Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 26 (27.6.1907)
- Date
- 1907-06-27
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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St. Zunt 190.7. WWWW Der Israelis ZK. 98. Sette 19. wird" — Seine Diener aber wird man mit anderem Namen nennensodaß, wer auf Erden sich segnen will, sich segnen wird mit dem Gott des Treuen, wer auf Erden schwören will, wird schwören bei dem Gott des Treuen. Denn dann find vergessen die früheren Leiden und verborgen sind sie Meinen Äugen. Denn siehe, Ich schaffe einen neuen Himmel und eine neue Erde, es wird nicht mehr gedacht werden der früheren und sie steigen nicht mehr in der Erinnerung des Herzens auf. Sondern wonnet euch und frohlocket bis in alle Ewigkeit, die Ich schaffe, denn siehe, Ich laste Srusalem aufs neue erstehen zum Jauchzen und sein olk zur Wonne. Der Wische bausball im Dienste des Judentums. UI. „Und irgend welches Blut dürft ihr nicht essen in allen euren Wohnsitzen, vom Vogel und vonr Vieh. Jegliche Person, welche irgendwelches Blut ist, diese Person wird entwurzelt aus ihres Volkes Kreisen" (III B. M. 7, 26—27). An vielen Stellen schärft uns die heilige Schrift das Verbot des Blutgenüsses ein. Sie belegt es mit der furchtbaren ni--Strafe: entwurzelt zu werden aus. den Kreisen des jüdischen Volkes. Nicht die Hand des menschlichen Richters wird den Juden, der das schwere Verbot, Blut zu genießen, Übertritt, dahinraffen, aber Er, der Hüter Israels, wird den Verächter Seines Wortes austilgon aus dem Kreise des Volkes, dessen Lebenszweck und Lebensberechtigung es ist, als Priestervolk die Gotteslehre durch die Tat zu verwirklichen. Die hehre Bestimmung des Blutes der Opfertiere ist es, aus dem Gottesaltar ein ewiges Wahrzeichen zu sein, daß der Jude bereit ist, das ihm von Gott geschenkte Leben mit jedem Teilchen seiner Kraft der Erfüllung des göttlichen Willens in freudigem Bewußtsein zu weihen. Wer daher in Verhöhnung des Gotteswortes Blut genießt, der hat keinen Platz mehr in Israels Reihen. Deshalb ist es unsere heilige Pflicht, uns fern zu halten von jeglichem Blutgenusse. Auch das Blut, das sich im Fleische der uns erlaubten und vorschriftsmäßig geschlachteten Tiere befindet, ist streng verboten. Es muß sorgsam aus dem Fleische entfernt werden. Vor Ablauf von 7i Stunden nach dem Schlachten muß es eine halbe Stunde lang in Wasser liegen, sodaß alle Stellen des Fleisches vom Wasser bedeckt find. Hat man das Fleisch 72 Stunden lang unbegoffen oder das begossene Fleisch 24 Stunden lang im Wasser liegen lassen, so darf es nicht gegessen werden. Ist an das Fleisch vor dem Einwässern Salz gekommen, so bitte man einen gesetzeskundigen Mann um seinen Rat. Man achte darauf, daß dieses Wasser nicht eisig kalt und nicht heiß sei. Das Gerät, in dem man das Fleisch einwäffert, benutzt man am besten zu nichts anderem. Nach dem Einwässern muß man das Fleisch auswässern, d. h. das auf ihm stehende Wasser abfiießen lassen. Dann legt man es auf ein glattes, schrägesmöglichst durchlöchertes Brett oder in einen Korb, unter den man ein Gefäß zum Auffangen des Blutes zu stellen hat und salze jedes einzelne Fleischstück sorgsam von allen Seiten, bis es ganz mit Salz bedeckt ist. Das Fleisch soll nach dem Salzen wie mit Reif bedeckt aussehen. Das Geflügel weide man vollständig aus und streue auch in das Innere Salz. Auch achte man darauf, daß sich kein Blut in einer Vertiefung des Fleisches ansammelt,' solche Vertiefungen schneide man auseinander. Das Salz darf nicht zu grobkörnig, aber auch nicht zu fein sein. In dem Salz bleibe das Fleisch eine Stunde lang liegen. Hierauf schüttele oder wasche man alles Salz sorgsam von den einzelnen Fleischstücken ab und gieße dreimal reichlich Wasser über sie. Man achte sorgfältig darauf, daß das Fleisch vor diesem Begießen in kein ungelöschertes Gerät gelegt wird. Ist dieses geschehen, so frage man einen Gesetzeskundigen um seinen Rat. Bei einzelnen Körperteilen muß man besondere Maßregeln Pressen. Go muß man den Kopf vpr dem Emchassern spalten, das Gehirn herausnehmen mno ihn von innen und außen salzen,- man darf das Salz auf die Haare streuen. Sind Knochen mit Man noch mit dem Fleisch verbunden, so kann man sie mit diesem salzen,- hat man aber die Knochen bereits abgeschnitten, so salze man sie etwas abseits vom Fleische. Bon den Füßen muß man vor dem Einwässern die Klauen abschneiden. Das Herz schneide man vor dem Einwäffern auf, ebenso schneide man vorher in die Lunge. Die Milz muß vor dem Einwäffern geporscht sein. Ganz besondere Vorsichtsmaßregeln erfordert die Leber; da sie sehr viel Blut enthält, genügt für sie das Salzen nicht. Sie muß man mehrmals durch Querschnitte zerschneiden, dann unmittelbar auf Kohlen oder auf einem reichlich mit Löchern versehenen Roste braten, damit durch die unmittelbare Einwirkung des Feuers das Blut herausgezogen wird. Es ist nicht erlaubt, die Leber beim Braten auf Papier, Kohlblätter oder ähnliches zu legen. Vor dem Braten streue man etwas Salz auf die Leber. Nachdem sie gebraten ist, übergieße man sie dreimal mit Wasser,' hierauf kann sie zubereitet werden. — Findet man im Geflügel Eier, so muß man diese salzen,' doch geschehe es abseits von Fleischstücken. Beim Absengen des Geflügels ziehe man dieses fortwährend über dem Feuer hin und her, damit keine Stelle ungesalzen gebraten wird. — Zum Schluffe sei nocheinmal auf die Wichtigkeit des Salzens hingewiesen, des Mittels, das streng verbotene Blut aus dem Fleische zu ziehen. Ehrenpflicht der jüdischen Hausfrau ist es, sich persönlich um alles hierbei Notwendige zu kümmern, damit alles genau nach Vorschrift geschehe und so der Tisch des jüdischen Hauses in Wahrheit ein Altar sei, der alles, was ihn berührt, heilige. stillel, der Heitere und seine Zeit. III. Palästina. Wir kommen zu Hillels Wirksamkeit im Lande Israel, der eigentlichen Stätte seines unvergänglichen Schaffens. Auch hier wollen wir erst durch einen kurzen Rückblick die Zeit und. die Verhältnisse zu begreifen suchen, um den geschichtlichen Hintergrund zu gewinnen, von dem sich Hillels Gestalt lichtvoll abhebt. — Die Geschichte des aen Landes seit der Rückkehr der babylonischen rnten bis zum Zeitalter Hillels können wir in" zwei große Perioden einteilen, in eine Periode des Aufschwunges auf allen Gebieten des geistigen und nationalen Lebens, die bis zum Tode Simons, des Gerechten, des Letzten der Männer der großen Synode (um 280 v. d. übl. Z.), reichte, und eine Periode des Stillstandes und Niederganges, in welcher innere und äußere Kriege und Religionsverfolgungen mit allen ihren Schrecken das Land erschütterten. Nur kurze Friedenszeiten unterbrachen die anhaltenden Wirren und gewährten gerade soviel Ruhe und Erholung, daß die geistigen Führer des Volkes, die Suggot,*) mit Selbstaufopferung das edelste Gut unseres Volkes, die Thora, im heiligen Lande zu retten vermochten. Hillel gelang es, die zerstreuten Kräfte zu sammeln, mit ihm beginnt die Epoche der Tannaim, deren Wirksamkeit darin bestand, die Erklärungen, Definierungen, Interpretierungen, Lesarten zum Verständnis und zur praktischen Anwendung des Urtextes der Mischna, den die Männer der großen Synode festgestellt hatten, im Lehrhause zur Erörterung und Sichtung zu bringen und nach den Gesetzen der Thora die Entscheidung zu treffen. Das Verdienst Halevys ist es, gezeigt zu haben, daß eirres der unvergänglichen Werke der Männer der großen Synode eben die Prägung feststehender Grundsätze ist, in denen die sinaitische Tradition über die Ausübung der göttlichen Gebote in prägnante Sätze gefaßt und in die Ordnungen der Mischna eingeteilt wurde. Unsere Mischna enthält also den Urtext, dessen Worte wir den Männern der großen Synode verdanken, und die Erläuterungen und Interpretierung der Tannaim, die, inhaltlich ebenfalls Traditton, der Form nach *) Paare. Darum so genannt, weil stets zwei Männer an leitender StzLe standen- Der eme von ihnen war der „Fürst", der andere der Vorsitzende des Gerichtes. aber erst im Zeitalter der Tannaim, mit den Schulen Schammais und Hillels beginnend, zum Urtext hinzugefügt wurden. Zwischen dem Aufhören der großen Synode und dem Zeitalter Hillels liegt die Epoche der Suggot, deren Bestreben darauf gerichtet sein mußte, das Werk der großen Synode zu erhalten, den Urtext ungetrübt zu verbreiten und fortzupflanzen, die Meinungsverschiedenheiten aber, die in der Interpretierung entstanden, zu untersuchen und die Halacha festzustellen, mußte einer ruhigeren Zeit aufbewahrt bleiben, in der die Thorabefliffenen nicht fortwährend von dem Schwerte des Verfolgers bedroht waren Diese Epoche beginnt mit Hillel, und wenn auch das Zeitalter der Tannaim überreich an nattonalem Unglück ist und mitten in dasselbe die Zerstörung unseres Heiligtums fällt, so waren diese Verfolgungen mehr politischer Natur und nicht wie in der mittleren Periode speziell gegen die Lehrer und Schüler der Thora gerichtet. Zur Zeit eines Herodes blühten die Lehrhäuser Schammais und Hillels, und als Jerusalem und das Heiligtum von Feindeshaid zerstört waren, hatten die Weisen Israels, geführt von Rabbon Jochanan ben Sakkai, in Jabne Zuflucht gefunden und ward dort „der Weinberg des Herrn der Herscharen" angepflanzt und zu herrlicher Entfaltung gebracht. Der Talmud zieht eine Parallele zwischen der Ankunft Esras und der Hillels im heiligen Lande. Beide Male schickte die jüdische Bevölkerung Babels, deren Augen mit innigster Besorgnis nach dem Lande der Väter gerichtet waren, einen ihrer besten Söhne, daß er seine Kraft und Ueberlegenheit dem Heiligsten des Volkes, dem Thoragesetze, widme. Wir wollen bei diesem Vergleiche verweilen und Halevt schöne Worte mit denen er über Esra spric" zitieren: Wenn wir den Zug Esras und seiner Schar nach Palästina bettachten, erkennen wir in demselben eine Tat von größter Bedeutung, deren Tragweite wir heute noch ungeschwächt empfinden, und sehen in ihm den weitausschauenden Plan und die zielbewußte Kraft von Männern, die einem hohen Endzwecke zustrebten. Sicherlich waren die Edelsten des Volkes an dem Werke beteiligt, denn nur dann konnten sie vom Perserkönige mit der Zustimmung seiner Räte solch weitgehende Erlasse erlangen. Wären uns diese nicht erhalten geblieben, würden wir nicht glauben können, daß der Perferkönig und seine Ratgeber mit solchem Interesse den großangelegten Plan des jüdischen Volkes gefördert hätten. Die jüdische Bevölkerung Babels, welche damals nach Bedeutung und Zahl den Kern der Nation bildete, sah, daß sich die Niederlassung im heiligen Lande zu entwickeln begann, schon war der Tempel erbaut und eingeweiht, noch vor der Ankunft Esras heißt es (Esra 6): die Aeltesten der Jehudim bauten mit gutem Erfolge .. . und die Kinder Israel begingen freudig das Einweihungsfest des Tempels ... sie feierten in Freude das Fest der ungesäuerten Brote sieben Tage lang, da Gott sie beglückte und das Heiz des Königs von Aschur ihnen zuwendete, sie beim Bau des Hauses Gottes, des Gottes von Israel, zu unterstützen,' Darius hatte in seinem Erlasse erklärt: Gott der Seinen Namen dort thronen läßt, vernichte jeden König und jedes Volk, die ihre Hand ausstreckten, um zu stören und zu verderben ... Da zögerte die jüdische Bevölkerung Babels nicht, einen großen Schritt weiter zu gehen und für das innere Leben des Volkes, das in den palästinensischen Städten in kleine Gemeinden aufgelöst war und zu einem bedeutenden Plane nicht die Kraft besaß, Fürsorge zu ttagen. Die Niederlassung im heiligen Lande bettachtete sich immer noch als einen Bruchteil der in Babel zurückgebliebenen Nation, und so hielt es diese für ihre Pflicht, ihren Brüdern in den heiligen Städten zu Hllfe zu kommen, und vollbrachte das große Werk durch weise, einsichtsvolle Männer, an deren Spitze Esra stand. (Fortsetzung folgt.)