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Der Israelit · 1907-06-20 · Heft 25 (20.6.1907) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 25 (20.6.1907)
Date
1907-06-20
Page
– (sequence 8)
Language
German
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20. Juni 1907 Sette 8. Blättern mehrmals aufmerksam gemacht wurde, ist vor einigen Wochen in der heiligen Stadt gegründet worden; nämlich: ein *iyi N'2 ein Verein, in dem unsere Lamdonim und die an den verschiedenen hiesigen rYQ'W studieren ll'QIN in ihrenMuße - Stunden Zusammenkommen können, um in jüdisch-wissenschaftlichen und auch in weltlichen Angelegenheiten sich miteinander zu unterhalten und wichtige Fragen in Talmud und D'pDIS zu erörtern. Es wurde ein passendes Lokal gemietet, in welchem eine Büchersammlung, die talmudische und halachische Werke enthält, allmählich eingerichtet werden wird. Ein provisorisches Komitee wurde gewählt, das sich mit der Ausführung dieser neuen Institution zu beschäftigen hat. Wir wünschen dem noch in seinen Anfängen stehenben Werke ein gutes Gedeihen. — Der hiesige Verein mnx hat vorige Woche den Grundstein zum Bau von 25 Häusern gelegt, die zu Wohnungen für die Mitglieder dienen werden. Der Verein besteht aus eingeborenen Jerusalemern, seine Aufgabe ist gegenseitige Unterstützung der Mitglieder. — Dr. N. Weinbaum aus Mandschnrien seit Zielen Jahren Brigade-Arzt zu Nikolsk-Ussurisk ist auf einer Wallfahrtsreise nach dem heiligen Land mit seiner Frau dieser Tage hier angelangt. Zur Erinnerung an ihren Besuch in Jerusalem haben sie eine Stiftung im hiesigen Altenheim Moschab Sekenim errichtet. Bor kurzem traf in Jerusalem Rabbi E l i a h u C Hassan, der Chacham Baschi von Alexandria, . ein,' wie es heißt, um eine Beilegung der anläßlich der Chacham-Baschiwahl ausgebrochenen Parteistreitigkeiten zu bewirken. Hoffentlich gelingt es den Bemühungen des hervorragenden und allseitig verehrten Mannes der heiligen Stadt endlich den Frieden wiederzugeben. vermischtes. Dettelbach (Unterfrankeu), 18. Juni. Am vergangenen n""l fand in dem dreiviertel Stunden von hier entfernten Bioergau eine eigenartige Feier statt. Die dorttge jüdische Gemeinde ist seit Jahren in starkem Rückgang begriffen und hat sich jetzt aufgelöst. Bon einst mehr als 40 Haushaltungen sind nur noch zwei verblieben. So wurde die Gemeinde Bibergau der zu Dettelbach einverleibt. Am rn"y fand man sich nun zu einem feierlichen Abschiedsgottesdienste in der altehrwürdigen Synagoge zusammen. Nach den üblichen Gebeten hielt Herr Lehrer Mannheimer von hier eine Ansprache, in der er die Bedeutung der denkwürgen Stunde hervorhob. Ein Jahrhunderte altes Gemeindeleben fand seinen Abschluß. Bilder einer hehren Vergangenheit zogen am geistigen Auge der Anwesenden vorüber, die jetzt zum letztenmale die im altjüdischen Stil gehaltene Synagoge zum Orte ihrer Gebetsversammlung machten. Als man die heilige Lade zum letzten Male zu den niDW öffnete und das vvV ertönte, da fühlte jeder den ergreifenden Ernst dieser Abschiedsfeier. Und in Friedensakkorden klang sie aus: das älteste noch ortsansässige Mitglied verrichtete zum Schluß ein Kaddischgebet: man verließ >en geweihten Ort mit der der schönen Bitte /oi mW'- — Kein Auge blieb tränenleer. In seiner Ansprache betonte Lehrer Mannheimer, daß die Gemeinde Dettelbach nicht ein „froher @r&e" sei. Sie härte gewünscht, daß die Schwestergemeinde noch lange freundnachbarlich neben ihr blühte. Sie sei sich tvohl bewußt, ein heiliges Gut zu überkommen und damit auch heilige Pflichten. Mit tiefer Wehmut entnahm man dann der heiligen Lade die sieben Tborarollen und brachte sie hierher. Der denkwürdige Akt wird jedem der Teilnehmer unvergeßlich bleiben. Schirmelk (Elsaß), 4. Juni. Frevlerhände haben sich wiedereinmal an den Denkmälern des israelitischen Friedhofes wie vor 2 Jahren vergriffen. Für den Nachweis der Täter ist eine Belohnung ron 200 Mark ansgesetzt worden. Netv-Vork, 7. Juni. New-Iork besitzt in dem jungen Juden Joseph Lazarus einen Helden, der innerhalb der letzten beiden Jahre nicht weniger als neun Personen aus dem East-River gerettet hat. Seine letzte Heldentat vollbrachte er vor wenigen Tagen, indem er ein jüdisches Mädchen aus der Strömung heraus holte. verelnsmere«. Hamburg, 16. Juni. Das Israelitische M ä dchen - Waisenhaus „Paulinen st ist" feierte gestern sein fünfzigjähriges Jubiläum. Zum Festakt der in den Räumen des Instituts stattfand, hatten viele Freunde und Gönner der Anstalt und ehemalige fltnge eingeftmben. Der Borstand der' Deutscheaeltttschen Gemeinde war durch den Gemeindepräses Levin Lion und Herrn M. Beith vertreten. Nach- Der Israelit. dem auch die Kinder in ihren Feiertagskleidern sich versammelt hatten, wurde die Feier mit einem stimmungsvollen Gesang eingeleitet. Ein Kind sprach hierauf einen Prolog. Sodann hielt der Vorsitzende des Instituts, Herr Otto May, eine Ansprache. Er gedachte zuerst der eigentlichen Gründer, der Herren I. I. Jaffe und Daniel I. Jaffe. Die Herren erivarben im Jahre 1856 ein taus in der Zweiten Marktstraße und schenkten es zur ründung eines Waisenhauses. Zum Andenken an die verstorbene Gattin des Stifters I. I. Jafft, Pauline geb. Goldschmidt, wurde das Waisenhaus „Paulinenstift" genannt. Am 14. Juni 1857 wurde das Jnstttut eröffnet und hat in den 60 Jahren seines Bestehens segensvoll geivirkt. Der Redner sprach dann in warmen Worten zuerst den Behörden unserer Stadt für ihr Wohlwollen den Dank der Verwaltung aus, auch die Freunde und Gönner mögen ihr Interesse der Anstalt weiter bezeugen und die Berivaltung wirksam unterstützen. Er dankte den Waiseneltern, Herrn und Frau Tannenwald, und richtete zum Schluß an die Zöglinge die Mahnung, auch im späteren Leben der Lehren der Anstalt eingedenk zu sein und sich als nützliche Mitglieder der Gesellschaft zu bewähren. Hierauf überreichte der Bor- . sitzende den Waiseneltern einen Portugaleser und den Kindern zur Erinnerung an den Festtag eine Schmucknadel mit enksprechender Inschrift. Mit Gesangs- und Deklamationsvorträgen der Kinder schloß die Feier. Aus Anlaß der Jubiläumsfeier ging dem Vorstand der Anstalt folgendes Schreiben des Waisenhauskollegiums zu: „Zu der Feier, die das Paulinenstift morgen begehen wird, spricht auch das Waisenhauskollegium seine herzlichsten Glückwünsche aus. Seit mehreren Jahren hat die Behörde aus eigener Erfahrung sich davon überzeugen können, daß die Anstalt die ihr anvertraüten Kinder zu tüchtigen Menschen erzieht und ausbildet, und es ist ihr aufrichtiger Wunsch, daß das Israelitische Mädchen- Waisenhaus noch lange Jahre hindurch seine segensreiche Tätigkeit fortsetzen möge. Das Waisenhauskollegium, gez. Dr. Schäfer." Bon den Verwandten der Stifter wohnten noch Herr und Frau Ludwig Jaffe und Frau Marianne Lipschütz, geb. Jaffe der Feier bei. 4)iese Dame gehört bereits seit 60 Jahren der Verwaltung als Ehrendame an, auch Herr Gemeindevorsteher Jos. Schönfeld ist seit 50 Jahren in der Gemeinde tätig. Berlin, 12. Juni. Am 15. Mai ds. Js. fand im Lokal des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens zu Berlin die vierte ordentliche Generalversammlung des Verbandes für Statistik der Juden statt. Aus dem vom Vorsitzenden des Verbandes Dr. Alfred Nofsig erstatteten Berichte über die Tätigkeit des Kuratoriums, des Vorstandes und des Bureaus für Statistik der Juden entnehmen wir folgende Daten. Das Büreau stellte im Berichtsjahre eine Reihe statistischer Arbeiten her: Im Aufträge der Großloge des U. O. B. B. für Deutschland wurde eine im Wesentlichen auf Originalerhebungen beruhende Untersuchung über „Die sozialen Verhältnisse der Juden im Großherzogtume Hessen" vollendet. Die von .Dr. Arthur Ruppin, dem Leiter des Bureaus, verfaßte Arbeit wird voraussichtlich noch im Laufe des Jahres 1907 im Druck ersche nen. Mit Unterstützung der „Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums" wurde eine vom M tgliede des Bureaus Dr. Jakob Thon verfaßte Schrift „Die jüdischen Gemeinden und Vereine in Deutschland" mit einem Beitrag von Paul Drey in München veröffentlicht. „Die Entwicklung der jüdischen Bevölkerung in Oesterreich" wird sich ein drittes Werk betitteln, dessen Druck bereits begonnen und das ebenfalls Dr. Thon zum Verfasser hat. Demnächst erscheinen auch „Die sozialen Verhältnisse der Juden in Rumänien" und „Tabellarische Uebersichten über die Verhältnisse in Deutschland". Neben diesen Publikationen ließ das Bureau wie im Vorjahre die „Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden" erscheinen, die eine Reihe neuer Mitarbeiter auftveist und im „Statistischen Archiv" tvertvolle Materialien für eine künftige Gesamtstatistik der Juden aufstapelt. Das Kuratorium dessen Vorsitzende Sanitätsrat Dr. Maretzki und Geheimer Sanitätsrat Dr. Blumenthal waren, setzte einen Arbeitsausschuß ein, dem neben dem ersten Vorsitzenden der Schatzmeister Herr Benno Braun und Dr. Noffig angehörten. Auf Grund der neuen Satzungen des Kuratoriums, die den subventionierenden Körperschaften die Entsendung eines Vertreters anheimstellen, traten zwei hervorragende jütische Organisationen dem Verbände mit namhaften Subventionen bei: die deutsche Konferenzgemeinschast der A. I. U., die im Kuratorium durch Geh. Kommerzienrat M. L. Goldberger, und der Hilft - verein der deutschen Juden, der durch Herrn Oskar Berlin vertreten wird. Der Vorstand des Verbandes teilte sich in eine wiffenschaftliche Kommission (Vorsitzender Dr. I. Rotholz) und eine P.opagandakommission (Vorsitzender Herr Richard Cassel). Die wiffenschaftliche Kommission beriet das Arbeitsprogramm für das Bureau und bemühte sich um Gewinnung und Heranbildung neuer Mitarbeiter. Zu den bereits bestehenden Vereinen ist jüngst eine „Bereenigung voor Statisttk en Demographie der Joden in Neoerland" hinzugetreten, die sich dem gemeinsamen Verband für Stattstik der Juden an- §eschloffen har. Die finanziellen Grundlagen des Berandes haben sich bedeutend gebeffert. Im Vorjahre subventionierten ihn nur nachstehende Gemeinden und Organisationen: Der Zentralverein Deutscher Staatsbürger j. Gl., die Großloge des U. O. B. B., der Deutsch-Israelitische Gemeinoebunb und die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums,- die Gemeinden Berlin, Breslau, Frankfurt a. M., Hamburg, Köln, Mainz, Posen, Stettin, Wiesbaden. Im Lauft des &t. 35 Berichtsjahres traten hinzu: Die Deutsche Konferenz- Gemeinschaft der A. I. U., der Hilfsverein der Deutschen Juden, die Baronin Cohn-Oppenheim-Sliftung, die Gemeinde Adaß-Jisroel in Berlin, die Shnagogen-Gemeinden Danzig, Kassel, Hannover, Beuthen, Elberfeld, Kattowitz, Straßburg, Gleiwitz, Hohensalza, Erfurt, Königsberg, Hildesheim, Konstanz, Dresden, Tilsit, Tborn. Von auswärtigen Gemeinden: Wien, Prag, Lemberg, Warschau. Im ganzen subventionierten den Verband 31 Gemeinden und 8 Organisationen mit Beiträgen bis 1000 Mark. Dank der regen Beteiligung der jüdischen Körperschaften ist das Bureau gegenwärttg in der Lage, ein umfassenderes Arbeitsprogramm durchzuführen und insbesondere das Material zu einer Weltstatistik der Juden systematisch zu bearbeiten. Es wird dies teils in Form der bisherigen Veröffentlichungen, teils in der von kürzeren tabellarischen Zusammenstellungen erfolgen. Aus dem Berichte des Schatzmeisters Herrn Benno Braun geht hervor, daß der Etat im Jahre 1906—7 9381,23 Mark betrug, im Jahre 1905—06 9685,75 Mark. Personalien. Halberftadt, 12. Juni. Klausrabbiner Salomon Cohn ySfl, Rabb» Schlaume, sc> nannten ihn seine Freunde und Schüler am liebsten, ist Plötzlich np^i von hinnen gerufen worden. Der schöne große Mann mit dem wallenden weißen Bart, mit den blauen lieben Augen hat Klause und Lehrhaus verlassen und eine Familie und eine Gemeinde in Trauer versetzt. In seinem Lernzimmer, in dem jetzt seine Allernächsten um ihn klagen, stehen die Bücherschränke, einer davon noch halb geöffnet, als warte er des Meisters, der jeden Augenblick doch kommen müsse, um weiter zu lernen, wie er es im selben Raume ein Vierteljahrhunoert lang getan, des Nachts allein und zu Tages- und Abendstunden mit jungen und alten Schülern. Sie waren seine Freunde, diese Schüler, und er, der Größten einer in jüdischer Wissenschaft, mit seinem immer ftischen Interesse für alles Weltgeschehen, er war ihr Freund, ihr inniger geliebter, intimer, verschwiegener Freund, voll Verständnis für ihre geistigen Anliegen, voll Herz für ihr persönliches Ergehen, voll Liebe für ihre Häuser, Eitern, Kinder. Ein glücklich Lächeln in den Augen empfing er siewarm, schätzend, liebkosend schloffen um ihre Hand sich seine beiden lieben großen Hände,' dann legte er wohl den Arm um den Nacken der Knaben und der Männer, geleitete sie an ihren Platz zum Lerntisch, plauderte mit ihnen einige Minuten Sichas chulin — sein pb)n nmiP/ es lehrte, wärmte, spornte und beruhigte — und begann den Schiur, den iijn^ des rp-|m des prniD von □iD’ian oma» '“1/ Verfassers des berühmten Werkes IDIT Seinen Lippen war die □mDb zueigen und von seinem Munde heischte man wirklich mir)/ denn #)- rmotfl Und war der Schiur beendet und hatte er mit den Fingern über die eben geschloffene zärtlich gestrichen, dann war auch der Abschied für einen Tag vom Schüler ein Ereignis für ihn. Einer seiner Lieblingsschüler erinnerte an der Bahre daran: -jrmD 'bv rtttfp sagte V'ü) '"I leise und bewegt den Fortgehenden, wenn die Zeit voll Licht und Tauroh in seinem Zimmer abgelaufen war, und wiederum legten die beiden teuren Hände sich mit sanftem Druck um die Schülerhand. "|DTHD DtPp schrie es herauf aus dem Innern des Redners am p-]# des Meisters, und -pTHB nfrp weinten wir anderen es erschüttert ihm nach. Gestern trugen sie ihn hinaus zunr dauerden Frieden, den 77jährigen Greis, dem bis zur Todesstunde irf? D3 OT nnriD »b, wie unser Di es in seinem Nachruf hervoryob. Durch den Mund des ältesten Enkels nahm seine Familie Abschied vom geliebten Oberhaupte, durch den Herrn Rabbiner Nobel, seinen ehrwürdigen Gefährten, die Klaus von ihrem Fürsten. Im did hat unser Lehrer uns ein Andenken an sein köstlich Mühen und eine kleine Auslese seiner geistigen Errungenschaften hinterlassen. Doch sein Lebenswerk hat er auf hunderte von Schülern verteilt: QHjW toi pS pn PHD levo. Möchten sie es weiter tragen und künden, auf daß des herrlichen Lehrers „Lippen im Grabe weiter sprächen." Sprechsaal. Ein wort?ur flenflerung 9er Satzungen 9er IsraelitKdien Reliaionsgefellfdiaff in Sranhfurf a. M. Jüngst erhielt ich mit großem Interesse Kenntllis davon daß die Synagogen-Gemeinde „Israelitische Religionsgefellschaft" in Frankfurt im Begriffe steht, neue Statuten zu entwerfen. Eine solche Arbeit darf ein weiter reichendes Interesse beanspruchen. Das Frankfurter StaMt hat für die gesamte deutsche Judenheit, besonders natürlich bei den Gleichgesinnten. eine große Bedeutung gehabt. ES ist ganz oder teilweise in die Statuten der andern AuSttittsgemeinden mrd vieler Vereine übergegangen. Das neue Statut wird voraussichtlich ebenfalls auch eine historische Bedeutsamkeit erlangen. Schon die Tatsache allein ist erfteulich und zeugt für die Lebensfähigkeit der ersten und noch immer hervorragendsten

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