Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 27 (4.7.1907)
- Date
- 1907-07-04
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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NMHMWWMMWW PP^ wurf, als würden durch die Errichtung einer orthodoxen Präparandie die Zöglinge der rTD'tf' dem rhu - Studium entfremdet werden, die Spitze abzubrechen. Nein und abermals nein! Im Gegenteil. Die Errichtung einer unserem Ideale entsprechenden Präparandie würden Hunderte von talentierten Jünglingen den Fangnetzen der beiden neologen Missionsanstalten in Pest entreißen und sie dem Studium und zur Verbreitung der .111 r> erhalten! Während gerade das Nichtbestehen der Anstalt der Grund ist, daß unzählige Jünglinge dem mim 1107 entfremdet, ja, den Feinden desselben ausgeliefert werden. Sind denn die Gegner in dem naiven Glauben befangen, daß es in den 1121171 heutzutage noch so aussieht, wie vor 30—40 Jahren, als dort tatsächlich Tag und Nacht dem Studium der Hin gewidmet waren? Dann tut es mir gar leid, sie einer Illusion berauben zu müssen. Ich will den Schleier nlrr halb lüften und sage darum kurz und bündig, die 112'V' '2011 könnten froh sein, wenn ihre Jünger sich nur den halben Tag mit rmnn 1107 befassen würden. Da sind aber in Wahrheit 4—5 Monate im Jahr, wo gar nichts gelernt wird. Es gibt rYQ'W, wo sehr viel Zeit den Karten oder „Kwittlach" (ein in chassidischen Kreisen statt der Karten eingeführtes Spiel) geopfert wird, wo man die Talmudschüler häufiger auf den Straßen und Spaziergängen findet als zu Hause und wo sie lieber der Musikkapelle als dem po-aiO) lauschen. Es gibt auch 11217'', wo die Talmudjünger sich mit einem wahren Heißhunger auf die profane Lektüre stürzen. Da wird — aus Mangel an fach- und sachgemäßer Leitung das bunteste Zeug zusammengelesen und so viel kostbare Zeit vergeudet. Und nun wäre es eine Todsünde, wenn eine Anzahl von Talmudjüngern die eine Hälfte des Tages aus mini noV, die andere auf Aneignung pädagogischer Kenntnisse und Tüchtigkeit verwendete? Der Unterricht in D'pDISl D"t7 wäre einem rni12 *?H), der Unterricht in ")2"1 usw. ebenfalls einem streng gesetzestreuen Gelehrten zu übertragen. Für die profanen Gegenstände könnten vorläufig — wenn es hierfür an gesetzestreuen Lehrkräften mangeln sollte — Nichtjuden angestellt werden, bis die Anstalt selbst tüchtige Lehrkräfte auch für die profanen Disziplinen herangebildet hätte. Vor allem aber müßte die Gesamtleitung der Anstalt einer in jeder Beziehung erprobten und vertrauenswürdigen Kraft in die Hand gegeben werden. Dann müßte auch für den Unterhalt der Schüler d era rt gesorgt werden, daß sie ihre ganze Zeit zur Erfüllung der -an sie gestellten Anforderungen in mm 1107 und in den anderen Disziplinen verwenden könnten. Wir schließen für diesmal mit einem Zitat aus Hirschs Ges. Schriften, welches diejenigen, die der Devise a"i oy i"i 1L' und demzufolge auch der Errichtung einer auf dieser Basis zu gründenden Präparandie mit Antipathie entgegenstehen, wohl beherzigen mögen: „Wundern dürfen wir uns freilich über alles dieses nicht, aber beklagen müssen wir es, daß es so gekommen, daß die mit Anfang des (vorigen) Jahrhunderts sich vollziehende soziale Wiedergeburt der jüdischen Nation diese unter so überraschenden und welterschütternden Ereignissen aus ihrer Abgeschiedenheit in die Strömung der neuen europäischen Bildung versetzen, daß nach beiden Seiten hin die Besinnung schwand^ Wir dürfen es beklagen, daß die Genossen der damaligen jüdischen Zeit sich das Bewußtsein der so reichen und tiefen Gedankenfülle und Gedankenklarheit rauben ließen, die das Judentum so in der Wissenschaft wie im Leben charakterisieren, und die am wenigsten als ein Gegensatz zu dem echten Kern alles wahrhaft Guten und Wahren in der Bildung aller Zeiten hatten begriffen werden können. Wir dürfen es beklagen, daß die eminenten Heroen jüdischer Geistesbildung, an denen jene Zeir keineswegs arm gewesen, durch die Abgeschiedenheit von den allgemeinen Geistesbestrebungen, die ihnen die politische Stellung ihres Volkes aufgenötigt hatte, verhindert waren, diese Geistesbestrebungen selbst prüfend kennen zu lernen. Sie hätten rasch mit ihrem nicht geringen Geistesblick das Wahre und Gute der allgemeinen Bildung als einen allen jüdischen Anschauungen durchaus verwandten Geist mit Freuden begrüßt und wären auch hierin voranleuchtend die Ersten gewesen, diesem Wahren und Guten aller echten Bildung auch im Kreise der Ihrigen eine heimische Stätte zu bereiten." (Ges. Schriften, II. Bd., S. 553.) Lnvas vom fasten. Bon Bar Menachem. Schiwo-Osor-be-Tamus ist vorüber. Wir sind in die „drei Wochen" eingetreten und gehen dem Tage entgegen, der in Israels Geschichte stets von so verhängnisvoller Tragweite gewesen. Am 2a2^0 wurde einst über unsere Vorfahren in der Wüste die göttliche Strafe verhängt, dort zu sterben. Am 2a2/D zerstörte Nebuchadnezar unser erstes Nationalheitigtum zu Jerusalem, und am gleichen Tage fiel — fast 700 Jahre später — unter des Römers Schwert der zweite Tempel in Asche und Trümmer. Blut und Tränen bedecken jene Blätter der Geschichte, die mit den Ereignissen des 9. Aw sich beschäftigen. Noch heute erfaßt uns Wehmut und Schmerz, so wir im Geiste uns all das Herbe vergegenwärtigen, welches einst auf die Vorfahren eingeftürmt. Und der Schmerz soll sich betätigen, soll zum Ausdruck gelangen in unserm ganzen Verhalten. Kein frohes Hochzeitsfest wird in diesen Tagen im jüdischen Kreise begangen, kein „Schehechijonu" mag über unsere Lippen kommen, es unterbleibt die Pflege der Haare, man meidet jedwedes Vergnügen. Wir alle sind Awelim um unsere gemeinsame Mutter Zijaun. So sollte es wenigstens sein! Brauchen wir erst zu beweisen, daß nicht allerwärts von einer „Nationaltrauer" gesprochen werden kann? Bedarf es vieler Worte, um den religiösen Verfall unserer Zeit auch für die „drei Wochen" zu beleuchten? Greifen wir für jetzt nur das eine Moment heraus, die Pflicht, am 112s noyi zu fasten. Unter diesem Sammelnamen, sind die allgemeinen Fasttage verstanden, an denen wir uns des Genusses von Speise und Trank enthalten sotten. Der 10. Tebet, der 17. Tamus, der 9. Aw, der 3. Tischri und 13. Adar wurden für Israels Gesamtheit zu Trauer- und Fasttagen bestimmt. Zweck und Bedeutung dieser Tage sind genau erörtert im jüdischen Schrifttum, die Vorschriften für unser Verhalten an ihnen bis in die Details fixiert, herrliche Kompositionen der synagogalen Liturgie sind uns ge-, reicht worden, die den wehmütigen Schmerz unseres Martyriums in ergreifenden Tön eil zum Ausdruck bringen, aber auch den Gedanken an Israels glorreiche Zukunft froh beleben. Und zur vollen Würdigung jener großen Gedenktage gehört eben auch die religiöse Pflicht — zu fasten! Ein ganzes Heer von Gründen weiß man anzuführen, wenn es sich um die Lossagung gerade von dieser Pflicht handelt. Als ob unsere v'v21 nicht die großen Weltweisen gewesen wären, die mit ihrem Scharf- und Weitblick alle Anordnungerl für die Zukunft getroffell! Wußten sie etwa nicht, daß Hungern ullangenehm ist? Haben sie etwa nur wie zur Menschheitsplage das „gesundheitsschädliche" Fasten eingeführt? Haben sie etwa nicht die „große" Alltagsweisheit beseffen, welche da meint, es llütze den Opfern vergangener Jahrtausende nichts, wenn ihre Epigonen den Magen aushungern? Und wie die vagen Redensarteil alle heißen! Nur Unverstand und böswilliger Aberwitz kann dergleichen Meinungen äußern. Um Himmelssernen scheidet sich der ideal sittliche Sinn unserer Qiioyi von dem Gedanken an eine asketische Hungerübung. Geben doch die jüdischen Weisen die peinlichsten Verhaltungsmaßregeln für unser gesamtes Wohlbefinden, kümmern sich um Speise und Trank, Schlaf und Arbeitsleistung, Privat- und Familienleben, erteilen Außer dem bekannten,' -p22> D und Königsgebet für jeden Sabbat, dem OOIII 2« , 1.7EH1? usw. enthält bas Buch die Erwähnung zahlreicher 007112^ 0021 / 00)13 Märthrergemeinden und Privatpersonen. Im ersten allgemeinen Teil ist ein eigenartiger "POW O für ganz fipjaiD 1)00 (Unterfranken) aufgeführt, der vielen unbekannt sein dürfte, wiewohl man denselben auch in sonstigen Memorbüchern findet**). Berfasier dieses Mischeberach ist der Sette 18 rühmend erwähnte Raw Koppel von Wien, zuerst in Holleschau (Böhmen), bann Ungarisch-Brod, hierauf in Pinsk im Littauischen, endlich zu Würzburg. Der V"0 hat das Verbot des -p) - Weingenuffes zum Gegenstände und lautet wie folgt: nia 120 Dpyo pnn 0112a onoa "pow 0 2)11 didd onioi bj na *701 an loinen in in o''i27 bw on oid ow ai>i o"i2yi iw □"127 7)oo onini d"127 bw 1002 jn 011122 ntenpi Diniin 11 s"7 12012 o)n dwi? 01 in i"nooi py»EOD D)iai p2iio ia arnnaio p uvi Di2w Diner» Dipon , DDooi» pn p 01)002 211)2 bub iDn /DSD bjb asii ii>no bo did DD liaiir 12T1 /D021 001 12nai 1111 lioblb DSD2 121211 002 1)21 D02 Halb 1211 /1)020 fÜ 1112^1 0'101 111112 IIDpb 1211 D1ia021 1112WD1 DOIDa 0012? DipOäl ]0 00)72 101201 'bm 1212 rfaeni /0010 112?7 DOiiai siiao ibiD2 i"2 07 0012 12122 121210 01101 11770 ioo pa D8iab obi o 17 00)711 0020 122?1 0111a _-pa ioa)i D01011 Dai p) 11172kl Ivi **) Siehe Dr. phil. Herz Bamberger, der RabbinatSsttz M Wurzburs, posthum ediert von dessen Bruder Rabbiner S. Bamberger-Wandsbek. Jn der Aufschrift ist gesagt, daß der ^"O jeden Schabbos zu machen ist in allen 0O12»'1 11712- Es ist jedenfalls vcn Interesse, wie hier eine praktisch-religiöse Frage im weinbauenden Franken seitens des RabbinatS mit heiligem Ernst behandelt wurde. Bielen dürste das Ganze neu sein. Wie lange dieser V"0 in Kraft blieb, ist nicht bekannt. Es dürfte auch schwer festzustellen sein. (Ein Wort eines englischen Richters.) Bor dem Poltzeigericht in London wurde dieser Tage ein alter Mann, der von einem räuberischen Burschen angefallen worden war, als Zeuge vernommen. „Juden", rief der Alte, „habe ich mein Leben zu verdanken. Der Räuber hatte mich unter fich und war im Begriff mich zu erwürgen. Da eilten einige Juden herbei und bestellen mich aus der Gewalt deS Menschen. Ich werbe ihnen stets die tieffte Dankbarkeit bewahren." Der Richter, Mr. Biron, erwiderte darauf: „Es ist mir eine Freude solches zu hören gegenüber einer Raffe, die oft so verächtlich behandelt wird." („Der redliche Bauer «.großmütigeJud".) In einem, den Jahren 1769 bis 1780 angehörenben Wiener Mischbande, der einige in dem dortigen k. k Theater ausgeführte Lustspiele enthält, befindet sich auch eines mit dem Titel: „Der redliche Bauer uno großmütigeJud oder der glückliche Jahrtag" (Wien, 1774). Das Lustspiel ist, wie aus Goeoeke „Grundriß" IV, 71, V, 315 zu ersehen ist, von einem wenig bekannten Dichter, Joseph von Pauersbach, verfaßt, der in den Jahren 1772 bis 1763 tätig war und seinen Stoff dem Englischen entnommen haben soll. Darin erzählt Peterl, der Sohn einer Bäuerin, seiner Mutter, der Schulmeister werfe den Juden vor, daß fie die Christen betrügen, Brunnen, vergiften, Kinder schlachten, und seine Schüler auffordere, jene zu Haffen und ihnen allerlei Schabernack anzutun. Da ruft die Mutter: peterl! Das Letzte verbiete ich Dir jetzt ein für allemal Die Juden find so gut unsere Nächsten als andere Menschen: untersteh' Dich ja nicht, einem Einzigen das mindeste Leid mehr zuzufügen." Ja, fie fordert ihn auf, dem Pfarrer von dem Treiben des Lehrers zu berichten, „vielleicht wird dann der Herr Schulmeister die armen Juden nicht mehr so verfluchen." Als zum Schluß die Großmut des Jüdin ihren Triumph feiert und der Kommis Pruckner ruft: „Unsere dankbaren Sttmmen werden aller Orten diese seltene Großmut, diese seltene Redlichkeit froh bekannt machen! , da hofft der Bauer, auch der Schulmeister werde fich bekehrm: „Vielleicht wird er von Juden ganz anders denken, wenn er den heutigen Vorfall hören wird," und der Jude Moses schließt mit der zweifellos richtigen Antwort: „Gewiß, das einzige Mittel, die Menschen zu 1, von uns Gutes zu denken, ist Gutes zu tun." lan fieht: Es ist die volle Toleranz des josephinischen Zeitalters, die ganze Menschenliebe und Redlichkeit einer philantropischen Zeit, in welcher solche Beispiele aufgestellt und von der Bühne herab verkündet werden konnten. Ob heute, in dem Wien des Obergewalttgen Lueger ein Dichter es wagen dürfte, solche Lehrm von der Bühne herab zu predigen? Welches Schicksal würde ihm und seinem Stück bereitet werden! (Eine interessanter Heine-Fund) wurde ^bei den Ausschachtungsarbeiten in der Kasernenstraße in Düsseldorf gemacht. Es wurde ein großer, sehr gut erhaltener Grabstein mit hebräischer Inschrift gefunden. Es handelt sich um den Grabstein eines gew ssen Jsak Geldern, Sohn des Josef Geldernals Beerdigungsjahr wird das Jahr 1782 angegeben. Jsak Geldern gehörte der Familie von Geldern an, aus der Heines Mutter stammt. Nach dem Stammbaum Heines ist Jsak Geldern ein Onkel der Mutter Heines, also ein Großonkel tes Dichters. _