Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 26 (27.6.1907)
- Date
- 1907-06-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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mungen enthält, und daß es namentlich den Rabbinern eine würdige Stellung sichert. Allein gerade vom Standpunkte der Gewissensfreiheit bedarf jenes Gesetz dringend der Revision. Als es geschaffen wurde, hatte der tiefe Gegensatz zwischen Orthodoxie und Neologie kaum die allerersten Stadien seiner Entwickelung hinter sich, und der Gesetzgeber konnte diesen Gegensatz füglich außer Acht lassen. Heute kann kein Zweifel darüber bestehen, daß eine den religiösen Gegensätzen innerhalb der Judenheit Rechnung tragende Reform des bayerischen Judengesetzes sowohl bei der Regierung als auch vor dem Forum der öffentlichen Meinung lebhaften Sympathien begegnen würde. Die bayerische Regierung hat erst in der jüngsten Zett ihr tiefes Verständnis für die religiösen Bedürfnisse des überlieferten Judentums in der erhebenosten Weise bekundet, und sie würde in dem Kampfe zwischen einem sich „liberal" nennenden Regime des Gewissenszwanges und einer unterdrückten orthodoxen Minderheit ihre Autorität sicherlich nicht in die Wagschale der legalen Gewiffensknebelung werfen. Wenn die Gesetzestreuen in München — anderwärts in Bayern liegen zum Teil ähnliche Verhältnisse vor — die Zeichen der Zeit verstehen und sich nicht einer gerade in orthodoxen Kreisen leider häufig vorkommenden Unterschätzung der eigenen Kräfte hingeben, dann kann der unbedeutend scheinende Anlaß zum Ausgangspunkte einer segensreichen Entwickelung für das gesetzestreue Judentum in Bayern werden, ohne daß dabei ein Jota des vorhandenen erhaltenswerten Bestandes aufgegeben wird- «5ete 8. m. 86 Judenfeinde. Wenn unsere Weiseil sagen p'D maK ntpyc , daß die Begebenheiten, die im Leben der Väter sich abspielten, ein Spiegelbild sind für die Erlebnisse der Nachkommell, so gibt es sicherlich für die jahrhundertelangen Kämpfe Israels inmitten der Volker keinen klareren Spiegel als die Erzählung von Balak und Bileam, jenen beiden haßerfüllten Feinden des Volkes Israel. Welche Wichtigkeit die Talmudlehrer dieser Erzählung beilegten, das ersehen wir aus dem Ausspruch ü’p *?sa ivn'*? oy^a 's nnvi „Eigentlich sollte man den Abschnitt über Bileam jeden Tag lesen." Um die Bedeutung der ntsns oySa voll zu erfassen, müssen wir die beiden Hauptgestalten, die uns darin entgegentreten, etwas * näher betrachten, und da werden wir finden, daß Balak und Bileam die Vertreter zweier Richtungen sind, die Israel stets mit ihrer Feindschaft verfolgten. B a la k gehört zu der Klaffe von Judenfeinden, welche Israel wegen seiner hervorragenden Eigenschaften, wegen seiner Intelligenz, wegen seines Fleißes und wegen seines daraus entspringenden materiellen Wohlstandes Haffen. ttW Dy Hin . „Siehe da, ein Volk ist aus Egypten gezogen, und jetzt bedeckt es die Oberfläche der Erde"- es hat kaum das Sklavenjoch abgeschüttelt, es atmet kaum die Luft der Freiheit, und schon erfüllt es das ganze Land, schon sängt es an seine früheren Herrn zu unterdrücken und ihr Land an sich zu reißen: '?1vv’a&rp Kim. „Und es sitzt mir gegenüber"; wohin ich komme, überall treffe ich Juden. Ich gehe auf die Straße, es begegnen mir Juden, ich komme aus den Markt, ich muß bei Juden kaufenich betrete einen Bergnügungsort, und sie fitzen mir gegenüber. Glauben wir nicht einen Antisemiten unserer Tage zu hören, wenn wir diese Worte des moabitischen Königs lesen. Er fürchtet, daß Israel ihn unterjochen könnte. , '^ivv a&m Kim 'imian? an oanp. In diesem '7ivv liegt der Begriff der Ausrottung, bemerkt der Midrasch, und mit Recht. Ueberall, sagt Balak, treten siemir gegenüber, und in allem, was sie unternehmen, sind siemir überlegen - also ist die Gefahr vorhanden, daß sie meinen Händen die Macht vollkommen entwinden. Mit den Waffen des Geistes kann ich sie nicht bekämpfen, dazu fehlen mir die Mittel, die jüdische Intelligenz trägt überall den Sieg davon, deshalb muß die rohe Gewalt Helsen. „Und nun verfluche mir dieses Volk, denn es ist mir zu mächtig, vielleicht kann ich es schlagen und aus dem Lande treiben." An Israel und an seinem Glauben ist mir nichts gelegen, sei mir nur behilflich, es aus dem Lande zu schaffen, damit ich von dem Wettbewerb mit einem so gefährlichen Gegner befreit bin. Ganz anderer Art ist die Feindschaft, die Bileam gegen Israel hegt. Bileam ist der Vertreter der Männer, die Israels um seines Glaubens willen Haffen, die selbst auf einer hohen geistigen Stufe stehend, in ihrem Innern sich sagen müssen, daß Israel in seiner Lehre die Wahrheit besitzt, die es aber nicht verschmerzen können, daß ihnen und ihrem Volk diese Wahrheit versagt geblieben ist. Sie besitzen nicht die sittliche Kraft, die ewigen Wahrheiten des jüdischen Glaubens als solche offen vor aller Welt anzuerkennen, darum suchen sie dieselben entweder ihren Eigentümern streitig zu machen, um sie in eitler Selbsttäuschung für sich in Anspruch zu nehmen, oder sie verfolgen Israel bis auf den Tod, um gleichzeitig mit ihm auch seinen Glauben zu vernichten. Der anpn rvn, der heilige Geist, ruht auf ihnen, wie unsere Waisen so schön und treffend sagen, nur in der Nachtwenn sie von Menschen unbemerkt sind, da erkennen sie die Wahrheit, gestehen sie sich's, daß sie sich selbst täuschen, aber am yellichten Tage, vor der Welt, da . verweigern sie wieder die Anerkennung dem, was sie als richtig eingesehen haben. Diese Feinde sind von weit tieferem Haffe gegen Israel erfüllt, als diejenigen, die es nur wegen seines Wohlstandes beneiden, darum sagt Balak nur: ipKfi aijo ttnaKi, ich will es aus dem Lande treiben- Bileam aber sagt lwiai, ich will es überhaupt aus der Welt schaffen, denn bei ihm ist es die Lehre Israels, den er vernichten möchte. Blleam ist einer von denen, die sich durch ihre eigene Kraft emporaearbeitet haben, im rjBOD rrn nVnna pn"lT> irm DDlp nvn^. „Er war zuerst ein Zauberkünster, dann ein Wahrsager, und dann gelang es ihm zur hohen Stufe des p"rm emporzusteigen." Er stand geistig hoch über seinen Bolksgenoffen- Dy K*?a Dy*?a, heißt es im Midrasch, er war ein Prophet ohne Volk, seine Zeit begriff ihn gar nicht, und dieses beschämende Gefühl, daß sein Volk noch auf einer so niedrigen' Stufe stand, während es von Israel schon hieß D'tfnp d*?d myn "o „die ganze Gemeinde ist heilig", dieses Gefühl gerade war es, das ihm einen tödlichen Haß gegen Israel einflößie. Denn mit seiner geistigen Vervollkommnung hatte die Veredlung seines Charakters nicht gleichen. Schritt gehalten, und darum ist sein ganzes' Leben ein innerer Kampf, er ist stets in Zwiespalt mit sich selbst: *n nnK l^a "»an oy*?a er hinkt wie ein Lahmer, weil bei ihm stets die dem Menschen innewohnende Liebe zur Wahrheit mit dem Neid und dem Haß im Streite liegen. Das zeigt uns auch sein Zusammentreffen mit Balak, wo er immer wieder den Wunsch des Moabiterkönigs erfüllen möchte, aber immer wieder wam kend wird, bis er endlich, gleichsam unter einem göttlichen Zwange, Israels Vo^ug anerkennt und das Wort des Segens über es ausspricht. Die Bileams, welche die Waffen des Geistes zu führen verstehen, find weit gefährlichere Feinde Israels als diejenigen, welche ihm mit roher Gewalt entgegentreten. Wir kennen sie, jene Männer der Wissenschaft: von dem heidnischen Propheten und von dem römffchen'Geschichtsschreiber bis zum Philosophen unserer Tage ist es stets dasselbe Gefühl tötlichen Haffes, das sie beseelt, stets dieselbe Kampfesmethooe, die sie gegen Israel anwenden. Aber den Sieg der Wahrheit vermögen auch sie nicht in Frage zu stellengerwungen müssen sie schließlich anerkennen, daß „dieses Volk gesondert wohnt und unter die Nationen sich nicht rechnen läßt," daß es der Geist Gottes ist, der in ihm lebt und es trägt durch die Geschichte. a. S Kirschen kein „Besehen" brauchten. Der gewtffmhaste fehudi wird bald bas Gegenteil konstatieren können. s ist auch falsch, wmn bchaupttt wird, die säuerlich schmeckenden Weichsel« seien über jeden Ber-acht, Würmer mit fich zu führen, erhaben. Wir fand« unter 40 Weichsel« schon drei wurmige. Himbeeren find gar nicht genug zu untersuchen, wenn man über jeden WWJ1 hinwegkommen will. Ich hatte einst in Gemeinschaft mit me.ner Frau ungefähr einen Liter ftischer Himbeeren besehen, d. h. wir legten sogar die einzelnen Früchte auseinander, um unsja nichts entgehen zu laffen, was unter daS „Verbot der Würmer" Mt. Die belesenm Früchte stellten wir über Nacht in ein Konservenglas, das versch offen wurde. Und stehe da, am andern Morgen krochen mehrere Würmchen im Innern, des Glases empor. Damals wurde es mir klar, wie recht der Verfasser des DiKnoan hat, wenn er schreM, er habe nie die Frucht „Malinesch" (d. i. Himbreren) gegessen und sei dadurch mit G. H. „vor 7VDD bewahrt geblieben." — Grüne Erbsen breche man auS dm Schoten aus und untersuche sorgfältigan der Anheftungsstelle ist oft Wurm raß zu bemerken. ES würbe zu weit führen, wollte man Details geben für die Konservenfrüchte-Borbere tung, wiefie dem gewissenhaften vrini Pflicht ist. Auch hier hilft nur äußerste Vorsicht. So ist Düllkräut als Beilage zu „Einmachgurken" genau zu besehen, in den Dolden nisten mit Vorliebe mjnv; beim Kraut, zum „Sauerkraut" ausgeschnitten, ist alles biS zur inneren harten Rippe, der sogmannten „Dorsch" auseinanderzulegen. Trotz der Festigkeit beS eng geschlossenen Krautkopfes findet man dott Würmer und Schnecken, besonders in nassen Jahrgängm. Hier gilt das Wort des weisen Predigers: 1VK7D iwy rann: Der Weise hat seine Augen i« Kopfe! rtm aber zu zeigen, baß bas „Besehen", wie es die Mische HmrSftau übt, auch durchaus auf der Hdhe der Zeit steht, sei an einen Borttag erinnett, dm Herr Dr. Kelling vor einigen Jahrm in der „Gesellschaft für Natur- und Heilkunde" zu Dresdm hielt. Dieser Gelehrte behandelte die neuen Untersuchungen über die Entstehung der bösartigen Geschwülste (Krebs). Er verbreitete fich des längeren über das Auftreten dieser Krankheit bei dm verschiebmm Geschlechtern, Berufsarten, Altersstufen, ging auf die Stadim der Erkrankung über und besprach endlich die Ursachen derselvm, sowie die zu Gebote stehend« Heilmittel. Herr Dr. Kelling stellte als seine wissenschaftliche Ueberzeugung die Behauptung auf, daß die Erreger der Krankheit Zellen niederer Tiere sein müßten, die unter ganz besonderen Umständen im Körper weiter wuchern. Die Prophylaxis würde aber darin bestehen, daß jeder von seinem Körper und seinen Nahrungsmitteln niedere Tiere (Jnstttm, Schnecken, Würmchen u dergl.) und auch den Schmutz, worin GewebStrümmerderselben Vorkommen, fern halte." Soweit Herr Dr. K. — Was der Gelehrte hier vor einer auSerlefmen Zuhörerschaft vorttug, ist dem prakttsch religiösm Juden durchaus nicht neu. Jede wahrhaft jüdische Hausfrau achtet in ihrer Wirtschaft auf das, was hier aus sanitä m Gründen warm empfohlen ward. Schon Jahrtausmbe lang wttd bei uns Gemüse, Salat, Hülsenfrucht und DürroVfl sorgfältig besehen, um keine Kriechtiere zu genießen und sei« fie auch winzig klein. Die alte rnin bat es seit mehr als 3000 Jahrm ihren Bekennem untersagt. Wohl wiffm wtt dm letzt« Grund dieser Gesetze nicht. AVer die heilsamm Folgen erkennt die Wissenschaft mehr «ich mehr an. Die vielbespötteltm Talmudweism, die auch um die Kochtöpfe" und das «Milbmklaubm" fich gekümmert, werden im Zeitalter derZellttiartheorie und der Birzillmfiircht wieder rehabilitiert. Wer darf heutzutage, wo man die kleinsten Lebewesen als die großen Ursachen der schwersten Krankheitserscheinungm erkannte, noch über Unscheinbares beachtlich lächeln? ES ist nicht alles bedeutungslos, was mmschliche Kurzfichtigkeit dafür hält. Der allmächtige Schöpf« und Ordner aller Kräfte und Erscheinungen der Natur kann einzig und allein der Veste Ratgeber sein, wie ununter welchen Voraussetzungen wir die Gaben derselbm verwmdm dürfm. Möchte man in der Saison des üpvigstm Pflanzmwuchses in jüdischen Häusern dessm besonders eigedmk bleiben. Die Unterweisung der jüdisch« Töchter in diesm Dingen ist ein Stück praktischen Religionsunterrichts, und der ist unter allen Umständen der Veste. Jchrdi. Lieber'; Isbr ln Jerusalem. Bon Therese Tölz in Jerusalem. In dem großen Warenhause von T. zu Münch« ging es heute besonders lebhaft zu. ES war Hauptsaison und das Personal konnte kaum die Masse der Smwm befriedigen. Als nun der Tag zur Neige ging, fiel mancher verstohlene Blick der enmwetm Angestellten auf die Uhr und sah sehnsüchtig der Stunde des Geschäftsschluffes entgegen. Drei Viertelstunden trennten noch von diesem Augmblick. Die Menge der Kauflustigen zeigte bereits eine merkliche Abnahme, wie fie allabendlich ku« vor Schluß fich bemerklich macht. Ermattet hatte fich die Dirtttrice auf ihrm Sttchl niedergelassen, als eben ei» fremder Herr mit stark auSgepräüer Physiognomie auf fie zukam und auf die Frage nach sein« Wünschen ihr einm Zettel mit i dm Worten überreichte: „Ein Freund in Jerusalem beauftragte mich ihm verschied«« Warm zu schick«, die er dort teils gar nicht -.. .....