiber ein Sohn des ^np bVB und Bruder des erst vor einigen Monaten dahingegangen Preßburger Rabbiners R. S. B. Schreiber y'jn. Das gesetzestreue Judentum hat durch das Hinscheiden des hervorragenden Mannes einen schweren Verlust erlitten. Er war ein bedeutender 22N "PD^n t das Studium der Thora war sein Lebenselement. Mehrere talmudischwissenschaftliche Arbeiten, die er unter dem Titel "PHD 1O1O veröffentlichte, zeugen von seiner tiefen Kenntnis des. jüdischen Schrifttums. Das große Vermögen, das ihm beschicken worden war, setzte ihn in den Stand, auch auf dem Gebiete der Wohltättgkeit Großes zu leisten. Sem weiter Blick befähigte ihn dazu, in den öffentlichen Angelegenheiten der galizischen Judenheit an erster Stelle zu stehen. Er war 16 Jahre hindurch der Präsident deS galizischen b^D in Palästina und wußte durch sein kluges Wirken die Institution zu hoher Blüte zu bringen. Er war ferner Vorsteher des Vereins mn '’p^TPID in Galizien und begleitete noch eine Relhe anderer Ehrenstetten mit schönstem Erfolg. An der am Mittwoch stattgehabten Leichenbegängnis nahmen viele Tausende Einheimische und Fremde teil. VI mj Trauerhause beklagten die beiden SöhneR.J. L. Schreibers in schmerzcrfüllten Worten den Verlust des Vaters. In den Straßen, die der Leichenzug passierte, waren sämtliche jüdische Geschäfte geschlossen. Bor der Synagoge, wo der Zug stehen blieb, hielt der Schwiegersohn und Neffe des Verstorbenen, Oberrabbiner A. Schreiber von Preßburg ein alle Hörer tiesbewegendes 1BDH' Dann sprachen noch die Rabbiner Panzer, Nüssen bäum und Friedmann. Bon der Familie des Heimgeganenen wurde dem Kultusvorstand eine Spende vo i 8000 Kronen übergeben. rD"Q^ p’HS "DT- Aus Oftfriesland, 1 Juli Ein Feiertag war der 26. Juni für die Synagogengemeinde Emden. An diesem Tage waren 25 Jahre verflossen, seitdem Herr Friedrich Quelle 6346) Offenbach &. H. ,Gegen Gicht u. Rheumatismus bewahrt.“ i Landeshuter t O Leinen» und Gebild »Weberei F.V. Qrünfeld Königl., Grossherzogi. n. Fürstlicher Hoflieferant Berlin W-, Leipdientratte 20-2. Grösste Aaswal)! aller Wäscheartikel für den Hausbedarf. 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