Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 26 (27.6.1907)
- Date
- 1907-06-27
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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W 37. Acka im. WWWWMWWWWWW WM D er gAmÄtt. ^Mk^WHMWWM^MMMWWMWWWW Nr. SS. Sette 5 blindes Vertrauen in die Zauberkraft seines Monismus lächeln." Der Verfasser beweist nun, daß Häckel „in seinem mit solcher Emphase proklamierten Monismus die heterogensten Dinge in einen Topf wirft", sucht dann „den Sinn und den Begriffsumfang ^stzustellen, in welchem man die Bezeichnungen Monismus und Dualismus vernünftiger Weise gebrauchen darf" und zeigt, wie für die organische Natur, wenigstens soweit die vegetativen, animalischen, physiologischen, kurz die biologischen Prozesse als solche in Betracht kommen, die monistische Auffassung vollkommen begründet ist?) .„Nun aber tritt in der aufsteigenden Reihe der Lebewesen etwas ganz Neues, Eigenartiges und Unvergleichbares auf, das sich aus keinen mechanischen Voraussetzungen begreifen läßt und das wir, von uns selbst zurückschließend, als Innen-und Seelenleben der Organismen bezeichnen." Salinger zeigt nun, wie aus dem Umstand, daß es unmöglich ist und nach Lage der Sache für immer unmöglich bleiben muß, die beiden Arten von Vorgängen, das organische Leben und das Seelenleben, die physischen und die psychischen Erscheinungen aufeinander zurückzuführen, der Dualismus das Recht ableitet, zwei verschiedene Erklärungsprinzipien oder Grundsubstanzen, eine geistige oder körperliche anzunehmen. Er führt aus, daß alle Versuche zu einer einheitlichen Auffassung des Verhältnisses von Geistigem zu Körperlichem zu gelangen, gescheitert sind. Der Materialismus macht nicht einmal ernstlich den Versuch, die geistigen Prozesse auf die körperlichen zurückzuführen, der Spiritualismus kann das Problem der Körperwelt nicht lösen, und der neuerdings beliebte psychophysische Parallelismus, der die geistigen und körperlichen Vorgänge als zwei verschiedene Aeußerungsweisen eines und desselben Prinzips, Leib und Seele nur als zwei verschiedene Erscheinungsweisen desselben Wesens zu begreifen sucht, ist nichts anderes als ein verkappter Dualismus. Er schließt mit den Worten: „Der nüchterne und philosophische Kritiker weiß, daß das, was für die wirkliche Erkenntnis und Einsicht in die Lebenserscheinungen mit dem einen oder dem anderen Worte gewonnen wird, ungefähr gleich viel oder gleich wenig ist, nämlich in beiden Fällen lediglich nichts." Das hört sich ganz anders an als die nichtssagenden Einwürfe der Diskussionsgegner und Artikelschreiber. Umso bedauerlicher ist es — ja wiederum geradezu unverständlich — daß der Verfasser in der Einleitung dem Grundgedanken J) Wir haben bereits oben barauf hingewiesen, daß die Sache nach der Anschauung vieler Naturforscher nicht so ganz einfach >st und daß die Schwierigkeit, das Leben in der organischen Natur aus rein mechanischen Kräften;u erklären, zu den verschiedensten Theorien geführt habe, die man unter dem Namen Neovitalismus zusammenfaßt. Wasmanns, daß wir einen Schöpfer der Welt annehmen müssen, in so kleinlichen, ja geradezu zynischen Ausfirhrungen entgegentritt. Es ist, als ob er sich vor der Redaktion der „Boss. Ztg." erst legitimieren müßte, daß er beileibe der religiösen Weltanschauung nicht Anerkennung zolle. Er meint, Wasmann wäre schon mit einer kleinen Anekdote widerlegt: „Ein sechsjähres Mädchen fragt nach diesem und jenem, nach den Blumen auf dem Felde, nach den Wolken am Himmel, nach den Tieren im Walde, und vor allem will es wissen, wer alles das gemacht habe. „Das hat der liebe Gott gemacht," lautet, sich gleich bleibend, die Antwort der Mutter. Eine Zeit lang beruhigt sich die Kleine bei dieser stereotypen Formel, dann aber fragt sie ganz treuherzig naiv: „Und wer hat den lieben Gott gemacht?" _ Es will uns scheinen, daß das kleine Mädchen mit dieser Frage mehr philosophischen Geist bewiesen hat, als P. Wasmann und seine gelehrten naturwissenschaftlichen Bestreiter?) Mit Wasmann und seiner fadenscheinigen Logik philosophisch fertig zu werden, ist nicht gar schwer." Also mit diesen Mitteln wird eins der schwierigsten philosophischen Probleme (das ganz unabhängig ist von jedweder religiösen Stellungnahme), die Denknotwendigkeit einer ersten Ursache,') lächerlich gemacht! Kennt denn der Verfasser nicht die griechische und mittelalterliche Philosophie, weiß er nichts vom kosmologischen Beweis, von den Antinomieen Kants? Und weiß er all dies, wie das von einem philosophisch gebildeten Menschen, als den ihn seine Artikel zeigen, ganz selbstverständlich ist, wie kommt er dazu, das, was den größten Männern recht viel Kopfzerbrechen gemacht, nur deshalb, weil Wasmann es ausgesprochen, mit billigen Scherzen abzutun und so bei dem der Philosophie unkundigen Leser den Schein zu erwecken, als ob die philosophischen Bemerkungen Wasmarlns nicht viel mehr als unsinniges Zeug wären?! (Schluß folgt.) Badiscbe Synodal-Sympboitle. Die Sranhel-Rpofheofe. Bon Dr. Raphael Breuer in Frankfurt a. M. (Schluß.) In begeisterten Worten rühmte Herr Dr. Rawicz den hehren Charakter seines Meisters. Im Darke Hamischnah-Kampf erwies sich jedoch dieser Charakter als keineswegs so zuverlässig, *) Daß diese Anekdote übrigens erfunden und schlecht erfunden ist, wird jeder, der mit Kindern viel zu Mn hat, ohne weiteres behaupten dürfen. •) Bergt, darüber auch das oft erwähnte auf radikalliberalem Standpunkt stehende Buch von Rudolf Otto (a. a. O. S. 47—90). wie man dies von dem Leiter einer Rabbiner' bildungsanstalt hätte erwarten dürfen. Zunächst schwieg Frankel/ als aber dies Schweigen den höchsten Grad der Peinlichkeit erreicht hatte, brach er dieses Schweigen in einer so bezeichnenden Weise, daß es von nun ab Keinem mehr zweifelhaft sein konnte, auf welcher Seite die Wahrheit lag Im Aprilheft seiner Monatsschrift erklärte Frankel, sein Ehrgefühl verbiete ihm, auf die gegen seine Schrift „Hodegetik in die Mischna" gerichteten Angriffe zu erwidern. Es genüge ihm zu beteuern, daß ihm jede Absicht fern gelegen, die Tradition zu untergraben, in Abrede zu stellen oder ihr die Basis zu entziehen. Er habe den tieferen wissenschaftlichen Gehalt der Mischna und ihr hohes Alter Nachweisen wollen. Ueber Dogmatisches habe er nicht zu sprechen gehabt. Der wissenschaftlichen Forschung genüge es, das hohe Alter der Halacha nachzuweisen. Mißverständnisse könnten durch den mitunter vieldeutigen Ausdruck der Sprache, in welcher sein Werk abgefaßt sei, veranlaßt werden; böswilliger Verkennung und Verdächtigung setze er ein verachtendes Stillschweigen und den Gedanken entgegen: -pan nntfi non . Diese Erklärung ist weiter nichts als e i n e g r o ß e Unaufrichtigkeit. Ein Mann der „Wissenschaft" wie Frankel wußte sehr wohl, was er redete. Und daß er es doch über sich brachte, nach monatelangem Stillschweigen eine solche Erklärung hinauszugeben, war ein Ereignis von solch unsäglich trauriger Art, daß wir auch, ohne in den badischen Konferenzrabbinern eine lebendige Bestätigung vor Augen zu haben, getrost behaupten dürften, ein Seminar, an dessen Spitze ein Mann mit einer solchen Erklärung stand, sei ein unglückseliges Verhängnis. Halbwegs entschuldbar erscheint die Scheidung von Dogma und Wissenschaft. Damit steht Frankel nicht allein. Diese Trennung haben vor und nach ihm Gesinnungsgenossen vollzogen, und wahrscheinlich wird noch nmncher Tag vergehen, bis die logische Unmöglichkeit einer solchen Zerklüftung und der Gegensatz, in dem sie sich zum einheitlichen Geiste des Judentums befindet, allen Männern der jüdischen „Wissenschaft" zum Bewußtsein kommen wird. Wir haben hier über diese Anschauung uns nicht zu verbreiten, sie fand damals im Jeschurun die chr gebührende Antwort. Was aber heute angesichts der Protestkundgebungen der badischen Seminarzöglinge wieder einmal ausgesprochen werden muß, das ist die unwiderlegliche Tatsache, daß Zacharias Frankel, den die badischen Synodalherren gegen die Orthodoxie ausspielen wollen, im Gedächtnis der unparteiischen Geschichte durchaus nicht in so fleckenloser Schöne weiterlebt, wjx wollen, scheiterten alle Versuche. AIS ihr nach langem Ringen und Kämpfen endlich klipp und klar gesagt wurde, sie müsse das Haus verlassen, wmn sie nicht wie alle andern arbeiten wolle, war fie schwach geworden und hatte eingewilligt. Dem ersten Schritt vom rechten Wege folgten die anderen nach. „Wer ein Unrecht wiederholt tut, dem dünkt es erlaubt," sagen die Weisen. Die Sucht nach Gelderwerb hatte ste wie so viele andere gefangen genommen. Als fie diese Stelle mehrere Jahre innegehabt hatte, fiel es ihr nicht schwer den Vertrauensposten zu erlangen, den sie gegenwärtig in dem großen Warenhause bekleidete. Die Heiligkeit des Sabbat und der Feiertage war für ste kein Hindernis mehr. Sie war fast bereits so weit, selber über ihre früheren Ansichten die Achsel zu zucken. Da wurde ihr plötzlich das Gedächtnis von Jerusalem geweckt zu einer Zeit und an einem Ort wo fie es am wenigsten erwartet hätte. Das Jerusalem in der Pesach- Haggada war also kein bloßer geographischer Begriff, er geht chr sogar bis in bas große Warenhaus nach, wo fie eben dabei ist eine Commission nach Jerusalem zu expedieren. Das ist kein Traum, keine bloße Seder- Racht-Jllussion, denn der Fremde steht ja vor chr und staunt fie an, weil fie einige Sekunden wie traumverloren und geistesabwesend die Hände sinken läßt und den Erinnerungen ihrer Kindheit, die so levhast auf fie eingestürmt waren, sich nicht entziehen kann. Dieser gab seine Adresse und die seines Freundes in Jerusalem ab, legte der Direktrice die prompte Ausführung feines Auftrags nochmals ans Herz und verließ das Haus, als gerade das von so vielm ersehnte Glockenzeichen des Geschäftsschlusses ertönte. Alles hastete und wagte bunt durcheinander den Ausgängen zu,umnichtzuspät in'S Thrater oder an andere ' r» Martha — so hieß die Direktrice — wartete ruhig ab, bis fich die Masse der Angestellten verlaufen hatte. Die Vergnügungen, welchen die andern zuftrömten, hatten für ste nur geringen Reiz. Wohl sah fie gerne hie und da ein gutes Stück, aber täglich dafür Geld auszugeben hielt fie der Sparfinn zurück, der auch eine der Tugenden war, die fie dem elterlichen Vorbild verdankte. Sie erstaunte als sie plötzlich Herrn Meier auch unter den wenigen Nachzüglern sah, der mit ihr die Treppen htnabstieg. „Was, Herr Meier, auch Sie? Wie kommt es, daß Sie nicht mit den andern gegangen sind?" „Heute nicht, Fräulein, heute habe ich Jahrzeit um meine Eltern und da wollte ich in die Synagoge, um ihnen Kaddisch nachzusagen." „Aber die Synagoge ist ja längst geschlossen?" „Die große Synagoge wohlaber die hätte ich heute nicht ausgesucht, auch wmn fie noch offen wäre. Die haben meine Ettem niemals betteten. Ich gehe in ein kleines Minjan in der ... straße und bin ficher, daß daS mehr dem Sinn meiner verstorbmen Eltern entspricht als der bekuppelte Tempel mit seinem Theater-Gottesdimst." Schluß folgt. <Das Freitagabend-Gebet.) Welche Unkenntnis jüdischer Art oft selbst bei solchen Andersgläubigen anzutteffm ist, die das Lebm der Judm zu beobachtm Gelegenheit hatten, davon legt folgende Stelle auS Fritz Skowronneks bei Kürschner erschienener Novelle „Mein Freund Boruch" ergötzliches Zeugnis ab: „ . . In kurzm Zwischmräumm erschien in meinem Elternhause ein alter Pündeljude, der auf dem lastgebeugten Rücken dm schweren Packen von Dorf zu Dorf trug..... Er kam gewöhnlich am SchabVes Abend, ehe die ersten Steme am Himmel erschimm, legte setnm Packen in der Gestndestube ab und nahm am Tische Platz, als wenn öer Sitz ihm gehörte. In einem besonderen Schrank, dm meine Mutter ihm eingeräumt, verwahrte er fein Kochgerät und die Teller sorgfältig nach „fleischemm und milchigen" geschieden. Er erhielt dann, was ihm seine Religion von Andersgläubigen zu nehmm erlaubte. Eine Schale Milch, ein paar Eier, ein Stück Butter, einm Hering und Kartoffeln. Mtt freundlichen Worten bat er die Magd um ein Plätzchen am Herd, das ihm bereitwilligst eingeräumt, wurde und bereitete fich selbst das Abendmahl. Dann holte er fich seinen Gebetmantel hervor, schlang dm Riemen um den Arm und befesttgte daS Kästchen mtt Urim und Thummim auf der Sttm. So gerüstet, sprach er mit vielm Verbeugungen sein langes Abendgebet, von den übrigen abgewandt, in der Ecke der Stube." (Eine mteressante Statistik) veröffentlicht das „Bukarester Tageblatt". Danach gibt es in dem rumänischm Distritte Jlfov 27.840 Handwerker, wovon 12.135 Rumänen, 3680 Juden und 12.025 Fremde. In dm Distrikten Blaschca und Jalomttza ist die Zahl der jüdischen Handwerker sehr Nein. Die Gewerbe, die von dm Judm bevorzugt werdm, find folgcnde: Schneider, Sttcker, Regenschirm- und Corsettemacher, Klempner, Messerschmiede, Urrnacher, Juweliere, Graveure, Posamentierer, Kürschner, Färber etc. Die Fremdm find in größerer Anzahl in folgenden Gewerbm vorhanden: Schuhmacher, Schneider, Schlosser, Tischler, Maurer, Steinmetz, Vergolder, Mechaniker, Kupferschmied, Faßbinder, Gerber, Klempner, Barbiere, graphische Künste, Buchbinder etc. Die Gewerbe, in dmm die Juden zusanunm mit dm Fremdm die Zahl der Rumünm überschreiten, find: Schneider, Tricotage, Sattler, Riemer, Schlosser, Mechaniker, Bildhauer, Schmiede, Gerber, Klempner, Anstreicher, Ztmmermaler etc.