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Der Israelit · 1907-06-27 · Heft 26 (27.6.1907) · page 15

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 26 (27.6.1907)
Date
1907-06-27
Page
– (sequence 15)
Language
German
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m MWWWW WM 27. Juni 1S07. §|i|||f||P^ Der Jsmütt. Nr. 26 Sette 11. -er religiofe Sinn der Gemeinden und der Lehrer. Die Not hat aber nicht bloß bei den Lehrern, sondern bei den v'N2 '*?l-2,ihren Einzug gehalten. Der Viehhandel, früher von der . Regierung begünstigt und für viele Juden eine einträgliche Erwerbsquelle, nährt heute kaum seinen Mann,- der gedrückte Geschäftsmann beneidet noch den Lehrer um sein gesichertes Einkommen und ist gar nicht geneigt, es zu erhöhen, auch wenn er es könnte. Eine natüliche Folge dieser ungünstigen ma teriöllen Lage der bayrischen Lanojuden ist die Verminderung des unständigen Einkommens des Lehrers. Früher siel das cnn twn* und i-!l2v?-Geld in der Regel ziemlich reichlich aus; auf rv'-i und wurde ihm eine NINv in das Haus geschickt, nnnn und nTö rp">2 brachten reiche Einnahme. Mit Naturalien aber wurde der Lehrer zeitweilig „zugedeckt"- Kartoffel und Obst, Wurst und Käse, Butter und Eier, er mußte von allem bekommen. Das schmeckte zwar nach Almosen, aber: natnralia non sant tarpia", wie einmal ein Kollege scherzhaft meinte. Das hat heute fast ganz aufgehört, denn die Juden haben ihre Felder verkauftdie Entlohnung für sogen. Accidenzien ist aber auch eine dürftige geworden entsprechend den Verhältnissen der Gemeindemitglieder. Früher sagte man: „Das Fixum ist in Bayern niedriger als anderswo, aber die Nebenverdienste sind höher"- heute gilt mir der Vordersatz. Bis vor ca. 15 Jahren galten die Religionslehrerstellen in Bayern als unkündbar und man war peinlich überrascht, als anläßlich eines Streitfalls zuerst eine Kreisregierung und dann auch der Kultusminister einen abweichenden Standpunkt einnahmen und den Anstellungsvertrag für einen Privaten erklärten. So war zu dem geringen Einkommen auch noch die Unsicherheit der Existenz hinzugekommen, anstatt der Fortschritte gab es nur Rückschritte und es ist sehr natürlich, daß sich der bayrischen Lehrer eine dumpfe GährUng bemächtigt hat, die sich schon auf der jüngsten Konferenz in Nürnberg in erregter Weise Luft machte. Wie ist uun zu helfen? Es muß wunder nehmen, daß bisher von anderer Seite noch kaum auf den Ausweg hingewiesen worden ist, den Herr Seminarlehrer Anfänger vor einigen Wochen an dieser Stelle vorgeschlagen hat: Gründung jüdischer Elementarschulendamit ist den Gemeinden und den Lehrern geholfen. Dieses Mittel ist aber nur sür große und mittlere Gemeinden probat und, wie wir oben gesehen, ist ja gerade in den kleinen Gemeinden der Notstand am größten. Der oben abgedruckte Artikel weist nun auf Staatsunterstützung hines ist zwar nicht ausgeschlossen, daß der jüngste Beschluß des Landesvereins im Laufe der Jahre eine Verwirklichung dieser, seit langen Jahren gestellten Forderung herbeiführt Aber vorläufig ist es immerhin noch ein Traum. Es ist jä nun sehr natürkich, daß die bayrischen Lehrer mit begehrlichen Blicken nach dem benachbarten Württemberg und Baden hinübersehen und nach dem Muster dieser beiden Staaten die Schaffung einer Zentralkasse erstreben - sie hoffen sogar ohne eine Zwangsorganisation ihr Ziel erreichen zu können. Nun können wir wls ja eine Organisation denken, welche die Klippen vermeidet, an der der bekannte hessische Gesetzentwurf zu scheitern droht, aber da die religiösen Gegensätze in Bayern noch größer sind als in den andern süddeutschen Staaten so liegt die Gefahr sehr nahe, daß jeder Versuch einer staatlichen Neuregelung der Berhältniffe die Leidenschaften entfachen, das friedliche Nebeneinanderleben der beiden religiösen Parteien empfindlich stören und den Bestand des „Landesvereins" gefährden würde. Das Letztere aber wäre besonders zu bedauern, nicht ettva wegen seiner finanziellen Leistungeu, denn diese sind, wie wir gleich zeigen werden, leider nach Maßgabe der verfügbaren Mittel gering, aber Bayern besitzt in ihm eine auf dem Prinzip der Freiwilligkeit aufgebaute Organisation, die alle Funktionen einer Zentralkaffe yusüben könnte und der, um eine segensreiche Wirksamkeit zu entfalten, weiter nichts fehlen als — die Mittel. Wie wir nämlich dem Jahresbericht pro 1906 entnehmen, betrugen die innerhalb 12 Jahren für Nnterrichtszwecke aufaewandten Mittel insgesamt 39,958.50 M., pro Jahr also ca. 3300 M. *) Mit einer solchen Summe ist wahrlich kein Staat zu machen und wir möchten dem gegenüber auf folgende Tatsachen Hinweisen: Als vor ca. 3 Jahren der Provinzialdirektor in Gießen eine Versammlung der oberhessischen Kultus-Vorstände veranstaltete, erklärten sich diese, die kaum mehr als 6000 Seelen vertraten, sofort bereit, jährlich 5500 M. zur Unterstützung der kleinen Gemeinden beizutragen, ohne, wie das in Bayern geschieht, die Privatwohltätigkeit in Anspruch zu nehmen. Dabei zählt Oberhessen nicht eine einzige Großgemeinde — Gießen hat nur ca. 160 Familien — und das Steuerkapital der bayrischen Juden übertrifft das der oberhessischen mindestens um das löfache. Wir sind, wie man sieht, nicht befriedigt von dem „Landesverein" und seinen Leistungen, aber er besitzt doch wenigstens eine festgefügte Organisation und seine Einnahmen zeigen steigende Tendenz. Warum nicht an das Vorhandene anknüpfen, warum nicht den Versuch machen, ihn auszubauen, zu erweitern, damit er nicht nur für die dringendsten Bedürfniffe der kleinen Gemeinden aufkommen, sondern auch dafür sorgen kann, daß die Lehrer nicht mehr zu darben und das Brot des Elends zu essen brauchen? (Fortsetznng folgt.) Lomsponäenren u. Nachrichten. Hannover. Am Dienstag, den 21. Mai, fand dahier im Saale des Hotels Geschwister de Bries die 43. Versammlung des Vereins jüdischer Lehrer der Provinz Hannover statt Sie wurde, da der Vorsitzende Blumenfeld-Adelebsen durch Krankheit am Erscheinen verhindert war, durch den stellvertretenden Vorsitzenden Katz- Nienburg eröffnet, der herzliche Begrüßungsworte an die zahlreiche Versammlung, besonders an die erschienenen Ehrenmitglieder 'Landrabbiner Dr. Gronemann-Hannovex und Landrabbiner Dr. Lewinsky-Hildesheim richtete und seine Ansprache in einem Kaiserhoch ausklingen ließ. Es folgte dann die Berichterstattung. Der Verein zählt 51 aktive und 3 Ehrenmitglieder. Während der nächsten Weihnachtsferien wird in Hannover der Verband der israelitischen Lehrervereine im Deutschen Reiche seine Tagung abhalten. Alsdann hielt Lehrer Waller-Moringen seinen mit größtem Beifall aufgenommenen Vortrag: „Die Ausführung des Schulunterhaltungsgesetzes in Bezug auf die jüdischen Schulen". Der Redner gab auf Grund sorgfältiger Studien und auf Grund des von der Schulkommission der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" zur Verfügung gestellten Materials eine klare Darstellung der neuen Rechtslage, die erfreulicherweise die Erhaltung bestehender jüdischer Volksschulen sowohlwie die Gründung neuer wesentlich erleichtert. Die Gründe, die man. von neologer Seite in der Regel gegen jüdische Volksschulen geltend macht, wurden schlagend widerlegt. Freilich, so meinte der Redner, wenn das Abgeordnetenhaus sich den „liberalen" Ansichten angeschlossen hätte, die von den„führenden" Glaubensgenossen im Volksschulkampfe vertreten wurden, dann hätte die jüdische Volksschule heute schon so ziemlich ausgelebt. Darauf referierten die »erren Bachrach-Hameln über „Teilnahme der Inder am Gottesdienst" und Landrabbiner Dr. Gronemann über: „Bolksunterricht in der talmudischen Zeit". Em gemeinsames Festesten beschloß die Versammlung. * *), Die Leistungen des Verein» für seine sämtlichen Zwecke betrugen in derselben Zeit 87,843.50 M. Sutzvücg (Oberpfalz). Der Nürnberger Fortbildungskurs unter Leitung des hiefigen Distriktsrabbiners, terrn Dr. Weinberg, hielt im verflosienen Jahre 16 onferenzen ab, die immer zahlreich besucht waren; demselben gehören 17 Mitglieder an. Man behandelte in der Hauptsache Gemoroh, Mischnah und Mögen Abrohom und zwar 1. von Schabos 12 Blatt, 2. 12 Perokim von Maseches Jebomos und 3. Rosch Haschono Tekios Schofor. Außerdem wurden noch über den hebräischen Leseunterricht eingehende Erörterungen gepflogen, aus Mussor-Seforim die Anleitung für Schiurvortrage gegeben und Standesangelegenheiten besprochen. Alle Teilnehmer partizipieren am Lernen und die Vorbereitung ist eine allgemeine, daher ist auch das Interesse recht lebhaft und die Versammlungen haben einen großen Wert. Herr Dr. Weinberg dirigierte mit Lust und Liebe zum Nutzen des Ktal, sorgt für Aufbringung der Reisespesen, welch: bei einzelnen, die aus der Ferne kommen, beträch lich find. Der Frankfurter Bund gewährte einen Zuschuß und ebenso der bayerische Landesverein. Ihnen und auch verschiedenen Privatleuten, die durch ihre Spenden zum Gelingen des Limud lischmoh beitrugen, sei der verbindlichste Dank ausgesprochen, desgleich?» der Nürnberger Adas-Jisroel, die sowohl das Lokal und die Bibliothek gratis zur Verfügung stellt, als auch die Sorge für Beleuchtung und Beheizung übernommen hat. In der jüngsten Sitzung, welche am 12. Marz stattfand, sprach Herr Dr. Weinberg über das Thema: „Aus der Praxis des Chasen und für die Praxis", ein höchst lehrreicher Vortrag, wnrin der Redner auf die historische Entwicklung des. früher unbezahlten und dann honorierten Chasendienstes zurückgriff und durch drastische Beispiele aus dem Leben zeigte, wie die Minhagim der Gemeinden in der Person des Vorbeters fortleben. Der Redner schilderte die Wichtigkeit jener Funktioyen, wie solche im Rosch Haschonogebete '< zum Bortrage gelangen. Dem Führer des Unternehmens daher ein rD für die viele Mühe, die das Gelingen der hochwichtigen Sache beansprucht, und auch Herrn Oberkantor Steinfeld fit Nürnberg, der die W tterbildung au* mufikal.-shnagogal m Gebiete übernahm, sei herzlichst gedankt. Der Beweis ist erbracht, daß die begonnene Sache zum Segen der Lehrer und der Gemeinde dient. Oppenheimer. Bibl. E zählunge« für die isr. Jugend von Dr. I. Auerbach) kleine Ausgabe. Neu bearbeitet von A. Auerbach, Dr. I. Gutmann und M. Hanff. 5. vermehrte Auflage. Verlag von M. Poppelauer- Berlin. Die Neuauflage dieses Schulbuches ist insofern eine vermehrte, als eine Auswahl aus dem Buche Sirach, ein Abschnitt aus dem Buche Tobit, eine recht kuMefaßte Geographie Pa'ästinas, die altjüd. Maße und Münzen, der jüd. Festkalender usw neu ausgenommen wurden. DaS Buch verdient, was Sprache, Erzählungsweise und Gliederung des Stoffs anlangt hohes Lob; es gehört in methodischer Beziehung zu unfern besten Schulbüchern. Man kann den Herrn Bearbetern auch die Anerkennung nicht versagen, daß fie fich meistens bemüht haben, an der obj.-ktiven Darstellung der Bibel festzuhalten. Wenn wir trotzdem einer Einführung in jüdischen Schulen nicht das Wort reden können, so rührt das davon her daß es so manches enthält, was uns in hohem GrÄe anstößig erscheint — man vergleiche die 105. Erzählung vom babylonischen Propheten, unter dem nicht etwa bapTrr sondern der sogenannte „zweite Jesaias" zu verstehen ist — und daß anderseits gar manches fehlt, was wir für unbedingt nötig halten. Daß Gott den ersten Menschen aus „Staub von der Erde" erschaffen und ihm eine unsterbliche Seele eingehaucht hat, erfahren wir aus dem Buche nicht, ebensowenig die Erschaffung des Weibes in der von der Bibel berichte; en Weise. Der Bund der Beschnridung ist mit keinem Worte erwähntvon Opfergesetzen erfahren di: Schüler auch nicht das Geringste und noch so manches andere, worauf ein jüdischer Lehrer Wert legt Es kann eben niemand aus seiner Haut heraus und Dr Coblenz hat nicht ganz unrecht: „man kann auch Bibelkritik treiben durch o.is, was man verschweigt." Ueber die sonstige Stoffauswahl wollen wir mit dm Herren nicht rechtmda gehen die Meinungen wirklich weit auseinander. Recht dürftig erscheint uns nur die Er- «von der Sündflut. Auf andere kleine Ausm wollen wir hier nicht" eingehm, um dm Eindruck des LobeS, das wir dem Buche gespendet, nicht abzuschwächen - wir kommen voraussichtlich bei einer anderm Gelegenheit nochmals darauf zurück.

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