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Der Israelit · 1907-06-20 · Heft 25 (20.6.1907) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 25 (20.6.1907)
Date
1907-06-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
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machte Autoritäten hWUmitck» Gründe, die g»g«r das Schächten sprächen, auch gar nicht Var. Dr.Kohn in dieser BeAehnWdarauf aufmerksam, infolge ^kaiserlicher Bestimmung mit Rückauf die Soldaten mohamedanischer Konfession die in Wien garnisonierenden bosnischen tegimenter Fleisch von geschlichteten Tieren zur Be^üguna gestellt wird. Der Berwaltungs- Enchtshof stützte sein die Beschwerde der Stadt Wien abweisendes Urteil ebenfalls auf das Staatsgrundgesetz von 1867. Da nämlich, so führt das Urteil aus, die Vorschrift des Schächtens zu der Zeit, als die israelitische Religion in Oesterreich staatlich anerkannt wurde, bereits bestand, so ist die Institution durch das Staatsgrundgesetz vor allen Anfechtungen gesichert. Die Bedeutsamkeit die Gewissens- und Glaubensfreiheit der Juden verletzt werden würde. * * * Die Auflösung 9er Reidisduma. Was schon längst vorausgesehen werden konnte, die Auflösung der russischen Reichsduma, das ist nun Wirklichkeit geworden. Der Grund, den die Regierung für diese Maßnahme angibt, daß nämlich das Parlament sie nicht in den Stand gesetzt habe, durch Verhaftung konspierierender Revolutionäre die öffentliche Ordnung zu sichern — dieser Grund ist nur ein Borwand. Das wahre Motiv liegt in dem Wunsche, die Autokratie in ihrer alten Form wiederherzustellen. Der Verband der russischen Leute, der sich die Mitwirkung hierzu zur ersten Aufgabe gemacht und dies auch jetzt wieder in einem Glückwunschtelegramm an den Zaren unverblümt ausgesprochen hat, wurde denn auch in besten Antwort aufs huldvollste ausgezeichnet. Man kann sich vorstellen, Wieden Hooligans nach diesem allerhöchsten Freundschaftsbeweis der Kamm geschwollen ist. Daß sie kein Mittel unversucht lassen werden, um neue Judenhetzen ins Werk m setzen, ist selbstverständlich. Und daß sie nach der überaus weitgehenden Begünstigung durch den Zaren bei der Beamtenchaft auf tatkräftige Unterstützung rechnen dürfen, st nicht minder klar. Es ist eine traurige Perpektive, die der russische Kaiser durch die Kundgebung an den Verband der russischen Leute seinen Mischen Untertanen in eben der Stunde eröffnete, da die Friedenskonferenz im Haag ihre Beratungen begann. Wie nach der Auflösung der ersten Duma, so ist auch jetzt — und man merkt daran, wohin der Weg geht — durch Staatsaetn Verschlechterung des Wahlrechtes herhrt worden. Die Juden werden nun noch größere Mühe haben, einige Vertreter durchzubringen. Biel schlimmer aber ist, daß auch die Kadetten von dem neuen Wahlrecht eine bedeutende Schwächung zu erwarten haben. So wird die Zahl derer, auf die für die Juden ein Verlaß ist, im neuen Palament wiErum geringer werden. Ein gefährliches Spiel ftellich ist's, das die russische Regierrng jetzt begonnen hat. Denn die Waffe, die den Feind treffen sollte, kann sich schließlich auch gegen das herrschende Regime selbst zu vernichtender Wirkung kehren. öErede Sviwa-s.Sv«-bMr. Erster Satz:*) Die Sranhei-Rpofheofe. Von Dr. Raphael Breuer in Frankfurt a. M. Die Verhandlungen des heiligen badischen Synods vom 18. März d. J.^ wie sie in No. 3 des Verordnungsblattes desGroßherzoglichen Oberrats der Israeliten wiedergegeben sind, belehren uns darüber, welch grimmige Entrüstung auf Seiten des Oberrats jeder freien Meinungsäußerung harrt, die im Urteil über Sachen und Persönlichkeiten nicht lange fragt, was man wohl auf der Gegenseite dazu sagen wird, sondern als einzige Norm ihrer Geltung nur die Wahrhaftigkeit einer religiösen Neberzeugung kennt. Es tut mir leid, den geschätzten Leserkreis dieser Zeitschrift wieder einmal mit meiner Artikelserie „Von Mendelssohn bis Herzl" befassen zu müssen, aber in dem erwähnten Verordnungsblatt werden zwei Abschnitte dieser Serie, die Artikel „Frankel" und „Rießer" mit solch zornigem Affekt in den Grund gebohrt, daß es der Mühe wert erscheint, mit ein Paar Worten den betreffenden Herren beizubringen, daß der große Aerger, in den sie sich hineingeredet haben, gewiß recht ehrlich gemeint sein mag, daß jedoch, was objektive Mchtigmt der Ansichten betrifft, die Wahrheit wieder einmal auf unserer Seite liegt. An einem Montag war's, nachmittags 3 Uhr. Anwesend sind der landesherrliche Kommissär, Mitglieder des Oberrats, sowie die vollzählige Synode. Aus der auf der Tagesordnung stehenden Interpellation der Herren Abgeordneten Bielefeld, Kahn und Zimmern greifen wir den für uns in Betracht kommenden Passus heraus, welcher also lautet: „Ist dem großherzoglichen Oberrat bekannt, daß in jenem Blatte (der Israelit ist gemeint) unter der verantwortlichen Redaktion desselben *) Nach der allgemeinen Beleuchtung der Vorgänge auf der letzten badischen Synode, wie wir fie in unserem Artikel „Präludium" vorgenommen haben, geben wir jetzt zunächst unserem aesch. Mitarbeiter das Wort zur Erörterung derjenigen Teilendes Sltzungsprotololls» die seine Artikelserie „Von Mendelssohn bis Herzl" betreffen. D. Red. Rabbiners (Herr Dr. Löwenstein ist gemeint) ein Artikel eHchienen ist, weicher den Eierten Lehrer einer großen Zahl badischer und außerbadischer Rabbiner, Zacharias Frankel, die von ihm begründete israelitisch-theologische Lehranstalt in Breslau und alle aus dieser hervorgegangenen Rabbiner in gröbster Weise verunglimpft?" Auf die Frage des Präsidenten, ob einer der Herren die Interpellation begründen will, erhebt sich zunächst der Abgeordnete Dr. Rawicz und nimmt in einer verärgerten Rede seinen Lehrer- Frankel iw Schutz. „Sie merken es mir vielleicht an, meint Rawicz, — nachdem er eine Stelle aus meinem Artikel citiert hat, wo Frankels Leugnung der sinaitischen Descendenz der mündlichen Lehre in ihrer Folgenschwere für die Zukunft gekenntzeichnet wird — „Sie merken es mir vielleicht an, daß ich entrüstet bin; Sie merken mir meine Erregtheit an darüber, daß man.. es wagt, einen Mann wie Frankel' in dieser Weise zu erniedrigen, öas, meine Herren, muß jeden empören, in dem noch ein Gefühl für Wahrheit und Sittlichkeit vorhanden ist. (Bravo!) Die Schüler Frankels werden nie aufhören usw. War er uns doch immer ein Muster usw. Er schwebt seinen Schülern noch heute vor usw. Und ein Mann von solcher Herzenswärme, von solcher Tiefe der Ueberzsugung, ein Mann, der auch als durchaus konservativ bezeichnet werden muß — der wird in dieser Weise in ettieiu orthodoxen Blatt behandelt. Ich schäme mich geradezu, daß dieses unter uns Vorkommen kann. Wie anders hat sich Frankel dem hervorragendsten Vertreter der orthodoxen Richtung in Deutschland, Samson Raphael Hirsch gegenüber verhalten. Dieser war ein unduldsamer Rabbinerer hat unserm Lehrer Frankel Borwürfe gemacht, die so ungerechtfertigt waren und den Mann so tief gekränkt haben —und Frankel schwieg! Und sehen Sie, meine Herren: Samson Raphael Hirsch, der so unduldsam war, erwirb ob seiner glühenden Liebe zum Judentum, seiner reichen Phantasie und seiner geistsvrühenden Darstellungsweise auch von uns, die wir einer anderen Richtung angehören, anerkannt und in Ehren gehalten. Man zeige mir, daß auch nur ein beschimpfendes Wort von unserer Seite gegen Samson Raphael Hirsch ausgesprochen worden ist!. Der „Israelit" aber sagt von dem Breslauer Seminar, der „hervorragendsten Schöpfung" Frankels, daß sich aus ihr „eine große, fürchterliche Verheerung über die jüdischen Gemeinden des westlichen Europas breitete." Und Frankel und alle seine Schüler werden mit folgendem Satze charakterisiert : „Er ist der erste hervorragende Typus u. s. w. Und ein solches Blatt, das unsere Ehre so verunglimpft usw." euilleton. ftalicd Bon Dr. Mesch in Kanitz (Mähren). ES war Mitternacht, als Perez in MtSkolz anlangte, und als er das SaffeehauS erreichte, in welchem er auf Anraten deS Rabbi Chajim Halberstamm aus Neusandez, kurzweg der Sanser genannt, den neuen Tag erwarten sollte, mochte es bereits auf ein Uhr gehen. An den Tischen saßm nur noch wmtge Personen und auch diese achteten nicht auf dm späten Gast, der dm Kragen der verschliffenen Schubitze in-die Höhe geschlagen hatte und fich im vervorgmsten Winkel deS großen Lokales nieberließ. In Gedanken versunken hatte er vor stch hingebrütet und an das unverständliche Benehmen gedacht, welches der Rabbi chm gegenüber bekundete, als ein verschlafener Kellner, der deS Nachzüglers gewahr worden war, erschim und nach seinem Begehr ftagte. „Bringe mir iinen Tee? Wmtge Minuten später schlürfte Perez mit Behagen das heiße Gebräu. Seine LeoenSgeister ei wachten wieder, er zog eine Zigarette aus dem umfangreichen Pakete voll Zigarren und Zigarettm, das ihm der Rabbi als „Zedoh lmierech" mit dm Wottm überreicht: „Du darfst diese erst im Kaffeehause in MtSkolz zu rauchen beginnen." Er sog dm duftenden Rauch gierig ein. ES war aber auch eine vorzügliche Zigaretteeine so gute Marke, dachte Perez, habe er doch noch nie geraucht. Plötzlich wurde die Türe beSCaftS aufgeriffm und mehrere Offiziere, die in sehr animierter Sttmmung zu sei» schtmm, betraten dm Raum. Die schlaftrunkenen Kellner eilten aus allen Winkeln herbei, halfen den Gästen aus den Mänteln und nahmen ihnen auch die avgeschnalltm Degen ab. „Kellner, bringen Sie Tee, Cognac, Zigarren und Zigarettm," sprach -er jüngste unter den £ fftzteren. „Zu dienen," antwortete der Kellner, „das Gewünschte wird gleich serviert werden, doch mit Zigarrm oder Zigaretten können wir heute leider nicht mehr aufwartm. In den Abendstunden hatten wir außerordentlich großen Zuspruch, so daß der ganze Borrat konsumiert wurdezu so später Stunde aber ist keine Tabaktrafik geöffnet und es ist unmöglich neuen Vorrat hervetzu- // Das ist aber fatal," sprach der junge Leutnant zu den anderen Herren, „nach dem opulenten Abendeffen beim Generaltffimus, der als enragierter Nichtraucher niemals Zigarren reichen läßt, wäre etwas Rauchbares doch ein unbezahlbarer Genuß." Inzwischen hatten fich die Herren um einen großen Tisch gruppiertder Kellner brachte die verlangten Getränke, allein die Unterhaltung gelangte immer mehr tnS Stocken. Es fehlte dm Herren etwas, sodaß rechte Stimmung nicht auflommen konnte. Perez saß in seinem Winkel und rauchte eine Ztarette um die andere: die aufgeregten Nerven wolltm nicht beruhigen. ES war auch kein Keiner Kummer, der ihn bedrückte. Seit drei Jahren verheiratet und Vater von zwei Kindern, soll er morgen vor der Afsentierunaskommtsfion erscheinen, und wenn kein Wunder geschieht, wirb er Baalmttchomoh und muß für drei Jahre Weib und Kinder ohne Ernährer lassen. Mt einem Herzen voll Weh hatte er fich vor acht und den weiten Weg von;, um amm, Rat zu holen. Der Rabbi hatte ihm zur Zeit gesagt - Tagen auf die Reise gemacht und den wetten Weg seiner Heimat nach Neu-Sandez zu Fuß zurückgelegt, fich bei seinem großm Lehrer, Rabbi Chajim Halberstw den schmaunoh osor lachupoh?er hatte ihm, nachdem er lamedstel befolgt, befohlen, im Dorfe Nvr die Melamedstelle zu übernehmen, und nun sollte er Baalmtlchymoh werden. Müde und kummerbeladen war er in Sandez angelangt und lenkte seine Schritte in baS Haus des Rabbi, wiewohl er wußte, daß zu so später Abendstunde in der Regel Audienzen nicht mehr erteilt würden. Vielleicht, dachte er, läßt man ihn doch vor. „Was'bringt Ihr?" fragte ihn der Schames, der es dem ihm bekannten Perez anmerkte, daß außerordentlicher Kummer ihn schwer bedrücke. «Ich habe eine Bakoschoh," antworte'e Perez und seufzte dabet so tief, daß auch der Schames gerührt wurde und ihn in bas Lernzimmer oeS Raovt führte. Weltverloren saß Rabbi Chajim dm in seine Folianten vettieft, und bemerkte gar nicht die Anwesenheit seines Schülers Perez. Perez setzte fich auf einen Stuhl, der in der Nähe der Türe stano und verhielt fich ruhig, um dm Rabbi in seinem Tborastudium nicht zu stören. Die Nacht schritt immer weiter vor und noch immer saß der schwache, hinfällige Mann bei seinen Büchern. Ja, dachte Perez, dieser Mann ist doch bewundernswert. Am Tage ist er so viel beschäfttat, von Btttstellern so bedrängt, baß er kaum Zeit findet, sein frugales Mahl zu fich zu nehmen, und in der Nacht raubt er seinen Augen den Schlaf, um Thora zu lernen und die zahlreichen religionsgesetzlichen Entscheidungen zu treffm, um die er angegangen wirb. Der Morgen begann berettS zu grauen, als fich Rabbi Chajim von seinm Büchern erhob. Freudig erregt begrüßte er seinen Schüler, erkundigte fich nach seinem und seiner Famllie Befinden und ftagte ihn auch, was ihn zur weiten Reise veranlaßt habe. Perez berichtete über seine Famllie, verschwieg aber auch seinen schweren Kummer nicht, nämlich daß er über-

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