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Der Israelit · 1907-06-20 · Heft 25 (20.6.1907) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 25 (20.6.1907)
Date
1907-06-20
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Sette 6 Nr. 25. WWWWWWWWWWWW Der JSraeltt. 20. Juni 1907. gläubiger Katholik, er ist ein Jesuit und auf ihn treffen all die Bestimmungen zu, die Hoensbroech vorgelesen. Treffen sie also zu — wo ist da Ueberzeugung, wo ist Gewissenszwang, wo ist naturwissenschaftliche Wahrheit, wo sind Sophismen? . . . ." Zunächst hier wiederum eine Richtigstellung. Noch vor Beginn der Diskussion wurde die Rednerliste geschlossen. Zweimal wurde von Prof. Waldeyer erklärt: Die Rednerliste ist geschlossen. Der Berichterstatter kann das nicht überhört haben. Wie sollte also unter „all den vielen, die im Saale das gleiche Gewand trugen, sich einer herauswagen, seinen Gegnern ein Paroli zu bieten?" Vorher aber hatte kaum einer von den Gleichgesinnten Veranlassung sich rum Wort zu melden. Es war also in der Natur der Sache gegeben, daß, sobald die Rednerliste zu Anfang geschlossen wurde, nur Gegner zu Worte kommen konnten. Aber noch mehr! Wir erfahren von einem ganz eigentümlichen Vorgehen der Wasmanngegner, das auf sie und chre vermeintliche Unparteilichkeit ein eigentümliches Licht wirft. Wasmann berichtet darüber in der Zeitschrift „Die Umschau" (XI. Jahrgang No. 15). Demnach wurden die bereits festgesetzten Diskuffionsbedingungen noch am Vormittag des Diskuffionstaaes in einer Sitzung der Opponenten, welcher Pros. Plate präsidierte (Prof. Waldeyer war verhindert), ohne Wasmanns Wissen und ohne Befragung des vorbereitenden Komitees willkürlich ab geändert. Während Wasmann nach den früheren Bedingungen zweimal das Wort ergreifen sollte, sollte er jetzt nur einmal am Schlutz der ganzen Diskussion das Wort erhalten, und die Diskussion, die ursprünglich aus zwei Stunden festgesetzt war, wurde durch die Normierung der Redezeit auf drei Stunden ausgedehnt. Wasmann wurde am Abend mikgeteilt, daß die ^Majorität" das beschlossen habe. Daß das nicht die Majorität des vorbereitenden Komitees, sondern die der Opponenten gewesen, erfuhr er erst am folgenden Tage, Da er erst nach drei Stunden, als die Aufnahmefähigkeit der Zuhörerschaft völlig erschöpft war, zu Wort kam, konnte er unmöglich auf alles eingehen. Die Diskussion selbst können wir leider nicht zum Gegenstand einer eingehenden Besprechung machen. Der gekürzte, wenn auch objektive Bericht in der Voss. Ztg. nimmt allein drei Spalten ein. Wollten wir noch Kritik an den Ausführungen jedes einzelnen Diskussionsredners üben, so würde das in einer ganzen Reihe von Artikeln kaum zu erledigen jein. So müssen wir den Leser, der philosophisch geschult 'ist, bitten, den Bericht (Voss. Ztg. No. 84) selbst aufmerksam durchzulesen. Diejenigen aber, die sich mit den philosophischen Grundfragen nicht eingehend beschäftigt haben, müssen es uns schon glauben, daß in der ganzen Diskussion auch nicht das allergeringste vorgebracht worden ist, was gegen die Hauptgedanken der Wasmann'schen Vorträge entscheidend ins Gewicht fiele. Ja es wurde von den Geguern nicht einmal der Versuch gemacht, dem Problem ernstlich auf den Grund zu gehen und die großen Gesichtspunkte hervorzuheben, um die es sich bei dem Gegensatz zwischen Glauben und Wissen, zwischen naturalistischer und religiöser Weltansichi handelt. Nur noch eine Probe aus der Rede Prof. Plate's, der als Hauptredner des Abends eine halbe Stunde Redezeit erhielt. Auf die Ausführungen des Grafen Hoensbroech kommen wir in einem anderen Zusammenhänge zurück. Ueber den letzten Teil der Rede Prof. Plate's lautet der Bericht in der Voss. Ztg.: ..Es ist schön, daß Wasmann sich zum Prinzip der Selektion, der Zuchtwahl bekennt. Aber er macht sich nicht frei von der Annahme der den Geschöpfen innenwohnenden, der immanenten Zweckmäßigkeit, Zielstrebigkeit genannt, die das Geschöpf dazu führt, unter den jeweiligen Berhä!Mtffen sich schon richtig zu verhalten und so für seine Fortentwicklung zu sorgen. Das wäre, als wenn ein Ingenieur Maschinen bauen wollte, indem er die einzelnen Teile auf gut Glück zusammensetzt, darauf vertrauend, daß von einigen hundert Exemplaren schon einige gut werden. Es ist gar nicht richtig, daß die Organismen auf eigenartige Bedingungen stets in zweckmäßiger Weise reagieren. Es gibt unendlich viele Unzweckmäßigkeiten in der Naiur, die nicht mit dem Begriff der Zielstrebigkeit zu vereinen sind. Bei der Gegenüberstellung von Theismus und Monismus war Wasmann nicht inkonsequent, aber die Gegensätze sind viel schärfer, als er sie zeichnete. Der Monist sagt nichts über die Beschaffenheit Gottes, er hält sich ausschließlich an dem Naturgesetze. Hinter Gesetzen stehr ein Gesetzgeber, aber die Naturwissenschaft kann nichts über ihn aussagen. Da fängt der Glaube an, mit es jeder halten kann, wie er will. Die Naturgesetze sind ewig und undurchbrechbar, es gibt keine Wunder, die eine Durchbrechung der Naturgesetze bedeuten. Es gibt keinen willkürlichen und launenhaften Eingriff in das Weltgetriebe. Der Theist aber sagt, die Naturgesetze hat der Schöpfer gemacht, also kann er sie auch jederzeit ändern. Kommt aber eine Aenderung der Na urgesrtze vor? Kann man sie irgendwie und irgendwo beobachten? Wasmann hat am Schluß seiner Borträge das Gleichnis gebracht von dem Fels der Kirche, dem die Wogen der wechselnden Erkenntnis nichts anhaben können. Das ist aber nicht richtig. Die Kopernikuswoge hat ein kolossales Loch in den Fels der Kirche gestoßen, sie hat die Autorität der Bibel erheblich erschüttert, sie hat gezeigt, daß die i bel einen Srrtum enthält, ein Irrtum aber kann nichr göttlich sein. in zweites Loch hat die Woge der Reformation in den Fels Petri gestoßen und ein neues Loch die Enwicklungslehre durch die Zertrümmerung des Wunders, die Zertrümmerung des Glaubens am Dogma. Darum geht aber das Christentum selbst nicht zu Grunde, es wird dadurch nur geläutert. Diese Läuterung ist eine der schönsten Aufgaben der Naturwissenschaften, vielleicht ist sie es, die später einmal zur Vereinigung der beiden christlichen Religionen führen kann. Wasmann ist eine Doppelnatur. Wo es sich nur um Naturforschung handelt, ist er nur Wissenschaftler, sobald aber Probleme auftauchen, deren Lösung die Kirche schon in einem unbewiesenen Glaubenssatz gefunden zu haben vermeint, erklärt Wasmann die Naturerscheinungen durch einen übersinnlichen Eingriff. Der Grund ist seine freiwillige oder unfreiwillige Abhängigkeit von der Kirche, es fehlt ihm die Freiheit der Forschung. Wasmann tst kein wahrer Naturforscher, kein echter Gelehrter. Der Jubel, der diesen Worten folgte, läßt sich kaum schildern, das Händeklatschen dauert mehrere Minuten." Man braucht diese Ausführungen nur sorgfältig zu lesen, Ausführungen, die wohlgemerkt nicht aus dem Stegreif gehalten, sondern wohlvorbereitet waren und von dem von den Gegnern bestellten Hauptredner vertreten wurden, man braucht, sage ich, diese Ausführungen nur zu lesen, um den philosophischen und den religiösen Bildungsbestand und die Klarheit des Denkens richtig einzuschätzen, die Waßmanns Gegnern am Diskussionsabend zum „Siege" verholfen haben. *) (Schluß folgt.) LT***. »orrespondenzen und 'Wachrichten. Deutsches fjtetdj. Frankfurt a. M., 3. Juni. Wir veröffentlichen hier das Gutachten, das HerrKirchenrat Rabb. Dr. Iraner in Stuttgart über den Gebetbuchsentwurf des badischen Oberrats abgegeben hat. Dasselbe lautet: Das vorliegende Gebetbuch enthält nicht nur ästhetisch bedenkliche Veränderungen des überlieferten Textes von Gebeten, Liedern und Benediktionen, sondern, sachlich wie formell, Inhalt und Bedeutung wesentlich verändernde Kürzungen, Auslassungen und Einschaltungen. Die Zulässigkeit solcher Umgestaltungen ist auf grund der bis jetzt giltigen Vorschriften nicht zu rechtfertigen. Die grundsätzlichen Ausscheidungen von Stellen» welche der Thora, wie den Propheten enwommen sind, beweisen, daß die hierdurch bekundeten Auffassungen mit den l) Damit will ich den Herrn nicht zu nahe treten, die wie Friedenthal, Ploetz und Schmidt rein sachlich einzelne Punkte richtig stellen, oder wie Wilhelm Bölsche in unzureichender aber sympathischer Form ihr eigenes Glaubensbekenntnis ablegten. Lehren der Thora wie der Propheten nicht zu vereinbaren sind. Die Hinweise aus hervorragende Gelehrte sind nicht geeignet, diese Unvereinbarkeit zu begründen, da weder Abraham ibn Daud, noch Maimonides, noch der Midrasch das lehren, was die Veränderungen dieses Gebetbuches rechtfertigt; im Gegenteil, nach den Lehren dieser Gelehrten sind solche unzulässig. — Die Religionsanschauung, welche durch dieses Gebetbuch in Gemeinde und Hausgottesdienst wie in der Schule gelehrt und als gottgefällige Bekimdung der Wahrheit heilig gehalten werden soll, ist ein Abfall von den Worten der schriftlichen und mündlichen Lehre. Dazu kommt aber noch, daß in dem Gebetbuch die verwirrendsten Gegensätze gelehrt werden. Bald wird eine Opferstelle als Lehre gebracht, bald verworfen; bald das Erscheinen eines persönlichen Messias besungen, bald verleugnet; bald werden der Verlust Jerusalems, des Tempels und alles mit ihm Verbundenen beklagt, bald verschwiegen; bald die Engel als vorhanden angenommen, ihr Gotteslob besungen, ihr Wesen erhoben, bald werden sie verleugnet; die Hoffnung auf ein Weiterleben nach dem Tode bald mit den eine Wiedererstehung besagenden Worten bezeichnet, bald als nur seelisches Weiterleben gekennzeichnet. Solche Widersprüche machen das Buch als Schulbuch selbst für die ungeeignet, welche grundsätzlich die von Thora, den Propheten und dem Talmud abweichende Religionsanschauung für die richtige halten. Das Gebetbuch ist für diejenigen» welche in den Worten der Thora wie der Propheten eine göttliche Offenbarung sehen, unbrauchbar, aber ebenso für die» welche diesen Standpunkt nicht haben. Es ist tveder eine entschiedene Leugnung, noch eine entschiedene Festhaltung von Grundsätzen und Lehren, sondern eine verwirrende Mischung entgegengesetzter Anschauungen, ,, Berlin, 10. Juni. Das Berliner Rabbinerseminar veröffentlicht seinen Jahresbericht fiir 1905—1906. Die Anstalt beschließt mit dem Berichtsjahr eine drei und dreißigjährige Wirksamkeit, ein Septennium nach dem Hinscheiden ihres Begründers und ersten Rektors, Rabb. Israel Hildesheimer . Sie war im vergangenen Jahr von 44 Hörern besucht. Davon ist dreien die Rabbinatsautorisation erteilt worden. Zu Rabbinern, bezw. zum Predigt- und Lehramt wurden 10 berufen. Der Bericht des Kuratoriums verzeichnet eine Erhöhung des Gesamtvermögens um 7617,71 Mark, dagegen schließt die Jahresrechnung mit einem Fehlbetrag von 3433,09 Mark. Aus dem Nachlaß der sel. Frau Henriette Ehrlich, geb. Eichel, ist dem Seminar ein ansehnliches Legat zugefallen. — Dem Bericht geht eine Abhandlung von Prof. Dr. I. Barth: „Sprachwissenschaftliche Untersuchungen zum Semitischen".voraus. Berlin, 17. Juni. Vom Hilfsverein der deutschen Juden erhalten wir nachstehende Mitteilungen: Für die notleidenden Wohlfahrtseinrichtungen in Grodno in Rußland hat der Verein eine Hilfsaktion der großen Organisationen in die Wege zu leiten gesucht und den Anteil, den Deutschland nach dem vorgeschlagenen Verteilungswodus zu leisten hätte, im Verein mit dem Frankfurter Hilfs-Komitee für die notleidenden osteuropäischen Juden bereits nach Grodno überwiesen. Für die in Deutschland untergebrachten russischen Pogrom- Waisen — 58 an der Zahl — hat der Hilfsverein der deutschen Juden in Cooperation mit der Großloge für Deutschland seinerseits eine jährliche Spareinlage von je 20 Mk. bewilligt, die für diejenigen Kinder, deren Zukunft nicht durch Adoption oder in sonstiger Weise gesichert erscheint, bis zu ihrer Selbständigkeit aufgesammelt und zur gegebenen Zeit ausgehändigt werden soll. Die Berichte über die in Deutschland untergebrachten Waisen melden nach wie vor das Beste bezügl. der geistigen und körperlichen Entwickelung der Kinder. Für den israelit. Unterstützungs-Verein für Obdachlose in Hamburg, dem speziell erhebliche Aufwendungen für Überwachung der koscheren Verpflegung der überseeischen Auswanderer erwachsen, wurden 2000 Mk., für das jüdische Krankenhaus in Memel, das zahlreiche kranke russische Glaubensgenossen verpflegt, 300 Mk. bewilligt. Berlin, 10. Juni. Aus dem Deutschen Bureau der Alliance Jsraäite Universelle erhalten wir folgende Mitteilung: Am 6. Juni haben die vereinigten Senate des Kassatiönshoses in Bukarest aus einem Einzelanlaß durch Urteil „— ■ ..> .. < v.

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