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Der Israelit · 1907-07-04 · Heft 27 (4.7.1907) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 27 (4.7.1907)
Date
1907-07-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
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4. Jpli W7. Der AVraekt. dMWWWMMWWW« im££' &t:& Fühlung mit den auf gleichem Boden stehenden größeren Vereinen bleiben können und über ein Organ verfügen, das diese enge und stetige Fühlung ermöglicht. Es Weihe, waren Stunden der Erhebung und der in denen gestern die lange vorbereitete Aktion durch die Neukonftitnierung des Vorstandes der. „Freien Vereinigung" ihren Abschluß fand. Ein Nachhall der Begeisterung, mit der schon im Dezember vorigen Jahres in der Generalversammlung der „Vereinigung traditionell-gesetzestreuer Rabbiner" der Gedanke des Zusammenschlusses zwischen Nord und Süd, namentlich von den zahlreich anwesenden jüngeren Rabbinern begrüßt worden war, ein Nachhall jener Begeisterung zitterte durch die kurzen, aber von der Bedeutung des Augenblicks erfüllten Reden, in denen die einzelnen Mitglieder des Vorstandes die Annahme der ihnen übertragenen Funktionen bekundeten. Möge dieser Geist fröhlicher Arbeitslust nun hinnusdringen in die weitesten Kreise der geeinten gesetzestreuen Judenheit;. mögen vor allem ohne Ausnahme alle diejenigen schon heute ihre Kräfte dem Dienste der gemeinsamen Sache weiheil, die in sich die Fähigkeit fühlen, dllrch ihre Erfahrung, ihre Einsicht, ihre Vorbildung, ihren Einfluß an irgend einer Stelle der neuen Organisation mit stützen tätig zu sein. Es gilt die Bildung der Arbeitskommissionen, und wir zweifeln nicht daran, daß sich auf Grund des veröffentlichten Verzeichnisses auch ohne besondere Aufforderung zahlreiche Gesinnungsgenossen melden und sich bereit erklären werden, in diese Kommissionen zu rüstiger Mitarbeit einzutreten. Alle Zuschriften und Mitteilungen sind an das Büro der „Freien Vereinigung" in Frankfurt a. M. zu richten. » Mochemim-schav. Hus dem dfferreidiifdien Abgeordnetenhaus. Trotz der Siegesstimmung, die die nationaljüdische Partei infolge der Wahl von vier ihrer Kandidaten in den Reichsrat erkennen ließ, ist die politische Lage der österreichischen Juden unter den neugestalteten parlamentarischen Verhältnissen keine sonderlich günstige. Nach dem Bankerott der liberalen Partei, der beim Versuch einer Einigung aller deutschen Elemente so erschreckend sich offenbarte, ist jetzt eine zweite für die Juden recht unangenehme Tatsache zu verzeichnen: die erstmalige Wahl eines Antisemiten zum Präsidenten des Abgeordnetenhauses. Die Christlich-Sozialen haben mit Hilfe der Polen dem Dr. Weißkirchner zum Siege verholfen, wofür jene die Wahl des polnischen Abgeordneten Starzynski zum Vizepräsidenten sicherte::. Die Lueger-Kreatur Weißkirchner wird also jetzt für den guten Ton im Abgeordnetenhaus zu sorgen haben: gewiß eine liebliche Perspektive. Die Christlich-Sozialen haben aber höhere Hoffnungen als den Präsidentensessel. Sie gedenken, nachdem sie nun einmal die stärkste Partei im Parlament geworden sind, auch den Posten des Unterrichtsministers mit einem der ihrigen zn besetzen. Das könnte dann für die österreichischen Juden schlimmere Folgen haben als die Wahl eines Antisemiten zum Präsidenten des Reichrats. vie Memoiren des Sttrsfen Urussom. Fürst Uruffow ist durch eine Rede, die er in der ersten Reichsduma über die Entstehungsgeschichte der Pogrome gehalten hat, eine vielgenannte Persönlichkeit geworden. Er kannte den geheimen Mechanismus, der die Judenmetzeleien zustande brachtedenn er war selbst lange Jahre in hoher Beamtenstellung tätig gewesen. Die Enthüllungen, die Uruffow in seiner berühmten Rede in: Jahre 1906 vor der Duma machte, waren eine unaufechtbare Bestätigung der allgemeinen Ueberzeugung, daß die Pogrome von oben angestiftet worden seien. „Wir sind", diese Aeußerung berichtete er damals von einem einer Staatsdruckerei zugeteilten Polizeioffizier, „in der Lage einen Pogrom ganz «ach Ihrem Wunsch zu organisieren, ob es sich um zehn Menschen oder um zehntausend handelt." Von hohem Interesse sind die Mitteilungen, die Uruffow in seinem jetzt erschienenen Memoiren über die Lage der Juden in Beffarabien macht. Nach der Entfernungdes Urhebers des Blutbads von Kischinew, des Grafen von Paalen, war er dort Gouverneur geworden. Er schildert das Verhältnis der Juden zu der christlichen beffarabischen Bevölkerung als ein durchaus freundliches und widerspricht mit Entschiedenheit dem Borwurf, daß die Juden das Volk ausgebeutet nnd dadurch eine Erbitterung gegen sich heraufbeschworen hätten. Gegen dieses Zeugnis eines Uruffow vermögen die heftigsten antisemitischen Verleumdungen nicht aufzukommen. Li« ernstes Wort über die ßotwendiglteit der krrlcdtmlg einer besonderen ortb.*jiidi$cben Cebrerpräparandie in Ungarn. Von Rabbiner Ph. Bücher in DSvaväinya. II. Die Antipathie gegen die Errichtung einer separaten orth.-jüdischen Lehrerpräparandie in Ungarn in weiten, namentlich in chaffidischen Kreisen stammt hauptsächlich von dem noch immer nicht besiegten Mißtrauen gegen die sogenannte profane Bildung überhaupt. Man fürchtet die Verbreitung profaner Bildung von außen her, und da sollte man nun noch selbst eine Anstalt errichten, deren Zöglinge jedenfalls ein ansehnliches Maß von profanem Wissen sich aneignen muffen? Auch würde die Errichtung einer Lehrerbildungsschule — so sagt man — eine schwere Schädigung des Thorastuoiums zur Folge haben. Zn ganzen Scharen würden die Jeschibahjünger in eine solche Anstalt strömen. Vor allem gestehen wir, daß das in weiten Kreisen verbreitete Mißtrauen gegen die sogenannte profane Bildung uns nicht Wunder nimmtschreibt doch schon Hirsch so treffend: „Daß in jüdischen Kreisen von aufrichtigen und begeisterten Freunden jüdischen Wissens und jüdischen Lebens die Einführung der Jugend in die Hallen allgemeiner Bildung nicht ohne einige Besorgnis erblickt ward, und diese Besorgnis noch heute nicht überall geschwunden ist, darf durchaus nicht Wunder nehmen. So gewiß wir in der Ueberzeugung leben, daß diese Besorgnis nur aus Vorurteil entsprungen, so erklärlich finden wir aus allgemeinen und besonderen Gründen ein solches Vorurteil, das überall da heute kein Schiff vorüber, auf dem sich ein Unwürdiger befindet. Darauf schrie ich so laut, daß ich darüber aufwachte: „Jchbin die Savbath-Schänderin, ich bin die Unwürdige!" Man wollte mich ins Meer werfen, da standen Sie schützend an meiner Seite und ich war gerettet! Was sagen Sie zu diesem Traum?" Er ist etwas ganz wunderbares," meinte Herr Meier, „und ich beglückwünsche Sie zu Ihrem Entschluß, den der Traum bei Ihnen gereift hat." Kunden, die in diesem Augenblick eintraten, unterbrachen die Unterhaltung. Aber sie wurde noch an demselben Tage und an den folgenden wiederholt aufgegriffen und eifrig fortgesetzt. Mit großer Spannung sah Martha in den nächsten Wochen der Post entgegen. Ob es von einer Dame nicht eine Dreistigkeit war, einen ganz Freriden um eine Nachricht aus Jerusalem zu bitten? Ob ein völlig Unbekannter einem solchen Ansinnen entsprechen und überhaupt antworten werde? Aber die Aufregung hatte das Gute, daß ihr einmal wachgerufenes besseres Selbst so leicht nicht mehr zur Ruhe gelangte. Sechs Wochen später erhielt Martha an einem Sonntag Morgen eine Ansichtskarte von Jerusalem. Sie konnte sich nicht satt daran sehen. Unverwandten Auges blickte sie auf die Karte in ihrer Hand. Die Ueberreste des Tempels, die Westmauer mit Pilgern aus allen Ländern der Erde, hier der Chacham von Marokko den roten Fez malerisch mit einem schwarzen Tuch umwunden, neben ihm Europäer mit Chlinoerhüten und Monocles, dann wieder arme arabische Judm in Lumpen und Lappen gehüllt nnd oft notdürftig nur mit einem langen, blauen, hembartigm Gewand bekleidet, alle betend und ihr Herz vor Gott auSschüttend, das alles machte auf fie einen so tiefen, nachhaltigen Eindruck, daß sie sich fest vornahm noch heute mtt ihrem jetzigen Leven zu vrechen und threautm Borsätze zu verwirklichen. Gerne hätte fie Herrn Meier die Karte gezeigt, aber fie fand eS nicht schicklich ihn in seiner Wohnung aufzusuchen. Sie mußte also volle 24 Stunden warten, bis fie ihn morgen im Geschäfte traf, das sie dann zum letzten Male besuchen wollte, um ihre Stelle zu kündigen : nd einen neuen Lebensunterhalt zu suchen. Wieder vertiefte fie fich in ihre Karte, diesen greifbaren Gruß aus Jerusalem, und vergaß darüber so vollständig alles andere, daß sie selbst daß Pochen an ihrer Tür überhörte und erst aufblickie als ihre Wirttn ins Zimmer trat und einen jungen Mann anmeldete, Herrn Meier. Auch er hatte eine Karte aus Jerusalem erhalten, und legte sie freudig auf den Tisch nieder. Aber dann zog er auch einen Brief aus der Brusttasche mit der Mitteilung eines Hauses in N., in welchem ihm die erste Buchhalterstelle zugesagt wurde. Er hatte fich pekuniär sogar Verbeffert und hatte die ausdrückliche Zulage, baß er an Sabbath und Feiertagen das Geschäft nicht zu betreten brauche. „Wissen Sie auch, Herr Meier, daß ich vor einerhalben Stunde den festen Entschluß gefaßt habe, jetzt ohne Verzug meine hiesige Stelle zu kündigen und ebenfalls eine andere zu suchen?" „Nein, bas weiß ich nicht, aber daß Sie es früher oder später tun würden, stand nür so fest, daß ich ohne Ihr Wissen, aber gewiß nicht gegen Ihren Willen, so frei war, mich auf eigener Faust nach einer Stelle für Sie umzusehen, und ich glaube, ich habe fie gefunden und zwar ebenfalls in N. Man schreibt mir von dort. Sie möchten Ihre Zeugnisse einschicken, und da ich weiß, daß dieselben glänzend find, so zweifle ich nicht an dun Erfolge. Wenn Sie mir Ihre Zeugnisse ändert , auen wollen, so will ich mich selber in der Sache verwenden und hoffe Ihnen recht bald ein günstiges Resultat Mitteilen zu können." Freudestrahlend bantte Martha ihren: SchiSalsaenossen für seine treue Fürsorge und legte ihre Angele genhett vertrauensvoll in seine vredere Hand, durch die fie in der Tat nach wenigen Tagen die erwünschte Zusage erhielt. Die neue Stelle war nicht ganz so aut honoriert als die bisherige aber Martha freute sich damit, weil sie sich glücklich schätzte, dem Sabbath, dem sie so lange die Treue versagt hatte, dieses Opfer als schwache Sühne für ihr bisheriges Leben zu bringen. „Sie haben jetzt weiter nichts zu tun," sagte freudig bewegt ihr treuer Genosse, „als diesen Vertrag zu unterschreiben, damit ist alles perfett." Er reichte ihr eine gefüllte Feder zur Unterschrift hin, die fie auch vollzog, ohne das Schriftstück vorher durchgelesen oder auch nur anzusehen. Als fie chren Namen unterzeichnet hatte, nahm Herr Meier die Feder und setzte unter ihren Namen den seinigen. „WaS machen Sie denn da, Herr Meier, S t e haben doch da nichts zu unterschreiben?" „Doch, Fräulein, der Ordnung halber, lesen Sie gefälligst nur das Ganze einmal aufmerksam durch, imb unterschreiben Sie in Zukunft niemals mehr ein Schriftstück, ohne es vorher gelesen zu haben." Martha fing an zu lesen, aber das Blatt zitterte in ihrer Hand, fie mußte mitten im Lesen aufhören und Herr Meier las nun das Ganze vor: „Wir Unterzeichneten, die auf Erden keine Bekannte und Verwandte besitzen, haben uns beide auf so wunderbare Weise gefunden, gefunden durch daS Gedächtnis unserer Eltern, durch die Heiligkeit deS so lange von unS verkannten Sabbath und durch die Erinnerung an daS heilige Land unserer Verheißung, daß wir diese wunderbare Einigung als einen göttlichen Fingerzeig aufgreifen wollen, unS für das amye Leven anzugehüren. Wir beüürfm keines anderen Vermittlers. Wir werden unsere neue Stellung als Braut und. Bräutigam an treten und sobald als möglich ein gemeinsames HapS gründen nach dem Gesetze Moscheys und JSraelS. Wir werden bei einfacher und sparsamer Lebensweise alljährlich so viel zurücklegen können, daß

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