Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 24 (13.6.1907)
- Date
- 1907-06-13
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Sette 10. Rr. 24. Der JSraeltt. _ , le Vorstand einen gewtffen Dr. H. aus D. zum Rabbiner berufen hat, der in seiner Eigenschaft als Zeuge am Sabbath behufs Empfangnahme der Zeugengebüyr von 1,90 Mk. geschrieben habe, und verlangte, der Verein möge gegen diese Anstellung Verwahrung einlegen. Der Vorsitzende, Herr Dr. B a n e t h, hält es für ausgeschlossen, daß selbst ein Reformrabbiner sich soweit veraeflen könnte und meinte, es sei aus Versehen geschehen. Weder bei der Versammlung noch bei dem Antragsteller schien diese Berte digung recht verfangen zu wollen; letzterer entgegnete: am Ende könne nächstens ein moderner Rabbiner als Entschuldigung für sich geltend machen, er habe vergesien, daß er Ju> e sei und . . . dann allerdings seien die Konsequenzen kam mehr auszudenken. en gehobener Stimmung wurde gegen Mitternacht die ersammlung geschlossen. Berlin, 2 Juni. Ueber die Judenverfolgungen in Rumänien sprachen die Herren Landtagsabgeordneter Justizrat Cassel und Dr. Paul Nathan in einer sehr gut von Frauen und Männern beuchten Versammlung des Bezirkskomites S.-W., S., S.-O. des Hilfsvereins der Deutyhen Juden, die am 27. Mai unter Vorsitz des Herrn tadtverordneten Jmberg in Berlin stattfand. Herr Dr. Nathan, der während der Unruhen nach Rumänien gereist war, um mit den dortigen Ministern und führenden politischen Persönlichkeiten zu verhandeln, und ferner um die notwendigen Schritte zur Organisation des Hilfswerks für die Opfer der rumänischen Excesse einzuleiten, schilderte eingehend die Ursachen, die zu den Bauernunruhen ge führt haben. Rumänien, das von chauvinistischen Rumänen das Belgien des Ostens genannt werde, sei in Wirklichkeit ein kleines Rußland unmittelbar an der russischen Grenze. Die Juden sind durchaus nicht die einzigen Opfer des Regierungsshstems und der Parteiherrschaft in Rumänien. In gleichem Maße, wie die Juden, seien die Bauern die Leidtragenden, die von einer kleinen Anzahl Großgrundbesitzer schonungslos ausgebeutet werden und sich viefach in einer geradezu entsetzlichen Lage befinden. Ganze Familien sterben z. B. an der elenden Ernährung mit Polenta. Tie beiden herrschenden Parteien, die konservative und liberale, die sich in ihren Prinzipien wenig unterscheiden, repräsentieren kleine Koterien, die auf Kosten der Gesamtbeit des Volkes rücksichtslos und selbstsüchtig ihre Interessen, die Interessen einer kleinen Kaste, vertreten. Sie wechseln in der Regierung ab, da sie zu zahlreich sind, um zu gleicher Zeit an der Staatskrippe zu fitzen, und sie bekämpfen sich auf das erbittertste, um die für die Parteigänger sehr realen Vorteile der Regierung zu genießen. Beide Parteien find in gleichem Maße antisemitisch, mit dem Unterschiede, daß die jeweilige Opposition die Judenftage mit Vorliebe als Mittel zum Zweck benutzt, der Gegenpartei, die am Staatsruder sitzt, und der daran gelegen ist, daß Ruhe im Lande herrscht, durch Erregung von Unruhen im Innern Schwierigkeiten zu bereiten und ihre Stellung dem Auslande gegenüber zu kompromittieren. Auch der Beginn der jüngsten Bauernunruhen ist auf parteitaktische Manöver zurückzuführen. Man inscenierte durch Aufteizung der Bauern Judenhetzen, aber die parteipolitischen seents provocateurs behielten die Bauern diesesmal nicht in der Hand. Die Verelendesten unterdrückten Bauern, die sich zuerst programmgemäß gegen die Juden in der Moldau gewandt haben, wandten sich, zum Bewußtsein ihrer Lage und der Ursachen derselben gekommen, gegen die Großgrundbesitzer. Die AufstandSbewegung griff in der gefährlichsten Weise nach der Walachei über, die Regierung sah sich unvermutet vor einer Agrarrevolte ernstesten Charakters. In dem Augenblick, wo die Bewegung aus einer Emeute gegen die Juden zu einer Emeute gegen die Großgrundbesitzer wurde, schritt die Regierung, die sich bisher passiv verhalten hatte, auf das schärffte unter Entfaltung von Militärgewalr ein. Hunderte, vielleicht Tausende von Bauern wurden niedergeschossen, ganze Dörfer wurden niederkartätscht. Die konservative Regierung war klugerweise rechtzeitig abgetreten und überließ den liberalen Nachfolgern das Odium der barbarischen Repressionspolitik. Redner ging dann des näheren auf das Hilfswerk für die Opfer der rumänischen Exzesse ein. Herr Landtagsabgeordneter Justizrat Cassel wies in einer eindrucksvollen Ansprache darauf hin, daß mitzuhelfen an der Abwehr des tausendfachen Unrechts, daß die unglücklichen, E' en und verfolgten Juden des Ostens zu ertragen , eine Pflicht der Humanität sei. Er appellierte an awesenden, auch in weiteren Kreisen für die humanitären Zwecke des Hilfsvereins der deutschen Juden zu wirken. Auf eine Anregung aus der Versammlung wurde auch sogleich ein besonderes Damenkomite für den Hilfsverein der deutschen Juden gebildet. Stuttgart, §. Juni. Am 26. Mai fand in Stuttgart die Generalversammlung des Vereins „Wilhelmspfleg e" (Jsr. Waisenanstalt) statt. Der bisherige Borstand Oberkirchenvorsteher M. H. Goldschmidt legte in Folge Alters sein Amt nieder. An dessen Stelle wurde Herr Lanügertchtsrat Stern gewählt. An Stelle des ebensalls austretenden Kassiers Herrn B. Edenfeld wurde Herr Louis H. Wormser gewählt. Herr Fritz M. Kahn und Louis Hirsch wurden wieder, Herr Heinr. Löwenthal neu gewäht. Ferner wurde eine Aenderung der Statuten dahin beschlossen, daß der Ausschuß von 6 Mitglieder, die außerhalb Stuttgarts wohnen müssen, verstärkt wird. Die Anstalt wirkte in hergebracht guter Weise weiter, die Zahl der Zöglinge betrug 3H, darunter drei Waisenkinder aus den Progrom-Gegenden Rußlands. Aus dem Kassenbericht ist hervorzuheben: Zinsen aus Kapitalien betrugen 17,063 Mk, Spenden 7412 Mk., die laufenden Berwaltungs- und Haushaltungsausgaben 23,164 Mk. Personalien. ErmetzHofen (Bayern), 4. Juni. Am 27. Mai starb in Dittlofsroda Herr Josef Hofmann im Alter von nahezu 90 Jahren. Bon tiefer Frömmigkeit beseelt, hat der Verblichene noch bis in seine letzten Tage die religiösen Pflichten mit jugendlicher Rüstigkeit erfüllt. Auf seinen Stock gestützt, erschien er regelmäßig trotz seiner großen Schwäche, im Sommer wie im Winter, zum gemeinsamen Gebet. Bis vor 6 Jahren hat er als ypin b$2 fungiert. Seine Wohltätigkeit war von seltener Art. So rvird er als ein echter im Andenken seiner Mitmenschen geehrt werden Pr.-Stargaro, 7. Juni. Herr Rabbiner Dr. Rosenthal feierte genern sein 25jähriges Amtsjubiläum. Wir sprechen zu diesem Jubelfest unserem geschätzten Mitarbeiter die besten Glückwünsche aus. ” Sprechsaal. wie und wo sollen mir lernen? Geehrter Herr Redakteur! Als ich vor einigen Jahren zum ersten Mal nach Frankfurt kam, suchte ich in der Zentrale des orthodoxen jüdischen Lebens Deutschlands nach einem Beth Hamidraich, einem wichen» wie es mir von meiner Heimat, auch einer deutschen Stadt, vorschwcbte. Ein Beth Hamidrasch, in dem man, wann immer, Leute treffen köimte, die „lernen", in dem Jedem, der lernen will, genügend Sesorim und ein gemütliches Plätzchen zum Lernen zur Berfügung stände. Mein Suchen war vergebens. Die beiden Bothei Midrasch, so nützlich und notwendig ste sein mögen, verfügen weder über genügende Sesorim, noch über die geeigneten Räume, um den Anforderungen zu entsprechen, die man an ein Beth Hamidrasch stellen darf. Ob cs nicht gerade daher kommt, daß man in Frankfurt vom „Lernen", im Verhältnis zu der sonst zu Tage tretenden Intensität jüdischen Lebens, so wenig merkt? Es fehlt eben die Zentrale, ein Ort, der bestimmt ist nur zum Lerneit, der durchweht ist vom mim n'i- Eine kleine Episode ans meiner Jugend fällt mir da ein. Zwischen Minchoh und Maariw bismano fand dabcim im Beth Hamidrasch stets für Baalebattim ein Schiur statt. Wir Jungens blieben oft während dieser Zeit im Beth Hamidrasch. Einst gab uns ein Maikäfer Anlaß zu einem lustigen Lachdebut, das selbst die kräftigsten „Pst's und Schab's" der Baalebattim nicht dämmen konnten. Der Schammes wollte uns nun einfach vor die Tür setzen, doch der Dajan, gleichzeitig unser Gomorohlehrer, hinderte ilm mit den Worten: „Den Jungens darf der mim nicht entzogen werden", und wir blieben. Jedesmal wenn ich später das B. H. betrat, spürte ich diesen?mim N'l und gewann auch Geschmack an ihm. Wo ist hier in Frankfurt ein solcher Raum» von ihm durchweht? Weist ihn mir, ich wäre Euch herzlich dankbar, denn seine anfcuernde Wirkung fehlt mir gar sehr! Es ist ein riesiger Unterschieo» ob man, allein oder in Gesellschaft, daheim oder im Beth Hamidrasch lernt. Erst wer beides gekostet, weiß ihn zu erkennen. Um nun aber nicht vorschnell zu urteilen, wohnte ich nach und nach wohl ziemlich allen von den diversen Vereinen eingerichteten Schiurim bei. Gut, zum Teil sehr gut besucht sind sie. Aber die rege Beteiligung fehlt. In fast allen Schiurim saß ein Teil der Hörer geneigten Hauptes mit geschlossenen Augen. Ob wohl in tiefem Nachdenken? — So schwierig waren die vorgettagenen Themata nicht. — Und vor allem, wo bleibt denn die Jugend? Wie gering ist doch die Zahl der hiesigen jungen Leute von 20—25 Jahren» die selbständig oder doch wenigstens fast selbständig ein Blatt Gemoroh lernen können. Ich glaube, daß zum großen Teil an diesem Jndifferentis» inus dem Talmud gegenüber wohl, die Methode schuld ist, in der er vorgetraaen wird. Durch Vorträge und Vortragsschiurim wird wohl nie jemand ein Lamdon werden. Und sich dazu aufzuschwingen, Privatftnnden zu nehmen, das kann man vielen jungen Leuten uicht zumuten. Zunächst müßte also meines Erachtens in den öffentlichen Schiurim der Individualität der Hörer mehr Rechnung getragen werden. Das ist nun aber nicht möglich, wenn z. B. ein Verein für alle seine Mitglieder einen Gemorohschiur einrichtet. Statt dieses einen Schiur, der oft von 30 bis 40 Mitgliedern besucht ist, sollte man 3 Schiurim einrichten. Einen für Anfänger, einen für Fortgeschrittenere, einen für solche, die „lernen" könneit. Wenn einem jungen Mann, der noch Raschi nicht recht lesen kann, ein Marschoh vorgetragen wird, dem er selbst bei größter Aufmerksamkeit nicht zu folgen vermag, so wundert es mich nicht, wenn er keinen Geschmack am Schiur findet, ebenso rvenig ist es erstaunlich, wenn jemand» der „lernen" kann, sich nicht gern eine Viertelstunde die Definition eines Kalwechomer anhört. Die Fähigkeiten der einzelnen Hörer werden diese schon selbst alsdann dem für sie am besten passenden Schiur zuführen. Noch wichtiger aber scheint mir aber eine Aenderung der Vortragsmethode. Statt des bisherigen Vorlernens seitens des Borttagenden sollten meines Erachtens die Mitglieder selbst abwechselnd vorlernen und durch den Leiter des Schiur nur korrigiert werden. Nicht zuviel auf einmal, sodaß möglichst in einem Schiur sämtliche Anwesenden ein Stück vorttagen. Dadurch wird das Jntereffe ganz bedeutend geweckt und die jetzigen Hörer lernen dann auch etwas „lernen." Mir ist ein — nicht hiesiger — Lern-Berein bekannt, der auf diesen Lehrprinzipien aufaebaut, ganz vorzügliche Erfolge erzielt. Bei ca. 60 Mit- _ 13. Juri 1907. gliedern hält dieser Verein z. B. wöchentlich 5 verschiedene Gemorohschiurim ab. Vielleicht auch finden sich die hierzu berufenen Körperschaften der Religions-Gesellschaft durch diese Zeilen veranlaßt, der Frage der Schaffung eines Beth Hamidrafch, das doch so viel wichtiger als das Beth Haknesses ist, bald näher zu treten. Erfreulich wäre es jedenfalls, wenn durch diese Zeilen ein reger Gedankenaustausch entfacht würde, über die Frage: „Wie und wo sollen wir lernen?" X. dusammensdiluß 9er Lemoereine. Geehrter Herr Redakteur! Zu der in voriger Nummer in einer Korrespondenz aus München gegebenen Anregung zum Zusammenschluß der Mekor Chajim-Vereine gestatten Sie gürigft eine kurze Bemerkung. Dem Gedanken an eine solche Zusammenfassung kann jeder Thorafreund nur sympatisch gegemiberstehen. Auch hiervon gilt miDI-Q n^p: minn Ter Zusammenschluß wird kommen, weil er kommen inuß. Ein niZ3f ist es, ihn zu beschleunigen. Indessen wäre es ein gro, er Fehler, nur die Vereine, die nch cnn -flpE nennen, einzubeziehen. S ä m tliche Lernvereine, die auf orrhodoxgesetzestreuem Boden stehen, müssen zum Beitritt veranlaßt werden, und es will uns ratsam scheinen, diese Vereinigung von vorüherein so einznrichten, daß — wenicstens späterhin — auch Einzelmitglieder beitreten können, um mitzuwirken min CYttrt Sabbat-Anfang u. Ausgang. mp ORT: Anfang Datum Ausgang Uhr iMin. 1907 5667 Ubr!Min. Frankfurt a M 7 45 15. Juni 3. Tamus 9 35 Berlin .... — — tt tt 9 34 München . . . 7 15 tt tf 9 08 Stratzburg . 7 30 tt tt 9 25 Posen .... — — tt tt 9 20 Breslau . . — — tt tt 9 06 Nürnberg. . . — — tf tt 9 15 Stuttgart. . . 7 30 tt tt 9 21 Prag. 8 30 tt ... 9 10 lamiliennachkichten. (Unseren Abonnenten steht diese Rubrik kostenlos zur Berfügung. Nichtabonnenten haben für die Aufnahme jeder Notiz eine Gebühr von 1 Mk., die gleichzeitig einzusenden ist, zu entrichten. Die Sendungen müfien immer spätestens am Mittwoch Vormittag vor dem Erscheinen der jeweiligen Nummer in unseren Händen sein.) Verlort: Clara Marxheimer mit Samuel Voeh ll. Langenschwalbach-Gedern. — Hedwig Eisig mit Julius Kahn, Heilbronn. — Mathilde Münz mit Albert Kabn, Frankfurt a. M. — Martha Schames m.t Dr. med. Lion Marx, Frankfurt a. M.-Darmstadt. Vermählt: Max Schmidt mit Ena geb. Japhet, Frankfurt a. M. — Joseph Sänger mit Rebecka geb. Hirsch, Frankfurt a. M. Geburten: Eine Tochter: Oberlehrer Dr. Schüler (Birnbaum), Frankfurt a. M. — Kurt Bär (Strauß), Frankfurt a. M. Barmizwohfeiern: Siegfried, Sohn des Herrn I. Ullmann, Schweinfurt. Versterben: Lea Kahn. geb. Nathan, 90 >>., Frankfurt a. M. — Selda Lew in aus Kiew, 80 I., Wiesbaden. Für de« Reklamenteil ist die Redaktion nicht verantwortlich; insbesondere ist es ausschließlich Sache der Leser, die im Reklameteil enthaltenen Empfehlungen ritueller Ware« oder sonstige Angaben religionsaefeülichen Charakters auf ihre Znverlüsstgkeit z« prüfen. Kaiser Friedrich Quelle 6346) - Offenbach a. M. -— „Gegen Gicht n. Rheumatismus bewährt.“ Schön war’s gestern, das muss ich sagen? Aber erkältet Hab ich mich auch, daß ich kaum sprechen kann. Das zog ja kolossal auf der Burg oben, erhitzt vom Aufstieg waren wir auch — na, und da ist's ja natürlich. — Stimmt, das ist natürlich. Aber eben deshalb sollte man auch immer -hübsch Vorbeugen und Fays ächte Sodener Mineral-Pastillen gebrauchen. Ich Hab Pastillen beim Aufftieg im Mund gehabt, ich habe welche auf dem Turm gelutscht und ebenso beim Abstieg — na, und ich bin gesund und mobil. So kauf dir wenigstens jetzt Fays ächte Sodener, damit du die Erkältung schleunigst wieder los wirst. — Man kaust Fays ächte Sodener Mineral-Pastillen die Schachtel für 85 Pfg. in jeder Apotheke, Drogen¬ oder Mineralwafferhandlung, weife aber jede Nachahmung entschieden zursick. © Der heutige» Gesamtauflage des „Israelit" liegt eine Subfkriptions-Einladung des Herr« Rabbiner T chwarz in Klad«o znm V. Band feiner gesammelten Rede« bei.