Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 24 (13.6.1907)
- Date
- 1907-06-13
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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zum Gaudium der Gegner vergeffen wollten! Ringen wir miteinder, wie Freunde, die ihre Kräfte im Ringkampf messen oder, wie das alte talmudische Weisheitswort lautet: ny dwü onr 22^1 nt1? nr 2'2'itr nr1? nr 2'2nirc Ttryatr * * * Ein offizieller Bericht über Palästina. Der britische Konsul in Palästina veröffentlicht soeben seinen Brricht über den palästinensischen Handel im vergangenen Jahr. Der in den früheren Berichten konstatierte kommerzielle Aufschwung hat danach auch im Jahr 1906 angehalten. Es wird das durch folgende Daten beleuchtet. Der Gesamtwert der In- und Ausfuhr von Jaffa — der Handelsverkehr Palästinas mit dem Ausland konzentriert sich fast gänzlich auf diese Hafenstadt — betrug etwa 1160 000 Pfd., ein Mehr gegen das Vorjahr von 330000 Pfd. oder 40 Prozent. Der Importwert ist 1906 von 464000 Pfd. auf 660000 Pfd., der Exportwert von 370000 Pfd. auf 500000 Pfd. gestiegen. Diese starke Zunahme hat ihre Ursache hauptsächlich in der guten Ernte, die fast im ganzen Lande erzielt worden ist. Die Verstärkung der Einftchr hängt zu einem bedeutenden Teil mit dem Wachstum der Bevölkerung infolge der Emigration aus Rußland zusammen, dann aber auch mit der stetigen Steigerung, des Touristen- und Pilgerverkehrs. Der Import von Baumwollenivaren hat sich im Berichtsjahr an Quantität mehr als verdoppeltferner hat die Einwanderung einen bedeutend ausgedehnteren Bezug von Baumaterialien aus Europa notwendig gemacht. Der Bericht erzählt, daß deutsche, französische und belgische Firmen mit der Deckung dieses Bedarfs ein Geschäft gemacht haben. Auf dem Gebiet des Export hat besonders der Orangenhandel eine ansehnliche Ausdehnung angenommen. Die Bevölkerung von Jerusalem gibt der Bericht mit 70000, die von Jaffa, der ziveitgrößten Stadt des Landes, mit 45000 Seelen an. Wahre und falsche Treibelt. (Zu mp rrano-) Wohl keine Religion ist so durchweht vom Geiste der Freiheit wie das Judentum. Am Anfang unserer Geschichte steht die Befreiung aus Egypten, an die alle unsere religiös-nationalen Gedenktage an knüpfen. Ein dauerndes Sklaventum gibt es in Israel nicht. Wer sich selber verkauft oder wegen eines Diebstahls, den er nicht ersetzen kann, vom Gericht verkauft wird, heit des jungen Menschen und fürchtete, ihn durch irgend eine ihrer Fragen verletzt zu haben. «Habt Ihr noch Hunger oder Durst?" fragte sie teilnehmend. „Nein," erwiderte er. „Ich danke Euch für Eure Speise und Euern Trunk und noch mehr für Eure Besorgnis um mein Wohl." „Wenn man sich so lange wie Ihr schon nach Arbeit suchend draußen herumtreibt," bemerkte die Frau, „werden die Kleider immer schäbiger. Je schlechter aber die Kleider werden, desto schwerer hält es Arbeit und Unterkunft zu finden. Die meisten Menschen beurteilen leider diejenigen, die ihnen im Leben begegnen, nach ihren Kleidern. Ich werbe Euch einen Rock von meinem Mann geben, er schafft sich so wie so einen neuen an. Eure Hose ist noch gut. Euer Hut ist auch zu schäbig, da gebe ich Euch hier fünf Guldenkauft Euch einen neuen und waS übrig bleibt, benützt als Zehrpfennig." Und diese Frau war er gekommen nteberzustechen und ihr Gelb zu rauben? Das brachte er nicht übers Herz. Denn bas Herz, so verdorben es war, von Hause aus war es gut und die Herzensgüte dieser Greisin hatte die im eigenen Herzm schlummernde Güte geweckt und sie in hellen Flammen auflodern laffen. „Ich bank Euch, edle Frau, Eure Menschenliebe und Herzensgüte hat mir einen großen Dienst erwiesen. Berg und Tal kommen nicht zusammen, aber, wohl die Menschen. Vielleicht führt unS das Leben noch einmal zusammen. Für diesen Fall nenne ich Euch meinen Namen. Ich heiße Ulrich Reistnger. Bewahrt mir ein gutes Andenken und verzeiht, wenn ich Euch so roh und ungeschlacht bei meiner ersten Anrede entgegen gekommen bin. Lebt wohl!" Mit einer Träne im Auge verließ der Raubmörder die Hütte. „Wenn ich diese Träne durch Worte wiedergeben sollte, würbe ich fie übersetzen: WWWMWPMWWWUWMMMMWWW /' ' ■.' ' ' " - wird nach Ablauf von sechs Jahren wieder frei; und wenn er es voiHieht im Dienstverhältnis zu bleiben, so wird er durch die njpJCi, durch die Durchbohrung des Ohres gebrandmarkt, denn DH2y '22 '2 td -in nyotw ftir-r Vixyb fHK n2pi f?m. Derjenige, dessen Ohr am Sinai vernommen: „Mir sollen die Kinder Israels Knechte sein, und der dennoch einen anderen Herrn über sich haben will, soll gekennzeichnet sein." Im Jobeljahre, aber muß er in die Freiheit gehen, der Schofarton des Jobeljahres sprengt alle Fesseln und hebt jedes Abhängigkeitsverhältnis zwischen Menschen und Menschen auf. — Und wo finden wir eine so vollkommene Freiheit des Wortes, wie sie die Erscheinung des Prophetentums uns vor Augen führt? In stammenden Worten geißeln die Propheten die Laster und Gebrechen der Zeit, furchtlos treten sie den Königen und den Vornehmen gegenüber, um ihnen ihre Frevel vor Augen zu führen, mit zündenden Worten verfechten sie das Recht der Armen und Unterdrückten gegenüber den mächtigen Unterdrückern. Und nur äußerst selten wagt es jemand, die geheiligte Persönlichkeit dieser Männer anzutasten. Andererseits aber fordert auch keine Religion eine rückhaltslosere Unterordnung unter die Autorität des Gesetzes wie das Judentum. Bei der Gesetzgebung selbst hören wir das nttry2 yotwi, das als ein Ruhmestitel Israels bezeichnet wird. Das ganze Judentum, soweit es sich lebendig in der Geschichte betätigt hat, beruht auf der Ueberleferung, auf der Autorität der Zeugnisse, die sich seit Jahrtausenden bei allen äußeren Wandlungen erhalten haben. Die imbedingte Anerkennung der Göttlichkeit der Lehre, D'Dttrn p min, ist das Fundament der jüdischen Lehre. Es ist nicht leicht, diese scheinbar unversöhnlichen Gegensätze auszugleichen, und es kann nicht Wunder nehmen, daß dabei häufig Konflikte entstehen. Das erste Beispiel dieser Art ist die Auflehnung Korachs. Der Midrasch sagt: mp n\n Dvnjp’B# „Korach war ein Gottesleugner". Nicht in seinem Ehrgeiz, nicht in seiner Gegnerschaft gegen die bewährten Führer erblicken die Midraschlehrer sein Verbrechen, sondern in dem Widerstand gegen die göttliche Autorität. Und sie erläutern diese Anschauung indem sie hinzufügen: Als Moscheh befohlen hatte, an den Gewändern die Schäufäden mit den blauen n?2n- Faden zu befestigen, da ließ mp seine Anhänger Gewänder anlegen, die ganz aus n?2n bestanden, und er fragte dann: Bedürfen .auch diese Kleider des n*?2n-Friedens? Und als ntPö die Frage bejahte, da sagte mp: Merkwürdig! Ein Faden von n?2n genügt für ein ganzes Kleid, wenn aber Zedoko Lazztt Mimowes. Was meinst Du dazu, Adolf?" Der Neffe und die übrige Tischgesellschaft waren mit aufmerksamem Jnteresie der Erzählung gefolgt. „Dieses Erlebnis," sagte der Reffe, „ist in der Tat ein Üasstscher Beweis dafür, daß Wohlrun vom Tode rettet. Aber eine Frage habe ich selbst nach dieser Erzählung noch an Dich zu richten, wenn Du es erlaubst." „Gewiß, mein lieber Adolf, nur ungeniert darauf los gefragt. So lange ich antworten kann, stehe ich gern zu Diensten" „Du hast doch, lieber Onkel, den Raubmörder selber nie gesehen. Du kennst die Geschichte doch nur von der Bahnwärtersstau. Diese hat aber nach Deiner Darstellung doch selber keine Ahnung von der Todesgefahr gehabt, aus der sie durch ihr Wohltun gerettet wurde. Woher wußten Deine Gewährsleute von diesem Zusammenhang«?" „Die Frage ist berechtigt," erwiderte der Onkel. „Aber sie erledigt sich durch folgenden kleinen Nachtrag von selbst. — Wenige Tage nach dieser Begebenheit wurde Reisinger infolge des erlaffenen Steckbriefes ergriffen und dem Gerichte ausgeliefert. Er teilte den Richtern seinen ganzen Lebenslauf mit und behauptete, daß er bei dem Ueberfall in Retchenhall keinen Menschen gemordet habe, sondern sich begnügte, seine Opfer durch einen blinden Schuß einzuschüchtern. Als Beweis dafür, wie leicht sein gutes Herz den Sieg über Mord- und Raubsucht davon trage, erzählte er den Vorgang im Bahnwärterhäuschen bei Imst mit allen Details, wie wir fie rennen. DaS Gericht ließ an Ort und Stelle sowohl bei dem Bürgermeister in Imst als auch bei Jakob Weber und Frau Erkundigungen über diese Angaben RetstngerS einziehen. Dadurch hatten meine Gewährsleute von dem Zusamm«change Kenntnis erlangt. MWWWWMMWWWV L au. Äi 9tttt S. 9tt 2» das ganze Gewand aus besteht, dann sollte dies nicht genügen? Und wenn ein Haus, so fragte mp weiter, mit Büchern der Lehre angefüllt ist, bedarf es da noch der nntD? Gewiß, antwortete Moscheh. Wie, rief Korach aus, die zwei Abschnitte der Mesuso genügen für das ganze Haus, und diese Mesuso sollte auch dann noch nötig sein, wenn das Haus nichts anderes enthält als Bücher der Lehre?! Nein, ein solches Gesetz kann nicht göttlich sein, Vorschriften, die so wenig mit dem menschlichen Verstände zu begreifen sind, sind Dir nicht votr Gott gegeben worden, Du selber hast sie ersonnen, und Dir schulde ich keinen Gehorsam. — Korach proklamiert den Kampf gegen die Gotteswahrheit. Es war der erste Versuch, an die Gebote der Thora den Maßstab menschlicher Erkenntnis zu legen, die eigenen selbstsüchtigen und ehrgeizigen Absichten mit dem Streben nach Geistesfreiheit zu bemänteln. Und weil hierin die schwerste Gefahr für Israel lag, darum sollte das Ende, das Korach gefunden, ein ewiges Erinnerungszeichen sein '22^ pnnr, sollte es eine stete Wahrung bilden, daß eine scharfe Scheidung besteht zwischen dem Gebiet menschlicher Freiheit und göttlichem Pflichtgebot. Wo es sich um menschliche Verhältnisse handelt, da soll dem Menschen die größte Freiheit gewährt werdenohne Zwang in selbständiger Entwicklung soll der Mensch auf politischem, auf künstlerischem, auf wirtschaftlichem Gebiete sich betätigen. Nur wo das Wort Gottes in Frage kommt, wo es sich sich um religiössittliche Betätigung handelt, da bedarf der Mensch der Führung, mrd darum muß er sich hier der Leitung Lottes anvertrauen. In unserer Zeit, scheint es manchmal, als ob die umgekehrte Ordnung herrsche. Da wird, wo es sich um die von Menschen eingesetzten Autoritäten handelt, die Betätigung des Freiheitssinnes vielfach als eine Gefahr bettachtet. Willkiir aber waltet da, wo die Erkenntnis des Menschen am geringsten istüber die höchsten Fragen des Daseins zu urteilen, über die tiefsten Probleme seine Meinung zu äußern, hält sich jeder für befugt. Und auch im Judentum äußert sich der Freiheitssinn am meisten auf dem Gebiet der Religion. Jeder glaubt sich berechtigt, das Gottesgesetz seiner prüfenden Bettachtung zu unterziehen, die Ergebnisse seines Scharfsinnes an die Stelle der überlieferten Wahrheit zu setzen. — Der Freiheitssinn ist eine hohe Tugend. Aber der Mensch muß die Grenzen seiner Natttr kennen, er muß Selbstzucht zu üben verstehen, sein Streben nach Freiheit darf nicht ausatten in trotzige Auflehnung gegen das Gesetz, er muß vielmehr sich bescheiden unterordnen unter die göttliche Wahrheit. —a. Als die Angaben auf diese Weise der Wahrheit entsprechend befunden worden, hatten sie zur Folge, daß Reisinger nicht zum Tode, sondern nur zu mehrjähriaer Zuchthausstrafe verurteilt wurde. DaS Wohltun der Frau Weberhatte ftyiit nicht nur ihr eigenes Leben gerettet, sondern auch dasjenige des Sträflings, der dadurch vom Mord zurückgehalten wurde. Bist Du jetzt zuftieden?" „Jetzt bin ich's," erwiderte der Neffe. „Soweit außerhalb der exakten Wissenschaften ein bündiger Beweis möglich ist, hast Du ihn dafür erbracht, daß Wohltun vom Tode rettet." „Das ist eine sehr gewunden und verklausuliert ausgedrückte Zufriedenheit," entgegnete der Onkel. ^Heute Abend bin ich aber einmal in der seltenm Stimmung, Deinen Winkelzügen zu folgen und Dich nicht eher loSzulaffen, bis Du ohne alle Vorbehalte zufrieden bist. Also heraus mit Deinem Einwand. Ich bin auf alles gefaßt, selbst darauf, daß Du mir nicht glaubst." „Wie magst Du auch nur so reden, Onkel!" entgegnete der Neffe. „Ich glaube Dir aufs Wort, und gerade der unbedingte Glaube nicht nur an die erzähtte Begebenheit, sondern auch in Deine Form der Gestaltung, die ist es, die mich mit Deiner Erlaubnis zu folgender Frage veranlaßt: Wie Du selber erzählst, war es nicht das Esien und Trinken, die Kleider und der reiche Zehrpfennig, welche die Sinnesänderung des Raubmörders herbeiführten, sondern die Erwähnung seiner Eltern war es, die, allerdings vielleicht vereint mit den erwiesenen Wohltaten, das Eis um das Berbrecherherz schmolzen. Rach dieser Seite hin meine ich, baß mathematisch doch nicht damit der Beweis erbracht ist, daß gerade Wohltun vom Tode rettet." „Das ist eine schlimme Frage," erwiderte nachdenklich der Onkel. „Aber nicht schlimm für die Wlchrhett Zedoko Tazzil Mimowes, sondern schlimm für den Herrn Fragef H -I